Auf der Kastanienallee war’s. Der vordere Bremsbaudenzug meines Fahrrades war gerissen (dieses gerissene kleine Miststueck, dieses!) (Entschuldigung!). Und ich dachte, ich lass den wieder zusammenknueppern oder ersetzen oder was auch immer zu noetig waere, um mit dem Fahrrad wieder fahren und anhalten zu koennen. Ich hatte ja auch Geld mit und war der irrwitzigen Meinung, jemand wuerde gerne fuer Geld fremder Leute Fahrraeder reparieren. Ein Laden mit einem Schild auf dem „Fahrradreparaturen“ stand bestaerkte mich in meinem Wahn.
Versehentlich war ich aber in ein Fachgeschaeft fuer schlechte Laune und Kundenbeschimpfungen geraten.
Ich: „Mir ist hier der Bremsdingens gerissen und wuerde das gerne reparieren lassen.“
Er: „Aha. Und neue Bremsbacken wollen Sie nicht?“
Ich: „Hm. Weiss nicht, wenn Sie meinen, da waeren neue noetig …“
Er (verdreht die Augen, fuchtelt mit den Armen, redet theatralisch): „Nein, ach was, neue Bremsbacken, so ein Quatsch, die sind ja nur total runter, das ist ja noch lange kein Grund die auszutauschen, ach wo, nein, nein, auf gar kein Fall.“
Ich: „Okay, okay, ich hab’s kapiert, die Bremsbacken sind runter …“
Er (schnauzt mich an): „Na was denken Sie denn, warum der Baudenzug gerissen ist. Die haben doch keine Bremswirkung mehr! Darum ham Sie doch an den Bremsen gezogen wie ein Idiot! Natuerlich reisst das dann! Aber bitte schoen, wenn Sie wollen, tausche ich Ihnen auch bloss die Baudenzuege aus! Meine Schnauze isses ja nich auf die Sie sich dann packen!“
Ich: „Aehm ja, ist ja gut. Schoen, wenn man so freundlich beraten wird. Also, wenn Sie meinen, die Bremsbacken muessten ausgetauscht werden, dann …“
Er (bruellt mich an): „Natuerlich muessen die ausgetauscht werden! Das sieht doch ein blinder mitm Krueckstock, dass die ausgetauscht werden muessen!“
Nun bin ich leider kein Blinder mitm Krueckstock und hatte es daher nicht gesehen, war aber bis zu diesem Zeitpunkt durchaus bereit gewesen, seinem professionellen Rat zu vertrauen. Jetzt wollte ich nur noch weg. Es gibt so eine ganz eigene Handwerkerarroganz, die weit verbreitet ist unter allen, die einen Schraubenzieher am richtigen Ende anzufassen wissen, aber selten habe ich sie so ausgepraegt erlebt.
Ich: „Ja, also ich geh dann mal. Ich hab jetzt gar nicht so’ne Lust, mich beschimpfen zu lassen.“
Er: „Und ich hab keine Lust auf Kunden, die hierherkommen und dann nicht zuhoeren wollen!“
Ich: „Tschuess!“
Er: „Schoenen Sommer noch!“
Ich: „Ihnen nicht!“
(Volker Struebing)
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