Autor: vstr@gmx.de

  • Man kann gar nicht so viel fressen, wie … na, ihr wisst schon …

    Man ist es ja gewohnt, mit Blödsinn und Frechheiten konfrontiert zu werden, aber ab und zu verschlägt’s einem dann doch noch mal die Sprache (siehe auch hier). Im Spiegel 24/2006 las ich ein Interview mit BP-Chef Lord Browne. Unter anderem wurde er zu den Entwicklungen in Lateinamerikas befragt, zu Verstaatlichungen und geplanten höheren Steuern:

    SPIEGEL: Ist es denn gerechtfertigt, dass diese Länder mehr vom Gewinn aus ihren Bodenschätzen behalten wollen?

    Browne: Jede Regierung behält sich das Recht vor, Steuern und Abgaben zu erhöhen […] Ich bitte allerdings zu bedenken: Wir als privates, internationales Unternehmen investieren sehr viel Geld und was übrigbleibt, geht an die Aktionäre. Überwiegend sind das Pensionsfonds. Mit einem Großteil des Gewinns wird also Altersvorsorge betrieben.

    Was Browne eigentlich sagt: Es ist okay, die Bodenschätze und Arbeiter Lateinamerikas auszubeuten, solange dadurch amerikanischen Rentnern ein luxuriöser Lebensabend in Florida bezahlt wird. Dem Spiegel ist die Tatsache, dass hier das Shareholder-Value-Prinzip und die Ausplünderung des Südens zur sozialen Marktwirtschaft umgedeutet werden, keine Nachfrage wert.

    Mit derselben Logik kann man Kinderarbeit für börsenorientierte Unternehmen erlauben und mit schönen Reden vom „Generationenvertrag“ rechtfertigen. Auch die Sklavenarbeit hat übrigens zur Altersvorsorge der Sklavenhalter beigetragen.

  • Mein Erster ist Zweiter geworden!

    Hey! "Das Paradies am Rande der Stadt" hat den zweiten Platz beim Deutschen Science Fiction Preis belegt! Wahnsinn!*

    Preisträger 2006 ist "Das Cusanus Spiel" von Wolfgang Jeschke. Mehr Infos und eine Laudatio auf den Sieger gibt es hier: www.sf-fan.de

    * "Wahnsinn" ist so ein blödes Wort … nachdem ich jetzt eine Woche praktisch auschließlich in Englisch gesprochen habe, würde ich viel lieber "marvellous", "great" oder "wonderful" schreiben, aber das ist eigentlich genauso bescheuert. Ich freue mich einfach über dieses tolle Ergebnis.

  • Rotterdam – 3. Bericht

    Alles ist gut! Der Worldslampionship-Gewinner 2006 ist Elvis McGonagall aus Großbritannien! Und, Mann, der Typ hats verdient! Der zweite Platz ging an Mike McGee aus den Vereinigten Staaten, und es hätte genausogut der erste werden können – wen kümmern die paar Nachkommastellen, mit denen sich die beiden in der Jury-Wertung unterschieden! Auf dem dritten Platz: Luciole aus Frankreich – und das mit noch nicht ganz 20 Jahren!

    Ich habe, glaube ich, den vierten belegt, vielleicht ging der aber auch an Kalle Haglund, den schwedischen National Slam Gewinner, der sich viel, viel besser geschlagen hat, als „seine“ Fußballnationalmannschaft.

    Nach dem (für mich) grauenvollen Slam am Montag bin ich jetzt sehr, sehr zufrieden. Um ehrlich zu sein: Ich war verdammt gut! (Für die Selbstanklage vom Dienstag hier im Weblog hatte ich einmal Eigenlob gut!)

    In der ersten Runde habe ich einen Text auf Deutsch auswendig vorgetragen, das war … ganz okay. In der zweiten Runde habe ich – nachdem ich drei Tage lang überlegt und gearbeitet und gelernt (… und getrunken und gegessen und gefeiert und geredet) habe – noch einmal ein Experiment gewagt und einen Text auf Englisch performt. Halb auswendig, halb vorgelesen. Und der kam extrem gut an. Beim Publikum, bei der Jury und bei den anderen Slammern.

    Die Woche in Rotterdam war unglaublich. Die Organisatoren nennen das Festival bescheiden „Poetry International“ – ich würde es eher „Poets Paradise“ nennen. Einen längeren Bericht gibt’s demnächst! (Wahrscheinlich.)

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    Mike McGee

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    Kalle Haglund und Elvis McGonnagall

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    Luciole

  • Rotterdam – 2. Bericht

    Das Schlimme am Bloggen: Wenn man einmal angefangen und Spass daran gefunden hat, moechte man den ganzen Tag damit verbringen; moechte das Internet mit jedem Gedanken, der einem kommt zukleistern – obwohl ich nicht weiss, wieviele Gedanken man brauechte, um es wirklich zuzukleistern …

    Von den Gedanken abgesehen, gaebe es soviel ueber das Festival zu berichten, zum Beispiel … nein, das muss warten, jetzt bin ich hier und will es geniessen. Und das tue ich. Die schlechte Stimmung ist verflogen, und Angst habe ich auch nicht mehr. Schoen, dass ich meinen schlimmsten Auftritt schon hinter mir habe!

