Kategorie: Best of Schnipselfriedhof

  • Kloß und Spinne – Teil 29: Neuseeland vs. Bitterfeld!

    Kloß und Spinne – Teil 29: Neuseeland vs. Bitterfeld!

    Ich war in Neuseeland. Kloß und Spinne auch. Norbert war in Bitterfeld. Stellt sich die Frage, was der bessere Urlaubsort ist. Außerdem wird die Frage erörtert, was besser ist: moderne Kunst oder ein paar auf’s Maul …

  • Reisen mit Baby – eine Lose-Lose-Situation (Vater werden … Teil 7)

    Reisen mit Baby – eine Lose-Lose-Situation (Vater werden … Teil 7)

    „Wo ist die Pamela-Hannelore?“, rufe ich.
    „Daaaaaa ist die Pamela-Hannelore!“, rufe ich.
    „Wo ist der Papa von der Pamela-Hannelore?“, rufe ich.

    Pamela-Hannelore ist unsere Tochter. Nur dass sie in Wirklichkeit zum Glück nicht Pamela-Hannelore heißt. Pamela-Hannelore sitzt im Kindersitz neben mir auf der Rückbank des kleinen Autos. Da nur die Freundin einen Führerschein hat, bin ich auf Dauer nach hinten verbannt. Backseat Girl und Backseat Boy bzw. Backseat Dad. Take Dad, haha, Entschuldigung, ich bin möglicherweise verrückt geworden, hihi. Rücksitz On The Block, hoho.

    Wir machen einen Wochenendausflug von Christchurch an der Ostküste der Südinsel Neuseelands an die Westküste, quer durch die neuseeländischen Alpen. (Häh? Was macht denn der Strübing in Neuseeland?) Draußen ziehen mutmaßlich beeindruckende neuseeländische Landschaften vorbei, aber ich bin gerade anderweitig beschäftigt:

    „Daaaaa ist der Papa von der Pamela-Hannelore!“, rufe ich.
    „Guck mal, der Wasserfall!“, ruft die Freundin.
    „Wo?“, rufe ich.
    „Vorbei!“, ruft die Freundin.
    „Wo ist die Tochter von dem Papa von der Pamela-Hannelore?“, rufe ich.

    Beestje waar ben je? Tierchen, wo bist du?– ist zur Zeit das Lieblingsbuch der Tochter: Ein niederländisches Spielbuch mit Filzklappen, hinter denen sich eine Raupe, eine Biene, eine Schnecke, ein Marienkäfer mit Stiefeln und, auf der letzten Seite, ein Spiegel verbergen.

    „Daaaa ist die Tochter von dem Papa von der Pamela-Hannelore!“, rufe ich.

    Wenn wir am Ende des Buches angekommen sind, bewege ich das Buch so, dass die Tochter abwechselnd sich selbst und mich sieht. Manchmal kann ich sie auf diese Weise solange beschäftigen, bis sie einschläft. manchmal wird es ihr zu blöd, sie durchschaut den Trick und fängt wieder an zu schreien.

    (Ein bisschen besser als Autofahren: Die Papa-Sänfte.)

    Sie hasst Autofahrten. Und sie hat mich gelehrt, Autofahrten ebenfalls zu hassen. Zumindest Autofahrten mit Tochter an Bord, zumindest, wenn die Tochter schreit und ich sie nicht einfach in den Arm nehmen kann, sondern mich irgendwie verdreht zu ihr hinüber beuge und sie mit immer neuen Tricks und Spielen abzulenken versuche und nichts mehr hilft und mir die Ohren bluten, weil sie eine unfassbare Lautstärke produziert und zwar mit exakt der Frequenz, die Trommelfelle wie Glas zerspringen lässt.

    „Wo ist der Freund von der Mutter von der Tochter von dem Papa von der Pamela-Hannelore? Daaaa ist der Freund von der Mutter von der Tochter von dem Papa von der Pamela-Hannelore!“, rufe ich.

    (Jaja, ganz hübsch. Aber das beste ist, dass die Tochter schläft!)

