Wo Douglas Adams irrte

Es wird Zeit für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Werk des Meisters. Nicht in künstlerischer Hinsicht – Sätze zu kritisieren wie „Die Raumschiffe hingen so am Himmel, wie Ziegelsteine es nicht tun“ oder „Wenn es etwas noch deprimierenderes gab als die Sandwiches, dann waren es die Würste: Freudlose Röhren voller Knorpel in einem Meer aus etwas heißem und fettigem“ (* siehe Fußnote 1), das wäre so, als würde man Sonnenaufgänge, die Mona Lisa oder den a-Moll-Akkord benörgeln.

In technischer und wissenschaftlicher Hinsicht ist der „Anhalter“ jedoch fehlerhaft. Eine Sache fiel mir gestern Abend nach dem Kantinenlesen auf, als Uli Hannemann, Dan Richter, Robert Rescue und ich vor dem Schusterjungen saßen und Schnitzel aßen. Ich erzählte Robert gerade von einem Ausflug an den Flughafensee, den ich am Donnerstag unternommen hatte, als wir von einem betrunkenen Engländer mit einer jungen deutschen Frau im Arm unterbrochen wurden. Er tippte Uli an und erzählte ihm, dass seine Freundin keinen Schlüpfer trage. Er beglückwünschte uns und die deutschen Männer allgemein zu unseren verrückten schlüpferlosen Frauen, lallte noch ein bisschen „no knickers, no knickers“ vor sich hin und zog endlich mit der unbeschlüpferten Frau von dannen. Alle waren etwas verwirrt, ich besonders: Der Typ und das Mädchen hatten am Donnerstag am Flughafensee 2 Meter neben mir auf einer Decke gelegen (das Mädchen wie immer ohne Schlüpfer … allerdings trug sie ein Bikinihöschen).

Ich ärgerte mich, dass der für diese Synchronizität nötige Zufall mich nicht in Form eines Lottogewinns (ein Vierer hätte ja schon gereicht) heimgesucht hatte, und dabei fiel mir ein Problem am Unendlichen Unwahrscheinlichkeitsdrive (UWD) auf (*2) :
Wenn man genau weiß, wie unwahrscheinlich ein Ereignis ist, braucht man den UWD nur mit diesem Wert füttern und das Ereignis geschieht. Wenn ich weiß, wie unwahrscheinlich es ist, dass die Zahlen, die ich auf dem Lottoschein habe, genau den am nächsten Sonnabend gezogenen entsprechen, gebe ich also diesen Wert ein (1:13.983.816 bei 6 aus 49), die Maschine erzeugt das nötige Unwahrscheinlichkeitsfeld und am nächsten Sonnabend … werden vielleicht all meine Zahlen plus 1 gezogen, weil auch dafür eine Wahrscheinlichkeit von 1:13.983.816 gilt, oder mir tritt beim LIDL um die Ecke ausgerechnet ein trauriger Mann namens Marvin auf den Fuß, dessen Mutter vor exakt 42 Tagen in einem Preisauschreiben einen 1,2-Liter-Wasserkocher gewonnen hat.(*3)

Schrödingers Katze würde mit dem Ziel, das Gedankenexperiment heil zu überstehen, den Wert 1:2 eingeben – und sich damit mit 50%iger Wahrscheinlichkeit umbringen.

Der UWD bräuchte also noch ein Zusatzmodul, das auswählt, welches der unendlich vielen Ereignisse, die die selbe Wahrscheinlichkeit haben, eintreten soll. (*4) (*5)
Was passiert aber, wenn zwei mit einem solchen Zusatzmodul ausgestattete UWDs Dinge auslösen, die sich gegenseitig ausschließen?

