In einem Telepolisartikel las ich ein aus der taz übernommenes Zitat von Generalleutnant a. D. Jürgen Schnell, Hochschullehrer für die Bundeswehr:
Wenn der Krieg von Anfang an zur Geschichte der Menschheit gehört, dann ist anzunehmen, dass der Krieg überwiegend positive Funktionen erfüllt. Wäre es nicht so, dann hätte die Evolution sicherlich längst dafür gesorgt, dass der Krieg als Phänomen verschwunden wäre.
Dieses Argument ist uralt, in seiner Dussligkeit aber immer wieder erstaunlich. Man braucht nur „Krieg“ durch „Popeln in der Öffentlichkeit“ ersetzen (oder durch „Kindesmissbrauch“, „Unfug reden“, „Schweißfüße“ etc.), um zu sehen, was das für ein Quark ist. Weiter:
Die Natur ist offensichtlich von A bis Z auf Wettbewerb angelegt, und Kriege sind ihrem Wesen nach spezifische gewaltsam ausgetragene Formen des Wettbewerbs zwischen sozialen Großgruppen.
Das ist nichts weiter als Sozialdarwinismus – für mich eine der inhumansten Gesellschaftstheorien überhaupt, weil sie letztlich das Menschsein an sich abstreitet, den Menschen zum Tier und das Töten oder Verhungernlassen dieser zweibeinigen Tiere zu einer aus Naturgesetzen resultierenden Notwendigkeit erklärt. Für Militärs (oder Neoliberale) muss es freilich schön sein, sich selbst als Vollstrecker des Willens der Natur betrachten zu können.
(Volker Strübing)
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