Kategorie: Zumutungen

  • Kosmoarschlit

    Jaja, keine Geschichten über Zugfahrten und mitreisende Idioten mehr – aber sonst erlebe ich doch nichts! Ganz im Gegensatz zu dem Typen eine Sitzreihe hinter mir, der die unschuldig in seine Fänge gerate Frau neben sich ohne Unterbrechung vollschwallt:

    „Ich verreise ja jedes Jahr mindestens fünf mal und wenns nur zwei, drei Tage sind, als nächstes Kongo, Brazzaville und so, nee, da braucht man keine Angst haben, ich sag Ihnen: Vergessen sie die Reisewarnungsseite vom Auswärtigen Amt, das ist alles Quatsch, und wir sind ja auch bloß 4 Tage da, Freitags hin, Dienstag schon zurück, was soll ich da länger, da gibt’s eh kaum Stadien, ich guck mir ja immer überall Fußballspiele an, einmal war ich in Argentinien, 31 Spiele in 17 Tagen, eigentlich wollten wir auch Patagonien angucken, aber dafür war dann natürlich keine Zeit mehr. Und in Nepal war ich auch, das war schön, also kein Fußball zwar, aber trotzdem, soooo schön. Na gut, wir haben kein Trecking gemacht, aber uns die wichtigsten Städte angeguckt und nen Himalaya-Rundflug gemacht, naja und in Nordkorea war ich auch, die ham ja immerhin auch an der Fußball WM teilgenommen, dass war schon spannend – nee, nee, Angst hatte ich da keine, wir hatten doch die ganze Zeit Aufpasser bei und wenn du dich an die Regeln hältst, ist das das sicherste Land der Welt, obwohl das mit der ganzen Unterdrückung natürlich schon schlimm ist, aber wenigstens ist alles schön sauber, nicht so dreckig wie Indien, nee, also Indien hat mir gar nicht gefallen, soviel Dreck und statt Fußball dieses blöde Kricket, ein Glück, dass ich nur drei Tage da war, ich fahr aber schon auch mal nur in die Türkei, es muss ja nicht immer gleich Australien sein, wobei, Australien, als ich das letzte Mal da war …“

    Arrrgh! Wenn gleich dein Telefon klingelt, bin wahrscheinlich ich dran, und gebe ein paar Zahlen durch,

  • Die Schweine

    Die Schweine haben im Supermarkt schon wieder alles umgeräumt. Gerade noch rechtzeitig habe ich gemerkt, dass statt Teebeuteln, Margarine und Orangensaft auf einmal Tampons, Gesichtscreme und Mampe Halb & Halb im Einkaufswagen liegen. Solange habe ich am perfekten Weg durch die Regalreihen gearbeitet; endlich war ich an dem Punkt angelangt, wo ich blind in die Auslagen greifen und hervorziehen konnte, was ich brauchte, während mein Geist in anderen Sphären unterwegs war, im Reich der Fantasie, unbehelligt von den profanen Dingen des Lebens. Während mein Körper den Einkaufswagen schob schwang sich meine Seele in den Himmel hinauf oder döste friedlich vor sich hin, und jetzt haben die Schweine schon wieder alles umgeräumt, und ich starre fassungslos auf vierzig Sorten Zahnpasta, dort, wo eigentlich die Schokolade stehen sollte.

    Das macht mich alles so müde.

    Warum tun die das? (mehr …)

  • GZSZ mit Drachen – Eine Beschwerde

    Gibt es eigentlich Menschen, die noch wirklich gespannt auf die Fortsetzung von „Game Of Thrones“ / „Das Lied von Eis und Feuer“ warten? Ich war von der Fantasy-Saga nach anfänglicher Skepsis sehr begeistert, habe die ersten Bände verschlungen, mich in die Charaktere verliebt und über die Fähigkeit von R.R. Martin gestaunt, jede Szene mit einer Fülle von liebevollen Details zum Leben zu erwecken, habe die Dialoge genossen, die Weltschöpfung bewundert. Bis es ab dem fünften Band (in der deutschen Fassung, also dem dritten im Original) immer deutlicher wurde, dass das alles wohl nirgends hinführen wird.

