Autor: vstr@gmx.de

  • Das größte aller Verderbnisse

    Schon lange wollte ich etwas über mein Unbehagen gegenüber dem Backpackertourismus schreiben. Es gab mal einen Versuch und ein paar kleine Seitenhiebe, aber der große, alles erklärende Text zum Thema stand noch aus. Zum Glück hat das jetzt jemand anders für mich übernommen und viel besser, als ich es hingekriegt hätte. „Die Backpacker an der Buddhabar“ heißt ein sehr guter, treffender Artikel von Ilja Trojanow in der Taz vom Wochenende.

    Bewegung kommt erst wieder auf, als das Schiff die Hauptstadt erreicht und sich auf einmal zwei entschlossene Kohorten gegenüberstehen. Die Rikschafahrer, Hotelagenten und Tourführer auf der einen Seite […] Gegenüber die leicht bekleideten Backpacker, braun gebrannt und schnorchelfit, die mit lässiger Gebärde ihre Sonnenbrille zurechtrücken und ihren Rucksack schultern. […] Sie springen auf die Mole und wischen die vordersten Angreifer zur Seite wie lästige Moskitos. Man vernimmt erste Ausrufe des Protests: „Two dollar? You must be crazy. Half a dollar, not more!“
    In ihren Stimmen schwingt eine gerechte Wut mit, denn sie kämpfen nicht nur zum Wohle ihres Geldbeutels, sie retten die Welt vor der größten aller Verderbnisse, dem Hochtreiben der Preise.

    (taz vom 8.6.2008, Ilja Trojanow: Die Backpacker in der Buddhabar)

    (Volker „selber Backpacker!“ Strübing)

  • Ja, wir sind alle Individuen

    Gestern sah ich vor den Schönhauser Allee Arcaden ein Mädchen in einem engen schwarzen T-Shirt. „Einzelstück“ stand quer über der Brust. Das nächste „Einzelstück“ sah ich keine 20 Sekunden später auf dem S-Bahnhof. Das hat mich gefreut, weil es mich an meine Lieblingsszene aus „Das Leben des Brian“ erinnert hat.

    (Volker Strübing)

  • Ist immer noch ’ne lange Geschichte …

    … aber ich mach’s mal ganz kurz und unpathetisch: Kirsten Fuchs und ich fahren in die Arktis. Mit einem Schiff. Was wir dort erleben, kann man sich nächstes Jahr auf 3sat angucken und in einem Buch nachlesen.

    Ich schreibe demnächst noch was dazu und wahrscheinlich gibt es auch schon kleine Filmchen von den Vorbereitungen.

    Dies ist keine Übung.

    (Volker Strübing)

  • Ist ´ne lange Geschichte …



    … die ich ein andermal erzählen muss.

    (Volker Strübing)

  • Wie mir mal die Brille geputzt wurde

    Gestern ging ein sehr kaffeereicher später Nachmittag direkt in einen Abend im Biergarten über, weshalb die dortige Toilette recht häufig aufzusuchen ich mich gezwungen sah. Um es mal nicht auf meine Pionierblase zu schieben.

    Vor der Toilette saß eine Frau – ich will nicht „Klofrau“ schreiben – an einem Tisch, vor sich einen Teller für Kleingeld. Die Frau sah sehr nett aus und sehr schüchtern und ein bisschen traurig und irgendwie tat sie mir leid. Weil sie diesen Job hatte und weil sie eigentlich auch mit ihren Freundinnen und Freunden bei den fröhlichen Mensch im Biergarten hätte sitzen sollen. Den Gedanken, dass Toiletten nunmal auch sauber gemacht werden müssen, schob ich rasch beiseite.

    Dann erzählte ich Kirsten, mit der gemeinsam ich die Aufgabe des Feierabendbiertrinkens angegangen war, von der Frau und dass ich nicht wüsste, wie ich mich bei meinen zahlreichen Passagen verhalten sollte.

    „Ich geb ihr Geld“, sagte Kirsten.

    „Ja, ich doch auch. Aber wie soll ich dabei gucken? Und vorher, wenn ich auf dem Weg zur Toilette das erste Mal an ihr vorbei muss! Soll ich freundlich gucken, vielleicht sogar lächeln? Dann denkt sie vielleicht, das ist bloß Mitleid und sie fühlt sich schlecht und gedemütigt. Oder soll ich einfach an ihr vorbei gehen und sie ignorieren, um damit kundzutun, dass ich es für das normalste von der Welt halte, dass sie dort sitzt und sie keinen Grund hat, sich schlecht zu fühlen oder bemitleidet vorzukommen? Aber wie leicht könnte sie das als Arroganz auslegen oder denken, dass sie mit diesem Job so tief gesunken sein, dass andere Menschen sie schon gar nicht mehr wahr nehmen?!
    Vielleicht sollte ich ihr einfach kurz und knapp zu nicken, ein Gruß unter Profis, die die gegenseitige Arbeit wertschätzen, obwohl ich ja gerade Feierabend habe. Aber da würde sie sich doch verarscht vorkommen, oder? Schwierige Sache. Und ich fürchte, gleich stehe ich wieder vor dieser Entscheidung …“