    Unterwegssein mit Kind ist (ich glaube, soviel kann man sagen, ohne Widerspruch herauszufordern) anders als ohne. „Besser“ wäre das falsche Wort. „Schlechter“ darf man nicht sagen, weil offiziell alles besser ist mit Kind. Aber, seien wir ehrlich: Es wäre für alle Beteiligten einfacher, wenn wir die Tochter für unsere verlängerte Wochenendtour bei der Oma geparkt hätten. Wir haben uns aber nicht getraut, die Omen in Deutschland und den Niederlanden zu fragen, ob sie am Wochenende vorbeikommen können.

    Kennt ihr diese super praktischen, extra leichten, sinnreich ausgetüftelten Camping-Ausrüstungsgegenstände, die man in Outdoorläden kaufen kann und die das Reisen soviel einfacher machen? Ein Baby ist das genaue Gegenteil davon.

    Dauert muss man es einschmieren und mit Wasser und Nahrung befüllen und auf dem Rücken Berge raufschleppen und wieder runterschleppen und es saubermachen und unterhalten und vor allem von der großen Gemeinheit hinter allem ablenken: Dass sie stundenlang in Kindersitzen, Kinderwägen und Babytragevorrrichtungen festgezurrt wird, damit Mama und Papa etwas Tolles erleben können, was freilich in genau dem Moment aufhört, toll zu sein, wo sie den Betrug durchschaut und sich sagt: „Wenn ich ’n scheiß Tag hab, sollen die auch ’n scheiß Tag haben!“ Und glaubt mir, sie hat keine Probleme damit, diesen Entschluss in die Tat umzusetzen!

    (Was man auf diesem Bild nicht sieht: die schreiende Tochter auf meinem Rücken, das Zahnfleisch, auf dem ich den Berg hochgekrochen und die zerreißenden Nerven, an denen ich mich später bergab hangelte.)

    Und selbst wenn alles gut läuft: Beim Herumreisen habe ich das erste Mal wirklich geschluckt und gemerkt, was alles wegen dieser ganzen Kinderkriegerei unmöglich geworden ist.

    Einfach mal am Meer anhalten, aus dem Auto springen und ins Meer rennen? Kannste knicken. Einfach mal an einem Café anhalten, aus dem Auto springen und einen Kaffee trinken? Kannste knicken. Einfach mal Abends auf ein Bierchen ausgehen und bei Bedarf 7 Schnäpse und 3 Cocktails daraus werden lassen? Kannste knicken.

    (Eine recht gelungene Illustration meines Geisteszustandes an jenem speziellen Tag.)

    Neidvoll sieht man jungen Paaren oder Singles zu, die einfach tun, wonach ihnen der Sinn steht, hier mal eben in den Ozean hüpfen, dort mal eben im Gebüsch kopulieren, da mal eben den Laptop aufklappen und ein bisschen Buchhaltung machen. Wobei wir das mit dem Kopulieren nicht wirklich gesehen haben, das mit dem Laptop dafür um so häufiger gesehen.

    (Neuseeland: Traumland für Kite-Surfer und Pram-Pusher!)

    Alles richtet sich nach der Tochter, und wenn die gerade schläft, überlegen wir uns dreimal, ob wir jetzt wirklich für irgendeinen dahergelaufenen Gletscher, die paar Wale da am Horizont oder den Drehort der Szene, in der sich Frodo die Nägel schneidet, anhalten und riskieren, dass die Tochter wieder wach wird und das alte Spiel erneut beginnt:

    „Wo ist das Baby vom Freund von der Mutter von der Tochter von dem Papa von der Pamela-Hannelore? Daaaa ist das Baby vom Freund von der Mutter von der Tochter von dem Papa von der Pamela-Hannelore!“

    Reisen mit Baby ist das eine. Reisen UND Arbeiten mit Baby ist noch mal eine ganz andere Nummer. Ich will mich um Himmels Willen nicht beschweren, schon aus Angst, dass mich bei meiner Rückkehr am Flughafen Tegel ein von Neid zerfressener, mit Mistgabeln bewaffneter Mob erwartet, der (völlig zu recht) gern mit mir getauscht hätte.

    Aber – wird man ja wohl noch sagen dürfen –: Die Zeit und Ruhe zu finden, Dinge zu erleben, zu verarbeiten und dann darüber zu schreiben, ist … schwierig. Die werte Mutter von der Tochter von dem Papa von der Pamela-Hannelore, die erfreulicherweise auch noch meine Freundin ist, hilft mir sehr. Da wir beide freischaffend sind, versuchen wir immer demjenigen von uns, der gerade mehr zu tun hat, ein bisschen Kinderkümmerei abzunehmen. Aber es bleibt eine Herausforderung.

