Des Teufels Toilette

Es gibt so Zeiten, da wird einfach alles gut. Da ist das eigene Leben der berühmte größte Haufen, auf den der Teufel und so weiter. In den letzten Tagen habe ich erst die Stadtmeisterschaft im Poetry Slam in Würzburg gewonnen und damit einen Einzelstartplatz für die deutschprachigen Meisterschaften im November in Augsburg, dann wurde die für Mitte Juli angesetzte Knie-Operation aufgrund spontaner Selbstheilung auf unbestimmte Zeit verschoben und heute flatterte nach dramatischen Kapriolen, einer Abfolge von Vorfreude und Enttäuschung, einer echten Achterbahnfahrt samt Loopings und allem Schnickschnack doch noch der Mietvertrag für die Wunschwohnung in den Briefkasten, nachdem alle Hoffnung bereits begraben war. Und zum Kompott wird die Miete zu unserem Einzug nicht wie üblich erhöht – sondern gesenkt, der Mietpreisbremse sei dank (ich sag nie wieder, dass das doch eh alles nichts bringt!).
Jetzt bin ich sehr beschwingt unterwegs zum „Poetry-Slam-Königstreffen“ (ja!) im Stadttheater Gießen mit Lars Ruppel, Felicia Brembeck, Nektarios Vlachopoulos, Jan Philipp Zymny und dem wunderbaren Team Scheller (Dominique Macri & Dalibor), die alle schonmal irgendwas Urstes gewonnen haben und auf die ich mich sehr freue.
Da kann dann auch eine viertel Stunde Aufenthalt in Kassel Wilhelmhölle bei Nieselregen kaum an meiner guten Laune kratzen.
Ich denke, heut wäre ein guter Tag, um Lotto zu spielen.

IMG_0009

(Ich entschuldige mich für dieses Bild, das ist mir unglaublich peinlich, oh mein Gott, wie konnte das geschehen, so ein Kitsch auf dem Schnipselfriedhof, mannmannmann, wie whack ist das denn?)

Der Künstler und sein Model

IMGN0092 2

Ich hab in letzter Zeit soviele Selfies gemacht, dass ich mir langsam wie die  Kim Kardashian des Poetry Slam vorkomme, nur dass ich nicht meinen Hintern, sondern mein Gesicht fotografiere. Um ehrlich zu sein: Schreiben und Vorlesen, das mache ich doch nur noch Übergangsweise zum Geld Verdienen. Eigentlich will ich Selfie-Künstler werden.

DSC_0001_4 2

(Einer meiner Lieblingsselfies! Florian Cieslik, amtierender Hessen-Meister im Todes-Karate Poetry Slam (Name- und Titeldropping gehört zu einem vernünftigen Gruppen-Selfie einfach dazu!), und icke in Weißichjetztgradnicht. Und wenn man ganz genau guckt, sieht man links sogar noch Dalibor Marković, mit Team Scheller Sieger im Teamwettbewerb der deutschprachigen Poetry Slam Meisterschaften 2014, in der Tür stehen.)

Wie in der Literatur gibt es auch bei Selfies verschiedene Genres. Po-Selfies, Klo-Selfies, Duckface-Selfies, Ich-klettere-illegal-und-ohne-Sicherungsseil-auf-die-Spitze-eines-Wolkenkratzers-und-fotografiere-mich-dort-mit-Gopro-und-Selfie-Stange-Selfies und soweiter.

Meine bevorzugte Gattung sind  Spiegelselfies – die Königsdisziplin! Und ich darf von mir behaupten, dass ich inzwischen eine große Meisterschaft darin entwickelt habe, die verschiedenen an dem Arrangement beteiligten Elemente (Gesicht, Spiegel, Strommasten, Kamera, Klappradklingel – was halt auf ein ordentliches Bild gehört), so zu arrangieren, dass man nicht bloß eine Hand und ein Handy sieht, hinter dem zwei Ohren hervorgucken.

