Gerade „Heute“ im ZDF gesehen. Zu Beginn mehr als 8 Minuten über den Rücktritt Klinsmanns, dann gut eine Minute über den Einmarsch der israelischen Armee in den Südlibanon.
Aber keine Sorge: 19.20 Uhr gibt’s ein „Heute Spezial“. Über Klinsmann …
Gerade „Heute“ im ZDF gesehen. Zu Beginn mehr als 8 Minuten über den Rücktritt Klinsmanns, dann gut eine Minute über den Einmarsch der israelischen Armee in den Südlibanon.
Aber keine Sorge: 19.20 Uhr gibt’s ein „Heute Spezial“. Über Klinsmann …
WM vorbei. War gar nicht schlimm. Die vielen Leute von sonstwoher haben richtig Spaß gemacht. Es war auch kein Problem, dem Fußballgucken aus dem Weg zu gehen – ich habs trotzdem mal wieder ausprobiert und festgestellt, dass es mich wirklich langweilt. Fußball und Theater werden mir wohl immer fremd bleiben.
Jetzt muss noch das nachträgliche Gelaber überstanden werden, dieses „Deutschland hat sich neu erfunden“ und „Huch! Wir können ja nett sein und feiern!“ Tina meinte neulich, wenn man das läse, könne man ja den Eindruck bekommen, die Deutschen hätten den ganzen Tag nur miesepetrig vor Tellern voller vergammelter Bratkartoffeln gehockt und vor sich hingenörgelt.
In Rotterdam habe ich mehrmals gehört: „Wow, Volker, I didn’t know that Germans can be so funny!“ – aber man muss sich ja nicht die Vorurteile der anderen zu Eigen machen. Und was die Gastfreundschaft angeht: Touristen mit ordentlich Geld in der Tasche waren im Allgemeinen auch vor der WM in Deutschland willkommen.
Abschließend muss ich sagen: Das schlimmste an der WM war der Grönemeyer-Song, ein peinliches Machwerk, dass auf mich irgendwie wirkt, als würde der oben erwähnte miesepetrige Bratkartoffeldeutsche mit einem eigenen Wagen am Karneval in Rio teilnehmen und mit verkniffenem Gesicht Gedichte über den Tod vortragen. Kann ich jetzt nicht besser erklären. Ich hoffe bloß, dass ich es bald los werde – seit ein paar Tagen hat es sich ganz fies in meinem Ohr festgesetzt.
Spider hat mich auf einen ganz heißen Kanddidaten für die Rubrik Bullshit hingewiesen. Letzten Donnerstag hat er sich mal eine Plenarsitzung im Bundestag angeguckt (Protokoll hier). Dort hatte sich der CDU/CSU-Abgeordnete Hans Michelbach über die Steuergerechtigkeit in Deutschland geäußert:
Die 10 Prozent, die die höchsten Steuern zahlen, erbringen in unserem Land über 50 Prozent des Steueraufkommens. […] So tragen heute die unteren 50 Prozent der Steuerzahler unter 10 Prozent der Steuerbelastung. Das ist die Wahrheit über die Steuergerechtigkeit in Deutschland.
Der Neidfaktor, den Sie immer wieder in die Debatte einführen, schadet unserem Land, weil er die Menschen in die falsche Richtung führt. Das ist die Situation.
Zur Neiddemagogie von Herrn Gysi, weiteren Linken und anderen, die hier dazu gesprochen haben, kann ich nur ein altes Sprichwort anführen: Neid ist genauso alt wie Unfähigkeit.
Schlimm, schlimm, das. Die armen Reichen! Die neidischen Amen!
Hab mal kurz gegoogelt:
Die reichsten 10 Prozent der deutschen Haushalte verfügten 1999 über 50,4 %. des gesamten Geldvermögens. Die ärmsten 25 Prozent der deutschen Haushalte verfügen über ein „negatives Vermögen“, d.h. sie haben Schulden.
(Quelle: Bundeskongress 2005 „Sozialarbeit im Gesundheitswesen“)
Fairerweise muss ich dazuschreiben, dass Michelbach nicht direkt behauptet hat, dass die 50% Steuerlast für die oberen 10% der Steuerzahler ungerecht sind (obwohl CDU/CSU natürlich an einer Verringerung dieser „Last“ arbeiten). Und zu den Ärmsten 25% – denen mit negativem Vermögen – zählen möglicherweise auch gutverdienende Häuslebauer, die einen Kredit abzahlen. Naja, mit solchen Statistiken kann man – von jeder Seite aus – wahrscheinlich noch viel mehr Unfug betreiben, als mit den unten erwähnten Fußballstatistiken.
„Muss ich mal ne Geschichte drüber schreiben“ – so stands in meinem Posting über die Forderung eines CSU-Politikers nach einem „Gemeinschaftsdienst“ für Langzeitarbeitslose.
Und hier ist der Text: http://www.volkerstruebing.de/arbeitsdienst.html
Kein Meisterwerk, aber das ist nicht meine Schuld, wie dem geneigten Leser klar werden wird.
Alle arbeitsfähigen Langzeitarbeitslosen müssen sich dann jeden Morgen bei einer Behörde zum ‚Gemeinschaftsdienst‘ melden und werden dort zu regelmäßiger, gemeinnütziger Arbeit eingeteilt – acht Stunden pro Tag, von Montag bis Freitag“ so fasst Stefan Müller (CSU) seine Ideen für eine weitere Verschärfung der Arbeitsmarktreform Hartz IV zusammen.
(Quelle: Spiegel Online)
Egal, wie er es umschreibt, egal, wie nett das Wort „Gemeinschaftsdienst“ klingt: Hier wird unverhohlen Zwangsarbeit gefordert. Und nicht nachgedacht (oder er erzählt wissentlich Unsinn, was noch schlimmer wäre): Nehmen wir an, jeden Morgen melden sich ein paar Millionen Arbeitslose zum nicht oder extrem gering bezahlten „Gemeinschaftsdienst“ – wieviele bezahlte Stellen würden dafür wegfallen?
Ums mal auf die Spitze zu treiben: Irgendwann wird bestimmt mal einem industrienahen Politiker auffallen, dass auch die Arbeitsplätz in der Produktion eigentlich gemeinnützig sind, da ja der Staat (und damit die Gesellschaft) von der Stärke unserer Industrie profitiert. Gemeinnützige Arbeit kann aber genausogut ein unbezahlter Hartz-IV-Mensch übernehmen – wozu teure Lohnkosten zahlen … ihr versteht schon …
Muss ich mal ne Geschichte drüber schreiben.