„ … und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. So jetzt machen wir das Licht aus. Gute Nacht, träum´ was schönes!“ – „Papa, Du bist ein Dinosaurier.“ – Recht hat er, das entspricht genau meinem gefühlten Alter.
(Andreas Krenzke)
„ … und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. So jetzt machen wir das Licht aus. Gute Nacht, träum´ was schönes!“ – „Papa, Du bist ein Dinosaurier.“ – Recht hat er, das entspricht genau meinem gefühlten Alter.
(Andreas Krenzke)
Gestern stand ich mit einer Rolle Fußbodenbelag an der Baumarktkasse und hatte die Geheimzahl für meine EC-Karte vergessen. Ich werde alt. Ich werde langsam alt – die letzten beiden Ziffern wusste ich noch. Die ersten beiden Ziffern waren mir entfallen. Das fing ja gut an. Womit ich nicht gerechnet hatte: die Menschen in der Schlange hinter mir reagierten sehr nachsichtig. „Das passiert mir auch dauernd.“ – „Es ist mir wahnsinnig peinlich.“ – „Das muss es nicht; ich geh´ mal an die andere Kasse.“ Auch die Kassiererin war außerordentlich geduldig. Es half nicht. Mir half dann jemand mit Bargeld aus, der Kumpel am anderen Ende der Rolle nämlich, der, der mir mit seinem Auto und seinen Muskeln aushalf – und nun auch mit Geld. Im Alter sind Freunde noch wichtiger, als in der Jugend.
(Andreas Krenzke)
Ich habe in der vergangenen Woche beim Urlaub an der Havel in Brandenburg, wie es sich geziemt, Eicheln gesammelt, mit den Kindern, und Kastanien. Dabei fiel mir auf, dass ich zwar Kastanienblüten kenne, aber keine blasse Ahnung habe, wie eigentlich Eichen blühen. Schicksal eines Städters?
(Andreas Krenzke)
Ich habe in der vergangenen Woche beim Urlaub an der Havel in Brandenburg festgestellt, dass die FKK nun wohl völlig unüblich geworden ist. War die nicht mal normal? War die nicht mal Norm? Zum Glück hatte ich eine Badehose dabei. So konnte ich dem albernen Textilbaden ganz opportunistisch dabei helfen, sich zu etablieren.
(Andreas Krenzke)
Vor acht Jahren hatte ich die Ehre und das Vergnügen, ein Surfpoet zu werden. Die Surfpoeten, ein Abend der Liga für Kampf und Freizeit, Literatur und Konzeptdisco, begannen im Bergwerk, waren dann lange im Pavillon im Hundekackepark am Weinbergsweg, danach noch länger im Mudd-Club, zogen Anfang dieses Jahres ins Ballhaus Ost und im Juni Wochen in den fabelhaften Klub der Republik in der Pappelallee. Ab Morgen nun haben wir ein neues Domizil: das Icon in der Cantianstraße 15 (10437 Berlin). Juchu! Hurra! Kommt alle! Sagt allen Bescheid! Es gibt Frei-Bockwurst und als musikalischen Höhepunkt nicht nur die legendäre Disco von DJ Lt. Surf, sondern auch noch den tollen Elektropunk der FIRECOPS live und original.
Was habe ich in den acht Jahren mit den Surfpoeten nicht alles erlebt! Wir waren in der Schweiz und den Niederlanden. Wir haben auf der Bühne gekocht, und uns nackig ausgezogen. Wir haben den 2. Mai aus der Taufe gehoben, den Internationalen Kampf und Feiertag der Arbeitslosen… Ich freue mich auf die nächsten acht Jahre! Und morgen auf euch!
(Andreas Krenzke)
836: Ich will nie wieder ein geöffnetes Taschenmesser mit der Schneide nach oben auf dem Fußboden liegen lassen.
837: Sollte ich Lektion 836 je vergessen, will ich mich nicht!!! auf das liegengelassene Taschenmesser raufknieen.
