Kategorie: Privates

  • Alle Treppen stehen still, obwohl ich gar nicht böses will

    Nun ist mein Leben wohl tatsächlich in seine Rowdyphase eingetreten. Erst löste ich einen Rauchmelder aus. Und gestern stoppte ich die Rolltreppe in den Schön-Schöner-Schönhauser-Allee-Arcaden. Dabei schob ich bloß den Kinderwagen, total unabsichtlich natürlich – die Lenkachse war Schuld, mit dem rechten Vorderrad gegen den roten Ausknopf, den die da eine Handbreit über dem Boden angebracht haben, wo ich ihn jedenfalls nie absichtlich gesucht hätte. War urst peinlich, obwohl es niemand sah, hauptsächlich vor mir selbst. Werde ich schleichend zu einer Art Hooligan?

    (Andreas Krenzke)

  • Wo viel Rauch ist, ist auch viel Schatten (hä?)

    Ich war ja ein eher braves Kind. Als Ausbund an Verworfenheit galt ein Junge in meiner Parallelklasse, der mal aus Neugier einen Feuermelder eingeschlagen hatte, um zu sehen, was passiert. Der war als Großer dann auch im Kittchen, glaube ich. Ich bin ja eher so einer geworden, der tut, was man ihm sagt. Ich habe sogar, wie von Landesbranddirektor Broemme gefordert, Rauchmelder in meiner Wohnung installiert. Den in der Küche habe ich gerade bei der Zubereitung einer Restepfanne ausgelöst. So ein Radau! Fühle mich jetzt auch ein bisschen böse. Hihi!

    (Andreas Krenzke)

  • Wie ich mal die Spitzel im Kaffeehaus austrickste

    Ich kann mir nicht alle Benutzernamen merken, die ich mir gebe, und erst recht nicht alle Passwörter und Geheimzahlen. Aber man soll ja nix zwei mal nehmen, wegen der Sicherheit. Man soll auch immer seine wahren Daten verschleiern, wegen der Sicherheit. Ich zuckte also ein bisschen zusammen, als die Bedienung in diesem Kaffeehaus in München meinen Namen wissen wollte. Starbucks, Balzac oder sowas in der Art war das. Weihnachtskaffe mit Rentiersirup und aufgeschäumter Wichse Sahne. Ich hatte ja eigentlich nur einen Kaffee trinken wollen, aber „nur Kaffee“: hahaha! Dank der freundlichen Bedienung fand ich aber erstaunlich schnell zu meinem Wunschgetränk. Damit sie mich aufrufen konnte, wenn es fertig war, wollte sie meinen Namen wissen. Sie war so freundlich, also was blieb mir anderes übrig? Ich sagte einen Namen, zahlte und suchte mir einen Stuhl. Nach einer halben Stunde ging ich dann. Sie riefen zwar viele Namen auf, aber ich konnte mich nicht mehr erinnern, welchen Namen ich spontan angegeben hatte.

    (Andreas Krenzke)

  • Wenigstens kann ich nachweisen, dass ich ein Trottel bin

    Gerade sind mir beim Entrümpeln lauter alte Zeugnisse und Beurteilungen und Arbeitsverträge und pipapo in die Finger geraten. Unter anderem diese, anlässlich meiner Entlassung vom Rundfunk der DDR:

    beurteilung.jpg

    Gut, dass ich damals gar nicht erst versucht habe, mich damit woanders zu bewerben. Klingt wie: „Totaler Vollidiot, macht alles falsch, aber nur aus Versehen. Nur für niederste Fließbandtätigkeiten geeignet!“

    Ganz unberechtigt war dies nicht: Bis zum 1. Juli 1990 waren derartige Kündigungen in der DDR unmöglich. Erst ab dem Tag der Währungsunion konnte man gefeuert werden – und Arbeitslosengeld beziehen. Und (es ist mir inzwischen etwas  peinlich das einzugestehen) ich wollte das unbedingt ausprobieren! Geld für nix -geil, her damit! Ich habe mir alle Mühe gegeben, gleich mit der ersten Rationalisierungswelle rauszufliegen. Den Vorsatz habe ich locker erfüllt.

