Er hat Jehova gesagt!

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Da kommt man nach Berlin zurück und dann sowas: Heiner Geißler hat – auwacka! – Goebbels zitiert. Wie mich die reflexhafte Empörung anekelt, wann immer jemand einen inneren Reichsparteitag hat oder einen Hitlervergleich macht, dieser Worthülsenantifaschismus, dieses Gezeter, dieses blutleere, herzlose … huch, fast hätte ich Gutmenschentum geschrieben …, diese moralische Besserwisserei. Das erinnert mich alles an den staatlich verordneten Antifaschismus in der DDR, der keine emotionale Verankerung hatte und letztlich einen Haufen Nazis produziert hat. Außerdem erinnert es mich an Monty Python:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=0I7B2EwltUA]

Ich glaube, ich lass mir einen langen Bart wachsen, ziehe mir ein zerfetztes Gewand an, lass mich in Ketten legen, tanze im Staub und rufe „Totaler Krieg! Totaler Krieg!“ Von mir aus darf auch Weibsvolk anwesend sein.
Vorher werde ich aber noch ein paar Bilder aus dem Libanon posten.

(VS)

Kommentare

19 Kommentare zu „Er hat Jehova gesagt!“

  1. Avatar von rauskucker

    Danke, Volker. Ich hab grad ein paar Twitter-„Freunde“ verloren, weil ich partout den Herrn Geißler nicht für einen Nazi halten wollte. Für die bin ich jetzt selber einer.

  2. Avatar von rauskucker

    Übrigens, apropos „Gutmenschen“ … du wolltest doch ….
    (Oder hab ichs etwa übersehen?)

    ersatzweise hat Michalis da was recht Ordentliches zu aufgeschrieben:
    http://print-wuergt.de/2011/07/29/gutmenschen/

  3. Avatar von Lars Reineke

    Geißler ist natürlich kein Nazi, aber dieses Rumgewinde von wegen, er wisse doch nicht, was der Goebbels gesagt hat, ist doch armselig.

    Ich schrieb schon auf Google+:
    Warum sagt Geißler nicht einfach „Es war nicht meine Absicht, die Sprechweise der Nazis zu verharmlosen, ich wollte die verfahrene Situation verdeutlichen und bin mit diesem Zitat wohl über’s Ziel hinausgeschossen, tut mir leid“?

    Macht er aber nicht. Er macht lieber den Zidane und geht so peinlich ab, wie es nur möglich ist.

    Heil Hitler.

    (Ich meinte natürlich nicht den deutschen Gruß, sondern das war mehr so eine allgemeine Aufforderung an die Mediziner, den kleinen Kevin Hitler zu heilen, der schon seit Wochen krank im Bett liegt.)

  4. Avatar von Volker Strübing

    @Lars: Da haste natürlich recht, allerdings hat er ja wohl noch mal präzisiert, dass ihm die Herkunft dieses … ich sag mal: geflügelten Wortes durchaus bekannt ist, er nur die diesbezügliche Frage akustisch nicht verstanden hat. Das mag stimmen oder auch Herausgewinde sein. Seine Reaktion war jedenfalls nicht sehr souverän. Wenn einem sowas aber rausrutscht und man dann mit einer Staatsaffaire konfrontiert wird, die man weder beabsichtigt, noch im Eifer des Wortgefechts vorausgesehen hat, ist auch das irgendwie verständlich.

    Im Namen des deutschen Volkers: Icke

  5. Avatar von Volker Strübing

    @rauskucker: Danke für den Link! Schöner Beitrag. Was mein Versprechen angeht, selber einen Artikel zum Thema „Gutmensch“ zu schreiben: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?“ (Es muss nicht immer Goebbels sein, man kann ruhig auch mal Adenauer zitieren!)

  6. Avatar von Winfried Sobottka

    Zitat: „Wie mich die reflexhafte Empörung anekelt, wann immer jemand einen inneren Reichsparteitag hat oder einen Hitlervergleich macht, dieser Worthülsenantifaschismus, dieses Gezeter, dieses blutleere, herzlose … huch, fast hätte ich Gutmenschentum geschrieben …, diese moralische Besserwisserei. Das erinnert mich alles an den staatlich verordneten Antifaschismus in der DDR, der keine emotionale Verankerung hatte und letztlich einen Haufen Nazis produziert hat.“

    => Großartig getroffen. Anstelle von Moral wird pathologische Pseudomoral geboten, Staat und Gesellschaft können nicht mehr tiefer sinken.

