Ich weiß, dass ich es sehr gut habe mit dem, was ich tue und ich bin dankbar dafür und glücklich darüber. Und manchmal, wenn mir das plötzlich ganz intensiv bewusst wird, kann ich es kaum fassen. Letzten Donnerstag in Frankfurt/Main gab es wieder so einen Moment. Man muss sich das mal vorstellen: Ich werde ans andere Ende Deutschlands eingeladen, um Geschichten vorzulesen, Leute kommen und hören sie sich an und klatschen, manche kaufen auch noch ein Buch oder sagen mir, dass sie es toll fanden (wobei sie sich oft beinahe dafür entschuldigen, als würden sie mir eine Freude machen, sondern mich mit irgendwas Doofem behelligen) – und damit bestreite ich meinen Lebensunterhalt, ist das nicht unglaublich? Es gibt soviele Leute, die ihre Arbeit gut machen und das nie gesagt bekommen. Meine Schwester ist S-Bahn-Fahrerin, aber wenn sie überhaupt Feedback von Fahrgästen bekommt, dann sicher nur in Form wütender Blicke, wenn sie mal verspätet auf dem Bahnhof einfährt. Dabei tut Bestätigung so gut und ich weiß nicht, ob mir eine regelmäßige Überweisung je den Applaus ersetzen könnte.
Ich schäme mich gerade ein bisschen, dass ich immer zu denen gehört habe, die es peinlich fanden, wenn die Leute im Ferienflieger nach einer gelungenen Landung klatschten. Andererseits weiß ich auch, dass niemand verlangen kann, dass man jedesmal in Begeisterung und Hoch-Rufe ausbricht, wenn die S-Bahn kommt, wenn die Kassiererin in der Kaufhalle schnell und freundlich war oder ein Polizist einem Radfahrer ohne Licht ordnungsgemäß eine Verwarnung ausgesprochen hat.
Ich habs wohl einfach verdammt gut.

Im Hotel.

Fensterblick am Abend.

Fensterblick am Morgen.
Eher nicht zu empfehlen ist ein Morgenspaziergang bei Schneematsch und Nieselregen durchs Frankfurter Bahnhofsviertel. (Wobei ich nicht sicher bin, ob Sonnenschei da viel rausreißen würde.)
(Volker Strübing)
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