Kategorie: Unterwegs

  • Final Proof

    In meiner unendlichen (und irgendwie ja auch liebenswerten) Naivität hatte ich mir noch immer einen Funken Hoffnung bewahrt. So schlimm wird es schon nicht sein, habe ich mir eingeredet, bestimmt hat die Menschheit nicht komplett den Verstand verloren.

    Doch heute morgen hatte ich meinen Wonko-der-Verständige-Moment: Es istZeit, das Äußere des Irrenhauses zu bauen. Beim Frühstück in einem kleinen Baseler Hotel verlosch der letzte Hoffnungsfunken zischend in einer Nespresso-Tasse:

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    Eine Spezies, die Individuuen hervorbringt, die auf die Idee kommen, Tassen mit geschlossenen Henkeln zu bauen, gehört in die Geschlossene und hat ganz sicher jedes Recht verwirkt, den Begriff sapiens im Gattungsnamen zu führen. Wahrscheinlich haben ein Designer, der schon lange nicht mehr alle Henkel an der Tasse hatte, und ein zugekokster Marketingmensch darüber nachgedacht, wie sie „die Marke“ stärken könnten. „Wir brauchen irgendwas Unverwechselbares, Einzigartiges! Und da unser Kaffee das nicht ist, lass uns doch mal gucken, was wir mit den Tassen anstellen können!“

    An diesem Punkt hat vielleicht ein Teammitglied, das noch über Spuren von Resthirn verfügte, zu bedenken gegeben, dass sich das Prinzip „Henkel mit Loch zum Durchstecken eines oder mehrerer Finger“ seit Jahrtausenden bewährt habe und ein Henkel ohne Loch sinnlos sei, da sich die Tasse an ihm nur sehr unbequem und unsicher halten ließe – woraufhin ihm garantiert sofort (bzw. nachdem man ihn ein bisschen verkloppt hatte) gekündigt wurde, da Traumtänzer, die der seltsamen Idee anhängen, Produkte sollten sinnvoll sein und ihren Benutzern das Leben so einfach und schön wie möglich machen, in Design- oder Marketingabteilungen nun wirklich nichts zu suchen haben, und sich mal bitte ganz schnell zu Streicheltherapeuthen für behinderte Tiere oder so umschulenlassen sollten, aber ganz schnell!

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    (Enrüstet weist Micha E. aus B. auf die Henkel des Anstoßes)

    So weit, so schlimm. Bis hierhin könnte man das ganze noch als die Dummheit einiger weniger betrachten. Doch als Micha Ebeling und ich den Rezeptionsmenschen des Hotels auf die Tassen ansprachen, gab der zu, dass das ja schon ganz schön blöd sei und fügte hinzu: „Komisch. Wir haben die schon ne ganze Weile, aber da hat uns noch niemand drauf angesprochen.“ Das muss man sich mal vorstellen! Hunderte, Tausende Hotelgäste haben diese Tassen frag- und kritiklos hingenommen! Es wird alles immer schlimmer. Bald wird irgendein Autohersteller Autos mit ovalen Rädern anbieten, um ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz zu haben und die Menschen werden auch dieses Auto kaufen – und ehrlich: Sie verdienen es nicht besser.

    (Ich verweise an dieser Stelle aus gegebenem Anlass noch einmal auf diesen etwas älteren Artikel.)

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    (Basel, Bayreuth, Kuhschnappel: Wo man auch hinkommt: The Fuck Hornisschen Orchestra war schon da und hat seine Aufkleber hinterlassen. Ausnahme: Chicago – dort war bisher nur das Team Totale Zerstörung.)

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    (Dieses seltsame Gefühl, wenn du in einem Club in einer fremden Stadt hinter der Kellertreppe plötzlich ein Gemälde von dir entdeckst …)

    (Volker Strübing)

  • Bayreuther Tagebuch

    Ich habe für meine Zeit in Bayreuth ein separates Weblog eingerichtet. Lange, lange habe ich überlegt, wie ich es nennen soll. Sollte ich ihm einen witzigen Titel geben, irgendwas wie: „Ein Preuße in Bayreuth“? Oder was mit Jean-Paul-Bezug? „Blogwenzelei“ vielleicht? „Strübing liest Paul“ hätte ganz gut gepasst, da ich etwas ähnliches vorhabe wie Jochen Schmidt mit seinem Blog und Buch „Schmidt liest Proust“, aber „Strübing liest Paul“ gefiel mir nicht. Schließlich hatte ich eine geniale Idee (verwarf sie aber sofort wieder) und nannte es:

    Bayreuther Tagebuch

    Bis jetzt gibt es zwei Einträge, einen Brief an die Berliner, den ich auch schon hier veröffentlicht habe, und einen Brief an die Bayreuther. Ich bin aber sicher, dass es sich schnell füllen wird.
    Hier werde ich gelegentlich auch posten. Es werden allerdings oft nur Verweise auf meine letzten Artikel im Tagebuch sein. Ich hoffe, Spider wird sich gut um den Schnipselfriedhof kümmern!