Und dann ist da natürlich noch die Sache mit der Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Lautet sie wirklich „42„? Oder doch „36“, wie Adams selbst in einem späteren Interview gesagt haben soll? Oder vielleicht „gelb“ oder „Nein“ oder „Tut mir leid, dieser Platz ist besetzt“? Besteht die Antwort vielleicht aus einer Gegenfrage, zum Beispiel: „Alter, hast Du gerade Arschloch zu mir gesagt?“

Ich werde mich diesem Problem heute Abend noch mal widmen und versuchen, ihm durch intensives Nachdenken und Biertrinken beizukommen.

PS: Dieser Beitrag wurde nicht mit dem primären Ziel geschrieben, über die Suchanfrage „ohne Schlüpfer“ zusätzlichen Traffic für mein Weblog zu generieren. Trotzdem heiße ich natürlich alle willkommen, die über diese Suchanfrage hierher gefunden haben. Ich hoffe, ihr seid nicht enttäuscht.

  • *1) Gedächtniszitat – Ich finde den vierten Band gerade nicht.
  • *2) Das Problem betrifft natürlich auch Generatoren endlicher Wahrscheinlichkeiten
  • *3) Habs nur kurz im Kopf überschlagen, aber auch hierfür scheint der genannte Wert zu gelten. Falls ich mich verrechnet habe – schreibt mir bitte einen Kommentar!
  • *4) Nein! Alle gleichzeitig können nicht eintreten, höchstens in unendlich vielen Paralleuniversen. Es gibt pro Universum und Sonnabend nur eine gültige Zahlenkombination für das deutsche 6 aus 49 Lotto.
  • *5) Bitte entschuldigen Sie die vielen Fußnoten.

Kommentare

12 Kommentare zu „Wo Douglas Adams irrte“

  1. Avatar von Anika Lindtner

    uiuiui…habe gerade den großen Fehler begange, zu versuchen, das hier gedanklich mitzuverfolgen und logisch zu verstehen, auch wenn ich das Buch leider bisher nur von außen kenne.

    Das hat unweigerlich zu einer hitze- und müdigkeitsbedingten Überlastung meines Denkvermögens mit anschließender Arbeitsverweigerung geführt.

    Und alles, was ich jetzt noch vom Artikel weiß, ist irgendwas mit …hrghrlbr…unendlich vielen Schlüpfern…brzzzkl… die die Ursache eines Katzenselbstmordes waren…oder so ähnlich;-)

    …ich glaub, ich verschiebe das Verstehen dieses Postings auf die kommenden Regentage…^^

  2. Avatar von Volker Strübing

    >>> irgendwas mit … unendlich vielen Schlüpfern … die die Ursache eines Katzenselbstmordes waren <<<

    Angesichts des Wetters kommt das der Sache schon erstaunlich nahe. Ob ich möglicherweise auch nur camemberthirnbedingten Quark geschrieben habe, entscheide ich im November.

  3. Avatar von N°

    Hab´s probiert und bin per UWD auf 13.983.816 verschiedene Paralleluniversen verteilt aufgewacht, da ja für jede der 13.983.816 verschiedenen Kombinationen von 6aus49 die Wahrscheinlichkeit von 1:13.983.816 gilt. Bin, da die Wahrscheinlichkeit, in 13.983.816 Paralleluniversen gleichzeitig aufzuwachen wesentlich geringer ist als 1:13.983.816, vom UWD gleich wieder zurückgeschickt worden. Kein weiters Bier gekauft und konsterniert die Lotto-Annahmestelle verlassen.

