Kategorie: Unterwegs

  • Reisen mit Baby – eine Lose-Lose-Situation (Vater werden … Teil 7)

    Reisen mit Baby – eine Lose-Lose-Situation (Vater werden … Teil 7)

    „Wo ist die Pamela-Hannelore?“, rufe ich.
    „Daaaaaa ist die Pamela-Hannelore!“, rufe ich.
    „Wo ist der Papa von der Pamela-Hannelore?“, rufe ich.

    Pamela-Hannelore ist unsere Tochter. Nur dass sie in Wirklichkeit zum Glück nicht Pamela-Hannelore heißt. Pamela-Hannelore sitzt im Kindersitz neben mir auf der Rückbank des kleinen Autos. Da nur die Freundin einen Führerschein hat, bin ich auf Dauer nach hinten verbannt. Backseat Girl und Backseat Boy bzw. Backseat Dad. Take Dad, haha, Entschuldigung, ich bin möglicherweise verrückt geworden, hihi. Rücksitz On The Block, hoho.

    Wir machen einen Wochenendausflug von Christchurch an der Ostküste der Südinsel Neuseelands an die Westküste, quer durch die neuseeländischen Alpen. (Häh? Was macht denn der Strübing in Neuseeland?) Draußen ziehen mutmaßlich beeindruckende neuseeländische Landschaften vorbei, aber ich bin gerade anderweitig beschäftigt:

    „Daaaaa ist der Papa von der Pamela-Hannelore!“, rufe ich.
    „Guck mal, der Wasserfall!“, ruft die Freundin.
    „Wo?“, rufe ich.
    „Vorbei!“, ruft die Freundin.
    „Wo ist die Tochter von dem Papa von der Pamela-Hannelore?“, rufe ich.

    Beestje waar ben je? Tierchen, wo bist du?– ist zur Zeit das Lieblingsbuch der Tochter: Ein niederländisches Spielbuch mit Filzklappen, hinter denen sich eine Raupe, eine Biene, eine Schnecke, ein Marienkäfer mit Stiefeln und, auf der letzten Seite, ein Spiegel verbergen.

    „Daaaa ist die Tochter von dem Papa von der Pamela-Hannelore!“, rufe ich.

    Wenn wir am Ende des Buches angekommen sind, bewege ich das Buch so, dass die Tochter abwechselnd sich selbst und mich sieht. Manchmal kann ich sie auf diese Weise solange beschäftigen, bis sie einschläft. manchmal wird es ihr zu blöd, sie durchschaut den Trick und fängt wieder an zu schreien.

    (Ein bisschen besser als Autofahren: Die Papa-Sänfte.)

    Sie hasst Autofahrten. Und sie hat mich gelehrt, Autofahrten ebenfalls zu hassen. Zumindest Autofahrten mit Tochter an Bord, zumindest, wenn die Tochter schreit und ich sie nicht einfach in den Arm nehmen kann, sondern mich irgendwie verdreht zu ihr hinüber beuge und sie mit immer neuen Tricks und Spielen abzulenken versuche und nichts mehr hilft und mir die Ohren bluten, weil sie eine unfassbare Lautstärke produziert und zwar mit exakt der Frequenz, die Trommelfelle wie Glas zerspringen lässt.

    „Wo ist der Freund von der Mutter von der Tochter von dem Papa von der Pamela-Hannelore? Daaaa ist der Freund von der Mutter von der Tochter von dem Papa von der Pamela-Hannelore!“, rufe ich.

    (Jaja, ganz hübsch. Aber das beste ist, dass die Tochter schläft!)

    Unterwegssein mit Kind ist (ich glaube, soviel kann man sagen, ohne Widerspruch herauszufordern) anders als ohne. „Besser“ wäre das falsche Wort. „Schlechter“ darf man nicht sagen, weil offiziell alles besser ist mit Kind. Aber, seien wir ehrlich: Es wäre für alle Beteiligten einfacher, wenn wir die Tochter für unsere verlängerte Wochenendtour bei der Oma geparkt hätten. Wir haben uns aber nicht getraut, die Omen in Deutschland und den Niederlanden zu fragen, ob sie am Wochenende vorbeikommen können.

    Kennt ihr diese super praktischen, extra leichten, sinnreich ausgetüftelten Camping-Ausrüstungsgegenstände, die man in Outdoorläden kaufen kann und die das Reisen soviel einfacher machen? Ein Baby ist das genaue Gegenteil davon.

    Dauert muss man es einschmieren und mit Wasser und Nahrung befüllen und auf dem Rücken Berge raufschleppen und wieder runterschleppen und es saubermachen und unterhalten und vor allem von der großen Gemeinheit hinter allem ablenken: Dass sie stundenlang in Kindersitzen, Kinderwägen und Babytragevorrrichtungen festgezurrt wird, damit Mama und Papa etwas Tolles erleben können, was freilich in genau dem Moment aufhört, toll zu sein, wo sie den Betrug durchschaut und sich sagt: „Wenn ich ’n scheiß Tag hab, sollen die auch ’n scheiß Tag haben!“ Und glaubt mir, sie hat keine Probleme damit, diesen Entschluss in die Tat umzusetzen!