    Die Handlung labbert aus, es geht nicht voran, Hauptpersonen sterben, Bataillone von Nebenfiguren werden eingeführt und aufgebaut, um dann meist sang- und klanglos wieder zu verschwinden, die Haupthandlungsstränge finden nicht zusammen, gefühlt alle 200 Seiten wird Tyrion Lannister entweder entführt oder fällt ins Wasser, und das entsprechende Kapitel endet mit der Frage, ob er ertrinken wird oder nicht (wird er nicht, wie wir ein paar Kapitel später völlig überraschend erfahren), nach mehreren tausend Seiten reitet Daenerys endlich mal auf einem ihrer Drachen – und zwar bis auf Weiteres heraus aus der Handlung des Romans; wahrscheinlich weil ihr das ganze ziellose hin und her öde geworden ist. Wobei sie mit dem hin und her nicht allzuviel zu tun hatte, da sie ganze 6 Bände lang nur in ihrer eroberten Stadt rumhockt. Die Schneezombies warten seit dem Prolog darauf, endlich mal eine wichtige Rolle zu spielen, und der Winter naht noch immer.

    Das Ganze ist wie eine Endlos-Fernsehserie angelegt. Ich mag Serien, aber wenn es sich nicht um eine Sit-Com, sondern ein Drama handelt, dann freue ich mich doch sehr über einen Abschluss. Bei Romanen umso mehr.

    Klar: Es ist viel realistischer, dass alles immer irgendwie weitergeht, dass es keine Katharsis gibt, sondern nur eine endlose Wiederholung der immerselben Motive in neuer Kulisse und mit anderen Protagonisten, so ist das Leben nun einmal, das Schicksal ist ein schlechter Dramaturg. Aber ich lese doch keine Fantasy-Saga, weil ich an einer Geschichte, wie sie das Leben schreiben würde interessiert bin. Gebt mir ein Ende, nachdem ich ein Buch zuklappen kann – traurig, dass es vorbei ist, aber doch zufrieden und erlöst.

    Wird das die Zukunft sein: Auf der einen Seite 100seitige Erzählungen oder notdürftig zusammengehaltene Episoden, auf die der Verlag ganz frech das Wort „Roman“ drucken lässt, auf der anderen endlose „Sagas“, die bald ähnlich wie Fernsehserien von Autorenkollektiven geschrieben werden? Bin ich zu kulturpessimistisch? Sehne ich mich insgeheim nach dem Weltuntergang und hoffe nach dem erneuten Ausbleiben desselben nun wenigstens auf eine Literaturapokalypse? Du weißt gar nichts, Volker Strübing.

    Vielleicht kriegt es Martin ja noch hin und führt sein Werk zu einem Ende, dass diesen Namen verdient. Das wäre eine nobelpreiswürdige Leistung, aber hallo. Ich werde die nächsten Bände trotzdem oder gerade deswegen lesen (kein Wunder, dass Verlagen das Serienkonzept so gut gefällt). Die Hoffnung stirbt zuletzt bzw. zusammen George R.R. Martin.

    (Volker Strübing)

    PS: Ja, okay, der GZSZ-Vergleich in der Überschrift ist fies, Entschuldigung, Aufmerksamkeitsöknomie und so. Apropos GZSZ and now for something completely different: Bei Hörspielen kann man so deutlich wie sonst nur bei Tatort-Folgen feststellen, dass die wichtigste Qualifikation deutscher Schauspieler die Fähigkeit zu sein scheint, keinen einzigen noch so banalen Dialogsatz wie ein normaler Mensch auszusprechen.

  • Bettel Star Galactica

    Mehrere Facebookfreunde haben das Video empfohlen, insgesamt wurde es fast 30.000 Mal bei Facebook geteilt und mehr als 15 Millionen mal auf youtube angeschaut. Na gut, ich guck’s mir auch an: Sentimentales Klaviergeklimper. Ein blinder Mann sitzt auf einer Treppe neben einem Fußweg. Eine Blechbüchse und ein Schild: „I’m blind. Please help me!“ Passanten eilen vorbei, einige werfen achtlos eine Münze hin. Nahaufnahmen des traurigen Mannes und einiger Leute, die von seinem Leid ungerührt ihren Geschäften und Vergnügungen nachgehen.

