Eine Premiere auf dem Schnipselfriedhof: Ein Gastbeitrag von Tube. Die folgende Geschichte hat er gestern bei LSD vorgelesen. Tube ist festes Mitglied von LSD, den Surfpoeten und der Lokalrunde.
Die mit den Gehältern
Ich verstehe die Manager nicht. Die mit den Gehältern. Die, die 5 Millionen Euro oder mehr im Jahr verdienen. Die, die in jedem Folgejahr auch noch Gehaltserhöhungen von 20% oder so bekommen. Die, von denen 70% der Bevölkerung wollen, daß die weniger verdienen.
Warum verdienen die so viel? Dürfen die das?
Ein gewisser Herr Oswald, Arbeitnehmervertreter, verteidigte in einem Artikel auf Spiegel-Online die hohen Vergütungen für die Manager so: „Ein Weltkonzern kann keine niedrigen Gehälter zahlen, sonst bekommt er nicht die besten Leute.“ Und er sagte auch: die Vergütung müsse nicht nur die Verantwortung berücksichtigen, sondern auch das Risiko, die Stellung zu verlieren.
Jau. Das hat gesessen. Letzteres ist natürlich ein kräftiges Argument. Wenn einer wo arbeitet, dann hat er das Risiko, seine Stellung zu verlieren, und dieses Risiko möchte bitteschön anständig vergütet werden. Ist doch klar.
Ich bin auch einer, der arbeitet. Und wenn ich die Bezahlung, die ich für meine Arbeit kriege, ins Verhältnis zu einem durchschnittlichen Managergehalt setzte, also Managergehalt durch mein Gehalt, dann ist das schon kritisch an der Grenze zur Division durch Null, was in etwa bedeutet, daß, wenn man annimmt, daß auch in meinem Gehalt das Risiko, die Stellung zu verlieren, berücksichtigt ist, für mich das Risiko, die Stellung zu verlieren, nahezu Null ist.
Was auch immer das bedeuten mag: Die Stellung zu verlieren. Welche Stellung? Löffelchen? 69? Die Stellung in einer Schachpartie? Es gibt viele Stellungen, die man verlieren kann. Zumindest als Manager. Für mich, der ich kein Manager bin, für mich gibt’s keine Stellung zu verlieren.
Ich finde es im Prinzipgut, wenn ein Manager viel verdient. 5 Millionen, 10 Millionen, ach was 20 oder 100 Millionen soll er von mir aus kriegen. Pro Jahr oder pro Tag oder Minute. Mir ist das egal, denn Geld ist ja nicht alles auf der Welt. Es gibt noch viele andere Dinge.
Zum Beispiel Arbeit.
Auf Anhieb glaubt man – ja die meisten glauben – daß Arbeit eng mit Geld verknüpft sei. Dabei hat das eine mit dem anderen überhaupt nichts tun. Nehmen wir nur die Manager als Beispiel. Die mit den Gehältern. Die arbeiten gar nicht. Die managen. Wobei managen ja eigentlich im weitesten Sinne auch Arbeit ist. Also gut: Sagen wir mal die Manager arbeiten. Dann kriegen sie für ihre Arbeit viel Geld. Sicherlich auch wegen der hohen Verantwortung, die sie bei ihrer Tätigkeit tragen.
Wer will schon viel Verantwortung tragen? Es wird nur wenige Leute geben, die gerne Vorstandschef z.B. der deutschen Bank wären.
Wenige?
Nun ja, ich würde es schon machen, wenn sie mich fragten. Für das Geld! Wieviel war das doch gleich? 14 Millionen pro Jahr? Solch ein Job kann doch gar nicht so schwer sein.
Ich sitze in meinem Büro im Ledersessel hinter einem riesigen Eichenholzschreibtisch und blicke durch ein Fenster im 30. Stock über Stadt Frankfurt am Main und trage dabei Verantwortung. Das ist meine Aufgabe. Und dann muß ich noch Leute entlassen. Da würde ich nicht kleckern sondern klotzen. Nicht 1000 Mitarbeiter, keine 2000 oder 3000 Mitarbeiter würde ich entlassen. Ich würde sie alle entlassen. Komplett. Gleich am ersten Tag! So muß ein guter Manager sein. Und dafür 14 Millionen im Jahr.
Aber verstehe die Manager trotzdem nicht. Die mit den Gehältern. Die müssen doch irgendwie völlig beschrubbt im Kopf sein. Warum machen die das? Arbeiten ein ganzes Jahr lang, um 20 Millionen Euro zu verdienen. Und dann, jetzt kommt das bescheuerte, und dann, wenn sie die 20 Millionen Euro verdient haben, arbeiten die noch ein Jahr, um noch mal 20 Millionen Euro oder mehr zu verdienen. Warum hören die nicht auf nach einem Jahr. 20 Millionen im Jahr, das sind etwas mehr als 50000 Euro pro tag.
Also ich, ich würde, nach 10 bis 20 Tagen einfach kündigen. Und dann ab mit dem weißen Schiff nach Honolulu.Die müssen echt ein Ding an der Waffel haben, dass die das nicht machen, die Manager. Die müssen krank sein. Absolut sicher.
Und so gesehen stimmt es mich schon ein bissen bedenklich, daß man solch geistskranken Menschen so viel Geld gibt.
(Tube)
Nachtrag von Volker: Mach das doch, Tube! Werde Manager. Berufe Dich in Deiner Bewerbung einfach auf den Spiegel Online Artikel und diesen ulkigen Oswald, um den es darin geht, denn: „Wer Managergehälter kritisiere, solle erst einmal nachweisen, dass er die Arbeit besser machen könne, sagte Oswald.“ Und wenn Du dann nach 10 oder 20 Tagen kündigst … kannste dann mich als Nachfolger vorschlagen? Die Arbeit eines Managers ist zwar hart – schon wegen der Gefahr, diese Arbeit zu verlieren – aber 20 Tage schaffe ich auch!
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