    (Volker Strübing)

  • My 24 oder: Schneewittchen im Trabbisarg

    Notfalleinsatz beim Comedyslam in der Dresdner Schauburg. Beginn 20.45 Uhr, mein Zug soll 20.52 Uhr in Dresden sein.

    Der Zug ist pünktlich … bis Berlin Südkreuz. Dann die Ansage „Blablabla Personenschaden blablaba“. Allgemeines Geseufze und „Kann der sich nicht wie anständige Bürger in der Küche aufhängen“-Gemurmel.

    Zugumleitung. Verlassen Berlin nach einer Stadtrundfahrt über Lichtenberg. Die freundliche Frau mit dem Esoterikratgeber fragt arglos: „Nu, des verstehsch neh. Die müssen des doch nur alles wegmachen, was dauort denn daran so lange?“

    Habe zum Glück ein gutes Buch dabei: „Das Paradies am Rande der Stadt“ von mir selber. 2006 erstmals im yedermann-Verlag erschienen und seit einiger Zeit nicht mehr lieferbar, wird es im März bei Voland & Quist neu aufgelegt. Ich lese es also noch einmal und kritzele ein bisschen mit dem Kuli darin herum. Das habe ich zuletzt in Schulbüchern gemacht. Dort war es zugegebenermaßen ein bisschen lustiger, weil es oft Fotos von Menschen gab, denen man Brillen oder Hitlerbärtchen anmalen konnte.

    Ankunft mit 50 Minuten Verspätung. Taxi. Direkt und in letzter Sekunde (gerade soll die Pause angesagt werden) auf die Bühne. Während mir Thomas Jurisch aus dem Mantel hilft und ich irgendwas ins Mikrofon blubbere, macht Kontantin Turra meinen Rucksack auf. Reingreifen, Text rausziehen, merken, dass ich im Zug noch mal hätte auf Klo gehen sollen, egal – vorlesen.

    Pause. Große Freude meinerseits, als ich sehe, dass dort noch immer der Ordner„Versandscheine Kümmeritz“ steht, den ich vor gut einem Jahr mit einem kleinen Strich in „Versandscheiße Kümmeritz“ umgetauft habe.

    Lese als Letzter im Finale. Um genau 23.58 Uhr. Macht ja nüscht, muss ja erst um 7 im Zug nach Berlin sitzen.

    Kurz vor eins ist alles erledigt, ich habe noch fünf Stunden zu schlafen, doch statt ins Bett geht es noch in eine Bar – ich kann das nicht: Nach dem Auftritt sofort nach Hause oder ins Hotel.

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    (Ich hasse es, wenn die Dinger mich so  traurig angucken und „Bitte nicht!“ zu rufen scheinen.)

    Der Laden ist sehr klein; ich bewundere das Geschick, mit dem die Inhaber es dennoch geschafft haben, das gesamte Angebot an Flachbildschirmen eines mittelgroßen Elektronikmarktes an den Wänden zu verteilen. Sichere mir den einzigen Platz, auf dem man nicht MTV gucken muss, weil sie das Fenster gegenüber mit einem Fernseher zuzuhängen vergessen haben. Schaue nun in die MTV-guckenden Gesichter der Kollegen.