    (Was man auf diesem Bild nicht sieht: die schreiende Tochter auf meinem Rücken, das Zahnfleisch, auf dem ich den Berg hochgekrochen und die zerreißenden Nerven, an denen ich mich später bergab hangelte.)

    Und selbst wenn alles gut läuft: Beim Herumreisen habe ich das erste Mal wirklich geschluckt und gemerkt, was alles wegen dieser ganzen Kinderkriegerei unmöglich geworden ist.

    Einfach mal am Meer anhalten, aus dem Auto springen und ins Meer rennen? Kannste knicken. Einfach mal an einem Café anhalten, aus dem Auto springen und einen Kaffee trinken? Kannste knicken. Einfach mal Abends auf ein Bierchen ausgehen und bei Bedarf 7 Schnäpse und 3 Cocktails daraus werden lassen? Kannste knicken.

    (Eine recht gelungene Illustration meines Geisteszustandes an jenem speziellen Tag.)

    Neidvoll sieht man jungen Paaren oder Singles zu, die einfach tun, wonach ihnen der Sinn steht, hier mal eben in den Ozean hüpfen, dort mal eben im Gebüsch kopulieren, da mal eben den Laptop aufklappen und ein bisschen Buchhaltung machen. Wobei wir das mit dem Kopulieren nicht wirklich gesehen haben, das mit dem Laptop dafür um so häufiger gesehen.

    (Neuseeland: Traumland für Kite-Surfer und Pram-Pusher!)

    Alles richtet sich nach der Tochter, und wenn die gerade schläft, überlegen wir uns dreimal, ob wir jetzt wirklich für irgendeinen dahergelaufenen Gletscher, die paar Wale da am Horizont oder den Drehort der Szene, in der sich Frodo die Nägel schneidet, anhalten und riskieren, dass die Tochter wieder wach wird und das alte Spiel erneut beginnt:

    „Wo ist das Baby vom Freund von der Mutter von der Tochter von dem Papa von der Pamela-Hannelore? Daaaa ist das Baby vom Freund von der Mutter von der Tochter von dem Papa von der Pamela-Hannelore!“

    Reisen mit Baby ist das eine. Reisen UND Arbeiten mit Baby ist noch mal eine ganz andere Nummer. Ich will mich um Himmels Willen nicht beschweren, schon aus Angst, dass mich bei meiner Rückkehr am Flughafen Tegel ein von Neid zerfressener, mit Mistgabeln bewaffneter Mob erwartet, der (völlig zu recht) gern mit mir getauscht hätte.

    Aber – wird man ja wohl noch sagen dürfen –: Die Zeit und Ruhe zu finden, Dinge zu erleben, zu verarbeiten und dann darüber zu schreiben, ist … schwierig. Die werte Mutter von der Tochter von dem Papa von der Pamela-Hannelore, die erfreulicherweise auch noch meine Freundin ist, hilft mir sehr. Da wir beide freischaffend sind, versuchen wir immer demjenigen von uns, der gerade mehr zu tun hat, ein bisschen Kinderkümmerei abzunehmen. Aber es bleibt eine Herausforderung.

    Bevor die Tochter geboren wurde, haben mir andere Eltern gesagt: „Jaja, mit dem Schlafen, das ist schwierig, aber irgendwann kommt das zurecht: Du schläfst einfach, wenn das Baby schläft!“ In welcher wunderschönen Parallelwelt leben diese Menschen? Bei mit heißt es: „Du arbeitest einfach, wenn das Baby schläft.  Und schläfst, wenn … naja, da findet sich nachts schon noch ein Stündchen.“ Wenn die Babyaugen zuklappen, klappe ich den Laptop auf.

    (Making of dieser Blogbeitrag)

    „Wo ist der jugendamtlich beurkundete zweite gesetzliche Vertreter des Babys vom Freund von der Mutter von der Tochter von dem Papa von der Pamela-Hannelore?“, rufe ich.

    Große Glücksfälle im Leben bringen ja immer die Verpflichtung mit sich, auch glücklich zu sein. Wenn man zum Beispiel samt Freundin und Tochter nach Neuseeland fliegen kann, um zu schreiben. Die einzig zulässige Antwort auf die Frage, wie es einem zu jedem beliebigen Zeitpunkt dieser Reise geht ist „super“. Alles andere wäre eine Verhöhnung der in der lichtlosen kalten Heimat Zurückgebliebenen.

