Die BZ hat sich des „unfassbar aggressiven Liedes“ von Marc-Uwe Kling über Joseph Ackermann angenommen: „Ist ein Mord-Aufruf Kunst, wenn er gesungen wird?„, nachdem der Stern darüber berichtet und es mit Drohbriefen gegen Ackermann in Zusammenhang gebracht hatte und sich diverse Politiker ebenso vorraussehbar wie routiniert entrüstet hatten:
Der Vize-Fraktionschef Fritz Felgentreu (SPD) sagte: „Es gibt eine Freiheit der Kunst. Aber das geht zu weit. Das ist eine bewusste Grenzverletzung.“
(Quelle: Morgenpost)
Bewusste Grenzverletzungen sind natürlich eine ganz, ganz schlimme Sache, ein Fall für den Bundesgrenzschutz möchte man meinen. Vor 20 Jahren wurde man dafür im Ostteil Deutschlands noch erschossen oder eingesperrt.
Die BZ hat einen „Star-Anwalt“ auf die Sache angesetzt. Der findet das auch ganz schlimm und meint, dass Ackermann Kling auf jeden Fall verklagen könnte und Recht bekäme. Aber:
Dieser Text ist so ein saudummes Gewäsch, dass man vielleicht besser sagt, ich kümmere mich nicht darum. Denn man gibt diesem Idioten dadurch eine Publizität, die er nicht verdient hat.
Da hätte er natürlich auch drüber nachdenken können, bevor er selbst „diesem Idioten“ durch das Interview Publizität verschafft …
Der Anwalt Professsor Peter Raue gehört laut BZ übrigens „international zu den profiliertesten Juristen“ und sollte wissen, dass es sich bei der Bezeichnung „Idiot“ um eine Beleidigung handelt, für die er mit guter Aussicht auf Erfolg angezeigt werden könnte. Wahrscheinlich handelt es sich hier seinerseits um eine „bewusste Grenzverletzung“, schlimm, schlimm, das alles …
Professor Rauhe ist übrigens auch „Kunstkenner“ und als solcher sagt er: „diese Form des Gedichts beherrscht jeder Depp.“ Hat eigentlich jemals irgendjemand, der so etwas behauptet hat, bewiesen, dass das jeder Deppoder wenigstens er selbst kann? Nein, natürlich nicht, da redet man sich damit heraus, dass das unter dem eigenen Niveau wäre. Ich habe zum Beispiel gelegentlich zu hören bekommen, dass das, was wir bei den Lesebühnen machen, doch jeder könne, aber natürlich hat der, der das behauptet hat, nie eine Demonstration folgen lassen. Als ich als Jugendlicher miene ersten Musiken am C-64 geschrieben habe, sagte mein Stiefvater im Verlaufe irgendeines Streites um irgendwas: „Und dein Gepiepe da, das kann ich auch, mach lieber was vernümpftiges!“ (Gedächtniszitat) Dabei hätte er den Computer wahrscheinlich nicht einmal angekriegt – geschweige denn das Musikprogramm laden können …
Ich will gar nicht viel zum Ackermann-Song schreiben. Ehrlich gesagt ist es nicht grad mein Lieblingslied von Marc-Uwe, obwohl einem die gepfiffene Melodie nicht aus dem Kopf geht. Finde es tatsächlich etwas zu krass. „Unfassbar aggressiv“ und verhetzend finde ich aber eher die Berichterstattung der BZ – nicht über Marc-Uwe, sondern generell.
(Volker Strübing)
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