Kategorie: Privates

  • Braunlage (II) – Wandern

    Montag:

    Sonnenschein.

    Frühstück in „Omas Kaffeestube“, einem Cafe, dem ich trotz des leicht angebrannten Butterkuchens wegen der Instrumentalversionen von James-Last-Klassikern und dem Widerstand gegen das Genitiv-Apostroph die Treue halten werde.

    Direkt hinter meinem Hotel beginnt der Wald. Ich wandere an der Bode entlang, vorbei an Heidelbeersträuchern und Glockenblumen, auf denen Schmetterlinge sitzen. Die Bäume rauschen, der Bach gurgelt. Die Natur hat hier ganz tief in die Heimatkitschkiste gegriffen. Es ist wunderschön.
    Rast auf einem umgestürzten Baumstamm über der Bode. Schade, dass niemand da ist, um mich zu fotografieren: Mit gefurchter Denkerstirn über dem plätschernden Bächlein, in der einen Hand das Buch mit den Naturgedichten, in der anderen den Harzer Käse …
    Beim Versuch, das Foto mithilfe des Selbstauslösers hinzukriegen, rutsche ich beim Zurückeilen ab, platsche mit einem Fuß in Wasser, ratsche mit der linken Hand über die Borke des Baumes, und nur ein großer flacher Stein im Wasser bewahrt mich vor einem unfreiwilligen Bad. Vielleicht auch besser so. Wahrscheinlich hätte ich auf dem Foto doof geguckt und die gnadenlose Abbildung der Realität hätte das eitle, aber ach so schöne Bild in meinem Kopf widerlegt.

    Abends im Hotel. Stille, nur die Bäume rauschen (und die Mutter im Nachbarzimmer brüllt ihr Kind an – aber nur kurz! Dann wieder Stille …)
    Ich habe mir den Sessel auf den geräumigen Balkon gestellt. Ich mache es mir gemütlich, trinke eine Flasche Harzer Schlehenwein und lese Heine … oder war es „Der Eiserne Rat“ von China Mieville?

  • Braunlage (I) – 40 Euro Sonnenscheinaufschlag

    Mein klitzekleines Urlaubstagebuch

    Sonntag:

    Ankunft in Braunlage im Harz. Regen. Ortsbesichtigung mit zwei übereinandergezogenen, rasch durchgeweichten Pullovern. Es gibt „Omas Kaffeestube“, ein „Altes Forsthaus“, aber auch ein „Bierbarbistro“. Auf dem Bürgersteig muss man wegen der zahlreichen Restaurant-Werbeschilder, die „Seniorenteller“ anpreisen, Slalom laufen. Es gibt einen O2-Laden, aber im ganzen Ort keinen Empfang für mein O2-Handy. Am Donnerstag spielen Kretschkes Oberkrainer („Die Sterne am Oberkrainer Musikhimmel“). Vielleicht gehe ich aber stattdessen in die Flippothek („Ihr Entertainment Paradies“).

    Auf dem Rückweg zum Hotel eine teure Regenjacke gekauft, weil es 1. keine billigen gibt und ich 2. sicher stellen will, dass den Rest des Urlaubs die Sonne scheint.

  • Urlaub!

    Seit letzter Woche mache ich Vorlese-Urlaub. 4 Wochen ohne Auftritt. Dienstage und Donnerstage in Berlin, ohne bei LSD oder der Chaussee auf der Bühne zu stehen, sind ziemlich merkwürdig für mich. Aber es ist auch schön, diesem (eigentlich angenehmen) Druck mal eine Weile zu entfliehen. Ende August geht’s dann hoffentlich mit neuem Elan und neuen Geschichten wieder auf die Bühne.

    Und damit ich den Urlaub nicht komplett vor meinem Weblog verbringe, fahre ich am Sonntag für eine Woche weg, in irgendein Kaff im Harz, das bestümpt noch kein Internet hat – das hat ja nicht mal Eisenbahn, obwohl das Schienennetz viel älter als das Datennetz ist!
    Fragt mich mein Computer doch:

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    Und wenn es tausend Tabs wären! Ja, ich bin sicher!