Später am Abend wäre dann beinahe noch mehr Blut geflossen. Ich fuhr mit dem Fahrrad die Kastanienallee hinunter. Dachte mir wohl: Mal gucken, ob ich heute was noch Dümmeres tun kann, als mich auf ein Messer zu knieen – au ja, ich könnte die Kastanienallee langfahren! Man hat auf dieser Straße ungefähr einen Meter Platz zwischen den parkenden Autos und den Straßenbahnschienen. Dieser eine Meter wird auch noch vom heiklen Übergan zwischen Asphalt und Kopfsteinpflaster halbiert, wo er nicht sowieso von einer Baustelle auf 30 Zentimeter beschränkt wird. Wenn es dann noch geregnet hat und alles glitschig ist, und wenn dann noch kurz vor mir jemand die Fahrertür eines parkenden, unbeleuchteten Autos aufreißt, dann, ja dann kann es passieren, dass mir ein lautes „Oh Mann, ey!“ herausrutscht!
Ausweichen war wegen der Straßenbahnschienen unmöglich. Mein Leben spielte sich noch einmal vor meinen Augen ab. Ich drückte die Bremse und hoffte, dass erstens der Bremsweg trotz Nässe reichen würde und ich zweitens auf dem glatten Untergrund nicht wegrutschen würde. Zum Glück hatte ich Glück, ich überlebte und konnte daher eben jenes oben angeführte „Oh Mann, ey!“ brüllen. Die Fahrerin des Wagens reagierte … seltsam. Statt zu zurückzubrüllen – ein „Keene Oogen im Kopf, oder was?“ wäre eigentlich das Mindeste gewesen – rief sie „Oh Gott, Entschuldigung. Das tut mir leid, sorry, oh jeh!“
Fand ich irgendwie gut.
(Volker Strübing)
Schön und schwer haben es mir die Kollegen gemacht. Immer, wenn ich dachte, die Abschiedszeremonie sei vorbei, kam noch etwas; es war ein bisschen wie Weihnachten und Geburtstag zusammen, wenn Weihnachten auch mein Geburtstag wäre, weil ich Jesus bin und mir gehuldigt wird. Bei aller Freude wusste ich die ganze Zeit nicht, wie ich gucken und was ich machen soll. Wahrscheinlich hätte ich einfach nur nach jedem Volker-Gedenk-Beitrag aufstehen und denjenigen umarmen müssen. Mir war sehr danach zumute, aber die einzige Sache, mit der ich mich auf einer Bühne wohl fühle, ist, mich hinter einem Blatt zu verstecken und vorzulesen, was auf dem Blatt drauf steht, und darum bin ich einfach im Hintergrund sitzengeblieben und habe gegrinst und mich gefreut. Uli Hannemann hat einen Text vorgelesen, in dem er sich ausdrücklich dafür bedankte, dass ich nicht nur (Buchstabe für Buchstabe) die Schrift erfunden und ihn aus der Gosse gezogen habe (beides hatte ich selbst schon fast vergessen ;), sondern dass ich darüberhinaus auch die Sonne bin. Und der Mond und die Sterne. Ivo und Sascha haben mein „Keinschwein“-Lied nachgesungen und mit neuen Textpassagen versehen, Micha hat die Schöpfungsgeschichte zu meinen Ehren umgeschrieben und richtiggestellt und überdies Elis und mich in einer Art Trauungszeremonie zu Vorgänger und Nachfolger erklärt („Ihr dürft jetzt die Notizbücher tauschen“), Spider hat das erste mal gesungen – selbstgedichtete Schlussliedstrophen nämlich – und sogar Tube ging im Rahmen seiner Möglichkeiten auf das Ereignis ein („Ich weiß gar nicht, was das Brimborium soll“).
Schließlich überreichte mir Micha auch noch den großen goldenen Pokal, den wir beide als Teamsieger des SLAM2006 in München gewonnen hatten. (Bisher hatte er bei ihm rumgestanden.) Vorher gab er ihn aber noch durch den Raum und bat die Leute, eine Kleinigkeit für mich hineinzupacken. Und da kamen erstaunliche Dinge zusammen. Eine große Volkerüberraschung war das: Süßigkeiten, Batterien, Feuerzeuge, eine Chilischote, Thymiantee, die Visitenkarte eines Hotels auf Jamaica, ein schöner Bleistift (viele Grüße an Bosch :), ein Spielplan der Regionalliga Nord (???), Rabattcoupons, Aspirin, ein Restaurantgutschein, ein Apfel, eine Murmel, ein Nilpferd und, und, und … und die Visitenkarte eines Psychiaters … vielen Dank an euch 🙂
So. Und heute ist der erste Donnerstag ohne die Chaussee der Enthusiasten. Und ich bin eingeladen zu einer Lesung mitzukommen. Zum Zuhören. Ich weiß noch nicht, ob ich das will. Vielleicht sollte ich lieber den kalten Entzug probieren. Andererseits habe ich gestern auch mal bei den Surfpoeten vorbeigeguckt und morgen gehe ich zum Slam im Rosi’s. Mal sehen.