P1210713 2 - Kopie

DSC_0054 2

(In Bühnengarderobe und mit Bühnengarderobe und Jason Bartsch (Landesmeister Nordrhein-Westfalen 2015), Sandra da Vina (Landesmeisterin Nordrhein-Westfalen 2014) und Jan Philipp Zymny (Sieger der deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften 2013).

DSC_0001~032

(Unterrubrik Kamerarückseitenbildschirm-Spiegel-Selfies)

Hier gab es schonmal ein Selfie-Special mit einigen sehr gelungen Bildern (obwohl ich auf ihnen drauf bin … das lässt sich bei Selfies leider nicht verhindern.)

Alles wird besser mit Wurst

Wusstet ihr (ha! fast hätt ich geschrieben: wurstet ihr!), dass es einen Wurstpapst gibt??? Es gibt einen Wurstpapst!!! Wir sind Wurst!

wurstpapst 2

Wenn ihr euch jetzt fragt, was das Köstliche daran ist: Nun, das Köstliche daran ist, dass er den gleichen Wursthop Workwurst  Workshop nochmal gibt, das ist das Köstliche daran! Überhaupt:  Ich finde ja, dass alles, wirklich alles besser wird mit Wurst: Wurstpapst, Wurstfinger, Wurstpuppe, Wurstblume, Wurst-Pad, Smart Wurst, Wurst Case, Hirnwurst, Wurstsalat, Blogwurst und, lecker, lecker, die Kombination aus Wurst und Sparsamkeit, gleich zwei deutsche Tugenden zum Preis von einer:

DSC_0015_5 2

Mein Favorit ist aber immer noch diese Creation, die ich vor einiger Zeit auf einem Frühstücksbuffet entdeckte:

2011-06-23 10.30.11 2

Auf die Wurst bin ich schon recht früh gekommen. Das hier war das erste Video, das ich je gemacht habe:

_MG_5530 2

(Das Thema Wurst und Erotik wäre sicher einen eigenen Beitrag wert.)

Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis: Bei aller Liebe zur Wurst kommt es auf eine abwechslungsreiche Ernährung an. Wie in diesem Bild ersichtlich stellt Wurst (links oben) nur die Spitze der Ernährungspyramide dar.

P1210405 2

 

Neue Gefahren sind besser als alte Gefahren!

DSC_0101_edited

13 Millionen neue Gefahren in nur 30 Tagen! Mann, ich wusste gar nicht, dass es, alte und neue zusammengerechnet, überhaupt soviele Gefahren gibt. 11 Millionen insgesamt, hätte ich geschätzt und da sind schon die Zombieapokalypse, Chemtrails, ein Tsunami im Müggelsee und ähnlich exotische Risiken mitgezählt. Wie naiv ich war! 13 Millionen neue Gefahren! In 30 Tagen! Das macht pro Tag genau … urst viele neue Gefahren! Es ist heutzutage zunehmend sinnlos, überhaupt noch von Gefahren zu reden, das ist, als würde man die einzelnen Bits einer modernen Festplatte zählen. Wir leben im Zeitalter der Mega-Gefahren! Für mich, der ich eher mit Mega-Tonnen aufgewachsen und eine quantitativ überschaubare Gefahrensituation gewohnt bin, ist das alles natürlich sehr verwirrend und anstrengend. Ich weiß auch gar nicht, wozu man immer mehr und immer neue Gefahren braucht. Das ist doch wie dieser Megapixelwahn, bei dem man auf immer kleineren Chips immer mehr Bildpunkte unterbringt, damit man die matschigen, verrauschten Ansammlungen von JPEG-Artefakten anschließend verlustfrei im Format A0 ausdrucken kann!

