- Während man auf der Post Schlange steht, hat man viel Zeit, über das Schild über dem Kopf der Schlange nachzudenken:
Service Wartepunkt
Der nächste freie Mitarbeiter ist gleich für sie da.
Ein Punkt ist ja nun eigentlich eindimensional, während eine Schlange aus mindestens zwei Dimensionen besteht. Wenn die Schlange eine exakte Linie bildet, die im rechten Winkel zum Posttresen ausgerichtet ist, kann es freilich sein, dass sie vom Standpunkt der Mitarbeiter nur wie eine Person wirkt, insbesondere, wenn vorne gerade ein großer, dicker Mann steht. Für den würde dann natürlich ein Wartepunkt oder besser: -fleck reichen. Aber in der Filiale ist leider nicht genug Platz, damit sich die vielen Wartenden exakt rechtwinklig ausrichten können. Eigentlich müssten die Postmenschen (oh, oh, das klingt fast nach Posthumanen … aber das ist ein Thema für einen anderen Weblogeintrag) also erkennen, dass ein Wartefleck nicht ausreicht.
Halt! Ich erkenne meinen Denkfehler! Die Aussage gilt nur für den, der genau unter dem Schild steht! Klar, so muss es sein! Für alle anderen ist ja auch nicht gleich der nächste freie Mitarbeiter da, sondern erst später, nachdem sie selbst unter dem Schild angekommen sind …
Nebenbei: Ich würde ja statt einem freien auch einen festangestellten Mitarbeiter nehmen …
- Man muss dazu sagen, dass die Post nichts für die Wartezeiten kann. Schuld sind natürlich, die ganzen Menschen, die die Dienste der Post in Anspruch zu nehmen wünschen. Und man muss zugeben, dass sich die Mitarbeiter wirklich sehr bemühen und trotz Stress in der Regel sehr freundlich sind. Das ist jetzt nicht ironisch gemeint, sondern ganz ehrlich. (Gibt’s eigentlich auch einen „Keine Ironie“-Smiley?)
Ich mag es sogar, wenn sie mir, nachdem ich Briefmarken gekauft habe, ein Postbankkonto anzudrehen versuchen, weil es in seiner Absurdität rührend ist: Bevor man in den Schönhauser Allee Arcaden die Schlange am Postschalter erreicht hat, muss man sich an der Schlange vor dem Postbankautomaten vorbeikämpfen und diese reicht schon bei mäßigem Betrieb bis draußen an die Rolltreppe. Wenn sie wirklich Dumme für ihre komischen Postbankkonten suchen, sollten sie den Automaten in den Keller verbannen, damit die zukünftigen Kunden nicht sehen, was sie erwartet. Oder dorthin, wo der Pfeffer wächst – man bekommt zur Zeit glaub ich ein Navigationssystem zur Kontoeröffnung billig dazu, da findet man den Weg schon.
- Eine Sache, die das Deutsche so einzigartig macht, ist die Möglichkeit, Substantive zu Wörtern zusammenzusetzen, die so lang wie eine Postbankautomatenwarteschlange sind. Man kann auf diese Weise zum Beispiel das Wort „Postbankautomatenwarteschlange“ erzeugen. Mein derzeitiger Favorit ist etwas kürzer und stammt vom Schaufenster einer Kneipe in Leipzig: „Fassbierdauertiefpreise“
(Volker Strübing)
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