    Aber wie fad wäre ungetrübtes Glück? Wie langweilig ein Paradies ohne Sandfliegen? (Dies sind rethorische Fragen. Wären sie es nicht, müsste ich antworten mit: „Keine Ahnung. Aber ich würde es verdammt gerne mal ausprobieren“ 😉

    „Daaa ist der jugendamtlich beurkundete zweite gesetzliche Vertreter des Babys vom Freund von der Mutter von der Tochter von dem Papa von der Pamela-Hannelore“, rufe ich.
    „Oh, da, schon wieder ein Roadkill!“, jubelt die Freundin, die vermutlich vehement bestreiten würde, gejubelt zu haben, aber ich bin hier vor allem meinem Text verpflichtet und nicht solchen Lappalien wie der Wahrheit. „Ich glaub, das war ein Possum!“
    „Wo?“
    „Vorbei! “
    „Wo ist die Cousine vom Sohn des Bruders des jugendamtlich beurkundeten zweiten gesetzlichen Vertreters des Babys vom … äh, verdammt, jetzt bin ich durcheinandergekommen!“ Die Tochter beginnt wieder zu schreien.

    Pamela-Hannelore  interessiert sich einen Dreck für die neuseeländischen Alpen. Viel lieber würde sie auf dem (vorzugsweise ungesaugstaubten) Teppich in unserer Wohnung nach verschluckbaren Kleinteilen suchen und vielleicht einen schön eingespeichelten, mit Staub und Fusseln und Haaren verklebten Brot-mit-Erdnussbutter-Batzen finden, den sie beim letzten Mittag vorsorglich in irgendeine finstere Ecke gepfeffert hat.

    (Wer braucht schon Berge und Regenwald, wenn er ein Gänseblümchen haben kann?)

    Letztlich ist es purer Egoismus, mit einem Baby zu verreisen, einfach, weil es noch geht. Ein Egoismus, der sich rächen kann.

    Eines Tages wird sie uns dafür hassen, dass wir diese Reise mit ihr gemacht haben. Wenn sie uns nämlich fragt, ob wir in den Ferien nach Spanien, Amerika oder Paris fliegen können und ich antworte: „Du warst schon in Neuseeland, guck, da sind die Fotos. Und jetzt zieh die Schuhe an, wir fahren an den Müggelsee.“

    „Oh, ein Pinguin“, ruft die Freundin.
    „Wo?“, rufe ich.
    „Jugendamtlich beurkundet“, sagt die Tochter.
    „Was?!?!“, rufe ich.
    „War nur ein Witz“, ruft die Freundin.
    „Blöbbelblöbbel“, macht die Tochter.

    („Jaja Schatz, alles im Auto, lass uns schnell losfahren!“)

    Epilog und Ausblick: Bis jetzt war alles nur Probe. Zwischen Weihnachten und Anfang Januar sind wir mit dem Zelt unterwegs, weil wir verpasst haben rechtzeitig Unterkünfte zu buchen. Mal sehen, wie ihr das schmeckt, har har har! (Und uns. Der Wetterbericht verspricht für Sylvester 18 Grad Höchsttemperatur.)

    ((Kinderwagen-)Spuren im Sand …)

     

     

  • Reise um die Welt in 80 Stunden

    Reise um die Welt in 80 Stunden

    [Ich bin Neuseeland. Unter www.jottwehdeh.de gibt es regelmäßig Reiseberichte und Fotos. Ab und zu poste ich etwas auch hier, zum Beispiel den folgenden Text, weil er zumindest ein bisschen in meine Vater-sein-Reihe gehört:]

    Reise um die Welt in 80 Stunden*

    (* Eigentlich: „… die halbe Welt in 37 Stunden“, aber wie klingt denn das?!)

    Nach 10 Tagen in Christchurch ist es viel zu spät für eine spontanen Text über die ersten Eindrücke. Allerdings war ich, als es noch nicht zu spät war, viel zu sehr mit diesen ersten Eindrücken beschäftigt, als dass ich sie hätte aufschreiben können. Und ganz davon abgesehen doch ein bisschen kaputt nach 37 Stunden Flug mit Baby, was nach aktuellem Umrechnungskurs 63 Stunden ohne Baby entspricht.

    Ich will hier nichts auf die Tochter schieben! Im Gegenteil, sie hat es super gemacht, dank ihr hatten wir die Plätze mit den Baby Bassinets … keine Ahnung, wie man das übersetzen soll, ich würde ja Babyklappe sagen, aber das hat einen Beigeschmack. So Dinger jedenfalls, die man aufklappt und dann tut man das Baby rein. Nur dass man es wieder rausholt, bevor man sie wieder zuklappt. Wir haben die Klappe gar nicht benutzt, aber das sind auch Plätze mit sehr viel Beinfreiheit, so dass zumindest Mama und Papa etwas davon hatten, wenn schon nicht die Tochter. Die hat unterdessen die Cabin Crew derart bezaubert, dass wir sogar noch bessere Plätze als sowieso schon bekamen und ein Steward für sie Pralinen aus der 1. Klasse mopste. Die haben dann allerdings auch wieder Mama und Papa gegessen, während die Tochter mit einem weiteren ungewürzten Reis-Cracker vorlieb nehmen musste.

