Frühling, Frösche, Fahrradtour
Man muss bei schönem Wetter gar nicht unbedingt in der Wohnung bleiben. Selbst zum Stadtbummel gibt es Alternativen. Wir sind am Sonnabend nach Bernau gefahren, von dort mit dem Fahrrad zum Liebnitzsee, einmal um den See rum und dann über Wandlitz zurück nach Hause. 52 Kilometer waren es, mein Hintern tut immer noch weh, aber ansonsten war es sehr schön, wie man auch anhand der folgenden Bilder sieht.

„Forst!“ ist irgendwie ein schönes Motto, dass ich auch gern öfter an den Hauswänden in der Stadt lesen würde.

Man müsste natürlich wissen, wie hoch die Warmmiete ist, bevor man sich entscheidet …
Zwei Sachen sind schade: Ich habe nicht gebadet und ich habe die Kröten auf dem Waldweg nicht fotografiert. Eine Krötenfrau, die ihren Krötenmann auf dem Rücken in Richtung Laichgewässer – quasi also ins Ehebett trug (so sah das aus). Das Geschlechterverständnis und -verhältnis scheint bei ihnen doch fundametal anders als bei uns zu sein.
Man darf zu einem „Feel Good Movie“ auch „Wohlfühlfilm“ sagen
Gerade rechtzeitig für einen Kinobesuch waren wir zurück und haben „Slumdog Millionär“ geguckt. Ich fand den toll und kann ihn sehr empfehlen. Ein schöner Märchenfilm. Manche fragen, ob es denn moralisch vertretbar sei, einen Wohlfühlmärchenfilm zu drehen, der vor dem Hintergrund der sehr realen Armut in Indien spielt. Ist es, würde ich sagen. Und einen guten Film zu drehen ist sowieso immer moralisch vertretbar. Ich denke, dass jeder, der den Film guckt hinterher ein klitzeklitzekleines bisschen glücklicher ist als vorher, das ist doch schön. Also: Angucken und – je nach Typ – eine rohe Kartoffel oder ein Taschentuch bereithalten.
Ohne Meckern gehts aber dann doch nicht: In der Handlung klaffen einige sehr große Löcher. Man kann sich hinterher beim Bier zwar allerlei Theorien überlegen, womit diese zu füllen wären, aber ein Film sollte nicht sein wie ein Lückentext, bei dem es die fehlenden Wörter zu ergänzen gilt. Eine Sache habe ich schlicht nicht verstanden: Was sollte die Kinderramafigur (der Gott, nicht die Margarine), die während des Progroms in einer Gasse rumsteht?
Regisseur Danny Boyle und seine Drehbuchautoren scheinen ganz gerne mal den Schluss zu verkacken, das hat man ja schon an „28 days later“ gesehen (denn selbstverständlich hätte die Flugzeuge am Schluss Bomben auf die Helden abwerfen müssen, damit eine runde Sache draus wird). Bei Slumdog Millionär (wer ihn noch nicht kennt, sollte jetzt vielleicht nicht weiterlesen …) ist es eine ärgerliche Unlogik, die ihn mir ein bisschen kaputt gemacht hat. Nun ist der Film an sich zwar alles andere als eine realistische Geschichte, aber wenn man die schöne Grundidee akzeptiert hat, dann ist sie in sich rund und logisch – die letzte Szene ist es aber nicht. Olle Iemschek hat also gewonnen, hat bei der letzten Frage noch den Telefonjoker genutzt und mit olle Dings telefoniert (vielleicht google ich noch die Namen, bevor ich den Artikel abschicke), ganz Indien hat seinem Triumph im Fernsehen verfolgt und dann, nach der Show, sitzt er traurig, einsam und unerkannt auf dem Bahnhof rum und dann kommt plötzlich seine Telefonjokerin und er ist total überascht. Und denn küssen se sich endlich. Warum hat er sie nicht einfach nach der Show nochmal angerufen und gesagt: „Hallo olle Dings, ich bins nochmal, olle Iemschek, komm doch zur Aftershowparty vorbei!“? Schon klar, das ging nicht, weil sie am Schluss auf dem Bahnhof tanzen mussten.
Na gut, ich will mal zu Gunsten des Films davon ausgehen, dass er sie doch nach der Show nochmal angerufen und sich mit ihr am Bahnhof verabredet hat und dann bloß so einsam da rumsaß, weil er ne halbe Stunde zu früh am Treffpunkt war und über ihr Auftauchen bloß deshalb überrascht war, weil sie auch zu früh kam. Oder so.
Die deutsche Fassung ist übrigens ulkig, weil alle immer auf deutsch reden, während im Original ein Drittel des Films auf Hindi ist. So wundert man sich einen Moment lang über ein Touristenpärchen, das sich auf indisch mit den indischen Kindern unterhält, bevor einem aufgeht, dass jetzt wahrscheinlich die indischen Kinder englisch mit den Touristen reden …
Für die Zukunft merken: Augen starr auf die eigenen Fußspitzen richten.
Gestern Abend bin ich mit dem Fahrrad Biertrinken gefahren. In der Stargader sah ich eine Frau zusammengesunken an ein Schaufenster gelehnt und habe überlegt, ob ich absteigen und hingehen und nachschauen sollte, ob alles in Ordnung ist. Dann bin ich aber weitergefahren und hab mir gedacht, dass sie wahrscheinlich nur besoffen ist und dass das schon wieder wird und dass sich ja vielleicht auch einer der Fußgänger um sie kümmern wird. Aber ein schlechtes Gewissen blieb doch und ich fragte mich, warum ich das nicht tue. Der Hauptgrund war wohl die Scheu vor dem Einmischen in Dinge, die mich „nichts angehen“, davor, in einen Fettnapf zu treten oder was weiß ich. Klingt bescheuert, aber es gibt so ein Gefühl (hab da auch schonmal drüber geschrieben).
Ich hatte die Kneipentür schon geöffnet, dann ließ ich sie wieder zufallen und ging nocheinmal zurück. Ich musste um eine Straßenecke und hoffte, ich würde sehen, dass sich schon ein anderer Passant um sie kümmert, doch die liefen alle vobei und versuchten nicht hinzugucken, denn was sie nicht sahen, dafür waren sie nicht verantwortlich. Ich also hin und an der Frau rumgerüttelt und es dauerte eine ganze Weile, bis sie sich bewegte und endlich auch die Augen öffnete. „Jaja, alles in Odnung“, konnte sie schließlich meine Frage beantworten und ich konnte beruhigt zum Schreiben in die Kneipe gehen, auch wenn wahrscheinlich gar nichts bei der Frau in Ordnung war und ich mich weiter fragte, ob ich nicht die Polizei oder einen Krankenwagen hätte rufen müssen. Das wäre allerdings eine massive Einmischung mit großer Fettnapfgefahr gewesen, das Risiko wollte ich dann doch nicht engehen.
(V.S.)