    Zum Rundfunk war ich übrigens direkt nach Abschluss der Lehre im „VEB DVZ Statistik“ gekommen. Und zwar mit einer Begründung, die es so heute wohl auch nicht mehr gibt:

    p1020532.jpg

    (Volker Strübing) 

  • Immer dasselbe!

    So ein Ärger. Dieses Wochenende wollte ich nun endlich mein Bad tapezieren, die Berlin-Marathon-Strecke ablaufen (am eigentlich Termin rennen da zu viele andere Leute rum und stehen im Weg), einen zweiten Roman schreiben, abwaschen, ein Universalserum gegen Krebs und Aids und schlechte Laune zusammenrühren, die Telekom vor dem europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg zerren, die DVDs mit der kompletten „Firefly“-Serie angucken und es mir gut gehen lassen. Und dann: Hexenschuss. Es ist doch zum Mäusemelken!

    (Volker Strübing) 

  • Nachruf auf den August

    Also ich fand das Wetter ja gut. Vor allem in den letzten Woche. Endlich macht das Fahrradfahren wieder Spaß, weil man nicht sofort aus allen Poren ausläuft. Und seit Donnerstag vor einer Woche ist mein altes, wackeres Batavus-Rad auch wieder richtig auf dem Damm und schnurrt vor Freude, wenn man in die Pedale tritt. Für das Geld, dass ich da in diesem Jahr schon reingesteckt habe, hätte ich mir wahrscheinlich auch ein brauchbares neues kaufen können, aber man muss doch wenigstens einen Gegenstand besitzen, an dem das Herz ein bisschen hängt, und den man nicht sofort wegschmeißt, wenn mal was kaputt geht!

    Der August war der Monat der großen Feiern. Ich war auf einer Einschulung, einer Hochzeit, einem 60. Geburtstag, einem 30. Geburtstag, einer Hauseinweihung (praktischerweise mit dem 30. Geburtstag gekoppelt), einem Doppelgeburtstag und einer Studienabschlussparty. Zu einer Buchreleaseparty konnte ich nicht hingehen, weil ich an dem Tag schon zwei Partytermine hatte und sie zudem in Köln stattfand, das war mir zu weit weg; gehört das überhaupt noch zu Berlin?

    Besonders denkwürdig und folgenreich war die Einschulung. Sie liegt mittlerweile eine Woche zurück und ich habe noch immer den Ohrwurm: „Hoppelhase Hans – Uuo-o-o! – macht heut einen Tanz – Uuo-o-o!“ Und manchmal, in sentimentalen Momenten weine ich ein bisschen, wenn ich an jenes arme Mädchen denke, das nun zusammen mit meinem neffen zur Schule geht und von seinen Eltern bereits jetzt jeglicher Karriereaussichten beraubt wurde, indem sie es „Chantal Schulze“ nannten. Ein Name wie aus einer nicht besonders feinsinnigen Comedy-Sendung. Eigentlich können sie dem Mädel doch jetzt schon den Hartz-IV-Antrag ausfüllen, oder? Es spielt doch keine Rolle mehr, was in einer Bewerbung drin steht, wenn so ein Name drauf steht …

    Leider betraf keine der Feiern mich direkt. Ich hatte keinen Geburtstag, habe kein Studium abgeschlossen und kein Haus gebaut. Ich feiere erst am 7. Oktober. Das klingt jetzt komisch – „Wie jetze, Republikgeburtstag oder wat?“ – und tatsächlich hängt es indirekt auch damit zusammen, aber das ist eine lange Geschichte, die ich ein andermal erzähle. Naja. Eigentlich eine kurze Geschichte, die ich trotzdem ein andermal erzähle.