DSC_0094_3_edited2

(Symbolbild Identitätsdiebstahl (analoge Version))

13 Millionen neue Gefahren! Und was für welche! Nicht so ein 80er-Jahre-Apokalypsen-Quatsch, sondern „gemeine“ Gefahren und zwar für unsere Identität und unsere Daten – früher hätte man gesagt: unsere Seelen! Denn was sind wir ohne Identität und Daten und Seele? Menschenförmige Monster: Zombies! Wir selbst sind die Zombie-Apokalypse! Ich brauch jetzt dringend eine tolle Ding-Dong-Veloglocke!

DSC_0041_2_edited

13 Millionen neue Gefahren. Eindeutig zuviele, um sich ernsthaft Sorgen zu machen.

P1210573_edited

Das Glücksrad des Schicksals

Am 9.11. letzten Jahres spazierte ich von der Bornholmer Straße bis zur Invalidenstraße den ehemaligen Mauerstreifen entlang, zusammen mit Tausenden, die den 25. Jahrestag des Mauerfalls feierten oder einfach nur die Lichtinstallation aus diesem Anlass hübsch fanden. An der Bernauer Straße, kurz hinter den protzigen Stadtvillen und Eigentumswohnprojekten, deren Eigentümer inzwischen ihre eigene kleine, durch „Privatgrundstück – Betreten verboten“-Schilder geschützte Mauer errichten, ein paar Meter entfernt von der Kapelle der Versöhnung, in der wahrscheinlich gerade salbungsvolle Reden gehalten wurden, während auf einem riesigen Bildschirm davor, jenen gedankt wurde, die dieses Ereignis möglich gemacht hatten (Die Wende brought to you by Air Berlin und Gasag), stand ein sehr großer Mann mit wildem lockigem Haar zusammen mit Freunden an einem selbstgebastelten Glücksrad aus Pappe. Wer wollte, konnte sein Glück versuchen. Zu gewinnen gab es nichts außer einer Einsicht. Man sollte sich vorstellen, es gäbe eine Art Schicksalsglücksrad, mit dem ausgelost wurde, wo auf der Welt ein Mensch geboren wird und in welche Lebenssituation.
P1190288
Analog zur Realität war die Chance, sich ein reiches Land wie Deutschland als Geburtsort zu erdrehen, relativ gering.Wenn ich mich recht entsinne, erwischte ich China. Nicht das schlechteste, vorrausgesetzt man hatte außerdem das Glück, in die chinesische Mittelschicht hineingeboren zu werden und nicht zum hunderte Millionen zählenden Heer perspektivloser Wanderarbeiter und Bauern zu gehören. Aber wenigstens hatte ich nicht den Kongo oder Syrien erwischt.
Ich kannte den Mann mit dem Glücksrad und dem Wuschelhaar. Er hieß Harald und wir hatte uns 1987 oder 88 im Computerclub im HdjT („Haus der jungen Talente“, heute Podewil) kennengelernt. Wir und ein paar andere waren jung, hatten allesamt keine Freundin, dafür aber einen C64 oder Atari 800 XL, wir kopierten Spiele, programmierten Demos, tranken Bier und bauten Scheiße wie alle jungen Männer, wenn auch zum Teil andere Scheiße als jene jungen Männer mit Freundin aber ohne Computer – in jenen Jahren musste man sich noch zwischen diesen beiden Optionen entscheiden.
(Der Computerclub ging zusammen mit der DDR unter, aber es existieren noch einige interessante Spin-Offs, zum Beispiel das Spiele-Studio Yager Development und die Lesebühne LSD.)
Harald und ich hatten in den 90ern immer wieder mal miteinander zu tun, meist ging es um irgendwelche Sachen, die großer Quatsch waren, aber viel Spaß machten. Harald war das, was man einen Träumer oder sogar Spinner nennen könnte, aber man würde diesen Begriff im Zusammenhang mit Harald immer und unbedingt mit viel Respekt und großer Ehrfurcht verwenden. Harald hatte nicht nur verrückte Ideen, er setzte sie auch um.
Vielleicht hätte auch jemand anders auf die Idee kommen können, ein Katapult zu bauen, das einen im Sommer direkt in einen See schoss. Die meisten Leute hätten aber einen Tag später den Kopf über diese lustige aber blödsinnige Idee geschüttelt. Harald kaufte Holz, einen alten Autositz und frag mich nicht was für Gummis und baute ein Menschenkatapult. Mit diesem Apparat und einigen Mitstreitern zog er in der Open-Air-Saison von Festival zu Festival und schoss glücklich kreischende Bermuda-Shorts-Träger in diverse brandenburgische Seen. Irgendwann waren sie mit ihrem Katapult auch beim Red-Bull-Flugtag, außer Konkurrenz allerdings, weil er nicht den Regeln entsprach.
P1190292
Und jetzt, ein halbes Jahr, nachdem ich ihn und einige Gleichgesinnte bei ihrer Glücksrad-Aktion traf, sah ich Harald in der Zeitung wieder. Und im Fernsehen. Und vor allem natürlich im Internet. Harald ist einer der Gründer von sea-watch.org, einer kleinen Hilfsorganisation, die von privatem Geld einen Kutter gekauft hat, um Menschen zu helfen, die beim Glücksrad des Schicksals Pech hatten, und nun von Not, Angst und der Hoffnung auf ein besseres Leben getrieben in seeuntauglichen, hoffnungslos überladenen Schiffen auf dem Mittelmeer in Seenot geraten.
Wieder war es eine verrückte Idee: Warum zusehen und sich auf Seufzen und Kopfschütteln beschränken, wenn man auch ein Boot kaufen und hinfahren kann!
Ja, klar, das kann nicht jeder; ich hätte sicher nicht das Geld für einen Kutter. Aber dass es nicht um Geld geht, wenn man sich engagieren will, haben Harald und andere bei der Aktion mit dem Glücksrad bewiesen.
Ich wünsche Harald und allen Mitinitiatoren, Helfern und Unterstützern alles Gute, hoffe, dass die Aktion ein großer Erfolg wird, dass sie einen Beitrag leistet, Menschen zu retten und vor allem: dafür zu sorgen, dass das Thema nicht nach einigen Tagen und Betroffenheitsbekundungen seitens der Politik vergessen wird, bis es eine neue Rekord-Katastrophe gibt.