(Volker Strübing)
Nachtrag, 16.25 Uhr: Ich Dussel hab doch vorhin glatt den tollen Präsentkorb der Kollegen vergessen! Vielen Dank für alles!
Heute also auch das letzte mal LSD – Liebe Statt Drogen im Bassy Cowboy Club. Fast 12 Jahre war ich der Veranstaltung (halbwegs) treu. Angefangen haben wir am 4.7.1996, damals noch in einem Café namens Nova, bevor wir 9 Wochen später ins Zosch und schließlich letzten März ins Bassy umgezogen sind. Das macht fast 600 Veranstaltungen und bei weit mehr als 500 dürfte ich dabei gewesen sein.
Und jetzt stellt sich mir ab nächste Woche die bange Frage: Was macht man eigentlich an Dienstag- (und Donnerstag-)Abenden? Weiß das jemand? Eine erfreulich hohe Zahl von Menschen besucht ja LSD und die Chaussee der Enthusiasten, aber selbst an den besten Abenden kamen wir nicht umhin, enttäuscht festzustellen, dass es noch Leute geben muss, die nicht anwesend sind. Was machen die also? Was werde ich machen? Das ist die große Frage, die große Herausforderung vor der ich nun erst einmal stehe, bevor ich mich damit beschäftigen kann, wie es überhaupt weitergehen soll. Mit dem Schreiben und dem Leben und dem Rest.
Auch bei LSD wird es ein neues Mitglied geben: Elis – Musiker, Geschichtenerzähler, Performer und sehr sympathischer Mensch in einer Person. Und wie Kirsten bei der Chaussee soll auch er kein Ersatz sein oder irgendeine Lücke füllen, sondern etwas ganz eigenes in die Veranstaltung bringen. Frischen Wind und neue, bisher bei uns ungehörte Töne. Es ist ja bei Lesebühnen (im Gegensatz zu Slams etc.) so, dass ein neues Mitglied nur aufgenommen werden kann, wenn ein altes aussteigt. Das sorgt einerseits für Stabilität und dafür, dass das Publikum immer ungefähr weiß, was es erwartet, andererseits sorgt es für Stabilität und dafür, dass das Publikum immer ungefähr weiß, was es erwartet.
Hm. Vielleicht geh ich ab jetzt einfach immer als Zuschauer ins Bassy und gucke mir an, wie sich die Kollegen an unserem Schlusslied vergehen … (Nein, nein, nein – wie doof wär das denn? Ab und zu bestümpt, aber ganz sicher nicht jeden Dienstag.)
(Volker Strübing)
So. Das war’s nun also. Der letzte Auftritt als Mitglied der Chaussee der Enthusiasten ist vorbei. Und einen schöneren Ausstieg hätte ich mir nicht wünschen können. Es war wohl noch nie so voll; am Ende konnten wir einige Leute nicht mehr hereinlassen (falls ihr das lest: Entschuldigt bitte!). Es waren ja auch Ferien und außerdem gab es neben Kirstens Aufnahme und meinem Abschied auch die neue Ausgabe unseres Heftchens „Brillenschlange“ zu feiern. Jochen und Robert haben die Redaktion und das Layout übernommen und einen heldenhaften Kampf gegen bemackte Software geführt, sind zwischendurch verzweifelt und dann über sich hinausgewachsen und haben eine der schönsten Brillenschlangen aller Zeiten produziert. Und ganz sicher die Brillenschlange mit dem schönsten Coverbild, denn das hat der wunderbare Mawil für uns gemalt (Achtung, große Bilddateien): (mehr …)
Ach, Rauchen ist schon ’ne feine Sache. Deshalb ist es auch so schwer, damit aufzuhören. Das einzige, was da rankommt, ist, sich eine Drahtbürste ganz tief in den Rachen zu stecken und diese ganz langsam rauf- und runterzuschieben. Naja, und mit Gülle gurgeln, das ist auch fast so gut. Ich geh mal noch eine rauchen.
(Volker Strübing)