Auf den Tag genau seit 12 Jahren fragen sich die Menschen: War es Al-Quaida? Oder war es die CIA? Pünktlich zum Jubiläum der Anschläge auf WTC etc. kommt nun die Große Vereinheitlichte Verschwörungstheorie: Es waren beide zusammen! Kurz zusammengefasst lautet diese so: Die Terroristen von Al-Quaida hatten nie ein Selbstmordattentat vor, sondern planten eine herkömmliche Entführung, um Gefangene freizupressen. Die CIA (oder Kollegen eines anderen amerikanischen Geheimdienstes) bekam davon Wind, präparierten die Twin Towers und das WTC 7 rasch mit Thermit, lenkten dann mittels Autopilot die Flugzeuge samt den verblüfften Entführern in die Twin Towers und sprengten diese dann. Kann man ja mal drüber reden.

(Aus der Reihe „Hat nüscht mit dem Thema zu tun, aber die Abendsonne war so schön“: Dresden Neustadt I)
Als Beleg für die These, die Terroristen hätten nie ein Selbstmordattentat geplant, bringt der Autor unter anderem die Tatsachen vor, dass einer der Entführer sich kurz vorher für das Bonusprogramm der Fluggesellschaft angemeldet und ein anderer einen Anschlussflug gebucht hatte – und das ergäbe ja nun überhaupt keinen Sinn, wenn die beiden vorgehabt hätten zu sterben. Tote sammeln keine Punkte und den Anschlussflug ins Paraddies braucht ein Dschihadist nicht extra buchen. Wohingegen „herkömmliche“ Entführer natürlich stets Meilen sammeln und davon ausgehen, dass die Verhandlungen zur Freilassung der Passagiere und der freizupressenden Gefangenen rasch genug abgewickelt sind, um den Anschlussflug in den Urlaub nicht zu verpassen – sonnenklar!
Dann ist da noch die alte Geschichte, dass die Türme auf eine Art eingestürzt seien, die nur durch gezielte Sprengung erklärbar sei. Lassen wir mal außer acht, dass diverse Statiker mindestens genauso überzeugend erklärt haben, dass sich der Einsturz sehr wohl aus dem Einschlag der Flugzeuge erklären ließe und auch genau auf diese Weise habe ablaufen müssen – diese Leute sind natürlich alle Teil der Verschwörung. Und letztlich kann man mir da sowieso die phantastischsten Geschichten auftischen, ich habe schlicht keine Ahnung.

(Dresden Neustadt II)
Aber ich kann mich doch fragen: Wenn die CIA die Flugzeuge in die Türme gesteuert hat, warum haben sie dann den ohnehin hochsensiblen Plan zusätzlich verkompliziert und das Risiko auf Entdeckung der Verschwörung gewaltig erhöht, indem sie die Türme gesprengt haben? Für den beabsichtigten Pearl-Habor-Effekt, die Begründung für Krieg und totale Überwachung hätte die Nummer mit den Flugzeugen vollkommen ausgereicht!
Wie soll man mit solchen Theorien umgehen? Es gibt in dem Artikel durchaus einige interessante Fragen. Wenn ich danach suchen würde, würde ich aber sicher herausfinden, dass es dazu auch schon Antworten gibt. Und dann stehe ich doch wieder vor der Entscheidung mich für eine Variante zu entscheiden, denn letzten Endes habe ich keine andere Möglichkeit, als mich auf das zu verlassen, was irgendwelche Leute ins Internet geschrieben oder in Fernsehkameras gesagt haben. Einzige Entscheidungshilfe (neben Ockhams Rasiermesser) ist es, sich die Positionen gut durchzulesen und auf logische Fehler in der Argumentation abzuklopfen.
Der Autor geht noch auf ein Argument gegen Verschwörungstheorien ein: Es wird gern behauptet, eine so großangelegte Verschwörung wie das 9/11-Komplott müsse auffliegen, weil so etwas nicht geheim bleiben könne. Entweder jemand würde es ausplaudern oder sie würde sich durch irgendeine allzumenschliche Dummheit selbst enttarnen. Dem setzt der Autor unter anderem die „Gladio“-Verschwörung entgegen, die von den 50er bis in die 90er Jahre geheim blieb. Komplexe Verschwörungen könnten also über Jahrzehnte im Verborgenen existieren. Der Punkt ist aber doch, dass diese Verschwörungen nur geheim blieben, bis sie enthüllt wurden, danach brachen sie zusammen und die Details kamen ans Licht. Die angebliche US-Verschwörung zur Zerstörung des World Trade Centers aber wurde bereits kurz nach 9/11 enthüllt, von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen und diskutiert – und trotzdem ist die Verschwörung immer noch intakt. Merkwürdig.
Desweiteren führt er aus, dass die Geheimdienstverschwörung gar nicht besonders groß gewesen sein müsse – und lässt damit die vielen Leute unter den Tisch fallen, die im Nachhinein nötig waren, um Beweismittel zu manipulieren und die noch größere Zahl von Leuten, die diese nachträglichen Manipulationen (etwa der Passagierlisten) bemerkt haben müssen. Und natürlich all die Experten, bei denen die Schlapphüte mit der Bitte vorstellig werden mussten, eine glaubwürdige Theorie für den Zusammenbruch der Türme zu erfinden, damit niemand merkt, dass sie in Wirklichkeit gesprengt wurden …

(Berlin Prenzlauer Berg)
Bis jetzt erscheint mir die offizielle Variante immer noch die wahrscheinlichste – ihr könnt entscheiden, ob ich vom CIA gekauft oder von der Systempresse gehirngewaschen wurde…
Vor 7 Jahren schonmal zum selben Thema: Wenn Du nicht paranoid bist, bist du ein Fall für den Psychiater inklusive Link zum lustigsten 9/11-Cartoon der Welt.
PS: Wer mit mir drüber diskutieren will, kann gerne zu einer meiner nächsten Lesungen kommen. Hinterher an der Bar lässt sich trefflich die Welt erklären:
11.9., Mittwoch, Leipzig, 20.00 Uhr, Horns Erben
12.9., Donnerstag, Chemnitz, 20.00 Uhr, Das Tietz
13.9., Freitag, Dortmund, 20.00, Fritz-Henßler-Haus, Koch & Gast
14.9., Sonnabend, Zürich, Schauspielhaus, Poetry Slam Gala zur Saisoneröffnung