    Kirsten nur gelacht. „Nimm Dich nicht so wichtig!“, hat sie gesagt und: „Jeden Abend gehen ein paar Hundert Leute an ihr vorbei, ich glaube nicht, dass die so viel über deinen Gesichtsausdruck auf dem weg zur Toilette nachdenkt!“

    (Volker Strübing)

  • Ein richtig schlechter Sonntagmorgen

    Vor einer Stunde wollte ich endlich mit Teil 14 von Kloss und Spinne anfangen. Und musste feststellen, dass alle, alle, alle Animationsdateien nicht mehr funktionieren. Das Animationsprogramm findet die mühsam eingebetteten Einzelbilder nicht mehr, obwohl ich keine Verzeichnisse umbenannt oder verschoben habe. Oh nein. Wenn sich das nicht noch als doofer Traum erweist oder sich mithilfe der Sicherungsfestplatte, die ich bei Spider deponiert habe, beheben lässt, dann bedeutet das mindestens einen, eher zwei Tage zusätliche Arbeit. Und zwar richtig langweilige, blöde, frickelige Arbeit. Und diese Zeit habe ich gerade nicht.

    Grr….

    (Volker Strübing)

  • Gerade noch rechtzeitig: Kalenderblatt Mai 2008

    (Klick auf das Bild für eine größere Version.)

    Das Motiv ist eine Fortsetzung zum April-Bild.

    (Volker Strübing)

  • Schnipsel vom 31.5.08

    • Warum finde ich eigentlich Touristen in Berlin viel nerviger als mich in China? Naja, zumindest bin ich dort nicht als grölende, Beck’s-„Bier“ schwenkende Horde durch die Gegend marodiert.
    • Apropos Touristen in China: Als ich am Ende der Reise zurück nach Shanghai kam, fielen mir in der dortigen Innenstadt sofort die Billabong-Trottel auf. Sie waren schäbiger bzw. „legerer“ gekleidet als die berühmten chineschen Wanderarbeiter, nur viel, viel teuerer. Wenn ich irgendwo ein T-Shirt dieser Marke sehe, muss ich sofort an Leute denken, die sich für Weltbürger und irgendwie bessere Touristen halten, weil sie den Lonely Planet lesen und in 50 verschiendenen Sprachen „Und wie war ich?“ fragen können, nachdem ihnen eine Einheimische für 5 Dollar … aber nein, das geht zu weit und das sind bestimmt auch bloß Vorurteile. (Und gegen den Lonely Planet will ich damit auch nüscht gesagt haben – nachdem ich in China mal was anderes ausproboiert habe, war ich sehr froh, mir von Dan den LP borgen zu können.)
    • Wer die Fernsehserie Lost mag, sollte es unter allen Umständen vermeiden, die 4.Staffel zu gucken. Vielleicht war es ja auch das menschenfreundliche Kalkül der Produzenten, mit einer schlechten letzten Staffel allen Lost-Süchtigen das Aufhören zu erleichtern.

    (Volker Strübing)

  • Seltsame Verkaufsgespraeche – Heute: Im Fahrradladen

    Auf der Kastanienallee war’s. Der vordere Bremsbaudenzug meines Fahrrades war gerissen (dieses gerissene kleine Miststueck, dieses!) (Entschuldigung!). Und ich dachte, ich lass den wieder zusammenknueppern oder ersetzen oder was auch immer zu noetig waere, um mit dem Fahrrad wieder fahren und anhalten zu koennen. Ich hatte ja auch Geld mit und war der irrwitzigen Meinung, jemand wuerde gerne fuer Geld fremder Leute Fahrraeder reparieren. Ein Laden mit einem Schild auf dem „Fahrradreparaturen“ stand bestaerkte mich in meinem Wahn.
    Versehentlich war ich aber in ein Fachgeschaeft fuer schlechte Laune und Kundenbeschimpfungen geraten.
    Ich: „Mir ist hier der Bremsdingens gerissen und wuerde das gerne reparieren lassen.“
    Er: „Aha. Und neue Bremsbacken wollen Sie nicht?“
    Ich: „Hm. Weiss nicht, wenn Sie meinen, da waeren neue noetig …“
    Er (verdreht die Augen, fuchtelt mit den Armen, redet theatralisch): „Nein, ach was, neue Bremsbacken, so ein Quatsch, die sind ja nur total runter, das ist ja noch lange kein Grund die auszutauschen, ach wo, nein, nein, auf gar kein Fall.“
    Ich: „Okay, okay, ich hab’s kapiert, die Bremsbacken sind runter …“
    Er (schnauzt mich an): „Na was denken Sie denn, warum der Baudenzug gerissen ist. Die haben doch keine Bremswirkung mehr! Darum ham Sie doch an den Bremsen gezogen wie ein Idiot! Natuerlich reisst das dann! Aber bitte schoen, wenn Sie wollen, tausche ich Ihnen auch bloss die Baudenzuege aus! Meine Schnauze isses ja nich auf die Sie sich dann packen!“
    Ich: „Aehm ja, ist ja gut. Schoen, wenn man so freundlich beraten wird. Also, wenn Sie meinen, die Bremsbacken muessten ausgetauscht werden, dann …“
    Er (bruellt mich an): „Natuerlich muessen die ausgetauscht werden! Das sieht doch ein blinder mitm Krueckstock, dass die ausgetauscht werden muessen!“
    Nun bin ich leider kein Blinder mitm Krueckstock und hatte es daher nicht gesehen, war aber bis zu diesem Zeitpunkt durchaus bereit gewesen, seinem professionellen Rat zu vertrauen. Jetzt wollte ich nur noch weg. Es gibt so eine ganz eigene Handwerkerarroganz, die weit verbreitet ist unter allen, die einen Schraubenzieher am richtigen Ende anzufassen wissen, aber selten habe ich sie so ausgepraegt erlebt.
    Ich: „Ja, also ich geh dann mal. Ich hab jetzt gar nicht so’ne Lust, mich beschimpfen zu lassen.“
    Er: „Und ich hab keine Lust auf Kunden, die hierherkommen und dann nicht zuhoeren wollen!“
    Ich: „Tschuess!“
    Er: „Schoenen Sommer noch!“
    Ich: „Ihnen nicht!“