    Eine hübsche Frau (soweit man das trotz ihrer Puck-die-Stubenfliege-Brille beurteilen kann) stöckelt an ihm vorbei, hält inne, kehrt um und hockt sich vor ihn. Während er ihre Schuhe abtastet, schreibt sie wortlos etwas auf die freie Rückseite seines Pappschildes und stellt es wieder hin. Dann geht sie, und in der Folge kann sich der Bettler kaum noch vor Spenden retten, er kommt kaum mit dem Einsammeln der Münzen hinterher, die auf seine Sitzdecke herabregnen, niemand geht mehr vorbei, ohne sein Portemonnaie zu zücken, er sollte dringend über die Anschaffung eines Kartenlesegerätes nachdenken oder morgen zumindest eine Schubkarre mitbringen.

    Schließlich hockt sich die junge Frau erneut vor ihn, er erkennt sie an ihren Schuhen. „What did you do to my sign?“, fragt er.

    „I wrote the same“, antwortet sie lachend, etwa so, als würde sie einem kleinen Kind erklären, dass es doch nicht schlimm sei, dass es eingepullert habe, „but with different words!“

    Abgang der Frau, Schwenk auf das von ihr geschriebene Schild: „It’s a beautiful day and I can’t see it.“ Schwarzblende. 2 Schrifttafeln zu ausfadender Schnulzmusik. „Change your words. Change your world“, sagt die erste, die zweite stellt die Internetmarketingfirma vor, die mit diesem Rührstück für ihre Dienste wirbt.

    Ich lese ein paar Kommentare: „Wie schön, mir geht das Herz auf“, „Das ist so süüüüüüüüß“, „Wenn es doch mehr Menschen wie diese nette Frau gäbe“, „Teilt dieses Video, das sollten sich manche mal zu Herzen nehmen“, „Ich hätte fast geweint“. Statt zu weinen kotze ich in breitem Strahl auf die Tastatur (denkt einfach an die Restaurantszene aus „Der Sinn des Lebens“). Ich weiß vor Schreck gar nicht, was ich schlimmer finden soll: Das Video selbst, die angehängte Werbetafel oder die Kommentare. Mit einem Kotzkübel auf den Knien zwinge ich mich, mir das Video noch dreimal anzuschauen und noch ein paar Dutzend Kommentare zu lesen, in der Hoffnung, einen Hinweis darauf zu finden, dass das alles nur Satire ist – erfolglos.

    Was für Menschen machen sowas? Was für Menschen klicken bei sowas „Gefällt mir“? Warum dauert es noch fast drei Wochen, bis die Welt endlich untergeht?

    Armut – ein Problem schlechten Marketings.

    Da war diese vollkommen besoffene Frau gestern am Nollendorfplatz. Parka, strähniges Haar, eine Goldkroneflasche in der einen, einen halbzerfetzten, nach oben geklappten Regenschirm in der anderen Hand stand sie im Schneeregen und blaffte ab und zu „Fuffzich Zent, mal ’n Euro“. Statt Pianokitsch gab es „Lasst uns froh und munter sein“ von Nena aus dem Ghettoblaster eines anderen Betrunkenen, der zehn Meter weiter Stellung bezogen hatte. Welche Worte würden die Welt dieser Frau ändern und zu einem signifikanten Umsatzplus führen? Vielleicht: „Es ist ein beschissener Tag. Und ich muss ihn doppelt sehen.“

    Gar nicht schlecht, oder? Ich war ja mal Werbetexter, vielleicht sollte ich mich in den Dienst der guten Sache stellen und (gegen eine faire Umsatzbeteiligung) die Armut in Deutschland besiegen. „Bettel Star Galactica“ wäre ein ziemlich cooler Name für die Agentur. Statt dem langweiligen „Bitte 50 Cent für Hundefutter“-Schild, würde ich dem Punk vor dem McDonalds einen „Lassen Sie ein Hundeherz höher schlagen“-Aufsteller gestalten, komplett mit vielen Herzchen und einem Link zur Facebook-Fanseite des Hundes, die ich gegen entsprechenden Aufpreis ebenfalls einrichten und pflegen würde.

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    (Dieses Bild hat mit dem Artikel nichts zu tun. Ich möchte mir nur nicht nachsagen lassen, ich würde immer nur meckern und vollkommen ignorieren, dass eigentlich alles immer besser wird.)

