Ich bin so blöd, echt! Am 31.12 18.00 Uhr habe ich endlich mein Rohmanuskript an den Verlag geschickt und dachte, dass ich mir mal drei, vier Tage Nichtstun erlauben kann – Pustekuchen! Irgendein Idiot (ich selbst um genau zu sein) hat mir zu Weihnachten das Aufbaustrategiespiel „Anno 1701“ geschenkt. Dabei hätte ich doch von „Die Siedler 3“ wissen müssen wo das hinführt. 2008 war das erste Jahr seit anno sonstewann, in dem ich nicht drei Wochen oder länger komplett weg vom Fenster war, weil ich von dem Scheißspiel nicht losgekommen bin und da dachte ich, ich könnte es mal wieder probieren und vielleicht habe ich ja Glück und „Anno 1701“ ist total doof und ich schmeiße es nach 3 Stunden wieder von der Festplatte. Nix da. Eigentlich wollte ich gestern wieder ins Leben zurückkehren, aber ich sitze immernoch an dem Mist. Aber morgen ist Schluss! Oder übermorgen!
Wenn es wenigstens entspannend wäre! Stattdessen muss man sich konzentrieren wie ein Fluglotse, sonst brennen einem die Bürger die Stadt nieder, weil der Alkohol alle ist oder der Tabak oder auch die Nahrungsmittel. Und nachts legt man sich ins Bett und kann nicht einschlafen, weil man über die Optimierung der Handelsrouten nachdenkt und dazu im Hinterkopf den Soundtrack zum Spiel hört. Um überhaupt schlafen zu können, muss man sich entweder völlig betrinken oder stundenlang lesen. Ich lese gerade „América“ von T.C. Boyle. Sehr spannend, vielleicht ein bisschen zu konstruiert, vor allem aber extrem deprimierend. Auf dem Rücken des Buches steht ein Zitat von einem Reed Stillwater aus der Taz: „Bittere Situationskomik, die noch im Moment der Katastrophe zum Lachen reizt“ – das muss ein Druckfehler und eigentlich für ein anderes Buch gedacht gewesen sein. Oder ich habe über dem Compuzterspielen meinen Sinn für Humor komplett verloren. „América“ kann man nur lesen, wenn man parallel irgendeinen fröhlichen Schmöker schmökert, um sich ein bisschen aufzumuntern. Kafka oder Houllebecq oder so. Ich lese parallel: „I hate myself and I want to die“ – ein Buch über „die 52 deprimierendsten Songs aller Zeiten“. Ich habe aber den Eindruck, der Autor meinte eigentlich die 52 schlechtesten Songs aller Zeiten, er schimpft über schnulzige Texte, eintönige oder schräge Musik, jaulenden Gesang und so und das sehr lustig. Die Lieder über die ich bis jetzt etwas gelesen habe, kannte ich meistens nicht und wenn, dann fand ich sie auch doof. Laut Inhaltsverzeichnis nimmt er sich auch noch „Love will tear us apart“ von Joy Division vor. Mal gucken, was er darüber schreibt, danach entscheide ich, ob mir das Buch gefällt.
So, und jetzt werde ich rasch meine Armee aufbauen und endlich Gräfin Agatha von Thielen überfallen.
Euch ein frohes neues Jahr und viel Spaß im sogenannten wahren Leben!
(Volker Strübing)
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