    (Und dann hat die Tochter aus unserer schönen Beinfreiheit einen Spielplatz gemacht!)

    Das Problem war nur, das Schlafen überhaupt nur dann in Frage kam, wenn die Tochter auch gerade schlief.

    Davon abgesehen war der Flug prima, so ein A380 ist eine feine Sache und … tja, beeindruckend. Ich bin ja leicht zu beeindrucken. Lässt du einfach eine zweistöckige geflügelte Alu-Röhre mit dem Gewicht von einer Million Tüten Mehl durch die Luft fliegen, schon bin ich beeindruckt. Die Freundin brachte es auf den Punkt: „Jetzt fliegen wir hier praktisch mit einem ganzen Dorf 10 Kilometer über der Erde um die halbe Welt.“ Nachdem sie das gesagt hatte, verlor ich eine weitere Stunde Schlaf, als ich versuchte auszurechnen, wieviele Menschen sich weltweit zu jedem beliebigen Zeitpunkt in der Luft befinden.

    Ankunft in Christchurch

    (Das erste, was einem in Neuseeland auffällt: Es ist wirklich alles genau andersrum!)

    Wir kamen Samstag Morgen um 5 in Christchurch an, und waren kurz nach 6 aus dem Flughafen raus – die Einreiseprozedur hatte sich etwas verzögert, nach dem an der letzten Tür der Bio-Protection-Hund auf unser Gepäck aufmerksam geworden war.
    Wir hatten versucht wirklich alle Essensreste vor dem Kontrollpunkt wegzuschmeißen, hatten alle Döschen, in denen wir Obst und Gemüse für das Baby transportiert hatten, ausgespült, aber in einigen Taschen fanden sich noch genug Tomaten- und Gurken-Spurenelemente für die empfindliche Hundenase. Ein einziger übersehener Apfelgriebsch oder ein Tomatenstück hätte mindestens 400 neuseeländische Dollar (c.a. 250 Euro) gekostet und unsere Tochter hatte anderthalb Tage Zeit, um Essensreste an unzugänglichen Stellen zu verstecken.

    (Nach einer Weile gewöhnt sich das Gehirn daran und spiegelt alles automatisch.)

    Das ganze klingt übertrieben – die Siedler haben bis weit in dieses Jahrhundert hinein Tiere und Pflanzen nach Neuseeland eingeführt, als gäb’s kein Morgen mehr und jetzt machen sie so ein Gewese um ein bisschen Obst – aber erst vor ein paar Jahren gab es zum Beispiel eine wirklich schlimme Plage wegen einer neu eingeschleppten Fruchtfliege.

    Es ging jedenfalls alles gut aus und gegen halb 7 konnten wir endlich die ersten frischen Züge der berühmten neuseeländischen Luft nehmen. (Meinen ersten Endruck davon habe ich zum Glück festhalten können. Hier ist meine Luftrenzension. Spoiler: Prima Luft, 5 Sterne, gerne wieder!)

    Die Statt-Stadt

    Wir wohnen die nächsten Wochen direkt in Christchurch Central. Das „Central“ ist wichtig, um es nicht mit dem eigentlichen Christchurch zu verwechseln. Die beiden Teile der Stadt scheinen vollkommen voneinander entkoppelt. Auch nach 10 Tagen habe ich nur eine vage Idee davon, wie die Stadt funktioniert bzw. nicht funktioniert – an unserem ersten Wochenende waren wir einfach nur verwirrt. Christchurch Central ist eine der seltsamsten Städte, die ich bisher gesehen habe. Und ich war schon in Longyearbyen, Jerusalem und Bayreuth.

    (Klick auf das Bild oder HIER für eine Galerie mit meinen ersten analogen Fotos aus Christchurch Central)

    Die Innenstadt ist eine seltsame Landschaft aus Leerräumen, halb vermieteten, vollverglasten Büroneubauten und eingezäunten alten Gebäuden (die meisten einsturzgefährdet und auf ihren Abriss wartend). Eine Mischung aus Baustelle und Street-Art-Gallery. Ein Ort ohne Einwohner, wo sich Touristen und Bauarbeiter ungefähr die Waage halten und der größte Spielplatz der südlichen Hemisphäre steht. Ein Experimentierfeld auf Zeit für Künstler, ein Versuchslabor für radikales, artifizielles, business-getriebenes Stadtdesign, wie man es sonst vielleicht nur in China findet. Eine Stadt, die mal eine war und wieder eine werden will. Und dabei versucht alles richtig zu machen und dabei vieles falsch macht, weil man über die „Visionen“ die Menschen vergisst.