  4. […] Asche auf mein Haupt: ich bin ein kranker, ja perverser Mensch, daß ich hier allen Ernstes über Interferenzexperimente mit untoten Katzen sinniere, und der geneigte Leser wird sich sicher schon fragen, wie ich mich da hinaus zu winden gedenke. Nun, wie bereits angedeutet, kommt mir an dieser Stelle das Phänomen der Dekohärenz zu Hülfe. Kurz gesagt beschreibt Kohärenz die Fähigkeit von Wellenzügen, miteinander in Interferenz zu treten, dementsprechend bezeichnet der Begriff Dekohärenz den Verlust von Interferenzfähigkeit eines quantenmechanischen Systems. Nun wird es, naja, tricky: die Katze ist ein makroskopisches System und verhält sich gemäß unserer Erfahrung rein klassisch (obwohl mir jeder Katzenkenner an dieser Stelle wohl widersprechen würde…) Ferner steht die Katze in vielfältiger Weise in Wechselwirkung mit ihrer Umgebung, schon allein durch die Existenz der sie umgebenden Atmoshäre. Eben diese Wechselwirkungen sind es, die den Verlust von Interferenzfähigkeit bewirken. Aber was genau passiert da ? Nun, ich hatte bereits angedeutet, daß die Schrödingerkatze sich, so merkwürdig uns ihr Schicksal auch anmutet, in einem quantenmechanisch wohldefinierten “reinen Zustand” befindet, der eben auch Interferenzfähigkeit des Katzensystems beinhaltet. Diese quantemechanische Wohldefiniertheit des Katzenzustandes wird jedoch durch die unkontrollierbaren Wechselwirkungen mit der Umgebung zunichte gemacht, am Ende (und in der Tat nach sehr kurzer Zeit) finden wir die Katze in einem sogenannten gemischten Zustand vor, der mathematisch adäquat nur noch durch die Einführung einer sogenannten reduzierten Dichtematrix (nach Mittelung über alle möglichen Umgebungszustände) zu beschreiben ist, welche salopp gesagt ein statistisches Gemisch von Wellenfunktionen beschreibt. Kurz gesagt, und für den Alltagsweltler verständlicher: die Dekohärenz zerstört die Interferenzfähigkeit, und unabhängig von irgendeinem Akt der Beobachtung bewirkt sie, daß die Katze zu jedem Zeitpunkt entweder tot oder lebendig ist und nicht irgendwie irgendwas quantenmechanisch-komisches dazwischen. Ferner beträgt die Wahrscheinlichkeit, daß eine beliebig aus einem Ensemble von Schrödingerkatzen herausgegriffene Katze tot ist, 50%, wie es auch bereits rein klassisch und dem Alltagsverstand nach zu erwarten war. Man beachte folgende Verwirrung: ohne Dekohärenz war der Zustand der Katze ein quantenmechanisch eindeutiger, wenn auch unserem Alltagsverstand höchst abträglicher, unter Berücksichtigung der Dekohärenz ist es nur mehr möglich, von einem quantenmechanischen Gemisch zu sprechen, die Wellenfunktion der Katze ist nicht mehr wohldefiniert, jedoch ist dieser Sachverhalt der für uns weitaus beruhigendere, da Katze entweder tot oder lebendig und nichts dazwischen. An dieser Stelle und zum Abschluß dieses kleinen Features über Schrödingers Katze eine Frage an die philosophisch Begabteren unter Euch: was zum Teufel ist denn nun unter einem Zustand eines Systems zu verstehen ? Also ich finde das zumindest genauso verwirrend wie die Frage nach dem Schicksal der guten alten Schrödingerkatze… Oder was würde Douglas Adams dazu sagen ? Wäre es nicht spannend, ein Interferenzexperiment mit untoten Schrödingerkatzengedankenexperimentkatzen einmal an Bord eines mit dem unendlichen Unwahrscheinlichkeitsdrive betriebenen Raumfahrzeuges durchzuführen ? Wer mehr dazu wissen will, sei auf diesen aufschlußreichen Beitrag verwiesen… […]

  5. […] P.S. Interessant übrigens, wie klein die Blogosphäre doch ist. Für mein letztes Posting suchte ich bei technorati.com verzweifelt nach einem thematisch passenden Blog, um einen  Trackback zu senden (damit endlich mal jemand den Scheiß hier liest) und finde tatsächlich diesen auch auf dem Schnipselfriedhof, dem Weblog von Volker Struebing. Und was finde ich jetzt bei näheren Recherchen dort auch ? Richtig, einen Beitrag über die Brauseboys, was mir wiederum ermöglicht, einen weiteren Trackback dorthin zu senden […]

  6. Avatar von Volker Strübing

    Die Welt ist ein Dorf. Vielleicht sollten sich die Menschheit auf dem Marktplatz treffen, statt vor den Computern rumzuhocken.
    Obwohl. Nee, lieber nicht.

