Ich habe ein neues Handy, tolle Sache das. Mein letztes Handy war ein ganz einfaches. Das konnte nur telefonieren und SMSe verschicken und wecken und taschenrechnen. Nicht mal doofe, schwammige Handyfotos konnte man damit machen. Dann habe ich zum Glück das Netzteil verbummelt und gleichzeitig stand die Vertragsverlängerung an und ich dachte so: „Yeah, jetzt hole ich mir wieder eins mit ganz viel Schnickschnack!“ und bin daher nunmehr stolzer Besitzer eines Nokia N86. Der Stolz beruht hauptsächlich auf der Tatsache, mich so gut unter Kontrolle zu haben, dass ich es noch nicht mit voller Wucht gegen eine Wand geschmissen habe.
Dabei ist es eigentlich ein beeindruckendes Stück Technik. Es ersetzt zumindest in einigen Punkten einen kompletten PC: Es braucht ungefähr genauso lange, um nach dem Einschalten hochzufahren, es stürzt genauso oft ab und es wird im laufenden Betrieb immer langsamer, weil irgendwelche Programme im Hintergrund laufen (als Programm gilt zum Beispiel die Wahlwiederholungsliste, die man, wenn man sie benutzt hat, nach dem Anruf nocheinmal extra öffnen muss, wenn man das „Programm“ schließen will. Alternativ geht das aber auch über zwei Untermenüs).
Ein Highlight ist der leichtgängige Schiebeschalter an der Seite, mit dem man schwuppdiwupp die Tastatursperre aufheben kann. Er hat es mir ermöglicht, mit der Hand in der Hosentasche Videoanrufe zu tätigen und sogar schon eine ganze Telefonkonferenz abzuhalten, ohne es überhaupt zu merken. So muss Technik sein. Sie darf sich nicht in den Vordergrund drängen und den Benutzer überfordern, das muss alles ganz von alleine gehen. (Ich hoffe, B., der neulich nacht gegen 2.30 Uhr einen Videoanruf aus meiner Hosentasche bekommen hat, hat das nicht irgendwie falsch verstanden …)
Der Fotoapparat kann natürlich auch telefonieren. Umgedreht meine ich. In das kleine Wunderwerk ist eine 8 Megapixelkamera eingebaut – das heißt ich kann die doofen, schwammigen Handyfotos endlich in Postergröße ausdrucken, ohne dass etwas von der schlechten Qualität verloren geht!
Es ist mein erstes Nokia Handy seit vielen Jahren, aber eigentlich wollte ich längst schon wieder zu dieser Marke zurückkehren. Der Grund heißt Snake. Bis heute das einzige schöne Handyspiel, das ich kenne. Und tatsächlich: Snake ist mit drauf. Es dauert ungefähr eine Minute, bis das Programm geladen ist und entpuppt sich als 3D-Remake für ADS-Patienten auf Koks. Darüberhinaus ist es nur die Light-Version, die Vollversion kann, wer will, im Online Shop kaufen.
Och Menno.
Alles, was mit Computern zusammenhängt, wird wahrscheinlich nicht für Menschen entwickelt, sondern für irgendwelche Außerirdischen. Diese sind aber nicht so geduldig und friedliebend wie ich und die meisten Menschen und neigen zur Lynchjustiz. Deshalb testet man alle Rechner, Handys, Software und pipapo ersteinmal ausgiebig an uns, so wie man Medikamente auch erst einmal an Tieren und Sicherheitsvorrichtungen an Crashtestdummies testet. Damit ist zumindest auch die Frage nach dem Sinn unseres Lebens beantwortet.
(VS)
PS: Aber: Es ist schick, die Tonqualität ist die beste, die ich je bei einem von mir besessenen Handy erlebt habe und ich liebe die Funktion, die es erlaubt alle 60 Sekunden das Hintergrundbild wechseln zu lassen. Bei 8GByte Speicher kann man da ein wochenlange Dia-Show zusammenstellen.
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