Schön war’s. Von den doofen Sachen abgesehen, natürlich. Am Donnerstag bin ich zusammen mit vielen anderen bei der Eröffnungsveranstaltung des Köln Comedy Festivals aufgetreten. Die Bühne war toll, der Backstageraum gemütlich, das Essen gut und die Party hinterher auch. Nur der Auftritt war doof. Dachte, das wird kein Problem, zehn Minuten innerhalb eines 2-Stunden-Programms, lieste zwei schöne Geschichten vor und alles wird gut. Aber die ganze Show war merkwürdig zäh, der Funke wollte nicht recht überspringen. Ging aber nicht nur mir so, sondern auch den meisten Kollegen.
Dafür war der Solo-Auftritt am Sonnabend im Ateliertheater, vor dem ich soviel Angst gehabt habe (ich habe vor Solo-Auftritten immer ganz viel Angst!) sehr, sehr gut …
Am Donnerstag war ich auf Kosten des Festivals in einem schönen Hotel umtergebracht. Donnerstag bin ich dann auf eigene Kosten in ein anderes, billigeres Hotel umgezogen. Das war aber sowas von an der falschen Stelle gespart, jungejunge …
Der Boden des winzigen Zimmers mit Bad war durchgehend gekachelt. Das ist sehr praktisch gedacht, weil sich so das Blut leichter aufwischen lässt, wenn sich dort drin jemand die Pulsadern aufschneidet, was sicher häufiger vorkommt.
Ich wollte den Freitag Nachmittag eigentlich im Hotel verbringen und ein bisschen schreiben. Nüscht kreatives, nur so Textverwaltungs- und -bearbeitungskram, aber in diesem düsteren Neubauhinterhofzimmer, mit kalten Füßen, an einem Sperrholzschreibtisch … nee, nee, nee. Was soll man da schon schreiben? Gnadengesuche?
Beim Duschen schmiegte sich sofort der dünne Duschvorhang an meinen Körper, keine Chance, das zu verhindern. Wie der Tod, der einen in seine kalten Arme nimmt und eine Aufforderung zum Pas de deux ins Ohr flüstert. Zum Kompott ließ sich der Duschkopf nicht richtig drehen. 50 % des Wassers spritzten gegen den Vorhang und je 25% auf mich und in den nicht zu schließenden Spalt zwischen Duschvorhang und Wand und damit direkt auf den Boden. Danach fühlte man sich im ganzen Zimmer wie in einem Schwimmbad mit seinen nassen Kacheln …
Die nächste Nacht verbrachte ich in der Künstlerwohnung des Ateliertheaters. Die ist toll. Vom Klo führt eine Wendeltreppe direkt hinter die Bühne, sehr praktisch. Einziger Wermutstropfen: Die Wohnung grenzt an ein türkisches Tanzlokal. Mir war prophezeit worden, dass ich vor um 5 in einer Sonnabendnacht keinen Schlaf finden würde. Hab mich dann bis um 4 rumgetrieben und mich in einen Zustand versetzt, in dem ich auch im Tanzlokal hätte schlafen können.
(Volker Strübing)
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