    (Volker Struebing)

  • Seltsame Verkaufsgespräche – Heute: Bei Kaiser’s

    Neulich wollte ich ein Brot kaufen. Aus Faulheit bei Kaiser’s, obwohl der weltbeste Bäcker der Welt gleich bei mir um die Ecke ist. Doch ich brauchte auch noch was für zum aufs Brot raufmachen tun und wollte nicht zweimal vom Fahrrad absteigen.
    Richtiges Brot gab es nicht mehr, nur irgendwelche Dinger mit Phantasienamen, die mir alle nicht brotig genug aussahen. Die genauen Gegenstücke zum Ruppelschen Traumbrot. Mit sowas braucht man den Kaiser’s Backstandstanten gar nicht kommen.
    Ich entschied mich für ein halbes Biomehrkornbrot. Als die Frau es mir einpacken wollte, zeigte ich auf den Bio-Aufkleber, der an der Rinde klebte. Ich erinnerte mich daran, dass ich mich über so ein Ding schonmal sehr geärgert hatte.

    Ich: „Äh, der Aufkleber da, geht der ab?“

    Sie: „Klar.“

    Ich: „Ich hab hier nämlich schonmal so ein Brot gekauft und da ging der nicht ab. Ich musste ihn dann rausschneiden.“

    Sie: (Polkt eine halbe Minute immer unwirscher werdend mit ihren Fingernägeln an meinem Brot rum, sagt dann:) „Na, den müssen Sie rausschneiden.“

    Ich: „Hm, das ist doch doof. Wieso pappen sie denn Aufkleber auf die Brote, die man dann aus der Rinde raussschneiden muss?“

    Sie: „Na, damit Sie als Kunde sehen, dass das ein Biobrot ist“

    Ich: „Häh??? Ähm, Sie haben das doch aus dem Fach mit der Aufschrift Biobrot gezogen.“

    Sie: „Naja, Aber da kann ja sonstewas stehen. Sie müssen doch sehen, dass das ein Biobrot ist!“

    Völlig verdattert nahm ich das Gebilde aus der Familie der Brotartigen, aus dem sie inzwischen ein großes Stück Rinde samt Aufkleber herausgeschnitten hatte, entgegen und fuhr nach Hause. Der Kopf schwirrte mir von all den unbeantworteten und ungestellten Fragen:

    • Wenn auf den Regalen sonstewas draufstehen kann, kann dann nicht auch auf den Broten sonstewas draufkleben?
    • Wenn ein teures Biobrot nur mithilfe eines Aufklebers von einem herkömmlichen Chemobrot unterscheidbar ist, was war dann gleich nochmal das Verkaufsargument für Biobrote?
    • Warum benutzen sie ausgerechnet den stärksten Kleber, den die chemische Industrie bereitstellt, um ihre Biobrote mit Aufklebern zu verschandeln?
    • Warum sind sie nicht so clever, statt der Biobrote die Chemobrote mit einem „Kein Biobrot“-Aufkleber zu versehen? Dann müssten die, die das billige Brot kaufen, die Rinde kaputtschneiden und würden beim nächstenmal vielleicht mehr Geld für ein aufkleberfreies Brot ausgeben und so den Kaiser’s-Umsatz steigern.
    • Wird dieser Trend eines Tages auch die Klamottenläden erfassen und werden wir dann aus neuen Hosen und Hemden ersteinmal die „100% Baumwolle“-Aufkleber rausschneiden müssen? Dann kauf ich nur noch Synthetik!

    Die Welt wid immer ulkiger. Aber das war ja eigentlich auch schon immer so.

    (Volker Strübing)