Zu Weihnachten habe ich mir selbst eine elektrische Zigarette geschenkt (Häh? Issn das?). Jetzt habe ich endlich eine Zigarette mit USB-Anschluss – es musste ja soweit kommen. Der USB-Anschluss ist aber nur zum Laden des Akkus da, noch kann man keine neue Firmware installieren.
Ich hatte in einem Artikel auf Spiegel Online davon gesehen. In diesem ging es um die Frage, ob sie bald verboten oder vertriebsbeschränkt werden. Es gibt natürlich eine starke Lobby gegen Elektrozigaretten. Die Tabakindustrie natürlich, aber auch der Staat dürfte kein Interesse daran haben, dass viele Leute darauf umsteigen: Das Staatsäckel reibt sich schließlich schon wegen der geplanten Tabaksteuererhöhung die Hände. (Ich bin überzeugt, dass es sich das Staatssäckel die Hände reiben kann – ich stelle es mir ein bisschen wie Bernd das Brot vor, auch was die Laune angeht.) Dann gibt es da natürlich auch noch die Hersteller von Nikotinkaugumis und ähnlichem Scheiß, die Apotheker und die Fraktion der Nichtraucheraktivisten, denen es hauptsächlich ums Spaßverderben geht.

Ich habe mir eine Joye Ego zugelegt, nachdem ich mich ein wenig in einem Forum zum Thema umgetan habe. Meine ersten Erfahrungen sind sehr gut. Daran, mit Rauchen aufzuhören, ist derzeit nicht zu denken und das scheint mir eine ganz brauchbare Alternative zum Rauchen bzw. Nichtrauchen zu sein. Wobei: Ganz kann das „Dampfen“, wie es die Leute im Elektrozigarettenforum nennen, das normale Rauchen nicht ersetzen. Vier bis fünf Kippen rauche ich noch am Tag, also etwa ein Drittel meiner Tagesration (die ich vor einigen Monaten schon von 30 auf 10 bis 20 reduziert habe). Deutlich mehr habe ich geraucht, wenn ich mit Leuten unterwegs war, zum Beispiel beim wunderschönen Dead-Or-Alive Poetry Slam in Mainz letzte Woche, weil ich mir komisch vorgekommen wäre und keine Lust hatte, ausgefragt zu werden.
Das Ding produziert schönen Rauch, der aber nur Dampf ist, man hat das selbe Gefühl beim Inhalieren wie bei einer Zigarette, man bekommt sein Nikotin. Das sind die Gemeinsamkeiten mit dem normalen Rauchen.
Pluspunkte der Elektrozigarette: 1.) Kein Teer. Ein paar Tausend krebserregende Stoffe fallen weg. 2.) Keine stinkenden Aschenbecher, Münder, Finger, Klamotten, Wohnungen. 3.) Es ist billiger. 4.) Wenn man jetzt damit anfängt, kann man gerade so noch „Jaja, und damals habt ihr mich komisch angeguckt!“ sagen, wenn sie mal richtig in Mode kommen. 5.) Die Nikotinflüssigkeit (Liquid) gibt es in zahlreichen Geschmacksrichtungen. Rumprobieren macht viel Spaß und: Es schmeckt gut!
Die Nachteile: 1.) Es schmeckt gut! Zigaretten schmecken aber eklig und ab und zu braucht man das. Vielleicht ist es schwieriger, Ekelaroma herzustellen, als Vanille oder Kirsche oder Mokka oder so. Es gibt auch Liquids mit dem Aroma verschiedener Zigarettensorten, aber dafür muss man schon etwas Fantasie mitbringen. 2.) Ein Teil des Rituals fehlt: Das Anzünden. Außerdem gibt es keinen definierten Schlusspunkt. Man kann qualmen, bis Akku oder Nikotindepot alle sind (meist legt man das Ding aber nach zehn, zwölf Zügen zufrieden zur Seite). 3.) Umständlich. Man muss die Elektrozigaretten im Internet bestellen, muss Verschleissteile auf Vorrat und natürlich immer genug Liquid zuhause oder dabei haben, man muss dieses in die Depots füllen, was nicht halb so schön ist, wie das Aufreißen eines neuen Tabakpäckchens. 4.) Bei den derzeitigen Temperaturen fuktionieren sie draußen irgendwie nicht so gut – womit wir bei Nachteil 5.) wären: Man kann sie auch drinnen rauchen/dampfen, theoretisch zumindest. Im Zug, im Flugzeug, im Kino, im Restaurant, im Krankenhaus, im Warteraum vom Kinderarzt, im Benzindepot … aber ich will gar nicht im Warteraum vom Kinderarzt rauchen und im Zug eigentlich auch nicht – obwohl ich es mir neulich nicht verkneifen konnte: Als ich neulich auf langer Fahrt ein Abteil für mich allein hatte, habe ich sie mal rausgeholt. Aber das war nur zum Ausprobieren. In einer Nichtraucherzone zu Dampfen wäre auch ziemlich fies und könnte zu Volksaufständen führen, ausgelöst von „herkömmlichen“ Rauchern, die der Anblick um den Verstand bringt, oder von Nichtrauchern, die sich nicht mit so feinen Unterscheidungen wie „Rauch“ und „Dampf“ abgeben wollen. (Eventuelle Gefährdungen durch Passivdampfen scheinen übrigens noch weitgehend unerforscht zu sein.)
Die größte Gefahr an den Dingern ist wahrscheinlich, dass sie die Hemmschwelle für Nichtraucher senken oder dass Leute, die schon mit Rauchen aufgehört haben, mit Dampfen anfangen und dann wieder auf Zigaretten umsteigen.
Ich würde jetzt gerne schreiben, dass ich demnächst nochmal von meinen Erfahrungen berichten werde, aber da solche Ankündigungen im Schnipselfriedhof immer dazu geführt haben, dass ich es nie getan habe, lasse ich das lieber. Stattdessen noch zwei schöne Weihnachtsfotos:

(Puppe in Bitterfeld. 2. Weihnachtsfeiertag. Ungeplanter Fotospaziergang zu einer Ruine in der Nähe des Bitterfelder Hauptbahnhofs powered by Deutsche Bahn und Wetter.)

(Schneemann in Dessau.)
PS: Wünsche für nächstes Jahr: Elektrobier und Elektrosteaks.

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