An der Glastür steht „ziehen“. Ich ziehe. Die Tür ist verschlossen. An der Tür nebenan steht „ziehen“. Ich ziehe. Die Tür ist verschlossen. Ich wundere mich. Zuerst darüber, dass man mich offenbar nicht an diesem Ausgang aus dem Hauptbahnhof herauslassen will, dann darüber, dass das Wort „ziehen“ so komisch geschrieben ist. Dann fällt mir auf, dass es offenbar von außen an die Tür geschrieben wurde. Ich drücke und die Tür geht ohne Murren auf.
Ich falle immer wieder auf solche Glastüraufschriften herein. Es gibt drei Möglichkeiten: 1: Ich bin dumm. 2: Die Glastürbeschriftungsverantwortlichen (GTBV) sind dumm oder haben sich nie die Mühe gemacht, ihre Machwerke einmal auszuprobieren. 3: Die GTBV sind verbitterte Menschen, die sich wenigstens ein bisschen an der Welt rächen wollen und dafür in Kauf nehmen, die Welt zu verschlechtern und noch mehr verbitterte Menschen herzustellen, die ihrerseits wiederum versuchen sich an der Welt zu rächen, in dem sie zum Beispiel den Fußboden der DB-Lounge im Hauptbahnhof so mit Streifen bemalen, dass einem ganz schwindelig wird, wenn man darüber läuft.
Heute morgen bin ich zusammen mit Hartmut Mehdorn von Hamburg nach Berlin gefahren, in einem ganz gewöhnlichen, uralten, schimmeligen IC. Ich saß allerdings in der zweiten Klasse bzw. in der Bordkneipe und er in der ersten. Das finde ich aber okay, würde ich uff jeden genauso machen, wenn ich der Chef vons Janze wäre. Ich würde mir wahrscheinlich sogar einen extra Salonwaggon anhängen. Auch ein schönes Wort: Salonwaggon. Ich glaub, ich geh jetzt duschen und singe es dabei ein bisschen vor mich hin (Hallo lambada, du siehst: Es geht nicht nur dir so!)
Wir hatten keine Verspätung 🙂
(Volker Strübing)
(Volker Strübing)
Schreibe einen Kommentar