    Ich weiß gar nicht, warum ich mich über dieses Filmchen (und vor allem über die erschreckend dummen positiven Kommentare darunter) so aufrege. Es ist doch eigentlich viel schlimmer, dass es überhaupt bettelnde Menschen gibt, als dass irgendjemand diesen Umstand für klebrigen, paternalistischen Eigenwerbescheiß ausbeutet und Tausende dumme Menschen sich davon rühren lassen. Aber man kann sich ja auch nicht immer aussuchen, worüber man sich besonders ärgert.

    Vielleicht bin ich ja ein kaltherziger Zyniker, der den Menschen nur die Märchen kaputtmachen will, die sie doch brauchen, um in einer Welt ohne Happy Ends klarzukommen (dabei hat mir doch „Slum Dog Millionär“ selber so gut gefallen und wenn ich mir endlich mal „Pretty Woman“ angucken würde, müsste ich bestimmt auch weinen). Und überhaupt: Wenn es in Dritte-Welt-Slums kein fließendes Wasser gibt, dann sollen die Leute halt Milchkaffee trinken.

    (Volker Strübing)

    Ach so: Wer den Film sehen will: http://www.youtube.com/watch?v=Hzgzim5m7oU. Ein paar Klicks mehr machen jetzt auch nichts mehr.

     

  • Eine Zugfahr-Geschichte geht noch …

    Der Zug verlässt den Hauptbahnhof, ich packe die Zeitung aus, mache die Beine lang und freue mich: allein an einem Vierertisch lassen sich drei Stunden Zugfahrt gut aushalten. Ich bin selten so entspannt wie auf langen Zugfahrten. Aus dem Fenster schauen, lesen, mit offenen Augen träumen, Kaffee trinken – herrlich!

    In Spandau hält der Zug noch einmal, ein paar Leute tröpfeln ins Abteil, aber es gibt viele freie Plätze, mit etwas Glück setzt sich niemand zu mir. Vorsichtshalber ziehe mir trotzdem das schwarze Cap tief in die Stirn, setze eine Sonnenbrille auf, drapiere eine volle und zwei leere Hasseröder-Flaschen auf dem Tisch, lege die Zeitung weg, damit sie mein Tor-Steinar-T-Shirt nicht verdeckt und stelle ein Bein in den Gang, damit auch jeder die 18-Loch-Doc-Martens sieht. Ich habe überwiegend gute Erfahrungen mit meinem speziellen Bahnfahr-Outfit gemacht. Wenn sich dann allerdings trotzdem mal jemand zu mir setzt, ist der natürlich gleich besonders unangenehm. (mehr …)

  • Schnipsel vom 4.11.2012 – Sind Aktualisierungen Hitler?

    „Graphomanie (die Besessenheit, Bücher zu schreiben) wird zwangsläufig zur Massenepidemie, wenn die gesellschaftliche Entwicklung drei grundlegende Voraussetzungen erfüllt:

    1) hoher Grad, allgemeinen Wohlstands, der es den Leuten ermöglicht, sich unnützen Tätigkeiten zu widmen;

    2) hohes Maß an Atomisierung des gesellschaftlichen Lebens und daraus hervorgehend allgemeine Vereinsamung der Individuen;

    3) radikaler Mangel bedeutender gesellschaftlicher Veränderungen im inneren Leben eines Volkes. (In dieser Hinsicht scheint es mir bezeichnend, daß in Frankreich […] der Prozentsatz an Schriftstellern einundzwanzigmal höher ist als in Israel. […])“

    Milan Kundera, Das Buch vom Lachen und Vergessen, 1978

    Bin darüber gerade gestolpert und fand’s ganz hübsch, vor allem die Sache mit den unnützen Tätigkeiten. Wenn es 1978 schon Emoticons gegeben hätte, hätte Kundera bestimmt noch ein Minus und ein Klammer-zu hinter das Semikolon gesetzt Semikolonminusklammerzu.

