Letzten Sonnabend war ich in einem griechischen Restaurant. Es gab griechisches Essen. Glaube ich. Ich habs mir nicht angeguckt. Da hing nämlich ein großer Fernseher rum, auf den ich die ganze Zeit starren musste, obwohl da Olympia lief, was niemand sehen will. Ich zumindest nicht. Und schon gar nicht beim Essen. Das Auge isst mit, heißt es. Für mich gab es Läuferwaden an Frauen mit albernen bunten Bändern und Nasenblutensauce. Spider hat ganz recht, wenn er sich über das öffentliche Sportgucken ärgert. Nicht nur Berlin hat es zerstört, sondern auch Dessau (wo sich nämlich der Grieche befindet und Verwandschaft von mir wohnt, die wahrscheinlich auch mit essen war, wenn ich die Sprachfetzen die seitlich an mein Ohr drangen, richtig interpretiert habe).
Urpsrünglich wurde das Fernsehen ja erfunden, um die Leute ruhigzustellen und von der Straße und den BArs fernzuhalten. Jetzt nehmen sie das Fernsehen einfach mit dahin und der ganze schöne Ansatz verkehrt sich in sein Gegenteil.
Ich will den (echt) griechischen Restaurantbetreibern aber nicht allzu böse sein und ihnen ihre Olypiabegeisterung noch einmal nachsehen. Immerhin haben sie Olympia erfunden, das ist ihr Baby! Allerdings haben sie auch die Demokratie erfunden. Hätten sie nicht eine schöne, öde Bundestagsdebatte zeigen können? Da wäre sicher Zeit für den einen oder anderen Seitenblick auf den Teller oder den Vater oder so geblieben. Oder werden die inzwischen auch wie Musikvideos geschnitten, mit lauer sinnlosen Computergrafikeffekten und Kamerageschwindigkeitswechseln und dussligen Trailern drin? Das Ende der Welt ist nah!
Aber vorher gibts noch LSD am neuen Ort, im „Lokal“, Rosenthaler Ecke Linienstraße. 21.30 Uhr. Mit Livelesung und Livemusik und garantiert ohne Sportübertragung.
(Volker Strübing)
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