Dass Werbeagenturen auch mal was Gutes tun wollen, ist ja eigentlich löblich.Es gäbe auch viele Möglichkeiten, segensreich zu wirken. Sie könnten zum Beispiel einen Subbotnik einlegen und die ganzen kacken Werbeplakate, die sie haben aufhängen lassen, mit Blumen übermalen oder was weiß ich – die Agenturen stecken doch voller kreativer Köpfe, denen sollte schon irgendwas einfallen.
Von wegen! Am Ende gestalten sie kostenlos eine Plakatkampagne für irgendeine wohltätige Organisation, und dann gehen sie wieder an ihre eigentliche Arbeit, die darin besteht, Menschen unzufrieden zu machen. Und den kostenlosen Plakatentwurf, den delegieren sie an irgendeinen kostenlosen oder zumindest kostengünstigen Praktikanten, der das in einer Überstunde erledigen muss. Heraus kommt dann sowas wie: „Moment bitte, Ihnen hängt da ein Brunnen am Ohr!“ oder „Moment bitte, Sie haben sich gerade mit Schulbüchern eingecremt!“ – haha! Voll witzig und irgendwie frech, aber auch provozierend, blabla, das Spendenaufkommen wird sicher gewaltig gestiegen sein, da ist sicher eitel Freude bei dieser Organisation für die das wirbt, für welche hab ich vergessen, steht aber glaub ich auch irgendwo auf den Plakaten. Brot für die Welt war’s nicht, die haben gerade irgendwas mit „fairgeben“ und „fairsorgen“ und „Gottes Spielregeln“.
Das mit Abstand schlimmste Machwerk dieser Art war vor einiger Zeit ein Plakat für die Christoffel Blindenmission, bei dem ein offenbar enthirnter Werber im Portrait eines Afrikaners die Augen durch Geldeinwurfschlitze ersetzt hatte – was bei mir sofort die Frage aufwarf, ob Blindheit bei allen Schrecken nicht auch den kleinen Vorteil hat, dass man soetwas nicht sehen muss …
(Volker Strübing)
PS: Habe gerade erst bei der Bildrecherche gesehen, dass das Blindeplakat wegen öffentlichen Protestes zurückgezogen werden musste (siehe Link oben). War ich also zum Glück nicht der einzige, dem das Kotzen gekommen ist.
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