Hier gibt es Infos und die Möglichkeit zu spenden:

http://sea-watch.org/

Schnipsel vom 19.4.2015 – Ente gut und ein Kännchen drinnen

Ich war wieder sehr viel unterwegs, weshalb diese Schnipsel nicht ganz ohne Klapprad- und Bahn-Content auskommen. Ich überlege, ob ich dafür nicht ein eigenes Blog aufmachen sollte, aber ich bin in Sachen Verzettelei sowieso schon ganz gut unterwegs („verläuft bei mir“).

Das Reisen lässt einen viele Dinge entdecken, etwa das folgende Plakat. „Ich bin ein Bamberger! Ich stehe für Bamberg!“ klingt zwar ein bisschen verzweifelt, so als wollten die Bamberger dies einfach nicht begreifen, aber insgesamt handelt es sich hier wohl um ein Beispiel Beispiel gelungener Integration. Oder sollte ich schreiben: Entegration?

IMG_0135

Ebenfalls im Bamberg fotografierte ich ein sehr schönes Continue reading

Big Jack und die Ja!-Quark-Lady

bj04

Und da stand ich nun. An der Kaisers Kasse im Hauptbahnhof, mit meinen schönen neuen Kopfhörern um den Hals und dem 1.-Klasse-Upgrade-Gutschein in der Jacketttasche, mit dem Griff des Rollkoffers in der einen und einer Packung Sushi für die Fahrt in der anderen Hand. Und vor mir legte eine alte Dame einen Pfandbon auf die Geldschale, knubbelte mit störrischen Fingern sieben einzelne Centstücke aus einer verschrabbelten Geldbörse und legte sie dazu, um eine Packung Ja!-Quark, einen Ja!-Schokopudding und eine Flasche Fanta zu bezahlen. Continue reading

Kein Aprilscherz: In 30 Minuten zum Erfolg!