    (Klick auf das Bild oder HIER für meine Elektro-Postkarten aus Christchurch)

    Die Ursache für die besonderen Entwicklungen ist natürlich das Erdbeben von 2011 …

    (Fortsetzung folgt unter www.jottwehddeh.de)

     

     

  • Wenn der Weg das Ziel ist, bist du tot

    Wenn der Weg das Ziel ist, bist du tot

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    Der Strand/der Berg/der Poetry Slam oder kurz gesagt: das Ziel zieht seine Daseinsberechtigung ja vor allem daraus, Vorwand für die Reise zu ihm zu sein. Weshalb sehnt sich denn der Mensch nach dem Meer, wenn nicht, um in ihm den Staub der Reise zu ihm abzuspülen? (Oder um es wiederum mittels eines Schiffes selbst zu bereisen.)

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    Daraus nun aber den Schluss zu ziehen, dass der Weg das Ziel sei, (mehr …)

  • The Beach vs. The Circle

    The Beach vs. The Circle

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    Vor allem bin ich ja in Urlaub gefahren, um ein bisschen zu lesen, dazu komm ich ja praktisch nie. Nie! Obwohl ich zum Beispiel 2014, wie eine relativ genaue Rechnung am Jahresende ergab, knapp 650 Stunden im Zug verbracht habe. Aber da gab es natürlich andere Dinge zu tun. Zuerstmal mein Zugbüro mit allen Ladegeräten, USB-Hubs, externen Mäusen und Festplatten und Stiften und Zetteln und Weißnichwas einrichten, dann einen Fertigsalat mit externen Maiskörnern und Dosenmandarinen pimpen, noch einen vierten Kaffee aus dem Bordbistro holen und dann so langsam schon mal das Büro wieder einpacken, weil man ja gleich aussteigen muss. Während der 15 Minuten, die der bis dahin pünktliche Zug vor dem Zielbahnhof dann noch wegen eines belegten Gleises herumsteht, kann man endlich ein paar Seiten lesen.

    IMG_0053Jetzt aber: Urlaubszeit, Lesezeit. Klar, dass wäre auch auf Rügen gegangen, sogar viel besser wegen des lesefreundlichen Wetters, aber dreieinhalb Wochen Rügen kann sich doch kein Mensch leisten, also ab nach Thailand, Text-Tourismus!

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    Eins der Bücher, die ich bisher hier gelesen habe, war „The Circle“ von Dave Eggers und ich muss sagen, dass ich selten etwas derart literarisch minderwertiges gelesen habe. Ich habe schon Corinna- und Bergdoktor-Romane gelesen, die besser geschrieben waren. Und das obwohl ich überhaupt noch keine Corinna- oder Bergdoktor-Romane gelesen habe! Man merkt dem Buch an, dass der Autor sich nur für die Message und seine Ideen interessiert, das ganze Werk ist aufgebaut wie ein Computerspiel, die Heldin springt Kapitel für Kapitel von Level zu Level einer immer totalitärer werdenden Circle-Google-Facebook-Apple-Welt; es entfaltet sich eine Ideologie, die genauso apokalyptisch, größenwahnsinnig und intolerant ist wie der Faschismus oder der Islamismus, dabei aber nett bis zum Erbrechen.

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    IMG_0080Die Ideen, die in the Circle stecken sind alllesamt sehr interessant, die Dystopie ist erschreckend, weil sie im Gegensatz zu den Figuren und der Handlung sehr glaubwürdig ist – und das ist das Problem mit diesem Buch. Er wollte eine Botschaft loswerden, okay, aber ein wenig Mühe und Liebe hätte er doch in die Charaktere investieren können. Oder einfach ein Sachbuch schreiben, das hätte ich wahrscheinlich mit größerem Gewinn und mehr Spaß gelesen. Gegen Ende wird die Dummheit und Naivität der Hauptfigur so extrem, dass man das Buch in die Ecke pfeffern und laut schreien will: „Und für den Scheiß bin ich nach Thailand geflogen?!“

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    Naja, lest es meinetwegen trotzdem. Das Thema ist wichtig und interessant und ich würde gern mit ein paar Leuten darüber diskutieren. Nicht zuletzt, um spätestens nach dem dritten Bier darauf hinzuweisen, dass ich bereits 2006 in der Erzählung „Fiat Deus“ viele der Sachen vorweggenommen habe, damals aber natürlich viel zu visionär und meiner Zeit voraus war, weshalb ich den SF-Wettbewerb für den ich sie geschrieben habe nicht gewann und daraufhin zu dem verbitterten alten Mann wurde, den ihr alle kennt unnd liebt …

    IMG_0064Was ich aus „The Circle“ mitgenommen habe: „Teilen ist Heilen“ und wer etwas Tolles erlebt und dann nicht mit anderen teilt, ist ein übles Ego-Schwein. Dabei hatte ich schon überlegt, ob ich euch in eurem kalten grauen Deutschland mit Urlaubsbildern verschone, aber jetzt habe ich doch beschlossen, meine Pflicht als moderner Mensch zu erfüllen und ein paar hoffentlich besonders neidisch machende Fotos rauszusuchen, um damit anzugeben um sie euch unter die Nase zu reiben   um laut ÄTSCHEBÄTSCHE zu machen um meine schönen Erlebnisse brüderlich mit euch zu teilen. Nur falls ihr euch gefragt habt, was die Bilder eigentlich mit dem Text zu tun haben.

