Kategorie: Neulich in der Kneipe

  • Jedem nach seinen Fähigkeiten

    Gestern im Zosch einen Engländer kennen gelernt, Lehrer für Deutsch und Französisch in Birmingham. Er spricht perfekt deutsch und – nach eigener Angabe – sehr schlecht französisch. In England gibt größtenteils Gesamtschulen. Die Schüler werden nach Begabung eingeteilt. Wer höher begabt ist, wird vom besseren Lehrer unterrichtet, wer schwächer begabt ist, vom schlechteren. Mein gestriger Tresenbekannter unterrichtet also die Begabteren in Deutsch und die Unbegabteren in Französisch. Komisches System. Kommt bestimmt auch bald bei uns.

    (Andreas Krenzke)

  • Wissenwertes (3) – Der Amerikaner, schnell erklärt

    A: May I have the lighter?

    B: Yes.

    A: (geht an seinen Tisch zurück) 

    B: (grantig) Die Amis! Zum Moand fliegn könnens, oaber Feuerzeug hams koans!

  • Nettes Teil

    A: Na, Ärger mit der Freundin?

    B: Nö, hab gar keine.

    A: Na, sei bloß froh! Ich hab ja so ’n Teil zu Hause … ähm .. naja … also neee … is schon ’ne ganz hübsche, äh, ich meine nette.

  • Der Alkoholikertest

    A: Es gibt da so 4 Fragen anhand derer man rausfinden kann, ob jemand ein Alkoholiker ist. Mir fallen aber gerade bloß 3 ein. Trinkst du regelmäßig?“

    B: Eher unregelmäßig. Mal fang ich abends um 8 an, mal erst um 11.

    A: Verstehe. Die zweite: Hast du dir schon jemals vorgenommen ‚heute mal nichts zu trinken‘?

    B: Ja klar.

    A: (nickt wissend)

    B: Na Moment, ich hab den Vorsatz ja dann nicht eingehalten!

    A: Sehr witzig. Die dritte Frage war: Hast du schon jemals Alkohol getrunken, um einen Kater zu bekämpfen?

    B: Ja klar, aber das hat doch nix zu sagen. Das probiert man halt mal aus, weil man gehört hat, dass das helfen soll. Aber normalerweise verwende ich Kaffee …

    A: Schon klar. Die vierte Frage war wahrscheinlich: Fällt dir immer eine Ausrede ein, wenn du die anderen Fragen mit JA beantworten musstest?!

  • Google kills Goethe

    Hab ich gestern Abend in der Kneipe doch in meinen Muscote-Blättchen einen Spruch von Hanz Werfel gelesen: „Müßiggang ist allen Geistes Anfang“. Hab ich gedacht: Stimmt ja gar nicht!

    Hab ich weiter gedacht: Außerdem heißt das doch eigentlich: „Müßiggang ist aller LASTER Anfang“! Hab ich gedacht: Na, das ist ja nun auch Humbug.

    Hab ich mich gefragt: Ist nicht die Stoßstange aller Laster Anfang? Hab ich beschlossen, diese Frage unter der Überschrift „Versuch einer Rehabilitierung des Müßigganges“ ins Weblog zu stellen.

    Hab ich gedacht: Aber wem ist eigentlich damit gedient, wenn ich diesen Murks ins Internet stelle? Ist mir eingefallen, dass der Werber Jean Remy von Matt gesagt hat, dass Weblogs die Klowände des Internets sind. Hab ich gedacht: Auf Klowände kann man ja wohl auch mal blöde Sachen schreiben. Das ist immerhin besser, als blöde Sachen auf riesige Plakatwände zu schreiben, wie J.R. „Geiz ist geil“ von Matt das macht.

    Hab ich das also geschrieben. Hab ich dann gedacht: Hm. Guckste doch mal bei Google – bloß um sicher zu gehen -, ob diesen genialen Gedanken (also den mit der Stoßstange und dem Laster) schon mal jemand vor dir hatte …

    528 Treffer.

    Google ist aller Gedanken Ende. Alles schon mal dagewesen. Nicht nur alles schon mal gedacht. Auch schon alles fleißig ins Internet reingeschrieben.

    Hab ich gedacht: Goethe hatte es gut. Der hatte noch kein Google. Hat einfach frei von der Leber weg geschrieben. So Sachen wie „Das also war des Pudels Kern“. Hätte er’s bei Google eingegeben, hätte er 155.000 Treffer gefunden, mit Schreiben aufgehört und aus.

    Ich hab ja leider Google. Kann ich also meinen Kopf zu machen und alle Gedanken als Gebrauchtwaren bei Ebay versteigern. Werd ich wahrscheinlich feststellen, dass diese Idee auch schon andere hatten und dass der Gebrauchtgedankenmarkt total gesättigt ist.