    Der Schnipselfriedhof sieht seit Kurzem voll gerümpelig aus, die Fotos, die eigentlich genau die Breite der Textspalte haben sollten, sind plötzlich schmaler und mal rechts, mal links, mal mittig. Ich hab noch nicht nachgeguckt, was da passiert ist und ich werde auch den Teufel tun, mir damit den Sonntag Nachmittag zu verderben. Ich nehme an, dass WordPress irgendeine Aktualisierung der Software vorgenommen hat. Neulich habe ich Thunderbird aktualisiert, danach waren alle Mails und sämtliche Einstellungen samt aller sorgfältig eingerichteter Spamfilter und Ordnerweiterleitungen weg. Komplett und für immer. Zum Glück hatte ich zumindest die eingegangenen Mails des letzten Jahres noch auf meinem Laptop und irgendwo liegen Sicherungsdateien der Mails bis 2009 oder 2010 herum. „Aktualisierung“ wird für uns eines Tages einen ebenso bedrohlichen Klang haben wie „Jüngstes Gericht“ für frühere Generationen. Je stärker wir von elektronischer Kommunikation und digitalen Daten abhängig werden, je mehr wir deren Verwaltung und Speicherung an aus der Hand geben, desto müssen wir die nächsten Ideen der Software-Ingenieure und Marketing-Experten der Firmen, die uns so lieb bemuttern fürchten. Software-Aktualisierung als Schicksal.

    Dinge, in die wir viel Zeit und Nerven investiert haben (zum Beispiel das Erlernen der Bedienung eines DB-Fahrkarten-Automaten) werden von einem Tag auf den anderen über den Haufen geworfen. Eines Tages schalten wir morgens den Rechner ein und stellen fest, dass uns Facebook eine neue Biografie entworfen hat, Amazon alle Bücher, die wir für den Kindle gekauft haben durch andere ersetzt und WordPress in allen Texten, die wir gepostet haben, schmutzige Wörter wie Blume, Regenbogen und Pinguin durch harmlose Wörter wie Blume, Regenbogen oder Pinguin ersetzt hat (huch!), weil sie mit Schmutz nichts mehr tun haben wollen, und irgendeine App hat unterdessen über Nacht allen Kontakten auf unserem Handy SMSe geschrieben, in denen sie Zalando oder irgendeine Dentalklinik angepriesen hat, und einen Tag nach Wahl führt die Partei, die man gerade gewählt hat, ein Software-Update durch und ist auf einmal doch für Krieg und mehr Armut und so weiter, heiliger Bimbam, uff nüscht kann man sich mehr verlassen!

    Und die Aktualisierungen, die man sich wirklich wünscht, kommen nie. Warte seit Ewigkeiten, dass die Sparkasse beim Homebanking eine Funktion zur selbstständigen Editierung des Kontostandes einführt, das kann doch nicht so schwer sein.

    (VS)

  • Einhornkacke

    Okay. Ich hab also eine Schreibblockade. Schreibblock adé sozusagen. Wie schlimm sie ist,  sieht man schon daran, dass ich darüber schreibe. Darüber zu schreiben, dass man nicht schreiben kann, ist nun wirklich das Letzte. Das ist noch schlimmer als wilde Geschichten über Monster, Einhörner und Wackelpudding, die damit enden, dass der Protagonist aufwacht und erleichtert feststellt, dass alle – puh! – nur ein Traum war. Und dann beim Aufstehen in ein Häuflein Einhornkacke tritt, das vor seinem Bett liegt … uijuijui, war es vielleicht doch nicht nur ein Traum? Gähn … aber immer noch besser als „Ich kann nicht schreiben“-Gejammere. „Dann lass es doch!“, möchte man dem Autor zurufen, außer man ist es zufällig selbst.

    Nichts geht. Dabei ist es garnicht so, dass ich keine Themen hätte, nö, ich kann gerade einfach nur nicht schreiben. Nicht denken. Wenn ich eine Idee zu fassen versuche, fühle ich mich sofort, als würde ich mit einem Nudelsieb Wasserschöpfen wollen oder bei einem Ramstein-Konzert Sudokus lösen. Als würde ich probieren, mich mit der einen Hand am Fuß zu kitzeln, während die Finger der anderen in der Steckdose stecken.

    Naja. So ungefähr. Seit Wochen kein neuer Text, die längerfristigen Sachen kommen nicht voran, eine neue Kloß-und-Spinne-Folge ist seit drei Monaten halb fertig und will es wohl noch eine ganze Weile bleiben. Ich bringe keinen Gedanken zu Ende, denke in Halbsätzen, springe von Thema zu Thema, werde von Ohrwürmern gemartert, zum Teil sind es Sätze oder Halbsätze, die sich selbstständig gemacht und plötzlich eine Melodie haben und in meinem Kopf in Endlosschleife laufen. Ich öffne Textverarbeitung oder Notizbuch und, schwupps, laufen tausend Männchen durch meinen Kopf und brüllen durcheinander. Und ich gebe auf und lenke mich stattdessen mit Computerspielen, Videos, Büchern ab, die einzige Möglichkeit, mich auf irgendwas zu konzentrieren.