[1.4.2015, 12.01 Uhr]

Da das Schreiben von unterhaltenden und/oder literarischen Texten und Büchern und das Vortragen derselben zwar ein sehr leckeres Brot ist, aber auch ein hartes, eher dünnes und nur mit Margarine beschmiertes, habe ich beschlossen zum Zwecke nachhaltigen Erfolges einen Ratgeber zu schreiben, denn mit sowas hat man gute Erfolgsaussichten, insbesondere, wenn es sich einen Ratgeber handelt, der den Lesern verrät, wie sie Erfolg haben können.

Nein, keine Sorge, es wird kein „Machen Sie es wie ich, schreiben Sie einen Ratgeber“-Ratgeber, sondern einer, der ein echtes Problem angeht und eine (für mich zumindest) prima funktionierende Lösung vorschlägt. Und das beste: Bevor in einem Jahr, die auf 240 Seiten aufgeblähte Buchfassung für 16,90 erworben werden kann, kommen Sie, liebe Leserinnen und Leser schon jetzt und völlig kostenlos in den Genuss meiner geballten Lebenserfahrung.

Markus Freise, Comiczeichner und Slam Kollege, hat eine Lösung für das Problem vieler Freiberufler gefunden, nicht mit der Arbeit aufhören zu können.

Ich habe eine Lösung für das Problem vieler Freiberufler gefunden, nicht mit der Arbeit anfangen zu können. Die Methode mag aber auch für Nichtselbständige ihre Vorteile haben.


 Markus Freise hat eine Lösung für das Problem  gefunden, nicht mit der Arbeit aufhören zu können. Ich habe eine Lösung für das Problem gefunden, nicht mit der Arbeit anfangen zu können.


Sie ist super einfach, weshalb ich bisher noch keine Ahnung habe, wie ich die 240 Seiten füllen soll und darüberhinaus nicht begreife, wieso ich sie erst vor fast zwei Jahren entdeckt habe.

Irgendwann, das ist jetzt schon sehr lange her, entdeckte ich, dass mein ursprünglicher Plan, Künstler zu werden, um nicht arbeiten zu müssen (naja, und von wegen Selbstverwürklichung und so und weil die Welt meine Texte braucht etc.) gründlich schiefgegangen war. Das ist nicht weiter schlimm, da – wie es auch Markus beschreibt – die Arbeit Spaß und oft glücklich macht.

Und trotzdem muss ich mich oft dazu zwingen. Nicht, weil ich sie hasse, sondern weil mich die schiere Menge manchmal einfach erdrückt, so dass ich Angst vor dem Anfangen habe. Weil einem die Muse manchmal statt einem Kuss einen Tritt in den Hintern gibt und man weiß, dass man sich jetzt trotzdem hinsetzen und versuchen muss, sie zu überlisten, weil man es sich nicht erlaube kann, zu warten, bis sie reumütig und mit einem Blumenstrauß zurückkommt. Und natürlich, weil ich meine Arbeit in Wahrheit doch hasse. Zumindest den Teil, der mit Emails, Excel-Tabellen, Pressetexten, Rechnungen und so weiter zu tun hat und der scheinbar von Jahr zu Jahr mehr Platz einnimmt.

[12.31 Uhr]

[…]

[12.37 Uhr]

Nichts ist deprimierender als die Vorstellung, jetzt 17 Emails und drei Facebooknachrichten beantworten und danach die Belege der letzten drei Monate sortieren zu müssen, um sich anschließend ans Schreibprogramm zu setzen und endlich diese eine verflixte Geschichte, dieses eine störrische Kapitel, diesen einen grässlichen Pressetext fertigzuschreiben. Bei mir hat der Gedanke an den Berg der vor mir lag, oft genug dazu geführt, dass ich in heftige Zuckungen verfallen bin, drei Tage später völlig vernachlässigt auf meinem Sofa wieder zu mir kam und feststellte, dass ich offenbar gerade alle Staffeln von Lost und Dallas und Bauer sucht Frau am Stück geguckt hatte.