    Ein Getränk, dann ab ins Bett, das habe ich mir geschworen, und tatsächlich schaffe ich es, mich nach zwei Getränken auf den Weg zu machen

    3 Uhr. Ankunft im Hostel. Endlich ins Bett. Beziehungsweise in den Trabbi. Die haben eine Matratze längs in einen ollen Trabant Kombi eingebaut. Dieses Etablissement ist eindeutig nicht für Gäste meines Alters konzipiert. Und erst recht nicht für Gäste meines Alters mit DDR-Vergangenheit, die schon beim Anblick eines solchen Autos und der Erinnerung an Familienfahrten an die Ostsee mit so einem Ding Platzangst bekommen.
    Alternativ könnte ich auch das Hochbett benutzen, an dem ich mir innerhalb von zwei Minuten drei mal den Kopf stoße, aber schließlich krabbele ich doch auf allen Vieren durch die Heckklappe in den Trabbi, dann wieder mühselig heraus, weil man die Scheinwerfer nur mit mit dem Schalter an der Zimmertür ausmachen kann. Mache das Licht aus, taste mich durch absolute Finsternis, stoße mir zur Guten Nacht ein letztes Mal den Kopf am Hochbett, krabbele in den Trabbi zurück und schlafe wie ein Stein.
    Also gar nicht. Steine schlafen nicht, wie ja leider nur die wenigsten wissen. Steine können gar nicht schlafen, und ich tue es ihnen gleich.

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    Wie sollte ich auch schlafen? Dadrin fühle ich mich wie Schneewittchen im Glassarg; hoffentlich kommt jetzt nicht auch noch ein nekrophiler Märchenprinz vorbei! Das schlimmste aber ist diese bohrende Frage: Wie haben die den Trabbi in das Hostelzimmer gekriegt? Irgendwann fallen mir wohl doch die Augen zu. Mein Handywecker scheitert an der Aufgabe, mich zu wecken, doch mein innerer Wecker funktioniert perfekt: Fast auf die Minute genau zur Abfahrtszeit meines Zuges wache ich auf.

    Bahnhof Dresden Neustadt: Zehn Minuten vor Abfahrt des nächsten Zuges bin ich dort. Genug Zeit. Ich hole mir eine Fahrkarte und einen Kaffee und stelle dann fest, dass man sich noch einen kleinen Spaß hat einfallen lassen: Zum Bahnsteig 7 muss ich über Bahnsteig 3, den man erstmal finden muss. Treppe rauf, den ganzen, langen Bahnsteig 3 entlanghetzen, während man auf Gleis 7 schon den Zug einfahren sieht, Treppe runter, Treppe rauf, Zug geschafft, uff. Ein kleines Fitnessprogramm, das von den Reisenden in der Regel sicher mit Begeisterung aufgenommen wird, nur ich muss mal wieder Nörgeln! Bloß, weil ich immer noch Knie hab, nicht rennen und nur schlecht und langsam Treppensteigen kann und am Montag wahrscheinlich eine Kniespiegelung verpasst bekomme, vor der ich mich schon sehr fürchte, weil man da bestimmt einen Schlauch schlucken muss, der so lang ist, dass er bis dort unten reicht, bäh.

    In Leipzig verschafft mir ein ausfallender Zug noch eine Kaffeepause und die Gelegenheit, die nächste Stufe der Eskalation des Schwabenkrieges zu dokumentieren:

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    (Woher kommt nur dieser Hass? Was haben die Schwaben den Leipzigern denn getan? Und vor allem: Was haben wir Berliner den Leipzigern getan?)

    Jetzt wird alles gut. Sitze im Zug nach Berlin, schreibe diesen Weblogeintrag (auch wenn ich erst Sonnabend dazu kommen werde, ihn abzuschicken) und bin gleich wieder am Hauptbahnhof. Muss jetzt bloß noch rasch ins Studio Audiofenster in Kreuzberg, um die komplette Hörbuch-CD zu meinem neuen Geschichtensammelband „Das Mädchen mit dem Rohr im Ohr und der Junge mit dem Löffel im Hals“, der im März (ebenfalls bei Voland&Quist) erscheint, einzulesen, dann die Wohnung in bewohnbaren Zustand versetzen, weil ich heute Abend Besuch bekomme, noch ein paar Seiten Druckfahnen für das neue Buch korrigieren und um neun bei der Lokalrunde auftreten. Duschen und so Zeugs dann morgen…

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    Nachtrag Sonnabend: Habe mich daheim dann doch für die Dusche und gegen das Druckfahnengeschmöker entschieden, aber ansonsten hat alles geklappt. Bin jetzt sehr gespannt, ob man den Aufnahmen die zwei Stunden Schlaf und die vielen Zigaretten anhören wird …

    (Volker Strübing)

  • Frohe Weihnacht…

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    …  im Kreis der Liebsten!

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    Plus 12 Grad morgen? Nicht auf Usedom.