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  • Bangkok, Buddhas und Beton

    Bangkok, Buddhas und Beton

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    (Irgendwo in Bangkok)

    „Wenn ich mir den Urlaub verderben lasse, haben die Terroristen schon gewonnen!“ – So einfach ließen sich die Ferien in Thailand zum Statement für den Friede und Freude erheben, vom Pancake ganz zu schweigen! (mehr …)

  • Odysseus in München

    Da ich zumindest von 2 Menschen kenne (und zwar schon quasi von Geburt an), die ganz gerne lesen, wie es mir unterwegs so ergeht, und die nicht bei Facebook sind, erlaube ich mir, gelegentlich die eine oder andere Sache doppelt zu posten.

    Und die folgende Geschichte passt hier eigentlich sowieso viel besser als bei FB:

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    Wenn Du morgens 40 Minuten mit dem Fahrrad quer durch München zu einer Verabredung in eine ulkige Vorstadt fährst (die meiste Zeit bergauf), dort angekommen feststellst, dass du einen kleinen Buchstabendreher in der Adresse hattest und dank Google-Maps auf dem schnellsten Wege zum falschen Ziel gefahren bist, dann die richtige Adresse eingibst und siehst, dass sie nur 5 Minuten von deinem Hotel entfernt gewesen wäre, daraufhin wieder 40 Minuten radelst – seltsamerweise erneut bergauf, bei gefühlten 25 Grad, mit dickem Pullover und Wintermantel bekleidet, mit prall gefüllter Fahrradtasche am Gepäckträger und aus allen Nähten platzendem Rucksack samt angeschnallter Reisegitarre auf dem Rücken, weil du das Hotel wechseln musst), dir dann auf dem letzten Kilometer ein Loch in den Reifen fährst und mit 45 Minuten Verspätung auf der Felgen kriechend und wie ein Golden Retriever im Hochsommer schwitzend und hechelnd bei deiner Verabredung ankommst, hinterher dein Fahrrad durch halb München schiebst, weil praktisch alle Fahrradläden montags dicht haben, wenn du dann, als du endlich einen geöffneten Laden erreicht hast, dort angepflaumt und trotz allen Notfallgejammers und pathetischer Anrufungen von Menschlichkeit und Nächstenliebe wieder fortgeschickt wirst, dir ein Taxi nimmst, für 15 Euro zum nächstgelegenen offenen Fahrradladen fährst, und dort sagt jemand irgendetwas in völlig unverständlichem Bayerisch, nimmt aber das Fahrrad und schreibt 17.30 Uhr auf den Abholschein, und nicht weit vom Geschäft entfernt ist eine Bäckerei wo es guten Käsekuchen, prima Kaffee und Steckdosen gibt, dann weißt du, dass es auch viel schlimmer hätte kommen können.

    P1200620(Und wenn du dann zum Kompott am Abend im Lyrik-Kabinett noch ein bisschen in der Glasfaserkabellampe wuscheln und dich über das schöne deutsche Wort „Glasfaserkabellampe“ freuen darfst, dann ist wirklich alles gut.)

     

  • Schnipsel vom 29.3.2015 – Über Klokonsum, die Lösung des Abfallproblems und tanzende Bäume

    Hurra! Wenn die Bäume tanzen, dann ist endlich Frühling:

    P1200418Zeit für den Frühjahrsputz! Weg mit allem Müll und Krempel und Gerümpel, Platz schaffen für neuen Schund und Plunder und Schnickschnickschack. Die eleganteste Methode der Müllentsorgung ist es sicherlich, einfach (mehr …)

  • Novemberrückblick II – Fotoinferno

    Mensch, jetzt ist der November schon wieder vorbei, und mittlerweile habe ich schon soviel über den Dezember zu erzählen, dass ich das gar nicht mehr schaffe. Darum gibt es hier noch ein paar größtenteils unkommentierte Novemberfotos, die ich eigentlich bloß hier reinmache, damit ich sie endlich los bin, und in der heimlichen Hoffnung, damit das Internet endlich zum Überlaufen zu bringen  …

    Bayreuth – Eisbärfell und toter Christus (mehr …)

  • Novemberrückblick I – SLAM 2013

    Huch, hier ist ja ein Weblog, wo kommt das denn auf einmal her?!
    Der letzte Eintrag liegt so lange zurück, das ich mich kaum noch traue, wieder damit anzufangen. Es ist ein bisschen so, als hätte man den Geburtstag eines lieben Freundes vergessen, und mit jedem Tag, den man nicht anruft, um sich zu entschuldigen und nachträglich zu gratulieren, wird es schwerer, sich zu diesem Anruf durchzuringen.
    Aber jetzt soll es sein. Und es drängt mich doch, der ganzen intervernetzten Welt mitzuteilen, wie meine letzten Wochen waren und meine nächste werden.