Seit ich mir die Arbeit mit meinem neuen Superduper-System organisiere,kommt das kaum noch vor. Und gleichzeitig habe ich noch ein anderes Problem en passant mitgeöst, das sehr eng mit Markussens verwandt ist: Das sogenannte „Ich wollte bloß kurz bei Facebook nach Nachrichten schauen / einen winzigen Text fürs Blog schreiben / für einen Roman ein Katzenvideo rechnerchieren und plötzlich war es 2 Uhr morgens, ich hatte seit 14 Stunden nichts mehr gegessen und den ganzen Tag nicht eine sinnvolle Sache gemacht“

Die Lösung lautet: Ich teile alles in 30-Minuten-Stücke ein! Haha! Der Kurzzeitwecker ist zu einem meiner wichtigsten Arbeitsmittel geworden!

Es ist so ein riesen Unterschied, ob man sagt: Ich erledige jetzt den ganzen anstehenden, sich auftürmenden, schrecklichen, drögen Bürokram oder: Ich erledige jetzt 30 Minuten lang Bürokram. Es ist so ein Unterschied, ob man sagt: Ich stehe nicht eher auf, als bis ich dieses Kapitel fertig habe (oder nacch mindestens 7.000 Zeichen etc.) oder ob man sagt: Ich schreibe jetzt exakt 30 Minuten an diesem Kapitel. Es funktioniert mit allem. Mit Wohnungsaufräumen, mit Facebook und Katzenvideorecherche, mit der Steuererklärung, dem Gitarreüben, der Gartenarbeit. Na gut, vielleicht nicht mit allem, aber Vielem.

IMG_0099[1]

(20 Minuten sind natürlich zu wenig!)

30 Minuten sind lang genug, um richtig in die Arbeit einzusteige, aber so kurz, dass man keien Angst vor dem leeren Blatt oder dem vollen Posteingang haben muss, denn die halbe Stunde steht man locker durch.

Danach hat man sich eine kleine Pause verdient. Als ich damit anfing war es bei mir häufig eine Zigarette, jetzt stehe ich manchmal bloß kurz auf und hole mir einen Kaffee oder ein Glas Wasser (die 6 Minuten beim Schreiben dieses Artikels zwischen 12.31 und 12.37 habe ich genutzt, um mir einen Kaffee im Bordbistro zu kaufen – viele Grüße aus dem Zug!).

Wichtig ist folgendes: Während der 30 Minuten darf man sich nicht ablenken lassen. Das Handy muss in den Flugzeugmodus und auf keinen Fall darf man zwischendurch mal kurz auf Facebook schauen („Die eine Minute häng ich dann einfach hinten ran“), es sei denn, es ist gerade die halbe Facebook-Stunde.

[13.07]

[13.08]

Manchmal stelle ich nach den 30 Minuten den Wecker sofort wieder und mache einfach weiter, oder ich belohne mich für eine halbe Stunde Gehirnauswringen (selbst wenn oder gerade wenn es ergebnislos war)mit 30 Minuten Hausarbeit, die sich dann fast wie eine Pause anfühlen. Und nach ein paar 30-Minuten-Einheiten hat man dann auch das Gefühl, sich jetzt eine größere Pause nehmen zu können.

Das ist ein weiterer Vorteil des Systems: Man bekommt ein besseres Gefühl dafür, wieviel oder wenig man eigentlich macht, wieviel Zeit bestimmte Dinge erfordern und wieviel man schaffen kann.