    (Symbolbild Schreibkrise: Ungefähr so wie auf der Wand hinter mir im Backstageraum des Substanz vor einem halben Jahr sieht es in meinem Kopf aus, wenn ich zu schreiben versuche. Nur leider nicht ganz so zotig.)

    Natürlich kenne ich das.  Gehört wohl dazu. Aber es ist jedesmal auf’s Neue Scheiße.

    Immerhin gibt es diesmal im Vergleich zu früheren Schreibblockaden zwei unschätzbare Vorteile: Zum einen geht es mir davon abgesehen und nichtsdestotrotz prima, zum anderen habe ich (seit 3 Wochen) eine Superausrede: Mein Knie ist angemurkst, ich kann nicht richtig laufen, bin also krank, da kann ich doch nicht arbeiten!
    Man könnte natürlich spitzfindig anmerken, dass ich mir den Meniskus angerissen habe und nicht den Frontallappen und dass es meinem Knie egal ist, ob ich vor dem Fernseher sitze oder am Schreibtisch, aber das würden nur sehr böse, herzlose Menschen machen, Humankapitalverwertungsfanatiker, Menschen, die auch nichts dabei finden, selbst noch Beinamputierte zum Hürdenlauf zu prügeln und Armlose in Olympiaschwimmbecken zu schubsen, hör mir auf! Aber ich will jetzt gar nicht abschweifen, nein, ich versuche, schnell fertig zu werden, bevor meine Schreibkrise merkt, dass ich schon 435 Wörter geschrieben habe – seien sie auch noch so belanglos – und mich dazu bringt den Laptop zuzuklappen und mich mit Kaffee und Zigarette auf den Balkon zu setzen, vorgeblich um Nachzudenken, während ich in Wirklichkeit nur stumm „Tötet Onkel Dittmayer“ oder „Komm mutier mit mir zu etwas ganz besonders Merkwürdigem“ vor mich hinsinge und und wie ein irrwisch auf dem Balkontisch herumklopfe. Nein, Volker, los, du schaffst das, du kriegst diesen Artikel fertig, nein, nein, leg das Handy weg, nicht „Bubbleshoot“ starten, nicht …

    Ich erwachte. Zum Glück war alles nur ein schlechter Traum gewesen. Ich wischte mir mit der Bettdecke den Schweiß von der Stirn. Ich setzte mich auf und schüttelte lächelnd den Kopf. Was für eine Scheiße man manchmal zusammenträumte … da fiel mein Blick auf ein leeres weißes Blatt auf dem Boden vor meinem Bett … NEEEIIIINNN!

    Solidarische Grüße an Kirsten und Micha!

    (VS)

  • O! So phil Philosophie!

    Die lange totgeglaubte Philosophie boomt derzeit wie seit den Tagen der ollen Griechen nicht mehr. Gar nicht so sehr wegen der Beststeller von Precht und anderen populärwissenschaftlichen Philosophieerklärern , sondern wegen der starken Philosophienachfrage seitens der Wirtschaft. Jede popelige Schraubenbude braucht ja heutzutage eine „Philosophie“, wenn sie sich am Markt behaupten will, Produkte alleine reichen schon lange nicht mehr. Ein Glück für alle Studenten dieser edlen Geisteswissenschaft, die früher dazu verdammt waren, in Holzfässern, schimmligen Wohnungen oder Feuilletons vor sich hinzuvegetieren. Endlich werden sie gebraucht. Manche Unternehmen scheinen sich regelrechte Philophieabteilungen aufgebaut zu haben.

    Zum Beispiel der Fernsehhersteller Loewe, für den irgendein Manager in einem Interview auf Inforadio nicht eine, nicht zwei, sondern gleich drei Firmenphilophien präsentieren konnte. Ich stelle mir gern ein Großraumbüro voller sympathisch angetrottelter Philosophen vor, überall stehen Kaffeetassen, Teller mit Rühreiresten, halbleere  Schierlingsbecher (oder halbvolle? Ein ewiger Streit in der Abteilung!) herum, die Luft ist aufgeladen von kreativer Energie, die sich hin und wieder in Geistesblitzen entlädt: „Platon!“, brüllt da plötzlich einer  und Krümel des  Pflaumenstreuselkuchens, an dem er gerade gekaut hatte, als die Erleuchtung ihn ereilte, fliegen durch den Raum. „Höhlengleichnis!“, fügt er hinzu und plötzlich ist kein Halten mehr. Die Philosophen laufen wild gestikulierend durcheinander, Haare werden gerauft, Bärte gezupft, Kaffeetassen umgekippt. Natürlich! Das Höhlengleichnis, das ist es! Was könnte besser zu einem Fernsehhersteller passen!