  • Rotterdam – erster Bericht

    Wenn ich jemandem erzaehlt habe, ich fahre fuer eine Woche nach Rotterdam war die Reaktion entweder: „Boh, super! Rotterdam ist so schoen!“ oder „Oh Gott, du aermster – eine Woche in dieser haesslichen Stadt?!“

    Jetzt, nach 3 Tagen, habe ich mir endlich ein eigenes Urteil gebildet: (mehr …)

  • Das muss ich noch loswerden:

    Gestern habe ich bei Dussmann an der Friedrichstraße das erste Mal meinen Roman in einer Buchhandlung liegen sehen (abgesehen von der Friedrich-Wagner-Buchhandlung in Ueckermünde, aber das ist ja sowieso die beste Buchhandlung der Welt, wegen des Buchhändlers und der beiden im Durchschnitt dreieinhalbbeinigen Katzen).

    Ich finde, er macht sich da äußerst gut und wäre eine Zierde für jeden Buchladen.

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    So. Genug angegeben für heute und genug gebloggt – eigentlich sollte ich jetzt die Texte für Rotterdam nochmal durchgehen und den Rucksack packen und „Schiedsrichter – Telefon!“ auf niederländisch lernen, statt hier rumzuschnipseln. Jetzt muss ich zum Glück sowieso gleich los in den Pratergarten, wo Tina, Spider und ich Stephan Zeisig Tips für seinen anstehenden Inddonesien-Urlaub geben und Bier trinken wollen.

  • Gesagt, getan.

    „Muss ich mal ne Geschichte drüber schreiben“ – so stands in meinem Posting über die Forderung eines CSU-Politikers nach einem „Gemeinschaftsdienst“ für Langzeitarbeitslose.

    Und hier ist der Text: http://www.volkerstruebing.de/arbeitsdienst.html

    Kein Meisterwerk, aber das ist nicht meine Schuld, wie dem geneigten Leser klar werden wird.

  • WM-Fieber: Sogar ich bin betroffen!

    Morgen geht’s los. Mit dem Flugzeug nach Rotterdam zum World-Poetry-Slampionship. Ich hoffe auf viele deutsche Poetry-Schlachtenbummler mit Deutschlandfahnen auf der Backe und ulkigen schwarz-rot-goldenen Hüten, die die deutsche Nationalmannschaft (mich) anfeuern. Gerne auch Schweizer und Österreicher, denn für die habe ich in Leipzig den Slam05 mitgewonnen 🙂

    Ich male mir gute Chancen aus, das Viertelfinale zu erreichen, zumal es bei 8 teilnehmenden Nationen gleich mit dem Viertelfinale losgeht.

    Seit Monaten, seit ich die Einladung erhielt, grübele und hadere und zweifle ich, was ich dort machen soll. Anfangs hatte ich die wahnwitzige Idee meine Sachen auswendig und auf englisch vorzutragen. Dann wollte ich sie auswendig auf Deutsch machen und mir eine Performance dafür antrainieren … aber verdammt, das geht nicht! Ich kann vielleicht mal eine kleine Handbewegung machen, aber ich bin kein Performer und ich werde da auch nichts reißen, indem ich mich dazu zwinge, etwas zu tun, was ich nicht kann und nicht will. Ich werde versuchen, den einen oder anderen Text ohne Zettel aufzusagen, aber optisch wird das meinen Auftritt auch nicht viel interessanter machen, als wenn ich ablese. Außerdem habe ich einen sehr neuen Text gerade selbst ins Englische übersetzt, vielleicht lese ich den vor und bitte das Publikum, die Grammatikfehler zu zählen.

    Ich bin sehr gespannt. Mehr demnächst hier auf dem Schnipselfriedhof.

  • Warum machen CSU-Politiker eigentlich nicht mal was gemeinnütziges? Zum Beispiel die Klappe halten?

    Alle arbeitsfähigen Langzeitarbeitslosen müssen sich dann jeden Morgen bei einer Behörde zum ‚Gemeinschaftsdienst‘ melden und werden dort zu regelmäßiger, gemeinnütziger Arbeit eingeteilt – acht Stunden pro Tag, von Montag bis Freitag“ so fasst Stefan Müller (CSU) seine Ideen für eine weitere Verschärfung der Arbeitsmarktreform Hartz IV zusammen.
    (Quelle: Spiegel Online)

    Egal, wie er es umschreibt, egal, wie nett das Wort „Gemeinschaftsdienst“ klingt: Hier wird unverhohlen Zwangsarbeit gefordert. Und nicht nachgedacht (oder er erzählt wissentlich Unsinn, was noch schlimmer wäre): Nehmen wir an, jeden Morgen melden sich ein paar Millionen Arbeitslose zum nicht oder extrem gering bezahlten „Gemeinschaftsdienst“ – wieviele bezahlte Stellen würden dafür wegfallen?
    Ums mal auf die Spitze zu treiben: Irgendwann wird bestimmt mal einem industrienahen Politiker auffallen, dass auch die Arbeitsplätz in der Produktion eigentlich gemeinnützig sind, da ja der Staat (und damit die Gesellschaft) von der Stärke unserer Industrie profitiert. Gemeinnützige Arbeit kann aber genausogut ein unbezahlter Hartz-IV-Mensch übernehmen – wozu teure Lohnkosten zahlen … ihr versteht schon …

    Muss ich mal ne Geschichte drüber schreiben.