    Bevor die Tochter geboren wurde, haben mir andere Eltern gesagt: „Jaja, mit dem Schlafen, das ist schwierig, aber irgendwann kommt das zurecht: Du schläfst einfach, wenn das Baby schläft!“ In welcher wunderschönen Parallelwelt leben diese Menschen? Bei mit heißt es: „Du arbeitest einfach, wenn das Baby schläft.  Und schläfst, wenn … naja, da findet sich nachts schon noch ein Stündchen.“ Wenn die Babyaugen zuklappen, klappe ich den Laptop auf.

    (Making of dieser Blogbeitrag)

    „Wo ist der jugendamtlich beurkundete zweite gesetzliche Vertreter des Babys vom Freund von der Mutter von der Tochter von dem Papa von der Pamela-Hannelore?“, rufe ich.

    Große Glücksfälle im Leben bringen ja immer die Verpflichtung mit sich, auch glücklich zu sein. Wenn man zum Beispiel samt Freundin und Tochter nach Neuseeland fliegen kann, um zu schreiben. Die einzig zulässige Antwort auf die Frage, wie es einem zu jedem beliebigen Zeitpunkt dieser Reise geht ist „super“. Alles andere wäre eine Verhöhnung der in der lichtlosen kalten Heimat Zurückgebliebenen.

    Aber wie fad wäre ungetrübtes Glück? Wie langweilig ein Paradies ohne Sandfliegen? (Dies sind rethorische Fragen. Wären sie es nicht, müsste ich antworten mit: „Keine Ahnung. Aber ich würde es verdammt gerne mal ausprobieren“ 😉

    „Daaa ist der jugendamtlich beurkundete zweite gesetzliche Vertreter des Babys vom Freund von der Mutter von der Tochter von dem Papa von der Pamela-Hannelore“, rufe ich.
    „Oh, da, schon wieder ein Roadkill!“, jubelt die Freundin, die vermutlich vehement bestreiten würde, gejubelt zu haben, aber ich bin hier vor allem meinem Text verpflichtet und nicht solchen Lappalien wie der Wahrheit. „Ich glaub, das war ein Possum!“
    „Wo?“
    „Vorbei! “
    „Wo ist die Cousine vom Sohn des Bruders des jugendamtlich beurkundeten zweiten gesetzlichen Vertreters des Babys vom … äh, verdammt, jetzt bin ich durcheinandergekommen!“ Die Tochter beginnt wieder zu schreien.

    Pamela-Hannelore  interessiert sich einen Dreck für die neuseeländischen Alpen. Viel lieber würde sie auf dem (vorzugsweise ungesaugstaubten) Teppich in unserer Wohnung nach verschluckbaren Kleinteilen suchen und vielleicht einen schön eingespeichelten, mit Staub und Fusseln und Haaren verklebten Brot-mit-Erdnussbutter-Batzen finden, den sie beim letzten Mittag vorsorglich in irgendeine finstere Ecke gepfeffert hat.

    (Wer braucht schon Berge und Regenwald, wenn er ein Gänseblümchen haben kann?)

    Letztlich ist es purer Egoismus, mit einem Baby zu verreisen, einfach, weil es noch geht. Ein Egoismus, der sich rächen kann.

    Eines Tages wird sie uns dafür hassen, dass wir diese Reise mit ihr gemacht haben. Wenn sie uns nämlich fragt, ob wir in den Ferien nach Spanien, Amerika oder Paris fliegen können und ich antworte: „Du warst schon in Neuseeland, guck, da sind die Fotos. Und jetzt zieh die Schuhe an, wir fahren an den Müggelsee.“

    „Oh, ein Pinguin“, ruft die Freundin.
    „Wo?“, rufe ich.
    „Jugendamtlich beurkundet“, sagt die Tochter.
    „Was?!?!“, rufe ich.
    „War nur ein Witz“, ruft die Freundin.
    „Blöbbelblöbbel“, macht die Tochter.