Falls es jemand mal ausprobiert, würde ich mich sehr über Feedback freuen. Mir hilft es sehr und ich habe den Eindruck mehr zu schaffen, zufriedener mit dem Geschafften zu sein als früher.

Inspiriert wurde die „Volker Strübings Original In-30-Minuten- zu- Erfolg-und-Weltherrschaft-Methode” übrigens von Kirsten Fuchs, die ein eigenes System entwickelt hat, dass auch seine Vorzüge hat. Aber davon muss sie selber berichten.

[13.17 Uhr – die  verbleibenden 21 Minuten nehme ich mir für ein Foto zum Beitrag. Da ich schon weiß, dass ich die hier rumliegende Schweizer Gratiszeitung fotografieren will, rechne ich mit 5 Minuten, was bedeutet, dass es ziemlich genau 21 dauern wird.]

 

 

Odysseus in München

Da ich zumindest von 2 Menschen kenne (und zwar schon quasi von Geburt an), die ganz gerne lesen, wie es mir unterwegs so ergeht, und die nicht bei Facebook sind, erlaube ich mir, gelegentlich die eine oder andere Sache doppelt zu posten.

Und die folgende Geschichte passt hier eigentlich sowieso viel besser als bei FB:

P1200616

Wenn Du morgens 40 Minuten mit dem Fahrrad quer durch München zu einer Verabredung in eine ulkige Vorstadt fährst (die meiste Zeit bergauf), dort angekommen feststellst, dass du einen kleinen Buchstabendreher in der Adresse hattest und dank Google-Maps auf dem schnellsten Wege zum falschen Ziel gefahren bist, dann die richtige Adresse eingibst und siehst, dass sie nur 5 Minuten von deinem Hotel entfernt gewesen wäre, daraufhin wieder 40 Minuten radelst – seltsamerweise erneut bergauf, bei gefühlten 25 Grad, mit dickem Pullover und Wintermantel bekleidet, mit prall gefüllter Fahrradtasche am Gepäckträger und aus allen Nähten platzendem Rucksack samt angeschnallter Reisegitarre auf dem Rücken, weil du das Hotel wechseln musst), dir dann auf dem letzten Kilometer ein Loch in den Reifen fährst und mit 45 Minuten Verspätung auf der Felgen kriechend und wie ein Golden Retriever im Hochsommer schwitzend und hechelnd bei deiner Verabredung ankommst, hinterher dein Fahrrad durch halb München schiebst, weil praktisch alle Fahrradläden montags dicht haben, wenn du dann, als du endlich einen geöffneten Laden erreicht hast, dort angepflaumt und trotz allen Notfallgejammers und pathetischer Anrufungen von Menschlichkeit und Nächstenliebe wieder fortgeschickt wirst, dir ein Taxi nimmst, für 15 Euro zum nächstgelegenen offenen Fahrradladen fährst, und dort sagt jemand irgendetwas in völlig unverständlichem Bayerisch, nimmt aber das Fahrrad und schreibt 17.30 Uhr auf den Abholschein, und nicht weit vom Geschäft entfernt ist eine Bäckerei wo es guten Käsekuchen, prima Kaffee und Steckdosen gibt, dann weißt du, dass es auch viel schlimmer hätte kommen können.

P1200620(Und wenn du dann zum Kompott am Abend im Lyrik-Kabinett noch ein bisschen in der Glasfaserkabellampe wuscheln und dich über das schöne deutsche Wort “Glasfaserkabellampe” freuen darfst, dann ist wirklich alles gut.)

 

Schnipsel vom 29.3.2015 – Über Klokonsum, die Lösung des Abfallproblems und tanzende Bäume

Hurra! Wenn die Bäume tanzen, dann ist endlich Frühling:

P1200418Zeit für den Frühjahrsputz! Weg mit allem Müll und Krempel und Gerümpel, Platz schaffen für neuen Schund und Plunder und Schnickschnickschack. Die eleganteste Methode der Müllentsorgung ist es sicherlich, einfach Continue reading