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    (VS)

     

  • Im Grauen

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    Dort, wo hinter einem schmutzigbraunen Schilfgürtel das zugefrorene Haff und der Himmel eins wurden,

    wo die kahlen Ästchen knorriger Bäume wie Sprünge in einer Milchglasscheibe wirkten, wie Wurzeln, die im Nichts nach Halt und Nahrung suchten,

    wo der Schnee immer ein paar Tage länger liegen blieb und sich die Spuren der Rehe auf den Feldern in endlosem Grau verloren,

    dort, unter einer Kuppel aus mattem Glas,

    wo laut Wetterbericht „Dichternebel“ herrschte,

    wo es so still war, dass man die Tropfen, die das Tauwetter von den Bäumen fallen ließ, zählen konnte,

    wo der Flügelschlag einer Blaumeise Fluglärm war und der Klang der Kirchenglocken des nächstgelegenen Dorfes nur dumpf und erschöpft durch den Nebel drang, als habe er mit letzter Kraft einen letzten Menschen gesucht, in dessen Ohren er endlich sterben konnte,

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    dort, wo man die Einsamkeit nicht mit Tausenden teilen musste, wo allein sein nicht Schicksal, sondern Verheißung war,

    dort, am Ende der Welt,

    wo das Ende der Welt jeden Schrecken verlor, da es nur hundert Schritte vor einem begann und Nichts war, Nebel, eine leere Leinwand, weder Paradies noch Hölle, ein Nichts, dass alle Fehler und Sünden verschlucken würde, wenn man die hundert Schritte nur schneller liefe, als das Nichts vor einem fliehen konnte,

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    dort, fernab vom Tosen der Stadt, ihren Lichtern, ihren Farben, ihren Menschen,

    dort, im Land der Stille, wo die leisen Geräusche Asyl gefunden hatten,

    wo Zeit verging und nicht verschwand,

    wo Dinge nicht passierten, sondern waren,

    dort, wo man nichts brauchte als einen Kamin, Hühnerbrühe und einen guten Rotwein … dort gab es blöderweise auch einen Fernseher und das Handy meldete mit einem fröhlichen „Bi-ding“ ein offenes WiFi-Netzwerk. Es war trotzdem schön.

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    (Volker Strübing)

  • Eine Zugfahr-Geschichte geht noch …

    Der Zug verlässt den Hauptbahnhof, ich packe die Zeitung aus, mache die Beine lang und freue mich: allein an einem Vierertisch lassen sich drei Stunden Zugfahrt gut aushalten. Ich bin selten so entspannt wie auf langen Zugfahrten. Aus dem Fenster schauen, lesen, mit offenen Augen träumen, Kaffee trinken – herrlich!

    In Spandau hält der Zug noch einmal, ein paar Leute tröpfeln ins Abteil, aber es gibt viele freie Plätze, mit etwas Glück setzt sich niemand zu mir. Vorsichtshalber ziehe mir trotzdem das schwarze Cap tief in die Stirn, setze eine Sonnenbrille auf, drapiere eine volle und zwei leere Hasseröder-Flaschen auf dem Tisch, lege die Zeitung weg, damit sie mein Tor-Steinar-T-Shirt nicht verdeckt und stelle ein Bein in den Gang, damit auch jeder die 18-Loch-Doc-Martens sieht. Ich habe überwiegend gute Erfahrungen mit meinem speziellen Bahnfahr-Outfit gemacht. Wenn sich dann allerdings trotzdem mal jemand zu mir setzt, ist der natürlich gleich besonders unangenehm. (mehr …)

  • SLAM2012 – Vor dem Finale

    Okay, ich bin wie das kleine Strebermädchen, das vor jeder Klassenarbeit rumheult, dass es nicht gelernt habe und dann selbstverständlich eine 1+ schreibt. Hab meine Halbfinalrunde gewonnen und bin heute Abend im Finale der 16.deutschprachigen Poetry Slam Meisterschaften in Heidelberg. Ich muss zu meiner Verteidigung anführen, dass das Halbfinale voll war mit großartigen Leuten und ich das letzte Mal vor 5 Jahren im Einzelfinale der Meisterschaften war – also nüscht von wegen: „war doch eh klar“. Aber die Jury hatte vorgestern in Mannheim ein Herz für ältere, ordentlich angezogene Herren – unter 30 und mit T-Shirt oder Kapuzenpulli hatte man keine Chance 😉

    Man kann sich das U20-Finale und das Einzelfinale heute ab 17.00 Uhr als Livestream bei arte.tv angucken:

    http://liveweb.arte.tv/de/video/Poetry_Slam_Meisterschaften_in_Heidelberg/

    Herzlichen Glückwunsch an das Team Totale Zerstörung, die gestern zum zweiten Mal den Teamwettbewerb gewonnen und damit Team LSD eingeholt haben. Herzlichen Dank an alle Teams dafür, dass ihr die etwas kühle Halle 02 ordentlich aufgeheizt  habt!