    Hab ich gedacht (wahrscheinlich nicht als erster): Halt! Gib nicht auf! Du kannst das schaffen! Du denkst Dir jetzt einen Satz aus, den es noch nicht gibt! Hab ich drei Stunden oder so unter der kalten Dusche überlegt (Warmwasser gibts grad nicht) und präsentiere hiermit Stolz das Ergebnis:

    „Benutzte Gedanken hüpfen in meinem Kopf herum wie aufgescheuchte Hühner und kacken alles zu.“

    Naja. Wie sagte der Kellner, als er mir gestern in der Kneipe eine neue Kerze brachte? „Hier hast Du noch ein kleines Licht.“ Hab ich mir „das kleine Licht“ angeguckt und gedacht: Na super. Gleich und gleich gesellt sich gern …

     

  • Komischer Ratschlag

    „Von wegen: schönes Wochenende! Ich muss meine Steuererklärung machen, und die Wohnung müsste ich auch mal wieder putzen!“

    „Wieso nimmste dir keinen Steuerberater?“

    „Weil selber putzen billiger ist.“

  • Warum an den See fahren, wenn man im Atlantik baden kann?

    Gestern Abend habe ich, während ich bei einem Bier vor dem „5 Ziegen“ saß und die laue Nachtluft genoss, an Mark Twain, den ich unbedingt zu meinen Lieblingsschriftstellern zählen würde, und seinen Aphorismus „Wenn der Deutsche in einen Satz eintaucht, sieht man erst einmal nichts mehr von ihm, bis er schließlich auf der anderen Seite des Atlantiks mit dem Verb im Mund wieder auftaucht.“ denken müssen.

  • Wo Douglas Adams irrte

    Es wird Zeit für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Werk des Meisters. Nicht in künstlerischer Hinsicht – Sätze zu kritisieren wie „Die Raumschiffe hingen so am Himmel, wie Ziegelsteine es nicht tun“ oder „Wenn es etwas noch deprimierenderes gab als die Sandwiches, dann waren es die Würste: Freudlose Röhren voller Knorpel in einem Meer aus etwas heißem und fettigem“ (* siehe Fußnote 1), das wäre so, als würde man Sonnenaufgänge, die Mona Lisa oder den a-Moll-Akkord benörgeln.

    In technischer und wissenschaftlicher Hinsicht ist der „Anhalter“ jedoch fehlerhaft. Eine Sache fiel mir gestern Abend nach dem Kantinenlesen auf, als Uli Hannemann, Dan Richter, Robert Rescue und ich vor dem Schusterjungen saßen und Schnitzel aßen. Ich erzählte Robert gerade von einem Ausflug an den Flughafensee, den ich am Donnerstag unternommen hatte, als wir von einem betrunkenen Engländer mit einer jungen deutschen Frau im Arm unterbrochen wurden. Er tippte Uli an und erzählte ihm, dass seine Freundin keinen Schlüpfer trage. Er beglückwünschte uns und die deutschen Männer allgemein zu unseren verrückten schlüpferlosen Frauen, lallte noch ein bisschen „no knickers, no knickers“ vor sich hin und zog endlich mit der unbeschlüpferten Frau von dannen. Alle waren etwas verwirrt, ich besonders: Der Typ und das Mädchen hatten am Donnerstag am Flughafensee 2 Meter neben mir auf einer Decke gelegen (das Mädchen wie immer ohne Schlüpfer … allerdings trug sie ein Bikinihöschen).

    Ich ärgerte mich, dass der für diese Synchronizität nötige Zufall mich nicht in Form eines Lottogewinns (ein Vierer hätte ja schon gereicht) heimgesucht hatte, und dabei fiel mir ein Problem am Unendlichen Unwahrscheinlichkeitsdrive (UWD) auf (*2) :
    Wenn man genau weiß, wie unwahrscheinlich ein Ereignis ist, braucht man den UWD nur mit diesem Wert füttern und das Ereignis geschieht. Wenn ich weiß, wie unwahrscheinlich es ist, dass die Zahlen, die ich auf dem Lottoschein habe, genau den am nächsten Sonnabend gezogenen entsprechen, gebe ich also diesen Wert ein (1:13.983.816 bei 6 aus 49), die Maschine erzeugt das nötige Unwahrscheinlichkeitsfeld und am nächsten Sonnabend … werden vielleicht all meine Zahlen plus 1 gezogen, weil auch dafür eine Wahrscheinlichkeit von 1:13.983.816 gilt, oder mir tritt beim LIDL um die Ecke ausgerechnet ein trauriger Mann namens Marvin auf den Fuß, dessen Mutter vor exakt 42 Tagen in einem Preisauschreiben einen 1,2-Liter-Wasserkocher gewonnen hat.(*3)

    Schrödingers Katze würde mit dem Ziel, das Gedankenexperiment heil zu überstehen, den Wert 1:2 eingeben – und sich damit mit 50%iger Wahrscheinlichkeit umbringen.