    („Jaja Schatz, alles im Auto, lass uns schnell losfahren!“)

    Epilog und Ausblick: Bis jetzt war alles nur Probe. Zwischen Weihnachten und Anfang Januar sind wir mit dem Zelt unterwegs, weil wir verpasst haben rechtzeitig Unterkünfte zu buchen. Mal sehen, wie ihr das schmeckt, har har har! (Und uns. Der Wetterbericht verspricht für Sylvester 18 Grad Höchsttemperatur.)

    ((Kinderwagen-)Spuren im Sand …)

     

     

  • Reise um die Welt in 80 Stunden

    Reise um die Welt in 80 Stunden

    [Ich bin Neuseeland. Unter www.jottwehdeh.de gibt es regelmäßig Reiseberichte und Fotos. Ab und zu poste ich etwas auch hier, zum Beispiel den folgenden Text, weil er zumindest ein bisschen in meine Vater-sein-Reihe gehört:]

    Reise um die Welt in 80 Stunden*

    (* Eigentlich: „… die halbe Welt in 37 Stunden“, aber wie klingt denn das?!)

    Nach 10 Tagen in Christchurch ist es viel zu spät für eine spontanen Text über die ersten Eindrücke. Allerdings war ich, als es noch nicht zu spät war, viel zu sehr mit diesen ersten Eindrücken beschäftigt, als dass ich sie hätte aufschreiben können. Und ganz davon abgesehen doch ein bisschen kaputt nach 37 Stunden Flug mit Baby, was nach aktuellem Umrechnungskurs 63 Stunden ohne Baby entspricht.

    Ich will hier nichts auf die Tochter schieben! Im Gegenteil, sie hat es super gemacht, dank ihr hatten wir die Plätze mit den Baby Bassinets … keine Ahnung, wie man das übersetzen soll, ich würde ja Babyklappe sagen, aber das hat einen Beigeschmack. So Dinger jedenfalls, die man aufklappt und dann tut man das Baby rein. Nur dass man es wieder rausholt, bevor man sie wieder zuklappt. Wir haben die Klappe gar nicht benutzt, aber das sind auch Plätze mit sehr viel Beinfreiheit, so dass zumindest Mama und Papa etwas davon hatten, wenn schon nicht die Tochter. Die hat unterdessen die Cabin Crew derart bezaubert, dass wir sogar noch bessere Plätze als sowieso schon bekamen und ein Steward für sie Pralinen aus der 1. Klasse mopste. Die haben dann allerdings auch wieder Mama und Papa gegessen, während die Tochter mit einem weiteren ungewürzten Reis-Cracker vorlieb nehmen musste.

    (Und dann hat die Tochter aus unserer schönen Beinfreiheit einen Spielplatz gemacht!)

    Das Problem war nur, das Schlafen überhaupt nur dann in Frage kam, wenn die Tochter auch gerade schlief.

    Davon abgesehen war der Flug prima, so ein A380 ist eine feine Sache und … tja, beeindruckend. Ich bin ja leicht zu beeindrucken. Lässt du einfach eine zweistöckige geflügelte Alu-Röhre mit dem Gewicht von einer Million Tüten Mehl durch die Luft fliegen, schon bin ich beeindruckt. Die Freundin brachte es auf den Punkt: „Jetzt fliegen wir hier praktisch mit einem ganzen Dorf 10 Kilometer über der Erde um die halbe Welt.“ Nachdem sie das gesagt hatte, verlor ich eine weitere Stunde Schlaf, als ich versuchte auszurechnen, wieviele Menschen sich weltweit zu jedem beliebigen Zeitpunkt in der Luft befinden.

    Ankunft in Christchurch

    (Das erste, was einem in Neuseeland auffällt: Es ist wirklich alles genau andersrum!)

    Wir kamen Samstag Morgen um 5 in Christchurch an, und waren kurz nach 6 aus dem Flughafen raus – die Einreiseprozedur hatte sich etwas verzögert, nach dem an der letzten Tür der Bio-Protection-Hund auf unser Gepäck aufmerksam geworden war.
    Wir hatten versucht wirklich alle Essensreste vor dem Kontrollpunkt wegzuschmeißen, hatten alle Döschen, in denen wir Obst und Gemüse für das Baby transportiert hatten, ausgespült, aber in einigen Taschen fanden sich noch genug Tomaten- und Gurken-Spurenelemente für die empfindliche Hundenase. Ein einziger übersehener Apfelgriebsch oder ein Tomatenstück hätte mindestens 400 neuseeländische Dollar (c.a. 250 Euro) gekostet und unsere Tochter hatte anderthalb Tage Zeit, um Essensreste an unzugänglichen Stellen zu verstecken.

