Westerwelle kann sich freuen: Zwar hacken alle auf seinem Vergleich des Wohlfahrtsstaates mit spätrömischer Dekadenz herum, doch gleich danach ist meist von einer wichtigen Diskussion die Rede, die er angestoßen habe. Nun ist es zweifellos richtig, dass man über Hartz-IV etc. diskutieren muss, und es ist vollkommen idiotisch, wenn eine alleinerziehende Verkäuferin in vielen Fällen weniger oder nur wenig mehr Geld hat, als jemand der sein Geld vom Amt bekommt. Aber – vielleicht bin ich blöd und verstehe es nur nicht – der Skandal sind doch nicht die Säcke voll Geld, die die Arbeitslosen jeden Monat nach Hause tragen, sondern dass die Verkäuferin so wenig verdient, oder? Wenn man den Abstand zwischen Sozialleistungen und Löhnen erhöhen will, sollte es dann nicht zumindest das ganz allgemeine Ziel sein, dass jemand, der sich den ganzen Tag abrackert von seinem Lohn auch leben kann? Das Ziel scheint mittlerweile beinahe utopisch, aber vielleicht auch nur, weil es schon so lange aufgegeben wurde. Ganz davon abgesehen: Natürlich kann man den Arbeitsanreiz dadurch erhöhen, dass man die Leistungen auf Wasser und Brot runterkürzt, aber zu was soll das führen außer zu immer größer werdender Armut? Die Kassen in den Kaufhallen sind besetzt, Friseure gibt es auch genug, wo sollen die Millionen Arbeitssuchenden etwas dazuverdienen? Ich sehe nur eine Möglichkeit: Weiter runter mit den Löhnen, bis es sich Kaiser’s und ALDI leisten können jede Kasse den ganzen Tag offen zu halten (was für den Kunden sicher sehr angenehm wäre), aber damit würde sich natürlich wieder das Gefälle zwischen Hartz-IV und Gehalt verringern, weshalb man die Regelsätze erneut überprüfen müsste … aber klar, in den USA funktioniert es ja auch und eigentlich hat ja auch der Manchester-Kapitalismus ganz gut funktioniert und warum sollte man überhaupt an den alten Ideen festhalten, dass allen ein menschenwürdiges Leben und eine Teilhabe an der Gesellschaft möglich sein soll, das ist doch sowas von 20. Jahrhundert!
(VS)
PS: War schön, mal wieder was von Mixa zu hören, er hat sich doch arg rar gemacht. Und dann auch noch zur Karnevalszeit, dieser Jeck!
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