Manchmal erzählt jemand, dass Bettler soundsoviel Euros pro Stunde verdienen, und meist erzählt dieser jemand das mit einem empörten, missgünstigen Unterton. Das kann ich nicht verstehen. Denn Betteln ist bestümpt kein angenehmer Job, und sollte deshalb wenigstens gut bezahlt sein. Finde ich. Ich möchte das zum Beispiel nicht machen müssen, selbst wenn die Verdienstaussichten wirklich so rosig wären, wie man oft hört.
Manch einer mag jetzt einwenden, dass es ungerecht sei, dass die Bettler Geld kriegen, ohne etwas Nützliches zu tun, aber erstens kann man sich darüber streiten – immerhin bieten sie eine Art Wohlfühlmassage für das Gewissen ihrer Kunden an – und zweitens ist es doch wohl der größere Skandal, dass manche Menschen viel mehr verdienen als die Bettler, in dem sie Schaden anrichten. (Da muss man gar nicht unbedingt an Blackwater-Söldner und Personenminen-Fabrikanten denken; da genügt vielleicht schon ein Blick in die kleine Werbeagentur an der Ecke, die den öffentlichen Raum für ihre Klowand hält und mit Unerträglichkeiten zukleistert.)
Missgunst ist schon gar nicht angebracht, denn schließlich steht diese Tätigkeit jedem offen und kann auch nebenberuflich betrieben werden. Wer meint, es ginge den Bettlern zu gut, soll sich halt ein Stück vom Kuchen abschneiden. Und – hey! – ich werfe nicht nur Punkern was in den Hut, sondern auch „ordentlichen“ Leuten, die sich auf diese Weise das Geld für einen Plasmafernseher verdienen wollen.
(Volker Strübing)
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