    (Nach einer Weile gewöhnt sich das Gehirn daran und spiegelt alles automatisch.)

    Das ganze klingt übertrieben – die Siedler haben bis weit in dieses Jahrhundert hinein Tiere und Pflanzen nach Neuseeland eingeführt, als gäb’s kein Morgen mehr und jetzt machen sie so ein Gewese um ein bisschen Obst – aber erst vor ein paar Jahren gab es zum Beispiel eine wirklich schlimme Plage wegen einer neu eingeschleppten Fruchtfliege.

    Es ging jedenfalls alles gut aus und gegen halb 7 konnten wir endlich die ersten frischen Züge der berühmten neuseeländischen Luft nehmen. (Meinen ersten Endruck davon habe ich zum Glück festhalten können. Hier ist meine Luftrenzension. Spoiler: Prima Luft, 5 Sterne, gerne wieder!)

    Die Statt-Stadt

    Wir wohnen die nächsten Wochen direkt in Christchurch Central. Das „Central“ ist wichtig, um es nicht mit dem eigentlichen Christchurch zu verwechseln. Die beiden Teile der Stadt scheinen vollkommen voneinander entkoppelt. Auch nach 10 Tagen habe ich nur eine vage Idee davon, wie die Stadt funktioniert bzw. nicht funktioniert – an unserem ersten Wochenende waren wir einfach nur verwirrt. Christchurch Central ist eine der seltsamsten Städte, die ich bisher gesehen habe. Und ich war schon in Longyearbyen, Jerusalem und Bayreuth.

    (Klick auf das Bild oder HIER für eine Galerie mit meinen ersten analogen Fotos aus Christchurch Central)

    Die Innenstadt ist eine seltsame Landschaft aus Leerräumen, halb vermieteten, vollverglasten Büroneubauten und eingezäunten alten Gebäuden (die meisten einsturzgefährdet und auf ihren Abriss wartend). Eine Mischung aus Baustelle und Street-Art-Gallery. Ein Ort ohne Einwohner, wo sich Touristen und Bauarbeiter ungefähr die Waage halten und der größte Spielplatz der südlichen Hemisphäre steht. Ein Experimentierfeld auf Zeit für Künstler, ein Versuchslabor für radikales, artifizielles, business-getriebenes Stadtdesign, wie man es sonst vielleicht nur in China findet. Eine Stadt, die mal eine war und wieder eine werden will. Und dabei versucht alles richtig zu machen und dabei vieles falsch macht, weil man über die „Visionen“ die Menschen vergisst.

    (Klick auf das Bild oder HIER für meine Elektro-Postkarten aus Christchurch)

    Die Ursache für die besonderen Entwicklungen ist natürlich das Erdbeben von 2011 …

    (Fortsetzung folgt unter www.jottwehddeh.de)

     

     

  • Stehaufmädchen

    Stehaufmädchen

    (Aus der Reihe „Vater sein dagegen …“)

    So einem Kind beim Wachsen zuzusehen ist sehr anders als … zum Beispiel einem Grünkohl beim Wachsen zuzusehen. Immerzu passiert etwas, fast jeden Tag werden neue Features freigeschaltet.

    (Hier und auf den folgenden Fotos: Der Vater des Grünkohls der Tochter.)

    Seit einer Woche kommt sie von alleine auf alle Viere, seit fünf Tagen schafft sie es, sich auf den Knien aufzurichten und sieht dann, während sie das Gleichgewicht zu halten versucht, ein bisschen aus, wie diese großen Wackeldinger – wie heißen die eigentlich? Ihr wisst schon, die, wo unten Luft reingeblasen wird und dann wobbeln sie mit Flatterärmchen hin und her … Jubellauch wäre ein guter Name … – sie sieht dann also ein bisschen aus wie Jubellauch, und vor vier Tagen hat sie das In-die-Hände-Klatschen entdeckt und praktiziert es bevorzugt beim Windelnwechseln (wo sich der Vater über ein bisschen Applaus sehr freut).

