Mein Schreibtisch steht direkt am Fenster, mit der Front zur Wand. Wenn ich den Kopf nach links drehe, sehe ich unseren engen Hinterhof. Gegenüber ist jetzt jemand eingezogen, der seinen Schreibtisch genau spiegelbildlich aufgestellt hat. Wenn er am Computer sitzt – und das scheint er wie ich den halben Tag zu machen – und den Kopf nach rechts, schaut er genau auf mich. Eine beunruhigende Situation. Ich glaube, wir haben schon angefangen, uns zu belauern. Wer sitzt als erster am Computer? Wer am längsten? Wer macht dabei den entspanntesten, gleichzeitig aber produktivsten und erfolgreichsten Eindruck? Wer schaltet abends als erster seine Schreibtischlampe ein, um so zu signalisieren, dass es ihm gar nichts ausmacht, wenn ihm der andere bei seiner wichtigen, weltformenden Tätigkeit zuzusehen? Und wer verliert als erster die Nerven und zieht die Vorhänge zu?
Was den Coolness-Faktor betrifft kann ich auf alle Fälle mit meinem A4-Grafiktablett punkten, dank dem ich mit lässigen Bewegungen die Maus über einen meiner zwei Bildschirme tanzen lassen und mit weitausholenden Bewegungen die Adresse der Website, die ich als nächstes sinnlos anzusurfen gedenke, handschriftlich eingeben kann.
Trotzdem gefällt mir das alles gar nicht. Nachher muss ich mal in den gegenüberliegenden Aufgang gehen und seinen Namen rauskriegen. Und den dann bei Google eingeben. Nicht dass der ein Blog hat und darin über mich schreibt! Das wär ja wohl das Letzte!
(Volker Strübing)
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