    Ich muss jetzt noch einen Text für heute Abend kürzen und einen neuen Anfang schreiben, mich außerdem auf heute Abend vorfreuen und richtig aufgeregt werden. Das schöne ist: Ich hab im Prinzip schon gewonnen, denn wie alle Finalisten bekomme ich heute Abend nochmal Getränkemarken!!! Hey!

    (VS)

  • Lens Baby Belle und kommende Auftritte

    Irgendwann wird es mal wieder eine richtige Seite mit Auftrittsterminen geben, die dann auch regelmäßig aktualisiert werden, aber irgendwann wird schließlich auch die Sonne erkalten, weil ihr der Brennstoff ausgeht, und deshalb kommen hier jetzt meine nächsten Auftrittstermine für alle, die mich vorlesen hören oder eben gerade auf garkeinen Fall vorlesen hören möchten. Die Fotos haben Hazel Brugger und ich gemacht und zwar mit ihrem Lens Baby, einem tollen Objektiv, mit dem man qualitativ minderwertige aber schöne Fotos machen kann ohne eine Fotoqualitätsverschlechterungsapp zu benutzen.

    (Das schönste Foto von einer der merkwürdigsten Statuen der Welt – dem ulkigen Mann im U-Bhf. Vinetastraße. Foto: Hazel Brugger)

    Sonnabend, 6.10., Heidelberg, Zirkuszelt auf der Neckarwiese,  Champions Potry Slam mit Patrick Salmen (Wuppertal, Sieger SLAM 2010), Yasmin Hafedh (Wien, U20-Siegerin SLAM 2009), Julian Heun (Berlin, U20-Sieger SLAM 2007), Nektarios Vlachopoulos (Mannheim, Sieger SLAM 2011), Bleu Broode (Marburg, U20-Sieger SLAM 2008) und mir.

    Sonntag, 7.10., Ilmenau, BD Club, Solo

    Donnerstag, 11.10., Zürich, Slam im Zelt mit Laurin Buser und mir.

    Dienstag, 16.10., Hamburg, Knust, NDR Comedy Contest, Aufzeichnung, Ausstrahlung Anfang November

    Mitttwoch, 17.10., Hamburg, Ernst Deutsch Theater, Best Of Poetry Slam

    Donnerstag, 18.10., Greifswald,  Kaisersaal der Stadthalle Greifswald, Best Of Poetry Slam

    So. Reicht erstmal. Jetzt noch ein paar Bilder.

    (Essen instagrammen ist so 2011. Jetzt wird lensgebabed!)

    (Icke. Foto von Hazel. Das nächste Bild: Auch icke. Auch von Hazel.)

    (Kastanien, Zahnbürste und Tomate – so verschieden, und doch in Harmonie und Frieden vereint. Warum können wir Menschen nicht von ihnen lernen?)

    (Dieses Bild trägt den Titel: Verblühende Tomatenpflanze, in Sauerkirschtee sich spiegelnd.)

    (Symbolbild „Herbst“)

    (Volker Strübing)

  • Die gefährlichsten Jobs der Welt – Heute: Autor

    Ich suche Menschen, die mit mir eine Selbsthilfegruppe für Leute gründen, die sich ebenfalls den Meniskus verletzt haben, als sie nachts durch ein Fenster in eine medizinische Fußpflegepraxis eingestiegen sind. Bitte meldet euch, ich kann doch unmöglich der einzige sein, dem das passiert ist!

    Aber immer langsam mit den jungen Pferden, bzw. alten Gelenken, lasst mich meine Geschichte erzählen …  (mehr …)

  • Grulm!