    (Volker Strübing)

  • Ich wär‘ gern viele Leute

    Ach, eigentlich gäbe es soviel zu schreiben. Zum Beispiel darüber, das ich vorgestern mein erstes graues Nasenhaar gefunden habe und danach wie zum Hohn in Dresden in der „Jungen Garde“ auftreten musste (ein Auftritt, der mich wieder mit der Welt versöhnt hat, weil es so eine tolle Show war – herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle noch mal an Julius Fischer, den neuen sächsischen Poetry-Slam-Champion! [oh je eine Einfügung mit Gedankenstrichen in einer Aufzählung, die ein Nebensatz einer eingeklammerten Einfügung ist, welche wiederum innerhalb einer Aufzählung steht – ob ich diesen Beitrag vernünftig zu Ende kriege?]- und weil mir hinterher jemand erzählte, beim Zelten mit Freunden würden sie gerne mein Kellerlied auf der Gitarre spielen und singen) oder über den Simpsonsfilm, bzw. die Rezeption desselben (für die einen ist es Satire – für die anderen eher Rollenvorbild) und das ganze Drumherum, das „Philosophie bei den Simpsons“-Buch, die Burger-King-Werbung, und dass der Burger-King-Simpsonizer sich beharrlich weigert, Horst zu simpsonizen (was freilich irgendwie zu Horst passt), und wo wir gerade bei Horst und Trickfilmen sind: Ein „Making of Kloß und Spinne“ wollte ich auch noch machen, bevor ich für den 5.Teil auf eine neue Software umsteige, und apropos neue Software: Vorgestern habe ich endlich einen Softwaresynthesizer entdeckt, der den C64-Soundchip emuliert und per Midiangesteuert werden kann, und ich habe gar keine Zeit ihn richtig auszuprobieren, genausowenig wie für das Weblog und hundert andere Dinge. (Na gut: achtzig. Aber nur, weil ich „Welt verbessern“ und so vorerst von der To-Do-Liste gestrichen habe.)

    Der Grund für den Stress ist allerdings sehr erfreulich und wird demnächst enthüllt.

    Manchmal wär‘ ich gern viele Leute. Wir würden uns die Arbeit teilen. Ich wäre am liebsten dafür zuständig, mich ins Bett zu verkriechen, die Decke über den Kopf zu ziehen und ein bisschen nachzudenken und traurig zu sein. Die anderen Iche würden sich um den Rest kümmern.

    (Volker Strübing)

  • Wir nennen es Urlaub

    Bin zwar im Urlaub, aber Zeit für eine Postkarte muss sein:

    postkarte.jpg

    (Volker Strübing)

  • Warum ich nicht Arzt sein könnte

    Mit dem Söhnchen im Krankenhaus gewesen zu einer Untersuchung. Alles in Ordnung. Die Hälfte der Zeit verging mit Bürokratie: Überweisungen hin und her faxen, Telefonate mit der Krankenkasse, Kostenübernahmebescheinigungen und Anträge auf Kostenübernahmebescheinigungen. Ich weiß nicht, ich weiß nicht, sollten Ärztinnen und Schwestern nicht ihren Arbeitstag mit Untersuchungen und Behandlungen füllen und meinetwegen auch mal mit einem Pausenkaffee? Statt dessen kümmern sie sich einen guten Teil ihrer Zeit um Scheiße Verwaltung. Also ich könnte das nicht, ich könnte nicht als Arzt arbeiten. Gut, dass ich Schriftsteller geworden bin.

    (Andreas Krenzke)

  • MacGyver meets FRÖSI

    Mobiltelefone, Navigationssysteme und iPods, Second Live, Mp3 und Hartz IV – irgendwie ist dieser ganze moderne Schnickschnack… Also auf die Gefahr hin, jetzt zu wirken wie ein von der neuesten Technik überforderter Alter – irgendwie lässt mich dieser ganze Schnickschnack kalt. Begeistert mich gar nicht. Was war ich als Kind davon beeindruckt, dass man Schallplatten statt mit dem normalen Abtastsystem auch mit einer Stecknadel, die man durch eine Streichholzschachtel gesteckt hat, anhören kann. Man bräuchte gar keinen Plattenspieler, wenn man wüsste, wer dann die Platte dreht. Solche einfachen Techniken kommen vielleicht mit der nächsten Energiesparkampagne wieder in Mode. Ich habe gerade mit Hilfe einer Klopapierrolle den Herzschlag meines ungeborenen Sohnes gehört. So, und jetzt lege ich mich auf den Balkon und werde ganz ohne Solarium braun.
    (Andreas Krenzke)