2016 – Das Jahr des Staubsaugers

Das Jahr 2016 brachte einige bemerkenswerte Neuanschaffungen mit sich. Unter anderem einen AEG Ultra Silencer Öko, eine goldene Spätzlepresse, einen C64 und eine Tochter.

Der AEG Ultra Silencer Öko ist offiziell ein Staubsauger, ich würde ihn aber eher als Offenbarung, Wunder und Erlösung bezeichnen, denn der Ultra Silencer ist ultra silent! Stets war das Staubsaugen für mich die schrecklichste aller Hausarbeiten, was wahrscheinlich zurückgeht auf Traumata aus der Zeit der Pubertät, auf verdrängte Erinnerungen an die schrecklichen Sonntagmorgende nach den ersten mit massivem Alkoholkonsum verbundenen Diskobesuchen, wenn die Mutter im Flur den Staubsauger aufheulen ließ und extra lange und gründlich mit dem … ähm … Staubschnabel oder wie das heißt, das Ding halt, das vorne am Staubsaugerrohr dran ist … die Türschwelle meines Zimmers reinigte. Mutter und Staubsauger – Scylla und Charybdis der Adoleszenz!

aeg snapshot

Allen Staubsaugertraumatageschädigten sei hiermit der AEG Ultra Silencer Öko ans verwundete Herz gelegt! Macht euren Frieden mit dem Staubsaugen! Mit dem AEG Ultra Silencer Öko wird es zum puren Vergnügen, zu einem Tanz, wenn ihr wollt, im Takt der Bachschen Cello-Suiten, die leise aus einer Box in der Zimmerecke tröpfeln und sich mühelos gegen das sanfte Waldesrauschen des AEG Ulta Silencer Öko durchsetzen!

Bevor sich jemand fragt: Ich werde nicht von AEG oder sonstwem für diese Empfehlung bezahlt, nein, hier spricht ein Mann, der nur dies will: die Welt zu einem saubereren, ruhigeren, lebenswerterem Ort machen, dem Fortschritt zum Durchbruch verhelfen und flüsternd den Staub der dunklen Vergangenheit aus den Ecken saugen, auf dass die Zukunft hell erstrahle!

(Wobei ich nichts dagegen hätte, wenn der Chef oder so von AEG über diesen Blogartikel stolperte und sich mit einem Paket Ersatzbeutel oder meiner Ernennung zum offiziellen, hochbezahlten AEG Hof-Dichter erkenntlich zeigte.)

Um es mit Manfred Maurenbrecher zu sagen: „Da muss ein Staubsauger ran!“

presse

(Die goldene Spätzlepresse)

Eine weitere bemerkenswerte Neuanschaffung war eine goldene Spätzle-Presse. Diese freute mich aus zwei Gründen, zum einen wurden wir von den Nachbarn schon lange scheel angeschaut, weil wir der letzte Haushalt in Prenzlauer Berg ohne Spätzle-Presse waren, zum anderen hat es etwas Besonderes damit auf sich: Die Spätzle-Presse ist nämlich der Preis für den Sieg bei den deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften 2016 in Stuttgart. (Die ganze Geschichte habe ich hier schon einmal aufgeschrieben: Make Team LSD Great Again!)

Irgendwann im Sommer war es mal wieder Zeit, mir einen neuen Computer zuzulegen. Ermüdet von den halbgaren Rechnern und Betriebssystemen, mit denen die heutigen Hard- und Softwarehersteller ihre Kunden als zahlende Betatester und Bug-Scouts missbrauchen, beschloss ich, auf ein gut eingeführtes System zu setzen. Mit einem C64 konnte ich nichts falsch machen und tatsächlich: bis heute hat er sich nicht ein einziges Mal während der Arbeit heruntergefahren, um irgendein Update zu installieren.

c64 2

 

Okay, der eigentliche Grund,mir den C64 (und bei der Gelegenheit gleich noch einen KC85/3) zuzulegen, war der: Zusammen mit monstamovies wollte ich für ZDF info eine Doku über die Heim-Computerszene in der DDR drehen. Wir haben ein paar Monate daran gearbeitet, haben tolle Interviewpartner gefunden – von Leuten, die bei Robotron Homecomputer entwickelten über Computerclub-Leiter bis zum digitalen Untergrund der Cracker- und Demoszene – ich hatte für ein paar Specials und Reenactments die oben erwähnten Rechner nebst jeder Menge Zubehör besorgt, wir hatten Probedrehs für die Special FX gemacht (im Film sollten ab und zu ein paar Original-Sprites durchs Bild turnen), wir hatten die ersten Interview- und Drehtermine festgesetzt, ich hatte eine ganze Reihe von Auftritten im vorgesehenen Dreh- und Schnittzeitraum abgesagt … und dann kam von ZDF info die … haha …Info, dass die mündlich bereits fest zugesagte Produktion leider ein wenig aufgeschoben werden müsse. Nach monatelangem Hinhalten kam Ende des Jahres die Nachricht, dass unser Projekt gestorben sei und wir alles Geld und alle Arbeit in den Wind schreiben könnten. Klar, das Geld ist knapp, und bevor man es für kleine unabhängige Produktionsfirmen und obskure Themen verplempert, spart man lieber auf die nächste Helene-Fischer-Show oder was weiß ich, schließlich sind die Großproduktionen im Hauptprogramm wichtiger und teurer.

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Aber immerhin: Ohne das Ganze hätte ich mir vielleicht keinen C64 geholt, so hat eben alles auch sein Gutes. (Naja, sofort fallen mir auch einige Dinge ohne ihr Gutes ein, aber ihr wisst schon, was ich meine.)

kunds snap

(Okay, nur ein kleiner Test zum Spaß, andererseits … hm …)

***UPDATE, April 2017: WIE ES WEITERGEHT MIT „Kloß und Spinne – 8bit edition“ STEHT HIER: 

http://schnipselfriedhof.de/wp-admin/post.php?post=6765&action=edit ***

Den 64er werde ich nicht alleine benutzen, er soll natürlich auch zur Informatikgrundausbildung meiner Tochter dienen. Sobald sie ihn beherrscht,  können wir über ein iPad oder einen Laptop reden. 

Ach so, ja, apropos. Eine Tochter habe ich 2016 auch noch bekommen. Aber leider ist der Beitrag jetzt zu Ende.

symbolbild

(Symbolbild Tochter)

Achtung, Achtung! Es geht weiter mit:

raubtier 64 schnapshot

Und jetzt die Raubtiernummer! 29.1.2017, 20.00 Uhr im Café Butter, Pappelallee 73. Mit Renee van Bavel, Volker Strübing und Supersondergaststar Lea Streisand!

PS: Die Grafiken habe ich mit GangEd 2 ins C64-Format konvertiert, die Screenshots habe ich mit dem VICE-Emulator gemacht, aber es sind echte 64er-Grafiken.

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7 comments on “2016 – Das Jahr des Staubsaugers”

  1. Barb

    Gratuliere zum Staubsauger! Wir haben uns den auch angeschafft (2015). Kurz danach bekamen wir auch eine Tochter. Das gehört wohl dazu.

    • Thomas

      Hmmm… den alten Staubsauger hatten wir noch aus dem letzten Jahrtausend. Und den neuen Staubsauger (den leisen) haben wir seit ca. einem Jahr. Da war unsere Tochter allerdings schon 14… Jahre.
      Muss also noch andere Wege geben ;)

  2. Julika

    Wäre ja schön, wenn der lärmmäßig nachhaltige Staubsauger auch auf Ersatzbeutel verzichten könnte…
    Alles Gute zum Glückskind!

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