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    Der November ist mir ja seit 10 Jahren einer der liebsten Monate, weil es der Monat der deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften ist, und diese sind immer ein Highlight des Jahres. Was die Vorfreude angeht, erinnern sie ein bisschen an Weihnachten in der Kindheit. Für mich waren es diesmal tatsächlich die 10. Meisterschaften, seit 2004 habe ich keine verpasst, bin bei allen im Einzel- oder Teamwettbewerb angetreten. Ich hatte überlegt, ob ich dieses Jahr im Vorfeld verkünde, dies würden meine letzten Meisterschaften als Teilnehmer werden, künftig werde ich nur noch zum Zugucken und Feiern kommen, aber, ach, was solls – es wird sich zeigen und kommen wie es kommt. Nächster Jahr in Dresden bin ich ganz sicher dabei. Ob nun im Einzel oder Team (Micha und ich planen ein Team LSD Reunion) oder nur im Fanblock … wir werden sehen. Auf alle Fälle gibt es keinen Grund hier theatralisch irgendwelche Ausstiege zu verkünden, die ich dann doch nicht hinkriege. Das wäre ja fast so, als würde ich auf Facebook großkotzig verkünden, ich würde am soundsovielten mit Rauchen aufhören und es dann doch nicht tun … ach nee, Moment, stimmt ja, ich hab ja aufgehört, aber dazu mehr in Teil 14 dieses Novemberrückblicks.

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    (Souvenir 1: Ein Gitärrchen für Micha, der leider nicht da war. Ich hatte sie mir für meinen Auftritt beim Songslam gekauft. In einer Drogerie. In der Spielwarenabteilung. Und auf der Party nach dem Finale alle gebeten zu unterschreiben, damit Micha nächstes Jahr auf alle Fälle wieder dabei sein muss, um sich bei allen zu bedanken. Oder sie einfach kurz zu drücken. Oh mein Gott, diese ganze Hippie-Slamily-Scheiße … aber wenn es doch so schön ist …)

    Der Slam2013 fand in Bielefeld statt, und es war, was die Stimmung anging für mich einer der schönsten. Das ist ist er zwar jedes Jahr, aber diesmal ganz besonders. Ich liebe diese Menschen. Trotzdem ist es wohl für die Gesundheit ganz gut, dass wir uns nur einmal im Jahr in so einer großen Horde treffen.

    Es war im Prinzip wie immer: Es gab einen Haufen Vorrunden, Halbfinals und ein Finale und dauernd flogen Leute raus, die es erdient gehabt hätten, weiterzukommen, während Leute weiterkamen, die es ebenfalls verdient hatten, weiterzukommen und am Ende gewann Topfavorit Jan-Phillipp Zymnie mit 0,1 Punkten Vorsprung vor Top-Favorit Lars Ruppel. Bei aller gebotenen falschen Bescheidenheit möchte ich an dieser Stelle auf den Drittplatzierten hinweisen: mich. Ich hab mich riesig gefreut und bin auch stolz darauf, auch wenn mir klar ist, dass mir mein seit 2004 anhaltendes Auslosungsglück bei deutschsprachigen Meisterschaften dabei sehr geholfen hat. Lars und ich stellten nach dem Finale fest, dass wir es eigentlich sogar viel besser haben als Jan-Phillipp: Wir haben genausoviele Glückwünsche bekommen, müssen aber die Bürde des Meisterseins nicht tragen.

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    (Souvenir 2: Behutsam aktualisierter Finaltext. Das mit der Dusche ist eine lange Geschichte, die will bestimmt niemand hören.)

    Moment! Das stimmt ja so nicht! Lars hat mit Bottermelk Fresh (Lars Ruppel, Julian Heun und Bleu Broode) im Teamfinale gewonnen und ich bin Sieger des szeneinternen Kinderfotobattles! Gegen das Foto hatten die anderen aber auch sowas von keine Chance. Schon gar nicht die U20er …

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    (Schönhauser Allee. Muss 1977 gewesen sein. Wir haben noch in Roßlau gewohnt und waren auf Berlin-Urlaub. Ich find die Oma so toll. Und den Typen am Schaufenster. Und meinen schnieken Steifvater mit Kurzhenkelhipsterbeutel. Das Bild stammt aus so einer vollkommen anderen Welt. Kann kaum glauben, dass ich die mit eigenen Augen gesehen habe.)