  7. Avatar von Tom
    Tom

    Die Reaktion auf Geißlers Zitat (bzw. auf das von Geißler benutzte Zitat) muss man auch auf dem Hintergrund seiner Arbeit als CDU-Generalsekretär in den 80er Jahren sehen. Damals hat er z.B. den Pazifismus (damals gegen die atomare Abschreckungspolitik) mit dem Pazifismus der 30er Jahre verglichen, „der Auschwitz erst möglich gemacht“ habe. Zimperlich ist er mit seinen politischen Gegnern nie umgegangen. Das sind alte Empfindlichkeiten, die hier wieder aufgebrochen sind. Ohne diese Vorgeschichte hätte es wahrscheinlich keine Aufregung darum gegeben.

  8. Avatar von Tom
    Tom

    Und so eine reflexartige Reaktion ist Dir sicher auch nicht ganz fremd:
    http://volkerstruebing.wordpress.com/2010/02/18/solange-ein-arbeitsloser-mehr-geld-bekommt-als-ein-kind-in-einem-indischen-steinbruch-wird-er-sich-nie-um-arbeit-bemuhen/
    Wenn Du meinen ironischen Kommentar (obwohl von vielen ernst genommen) zu dem damaligen Posting liest, werden Dir Parallelen zu Deinem heutigen Posting auffallen. Ha!

  9. […] Was es zur Empörungsmaschine in Sachen Geißler-Goebbels zu sagen gibt, hat Volker Strübing zusammengefasst. […]

  10. Avatar von Volker Strübing

    @Tom: Mist, erwischt 😉

  11. Avatar von Sebastian

    Hast Du jetzt Goebbels mit Jehova verglichen? Ist das Godwin, Godgodwin, ein Win-Win oder was? Das ist mir alles schon wieder zu viel.

  12. Avatar von Volker Strübing

    Oh jeh! Aber ich wusste noch nicht, was Jehova bedeutet 😉

  13. […] war pawlowmässig klar, was in den Medien so passieren wird. Dazu hat Volker Strübing fast alles gesagt – bis auf […]

  14. Avatar von maziarworld

    Und es ist eine seltsame Zeit,
    lieber Freund
    Versteckt die Freiheit im Verließ
    hinter’m Haus, dort wo’s dunkel ist
    Ahmad Shamlou

    Einer schreibt ein Buch, die Dummheit siegt und er wird Millionär.
    Einer sagt: Wollt ihr den totalen Krieg, schon sind kampflustig die Barrikaden errichtet, geschossen wird scharf, getroffen wird das Herz. Wesen Herz eigentlich, das von dem kleinen Kevin, allein zuhaus, versteckt hinter Freiheit und Demokratie. Und es ist eine seltsame Zeit, lieber Freund.

  15. […] Heiner Geißler, laut FDP “der Jopi Heesters des Politikbetriebs” hat “totaler Krieg” gesagt. Au weia. Und alle Welt regt sich auf, wittert den verkappten Neonazi. Ich halte es da eher mit Volker Strübing. […]

  16. […] Er hat Jehova gesagt! (via Schnipselfriedhof) Von Clarknova Da kommt man nach Berlin zurück und dann sowas: Heiner Geißler hat – auwacka! – Goebbels zitiert. Wie mich die reflexhafte Empörung anekelt, wann immer jemand einen inneren Reichsparteitag hat oder einen Hitlervergleich macht, dieser Worthülsenantifaschismus, dieses Gezeter, dieses blutleere, herzlose … huch, fast hätte ich Gutmenschentum geschrieben …, diese moralische Besserwisserei. Das erinnert mich alles an den staatlich verordneten Anti … Read More […]

  17. Avatar von AMUNO

    Mittlerweile müssen Leute in der Öffentlichkeit fast jedes 4. Wort aus ihrem Sprachschatz streichen. Ich denke, man kann es auch übertreiben und wenn dem Mann sonst nicht beizukommen ist, versucht man es eben auf dieser Schiene.

    mfG

    AMUNO

  18. Avatar von widuwilt
    widuwilt

    Dieser staatlich verordnete Antifaschismus in der DDR war wirklich schlimm, weil er ja nun wirklich keine emotionale Verankerung hatte. Zwar hatte es auch in der Bundesrepublik keine emotionale Verankerung des Antifaschismus gegeben, das lag aber vor allem daran, dass es dort überhaupt keinerlei Antifaschismus gab. Mit dem Ergebnis, dass wir im Osten den ganzen Nazimüll aus dem Westen abgelagert bekamen. Mal ganz emotionslos verankert.

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