Am Dienstag bin ich an der Ruine des Palastes der Republik und am ehemaligen Staatsratsgebäude vorbeigekommen. Da, wo der Palast der Republik steht, bzw. gestanden haben wird, stand früher das Berliner Stadtschloss (und wird eventuell irgendwann wieder stehen – au ja, lasst uns Schlösser bauen!). Das Schloss hatte einen Balkon, von dem aus Karl Liebknecht 1918 die „sozialistische Republik“ ausgerufen hat. 1950 wurde das im Krieg weitgehend zerstörte Schloss gesprengt – das Portal mit dem geschichtsträchtigen Balkon aber wurde in das neuerrichtete Staatsratsgebäude integriert, als „Symbol für die Verwirklichung der Ziele Karl Liebknechts und der Novemberrevolution in Form der sozialistischen DDR.“ (Wikipedia) Ob Liebknecht sich die sozialistische Republik so vorgestellt hatte sei dahingestellt. Die „Sieger der Geschichte“ mussten ihren Siegertitel 1990 jedenfalls wieder abgeben. Jetzt residiert darin die European Scholl of Management and Technology und als ich ies am Dienstag sah, musste ich mir sofort vorstellen, wie angehende Manager in der Pause zwischen zwei Seminaren mit einem Latte Macchiato in der Hand fröhlich grinsend vom Karl-Liebknecht-Balkon aus die neoliberale Republik ausrufen …
Naja. Zumindest könnte ich mir diesen Spaß nicht verkneifen, wenn ich dort studieren würde.
(Volker Strübing)
PS und Apropos Schloss: Gestern in Heidelberg gewesen. Mit der Bergbahn zum Schloss gefahren. Im Souvenirladen einen Stoffbeutel mit der Aufschrift „Heidelberger Bergbahn“ gesehen. Überlegt, ob ich mir einen Heidelberger Bergbahnbeutel kaufe, um fortan stolzer Heidelberger Bergbahnbeutelbesitzer zu sein. Zu geizig gewesen.
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