  • Bedenke, was Du Dir wünschst …

     

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    Im Januar habe ich eine Liste mit Wünschen für das neue Jahr erstellt. Ein Punkt war: „Eine Bierflatrate für meine Stammkneipe. Ohne Zeit- und Volumenbegrenzung“.

    Im März hat dann stattdessen meine Stamm-Lese-, Schreib- und Grübelkneipe zugemacht 🙁

    Dafür gibt es genau gegenüber ein Etablissement, das jetzt die gewünschte Flatrate anbietet. Allerdings heißt der Laden „Maitresse“, und ich bin nicht sicher, ob es das richtige Lokal ist, um in Ruhe Bier zu trinken, zu schreiben oder an die Wand zu starren und nachzudenken.

    Andererseits: Wenn es sich bei den 20 Euro um den bei Flatrates üblichen Monatstarif handelt, ist das Angebot natürlich unschlagbar günstig!

  • Mein Weblog ist nicht die Aktuelle Kamera

    … deshalb heute mal keine Jubelmeldung. Nach dem phantastischen 2. Platz beim Deutschen Science Fiction Preis ist mein Roman beim Kurd-Laßwitz-Preis auf dem 7. Platz in der Kategorie „Bester deutschsprachiger Roman“ gelandet. Über die Vergabe des Preises entscheidet ein Fachpublikum (SF-Autoren, -Verleger, -Illustratoren etc.) per Abstimmung. Gerne wüsste ich, wieviele der Abstimmungsberechtigten mein Buch gelesen haben, bzw. wie es bei denen, die es gelesen haben, abgeschnitten hat.
    Aber egal. Wenn niemand es für nominierungswürdig befunden hätte, wäre es nicht auf der Liste gelandet, und ich hab mich sehr gefreut, dass es dort stand (auch wenn das jetzt wie eine Floskel klingt).

    Jetzt steht noch der Deutsche Phantastik Preis aus (Kategorie „Bestes Roman-Debut“). Ebenfalls ein Abstimmungspreis, allerdings können hier die Leser online über die Gewinner abstimmen.

    PS: Gewonnen hat den Kurd-Laßwitz-Preis wie auch den Deutschen Science Fiction Preis „Das Cusanuns Spiel“ von Wolfgang Jeschke. Bin sehr gespannt darauf – hoffentlich kommt es bald als Taschenbuch …

  • Tsunamis find ich doof

    Als ich gestern Nachmittag nach Hause kam, lag eine Urlaubspostkarte von Stephan im Briefkasten. Sie kam aus Pangandaran auf Java in Indonesien. Als ich in der Wohnung gewohnheitsmäßig den Computer anschaltete und online ging, fand ich die Nachricht vom Tsunami, der denselben Ort eine Stunde zuvor getroffen hatte. Und ich hatte Stephan einen Ausflug dorthin empfohlen …

    Zum Glück braucht so eine Postkarte lange – ich war also ziemlich sicher, dass er nicht mehr dort gewesen ist, als die Welle kam. Der Schreck war trotzdem groß! Inzwischen hat er auf meine besorgte Email geantwortet: Er ist vor zwei Wochen dort aufgebrochen und inzwischen in Jakarta, von wo aus er am Donnerstag zurück nach Berlin kommt.

    Ich versuche, meine Erinnerungen an die schöne Zeit in Pangandaran und an die Menschen dort mit den Bildern aus den Nachrichten zusammenzubringen, aber das will mir nicht gelingen.

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    (Bandprobe und Session in einem Restaurant in Pangandaran. Ramona, Ralf und ich wollten eigentlich nur in Ruhe essen und Postkarten schreiben, aber es wurde ein sehr besonderer und unvergesslicher Abend. Das Restaurant stand in Strandnähe.)