    Sieben Monate später, nachdem sich meherere miteinander unversöhnlich streitende philosophische Schulen gebildet, wieder aufgelöst und neu gruppiert haben, die Hälfte der Belegschaft in den Selbstmord getrieben wurde und die Mitarbeiter in der Beschwerdeabteilung eine Etage tiefer wegen des Geschreis und Getrampels über ihnen kaum noch arbeiten konnten, ist es soweit: Die Philosophen legen der Geschäftsführung die von ihnen ausgearbeitete Unternehmensphilosophie vor, ein 4000 Seiten dickes Manifest in drei Bänden, ledergebunden, die ersten beiden Bände in Schweinsleder, der dritte in die Haut eines Neopositivisten, der bei der Kaffeekasse beschissen hatte.
    Die Geschäftsführung ist beeindruckt und gibt das Werk an die Marketingabteilung weiter mit der Bitte, es ein wenig zu kürzen, man habe morgen einen Interviewtermin auf der IFA und wolle der Öffentlichkeit gerne drei Unternehmensphilosophien vorstellen.

    Und so durfte ich mir schließlich folgendes anhören (Gedächtniszitat): „Unsere erste Philosophie ist Qualitätsarbeit. Unsere zweite Philosophie ist verantwortungsvolles Unternehmertum. Und unsere drittte Philophie ist ‚Made in Germany’“ Sich des Umstandes, dass nicht alle Zuhörer Philosophie studiert haben, voll bewusst fügte er noch einen besonders schönen Satz an: „Und diese Philosophie können wir in Deutschland am besten leben„. Yeah! Soviel „lebenswerte“ Philosophie war selten.

    (Zur Philosophie dieses Unternehmens liegen mir leider keine Informationen vor.)

    (Volker Strübing)

    PS: Bin noch etwas irritiert, weil die berühmte Schweizer Philosophin Hazel Brugger kürzlich darauf hinwies, das „Volker Struebing“ ein Anagramm zu „Kotversilberung“ darstellt. Klingt jedenfalls nach ner prima Geschäftsidee, man möchte fast sagen, nach einer Philosophie: Aus Scheiße Silber machen.

  • Die gefährlichsten Jobs der Welt – Heute: Autor

    Ich suche Menschen, die mit mir eine Selbsthilfegruppe für Leute gründen, die sich ebenfalls den Meniskus verletzt haben, als sie nachts durch ein Fenster in eine medizinische Fußpflegepraxis eingestiegen sind. Bitte meldet euch, ich kann doch unmöglich der einzige sein, dem das passiert ist!

    Aber immer langsam mit den jungen Pferden, bzw. alten Gelenken, lasst mich meine Geschichte erzählen …  (mehr …)

  • War on Happiness

    Sommer 2012. Die Glückssucht in Deutschland ist zu einer gesellschafts- und freiheitsbedrohenden Epidemie geworden. Die Süchtigen taumeln durch die Straßen; gedankenlos, gleichgültig, hedonistisch; erbärmliche Würstchen, an nichts anderem als dem nächsten Schuss Glück interessiert; sie wollen nicht wissen; sie halten die Freiheit für etwas, das vom Jobcenter an Bedürftige ausgegeben wird; die Glückssucht hat ihren Verstand vernebelt und ihre Seelen zerfressen, alles außer der nächsten Dosis Glück ist ihnen eine Last, sogar, dass es wieder deutsche Gefallene gibt, ist ihnen nur schwer erträglich. Die Glücksdealer reiben sich die Hände, ihre Geschäfte laufen bestens, während die Glücksbeschaffungskriminalität immer schrecklichere Ausmaße annimmt und Glückssüchtige auf Turkey wie die Zombies in Dawn of the Dead die Einkaufszentren stürmen …
    Höchste  Zeit, den „War on Drugs“ auf das Glück auszudehnen!   (mehr …)