    Grulm ist die Abkürzung für „Grüße aus Ulm“. Ich war gerade zu faul, „Grüße aus Ulm“ auszuschreiben, darum habe ich sie mir ausgedacht. Ich bin für 4 Tage hier, als Teilnehmer beim Donau-Riß-Poetry-Slam-Cup. Es ist mein zweiter Besuch hier; das letzte Mal war ich 2010 in Ulm, und es ist schön wieder hier zu sein, denn Ulm ist ein sehr inspirierender Ort – vor 2 Jahren habe ich hier meinen Text über hässliche Städte geschrieben.

    Nicht dass Ulm hässlich wäre. Oder hässlicher als andere Städte. Ulm hat alles, was der Mensch zum Glücklichsein braucht: Hübsche Kanälchen, eine erfreulich hohe Dichte an kleinen Buchhandlungen, Maultaschen, ICE-Anschluss, einen Poetry Slam, eine Bar, in der man rauchen kann und in der einem unvermittelt fremde Frauen freundlich durch die Haare wuscheln (sie kam aus Richtung der Toiletten, und vielleicht waren einfach bloß die Papierhandtücher auf dem Damenklo alle, aber ich gehe meines sonnigen Gemüts wegen davon aus, dass das ein netter Ulmer Brauch gegenüber Gästen der Stadt ist), es gibt die „gigantische Sparolympiade“ eines Möbelhauses und einen Arschbomben-Contest. Vor allem aber gibt es: Oma-Kuchen!


    Ich musste sofort an die alte Oma Eierschecke aus meinem Lieblingskinderbuch „Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“ denken. Oma-Kuchen finde ich gut. Und Oma-Cafés sowieso. Vielleicht ist ja die kleine Bäckerei in Ulm Vorreiter einer neuen Oma-Kuchen-Café-Welle und wenn die Bubble-Tea-Läden pleite gehen werden sie durch Oma-Cafés ersetzt, das wäre doch schön.

    Ich hab den Oma-Kuchen übrigens nicht probiert, im Schaufenster sah er aber gut aus. Nur die etwas zu große Auswahl hat mich etwas stutzig gemacht. Es gab ein Dutzend verschiedene Oma-Kuchen, die beschriftet waren mit „Oma Erdbeer“, „Oma Mandarine“, „Oma Kirsch“ und so weiter. Das klingt noch ziemlich nett, aber die Sorten „Oma Quark“, „Oma Pflaume“ und vor allem „Oma Käse“ sind etwas unglücklich betitelt, finde ich. Man hätte ja auch einfach „Käsekuchen“ hinschreiben können, aber nein, sie hauen einem die Oma um die Ohren wie die Jungs von der „gigantischen Sparolympiade“ ihren „Aktions Rabatt“ – „einen Begriff penetrieren“ nannten wir das, als ich als Texter in einer Werbeagentur arbeitete. Hier wird also sozusagen die Oma penetriert, und darüber möchte ich lieber nicht nachdenken, nein, nein, nein. Vielleicht sollte ich doch nicht auf einen Oma-Kuchen-Café-Trend hoffen, vielleicht ist es besser, der Oma-Kuchen stirbt aus und bleibt eine schöne Erinnerung, als dass er auch noch auf dem Markt verheizt wird.

    (Lobenswerte Versuche, Ulm ein modernes Antlitz  zu geben, scheitern immer wieder an atavistischen Bausünden, wie diesem düsteren Ding im Bildhintergrund. Wenn man es wenigstens anstreichen würde, in freundlichen Pastellfarben zum Beispiel! Oder mit Dämmplatten bekleben, das Monstrum hat doch sicher eine grauenhafte Energiebilanz!)

    Heute Abend ist der letzte Slam im Rahmen des Donau-Riß-Cups und den Nachmittag habe ich mit Theresa Hahl und Sebastian 23 im Kino verbracht. Wirklich den ganzen Nachmittag, denn wir haben Batman geguckt und das hat 3 Stunden gedauert. Ich will nicht zuviel über den Film verraten, aber ich hoffe, es ist kein Spoiler, wenn ich schreibe, dass er totale Grütze ist und ich bei der „gigantischen Sparolympiade“ oder dem Arschbomben-Contest sicher mehr Spaß gehabt hätte. Mäßige Actionszenen, ewiges Gesülze (zum Kompott auch noch mit runtergepitchten Stimmen), Plot-Twists von der Stange, Hans-Zimmer-Überwältigungs-Musik, Hirnriss und Pathos und der reichlich vorhandene unfreiwillige Humor trägt leider auch nicht über die gähnenden Abgründe der Langeweile.

    Grulm!

    (Volker Strübing)