    Vor drei Tagen hat sie mir das erste Mal mit ihren inzwischen 8 Zähnchen in die Nase gebissen, und gestern hat sie sich das erste Mal allein an einem Stuhl hochgezogen und auf ihren eigenen Füßen gestanden.

    Bei dem Enthusiasmus, mit dem sie stundenlang vor sich hin plappert und ausprobiert, welche Geräusche sich mit so einem Mund machen lassen, ist rein aus statistischen Gründen (siehe: „unendlich viele Affen mit unendlich vielen Schreibmaschinen“) in den nächsten Tagen mit dem ersten sinnvollen Satz, vorzugsweise „Papa, ich hab dich lieb“, zu rechnen. Vielleicht hat sie ihn schon längst gesagt, aber auf ungarisch, so dass ich es nicht bemerkt habe.

    (Streetlife Sondershausen ’72)

    Kann es sein, dass wir ein Wunderkind haben? Ich weiß, das denken viele Eltern, aber bei den anderen ist es Einbildung. So schön ist die Vorstellung übrigens gar nicht. Wenn sie mit der körperlichen und geistigen Entwicklung so weiter macht, während ich im selben Maß abbaue, treffen wir uns in spätestens einem Jahr in der Mitte

    Die Tochter weiß auf jeden Fall schon, was sie mal werden will: Augenärztin. Spezialgebiet Amputationen. In ihrem allmorgendlichen berufsvorbereitenden Praktikum (direkt in Anschluss an ihre meist kurz vor 6 beginnende Vormittagspressekonferenz) hat sie schon eine eigene revolutionäre Operationstechnik entwickelt, die darauf basiert, das Auge des Patienten erst mit der flachen Hand weichzuklopfen, bevor man es mit geschickten Fingern aus der Höhle herauspult. Großen Wert legt sie dabei auf eine gute Ärztin-Patienten-Beziehung. Mir ist jedenfalls noch nie auf derart angenehme, fröhliche Art ein Auge entfernt worden.

    (Grünkohluropa und ich. Funfact: Bis zur Veröffentlichung dieses Beitrages brachte die Suche nach „Grünkohluropa“ null Treffer. Wie auch die nach „Grünkohluroma“ und  „Jubel-Lauch“. Wieder ein paar weiße Flecken weniger im Internet, gern geschehen.)

    Evenuell entscheidet sie sich aber doch noch für ein Schauspielkarriere im Bereich Zombiefilme. Wie sie mir neulich ein Stück aus der Wange herausgebissen hat, hat mich sehr an eine Szene in Walking Dead erinnert.

    Und wie selbstständig sie schon ist! Seit einiger Zeit wischt sie den Boden, indem sie sich wie einer dieser Staubsauge-Roboter zufällig durchs Zimmer schiebt, bis sie irgendwann überall einmal drübergerutscht ist. Wenn man ihr ein gut geschmiertes Butterbrot gibt, kann sie sich schon das Gesicht eincremen und die Haare zu einer Fußballerfrisur stylen.

    Nichts ist mehr sicher. Ganz schlimm ist es mit meiner Brille. Ich hatte sie schon mal soweit, dass sie auf ein „Nein“ von mir von der Brille abließ. Heute begreift sie es als Herausforderung. Und das Schlimmste: Ich habe ihr dabei das Wort „Nein“ beigebracht, das sie sicher gegen uns verwenden wird, sobald sie es aussprechen kann.

    Manchmal, ganz ganz manchmal wäre es schon schön, für ein paar Stunden einfach nur auf einen Grünkohl aufzupassen …

  • Rabenbaby (Vater sein dagegen … Teil 5)

    Rabenbaby (Vater sein dagegen … Teil 5)

    Okay, vielleicht war ich zu voreilig, als ich schrieb, dass das Vatersein überhaupt kein Problem sei, das bisschen Müdigkeit, das bisschen Gekümmere und Saubergemache und Liebgehabe etc.
    Inzwischen bin ich auch durch einige der schattigeren Täler der Vaterschaft gewandert und musste feststellen …

    (Der Vater meiner Tochter, ungefähr im Alter meiner Tochter)