    Der UWD bräuchte also noch ein Zusatzmodul, das auswählt, welches der unendlich vielen Ereignisse, die die selbe Wahrscheinlichkeit haben, eintreten soll. (*4) (*5)
    Was passiert aber, wenn zwei mit einem solchen Zusatzmodul ausgestattete UWDs Dinge auslösen, die sich gegenseitig ausschließen?

    Und dann ist da natürlich noch die Sache mit der Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Lautet sie wirklich „42„? Oder doch „36“, wie Adams selbst in einem späteren Interview gesagt haben soll? Oder vielleicht „gelb“ oder „Nein“ oder „Tut mir leid, dieser Platz ist besetzt“? Besteht die Antwort vielleicht aus einer Gegenfrage, zum Beispiel: „Alter, hast Du gerade Arschloch zu mir gesagt?“

    Ich werde mich diesem Problem heute Abend noch mal widmen und versuchen, ihm durch intensives Nachdenken und Biertrinken beizukommen.

    PS: Dieser Beitrag wurde nicht mit dem primären Ziel geschrieben, über die Suchanfrage „ohne Schlüpfer“ zusätzlichen Traffic für mein Weblog zu generieren. Trotzdem heiße ich natürlich alle willkommen, die über diese Suchanfrage hierher gefunden haben. Ich hoffe, ihr seid nicht enttäuscht.

    • *1) Gedächtniszitat – Ich finde den vierten Band gerade nicht.
    • *2) Das Problem betrifft natürlich auch Generatoren endlicher Wahrscheinlichkeiten
    • *3) Habs nur kurz im Kopf überschlagen, aber auch hierfür scheint der genannte Wert zu gelten. Falls ich mich verrechnet habe – schreibt mir bitte einen Kommentar!
    • *4) Nein! Alle gleichzeitig können nicht eintreten, höchstens in unendlich vielen Paralleuniversen. Es gibt pro Universum und Sonnabend nur eine gültige Zahlenkombination für das deutsche 6 aus 49 Lotto.
    • *5) Bitte entschuldigen Sie die vielen Fußnoten.
  • Gestern im Biergarten – heute im Zosch

    Seit anderthalb Jahren eine schöne Tradition: Die LSD-Quartalsweihnachtsfeier. Alle drei Monate treffen wir uns, und hauen unsere Kasse auf den Kopp. Gestern hat Uli uns alle nach Neukölln in den Biergarten „Alte Welt“ gelockt. Sehr nett und empfehlenswert, nur etwas staubig. Wenn schon mal Besuch aus dem Osten kommt, hätten sie in Westberlin ruhig mal staubwischen können! Egal!

    Von der Öffentlichkeit (und beinahe auch von uns) weitgehend unbemerkt, gab es Null Uhr einen echten Grund zum Anstoßen (nicht, dass wir einen Grund bräuchten …): Heute vor 10 Jahren, am 4.7.1996, fand unsere erste Lesung statt. Damals noch an einem Donnerstag in einem doofen Café namens „Nova“ unter dem Titel „Supernova“. Von der jetzigen Besetzung waren nur Tube, Spider und ich dabei. Zwei Monate später sind wir ins Zosch und auf den Dienstag umgezogen, haben die Veranstaltung in „Keller Buntes“ umbenannt und uns seitdem nicht mehr aus dem Keller vertreiben lassen. Nur Weihnachten 1996 mussten wir die Lesung ausfallen lasen, weil das Zosch für diesen Tag schon ein Konzert angesetzt hatte.

    Vielleicht wird ja der heuige Jubiläumstag der zweite Ausfalltermin? Das Wetter und das Halbfinale sind schon echte Konkurrenz für eine Kellerlesung! Gestern haben wir den halben Abend darüber getritten und spekuliert, wie es wohl heute werden mag und sind zu dem Ergebnis gekommen: Mal abwarten. Wenn niemand kommt, gehen Tube und Ivo auch Fußballgucken und Spider und ich bewachen unsere Freigetränke 😉
    Eine Geburtstagsfeier ist für heute sowieso nicht geplant – die heben wir uns für den Herbst auf. Da erscheint unser Buch mit CD bei Voland und Quist und wir veranstalten eine große Geburtstags- und Buchreleaseparty.