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    (Am Fischerhafen von Pangandaran)

  • (Konstanz II) Noch drei Kleinigkeiten, dann kann mich der Teufel holen

    Vor 2 Jahren sind MichaEbeling und ich schon einmal zum Slam nach Konstanz gefahren und damals haben wir einen großen Fehler gemacht: Wir sind am nächsten Tag schon nach Berlin zurückgefahren – 17 Stunden Zugfahrt für 5 bis 10 Minuten Auftrittszeit, einen (sehr guten) Slam und einen kurzen Blick auf den Bodensee. Diesmal habe ich noch einen Tag in Kreuzlingen, dem schweizer Teil von Konstanz, drangehängt. Zusammen mit Mirco Buchwitz und Frank Kloetgen waren wir zu Gast bei Charlotte und Thomas, die in einer großen WG in einem wunderschönen (und im Winter unbeheizbaren) Haus mit Garten wohnen. Die beiden organisieren Slams und Lesungen in Konstanz und betreiben das CD-Label Sprechstation. Mein Rat: Die CDs von Sebastian 23 und Gabriel Vetter kaufen, anhören und sich anschließend darüber freuen, diesen, meinen Rat beherzigt zu haben!

    Den Sonnabend habe ich zu einem Großteil mit Gartengammeln, Kaffeetrinken und Zeitunglesen verbracht. (Bin ich übrigens krank, weil ich das trotz der grauenvollen Nachrichten in der Zeitung als angenehm empfunden habe? Wahrscheinlich. Und verwende ich eigentlich zuviele Klammern? Wahrscheinlich.)

    Am späten Nachmittag waren wir im Bodensee baden, womit ich den Punkt „Baden im Bodensee“ nun endlich auch auf der „Liste der Dinge, die ich unbedingt noch im Leben machen will“ abhaken kann. Bin inzwischen ziemlich weit mit dem Abarbeiten dieser Liste gekommen. Jetzt muss ich nur noch in den Weltraum fliegen, die Welt retten und auf dem 50. Geburtstag meiner Ururenkelin nackt und betrunken auf dem Tisch tanzen, und dann kann ich zum Sterben auf den Berg gehen.

    (geschrieben gestern im Zug)

  • Gute Nachrichten für den Finanzminister

    Nachdem ich hier stolz berichtet habe, dass ich mal wieder mit Rauchen aufgehört habe, muss ich nun wohl auch reinschreiben, dass ich mal wieder mit Nichtrauchen aufgehört habe. Mist. War wohl der falsche Zeitpunkt. Nach fünf Tagen gab es einen aus allerlei Gründen sehr schlimmen Abend, und ich dachte, eine Zigarette macht’s jetzt auch nicht mehr schlimmer …

    Vielleicht probiere ich es heute nochmal, aber ich werde mich hüten, das in meinem Weblog zu erwähnen!

  • 11.6., 18.00 Uhr, Mexico – Iran. Ohne mich …

    Im Park gelegen. Die Sonne stand schon recht tief und wurde von einer Baumspitze verdeckt, so dass ich genau in ihre Richtung schauen und den Tanz der im Gegenlicht gleißenden … Baumspermaflöckchen? … na, ihr wisst schon, was ich meine … beobachten konnte.

  • WM gescheitert / beendet / fängt nächste Woche an

    WM gescheitert

    Eine etwas irreführende Überschrift: Gescheitert bin in Wahrheit ich bei dem Versuch, die WM zu verhindern … aber der Kampf geht weiter …

    WM beendet

    Schon am letzten Wochenende fand die Fußball-WM der Autoren in Bremen statt. In der deutschen Nationalmannschaft dabei: Jochen Schmidt von der Chaussee der Enthusiasten und Uli Hannemann von LSD. Angesichts des Abschneidens der Mannschaft wundert es mich nicht, dass sie das nicht an die große Glocke gehängt haben und ich erst per Zufall darüber stolpern musste!

    WM fängt nächste Woche an

    Zumindest so eine Art WM: Die Poetry World Slampionship 2006 im Rahmen des 37. Poetry International Festivals vom 17.-23.6. in Rotterdam. Ich bin als amtierender Champion der deutschsprachigen Poetry Slams eingeladen … Ich bin Deutschland, zumindest die Nationalmannschaft, wenn man so will … 😉 … dass dieser dusslige Satz mal eine Bedeutung für mich bekommen könnte, hätte ich mir auch nie träumen lassen.

    Ich blicke mit einer Mischung aus Grusel und Vorfreude auf dieses Ereignis, wobei sich die Vorfreude auf die Zeiten bezieht, zu denen ich keinen Auftritt habe und der Grusel auf den Rest.

    Poetry World Slampionship 2006 / http://www.poetryslampionship.nl/ http://www.poetry.nl