    … dass so ein Kind nicht nur immer schwerer wird, sondern es einem auch immer schwerer macht. Ich hatte doch eine ziemlich dicke rosa Brille auf, doch seit die Tochter nichts lieber tut, als mir die Brille vom Gesicht zu reißen (ein Exemplar zerschellte bereits auf dem Bürgersteig), sehe ich klarer. Darum nach der ganzen Fortpflanzungslobgehudelei heute auf dem Schnipselfriedhof: (mehr …)

  • Gute Väter, schlechte Väter (Vater sein dagegen … Teil 4)

    Gute Väter, schlechte Väter (Vater sein dagegen … Teil 4)

    Die große Frage ist ja: Was für ein Vater bin ich und werde ich sein? Der beste der Welt, klar, ich hab ja auch die beste Tochter der Welt, welche bereits die beste Mutter der Welt hat, die ihrerseits zufälligerweise auch die beste Freundin der Welt ist (und mir, nachdem sie dies gelesen hat, in den nächsten Tagen sicher gerne ein paar Babybefüll-und -bespaßungsfrühschichten abnimmt). Da kann ich natürlich nicht zurückstehen.

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    (So. Ich hab die Lösung für das leidige Problem gefunden, dass ich gerne Babybilder von der Tochter posten will, aber gleichzeitig keine Babybilder von der Tochter posten will. Ich poste Babybilder von mir selbst! )

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  • Heiliger-Vater-Content (Vater sein dagegen … 3)

    Heiliger-Vater-Content (Vater sein dagegen … 3)

    Hurra, heute darf ich wieder über das Vatersein berichten. Ich habe mir vorgenommen, höchstens in jedem zweiten Beitrag darüber zu schreiben und zwischendurch fleißig andere schöne Themen wie Schokolade, Fotografie oder Atombomben zu behandeln. Aber jetzt wieder: Kinder- oder genauer gesagt: Vater-Content. Quasi Heiliger-Vater-Content, weil es um ein himmlische Thema geht, genauer gesagt um die Frage, wie es sich im Himmel eigentlich lebt und wie das Paradies organisiert ist.

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  • Vater sein dagegen … 2

    Vater sein dagegen … 2

    In der Hitparade der jüngsten Väter aller Zeiten belege ich keinen der vorderen Plätze. Man kann wohl davon ausgehen, dass die Glocke der Gaußschen Normalverteilung der Lebensalter von Männern zum Zeitpunkt ihrer ersten Vaterschaft dort, wo mein Name an der X-Achse steht, schon etwas abgeflacht ist.

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  • … Vater sein dagegen sehr

    … Vater sein dagegen sehr

    Ach, Quatsch! Vater sein ist super einfach. So einfach wie humpeln, wenn man sich den Fuß verstaucht hat. Das Kind kommt zur Welt und, peng, fertig ist der Lack bzw. Vater. Man vervatert sowieso per Defition, aber man füllt die Rolle auch sofort und automatisch aus wie ein zu enges Superheldenkostüm …

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    Das war mir vorher nicht klar. (mehr …)

  • Destroyer of worlds

    Destroyer of worlds

    „Now I am become Death, the destroyer of worlds“ – Robert Oppenheimer zitierte 1965 in Bezug auf den ersten Atombombentest am 16.7.1945 aus dem Bhagavad Gita. Ziemlich pathetisch und (bis jetzt) glücklicherweise übertrieben. Destroyer of worlds ist auch der Titel der aktuellen Episode von Hardcore History, einem (englischsprachigen) Geschichts-Podcast von Dan Carlin. Wobei der Begriff Podcast vielleicht etwas in die Irre führt, wenn man an die in Deutschland so verbreiteten Talk-Podcasts denkt. Es sind Hörbücher. Die +ersten Folgen von Hardcore History  waren noch unter einer Stunde lang, doch in den letzten Jahren ist Dan Carlin zu mehrteiligen Features mit einer Gesamtlänge von manchmal weit über 20 Stunden übergegangen. Zwischendurch schiebt er einteilige, sogenannte „Blitz“-Episoden ein, die dann nur irgendwas zwischen drei und sechs Stunden dauern.

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    (Die Fotos haben wie so oft nichts mit dem Text zu tun, stammen aus Amsterdam und aus meiner neuen Vollformatkamera)

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