    Es waren wahnsinnige Tage in Bielefeld und ich kann mich gar nicht genug bei den Organisatoren bedanken, und habe es leider auch gar nicht richtig versucht … Danke! Liebe! Schnaps!

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    (Einziger Kritikpunkt am Slam2013: Es gab zuviel Lakritz. Niemand mag Lakritz. Alle hassen Lakritz. Backstage mit dem Lumpenpack (Indiana Jonas und Max Kennel), Hazel Brugger, Alex Burkhard)

    Und eigentlich gäbe es noch so viel zu berichten, aber ich will es mit dem Wiedereinstieg in die Friedhofsschnipselei nicht übertreiben. Darum für heute nur ein paar Fotoimpressionen aus dem schönen Bielefeld!

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  • Berlin durch die Bayreuther Brille

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    Ein längerer Aufenthalt fern von zuhaus lässt einen auch die eigene Heimat mit anderen Augen sehen. Mir ging es jedenfalls so, als ich letztes Wochenende das erste Mal nach mehr als zwei Monaten nach Berlin fuhr. Ich war wirklich überrascht, wie laut und wie hektisch mir alles vorkam. Und vor allem: wie schrabbelig. Des weiteren war ich überrascht, dass ich so überrascht war; ich kenne das doch alles! Die Baustellen, den Müll, die dicken Schichten aus zerfetzten Plakaten oder „Hund entlaufen/Wohnung gesucht/Erleuchtung garantiert“-Zetteln an Häuserwänden und Straßenlaternen. Ein Bekannter antwortete einmal auf die Frage, was für ihn typisch Berlinerisch sei: „Die ‚Gehwegschäden‘-Schilder“. Als Berliner nimmt man sie kaum noch wahr, eher würde einem ihr Fehlen auffallen.

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    (Berlin-Neulinge benötigen meist etwas Zeit und mehrere Stolperunfälle, bis sie aus mehreren halb überklebten Schildern das Wort „Gehwegschäden“ zusammengesetzt haben.)

    Ich glaube, Berliner Ampeln, Laternen und Straßenschilder werden schon ab Werk standardmäßig mit einem „Gehwegschäden“-Schild ausgeliefert, als Sonderausstattung kommt dann gerne noch der große Bruder „Straßenschäden“ dazu. Bei wirklich schlimmen Gehwegschäden schmeißt man zusätzlich noch einen rotweiß gestreiften Warnömmel ins Loch und fertig ist der Lack.

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    Das ist allemal billiger als die Behebung der Schäden, und ich frage mich ernsthaft, warum man nicht beim BER auch nach dieser Methode vorgegangen ist: Einfach ein paar Brandschutzmängel-, Gepäckrückgabeunterkapazitäts- und Rollbahnschädenschilder gedruckt und er hätte termingerecht eröffnet werden können!

    Bayreuth scheint meine Schmutz- und Lärmtoleranz etwas gesenkt zu haben; ich hatte nicht erwartet, dass mir das so sehr auffallen würde, zumal ja Bayreuth auch keine klinisch-sterile Stadt ist und ich in Berlin nicht einmal in den berühmten Problembezirken unterwegs war, sondern nur im beschaulichen Pankow und der Yuppie-Hipster-Parallelgesellschaft Prenzlauer Berg.

    Wenn ich sonst nach längerer Abwesenheit nach Berlin heimkehrte, kam ich meist aus Orten, gegen die Berlin eine Oase der Ruhe ist, in der alles perfekt funktioniert; ja, die Wahrnehmung der Heimatstadt variiert deutlich, je nachdem, ob man aus Bayreuth oder Beirut zurück kommt.

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    Ich glaube und hoffe aber nicht, dass ich jetzt dauerhaft für die Großstadt verdorben bin. Man ist ja sehr anpassungsfähig. So wie ich mich in Bayreuth doch recht schnell an das Glockenläuten der Stadtkirche und den morgendlichen Lieferverkehr in der Sophienstraße gewöhnt habe.

    Am meisten schockiert hat mich in Berlin eigentlich das Verschwinden der Baustelle auf der Kreuzung Stargader / Greifenhagener Straße, der Ecke, an der auch eins meiner liebsten Schreib-Cafés. Diese Baustelle war doch höchsten zwei oder Jahre alt! Die einzige Erklärung ist, dass man sie abgebaut hat, um sie auf irgendeiner Tourismusmesse in Abu Dhabi oder so als ein Stück „echtes Berlin“ zu präsentieren.

    Wenn ich im Juli zurückkomme, ist sie sicher wieder da. Es war doch auch eine Win-Win-Situation: Den Bauarbeitern ging die Arbeit sicher viel angenehmer von der Hand, wenn sie dabei einem faulen Kaffeehausliteraten die Ruhe rauben konnten, und ich hatte stets eine Ausrede zur Hand, wenn mir nichts eingefallen ist.