So. Wir sind noch nicht mal losgeflogen, da gibt es schon Probleme mit dem Rückflug. Wir waren so unfassbar dumm, unsere Flüge nach China und zurück in die Heimat bei British Airways zu buchen. Zu unserer Verteidigung muss ich aber sagen, dass wir vor dem großen Heathrow-Desaster im Reisebüro waren.
Vorgestern erhielt ich einen Anruf, dass irgendwas mit meinem Rückflug sei, dass ich von Shanghai kommend in London Heathrow mein Flugzeug nach Berlin nicht mehr schaffen würde und erst am nächsten Tag fliegen könne. Na toll, dachte ich, sagte aber: „Dann kriege ich aber ein Hotel, oder?“ – „Naja schon, das müssten sie aber selbst bezahlen, das übernimmt Britih Airways nicht.“ – „Was?!“ – „Was sie anbieten könnten, wäre, dass Sie stattdessen nach Hamburg fliegen und Britih Airways wahrscheinlich die Kosten für die Zugfahrt Berlin – Hamburg übernimmt.“ – „Wahrscheinlich?!“ – „Ja, also mit 90%iger Sicherheit.“ Ich bat die Frau vom Reisebüro nachzuschauen, wie es denn mit einem Anschlusszug von Hamburg nach Berlin aussähe und schnell stellte sich heraus, dass ich an diesem Abend keinen mehr kriegen würde … ich habe dann darum gebeten, dass die nochmal mit BA verhandeln und irgendeine Lösung finden sollten und dann habe ich aufgelegt, weil ich mir doch noch ein bisschen Freude und gute Laune für den Auftritt am Abend bewahren wollte.
Heute habe ich dann wieder angerufen und tatsächlich war Bewegung in die verfahrene Situation gekommen: British Airways hatte nunmehr auch das Angebot, die Zugfahrt Hamburg-Berlin zu erstatten, zurückgezogen. Stattdessen räumte man mir die Möglichkeit ein, den ganzen Flug zu stornieren ohne Stornierungsgebühren bezahlen zu müssen – hey! Das ist natürlich genau das Angebot, dass man keine 48 Stunden vor Abflug, mitten im Kofferpacken und Reisefiebern hören möchte.
Als mündiger Bürger und aufgeklärter Konsument wäre es meine Pflicht gewesen, jetzt ein richtiges Fass aufzumachen – vorzugsweise nicht bei der Frau aus dem Reisebüro, sondern bei British Airways direkt. Sowas wie „Schonmal von König Kunde gehört?“ hätte ich brüllen müssen und: „Kenne meine Rechte!“ und: „40 Jahre ham se uns beschissen!“ und „Dafür 89 nich auf die Straße …“ und so. Aber, ach, das war’s mir dann doch nicht wert. Ich hab jetzt eh noch soviel zu tun, bin übermüdet und trage nur noch ein ganz dünnes, durchscheinendes Nervennachthemdchen …
Vielen Dank an Jan-Oliver, der mich für eine Nacht bei sich in Hamburg aufnehmen will und wenn ich Glück habe, auch noch Zeit für ein Bier hat, und an die nette Frau von STA-Travel, die sich für mich mit den anscheinend auch noch sehr unfreundlichen BA-Leuten rumgestritten hat.
Hübsch ist übrigens der Grund dafür, dass ich meinen Anschlussflug in Heathrow auf einmal nicht mehr schaffe: Aufgrund des Gepäckchaos‘ wurde die minimale Umsteigezeit auf 2 Stunden festgelegt. Das Flugzeug aus Shanghai landet 16:05 – das Flugzeug nach Berlin geht 18.00 Uhr – nach 1 Stunde und 55 Minuten. Kein Witz. (Oder doch. Natürlich ist das ein Witz. Der berühmte britische Humor wahrscheinlich.) Es kann also durchaus sein, dass ich in aller Ruhe beim Boarding meines eigentlich gebuchten Fluges zusehen und ihm von der Terasse aus hinterherwinken kann.
Nie wieder British Airways. Es ist ja nicht so schlimm, dass sie irgendwas vergurken. Schlimm ist nur, dass sie nicht bereit sind, dafür geradezustehen und es wenigstens zum Teil oder symbolisch wieder gutzumachen. Hör mir uff.
(Volker Strübing)
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