  7. Avatar von Volker Strübing

    Ich bin ja doof. Das ist ja nur so’n komischer Pingback. Müsste den Kommentar ja unter den Artikel bei japwp setzen. Die Welt ist ein Dorf und die Gemeindevorschriften sind kompliziert.

    Ping back my bonny to me, to me
    ping back, ping back, oh …

  8. Wahrscheinlichkeiten

    Volkerstruebing hat uber lotto wahrscheinlichkeiten geschrieben.

  9. […] Douglas Adams irrte (Nachtrag) Gestern mit Tube geredet. Er hat mein Douglas-Adams-Posting gesehen(wobei eine ordentliche Portion Unwahrscheinlichkeit im Spiel war, denn Tube liest […]

  10. Avatar von Volker
    Volker

    Ich hab durch eine Suche auf Google nach Douglas Adams diesen Blog gefunden.
    Ich gebe dir recht, D.A. hat die Unwahrscheinlichkeit nicht genau genug definiert.
    Anscheinend hat der UUWD (unendliche Unwahrscheinlichkeitsdrive) auch noch eine Funktion, die jeder an einem aktuellen Computer immer noch schmerzlich vermisst: Das Erraten genau der Absicht des Benutzers, was er denn will (nicht nur das zu tun, was man ihm gesagt hat).

    Obwohl, auf der anderen Seite ist es doch wieder was Anderes, da ja auch das Aufsammeln von Arthur und Ford nur eine Möglichkeit von vielen war, was bei einer Unwahrscheinlichkeit von 1:2^267709 (D.A., „Per Anhalter durch die Galaxis“, Kapitel 8) passieren kann…
    Die ganze Sache wird doch noch komplizierter, also sucht sich der UUWD manchmal das heraus, was bei der eingestellten Unwahrscheinlichkeit passiert UND was ich gerade will, dabei passieren aber auch andere Dinge, die die gleiche Unwahrscheinlichkeit erfordern. Also gleichzeitig eine Münze, die auf die „gewählte“ Seite fällt (Un-Wahrscheinlichkeit 1:2) und Schrödingers Katze lebt. Oder stirbt. Nein, lebt besser, sonst gibt’s wieder Ärger mit dem Tierschutz.

    P.S.: Ist es nicht ein interessanter Zufall, dass die Initialen von Douglas Adams (D.A.) auch die Abkürzung für „Dumbledores Armee“ bzw. „Dumbledore’s Army“ aus Harry Potter sind? Oder Absicht und Huldigung von JKR?

    P.P.S.: Die Sache mit dem Engländer gibt mir auch zu denken. Verallgemeinerungen sind was gefährliches. Erinnert mich an folgenden Witz:
    Ein Philosoph, ein Mathematiker und ein Logiker fahren mit dem Zug von England nach Schottland. Kaum in Schottland, sehen sie ein schwarzes Schaf.
    Sagt der Philosoph: „Aha, in Schottland sind alle Schafe schwarz.“
    Sagt der Mathematiker: „Naja, ganz so kann man das nicht sagen. In Schottland ist EIN Schaf schwarz.“
    Sagt der Logiker: „Auch das ist nicht vollkommen korrekt. Aber wir können mit Sicherheit davon ausgehen, dass es in Schottland ein Schaf gibt, das auf einer Seite schwarz ist.“
    ;->

  11. Avatar von markofando

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    Marko Fando

  12. Avatar von Pas

    gerade durch Google gefunden.
    Kann man es nicht so sehen, dass die Maschine das extrem Unwahrscheinliche, dass sie das richtige, gewünschte erkennt, bewerkstelligt?

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