Kategorie: Schnipsel

  • Schnipsel vom 17.1.2011


    (Bei Bad Freienwalde)

    Es ist ein sicheres Anzeichen für Dummheit, wenn man denselben Fehler immer wieder wiederholt. Sich zum Beispiel ständig aufs Neue von Früchteteeverpackungen, die aufregende und exotische Genüsse versprechen, zum Kauf animieren lässt. Zur Zeit stapeln sich bei mir Ananas, Sauerkirsche, Sanddorn, Erdbeer-Rhabarber, Apfel-Feige und Himbeere – und alle schmecken nach Hagebutten.  Früchtetees schmecken immer nach Hagebutten, bestenfalls nach Hagebutten, denen jemand eingeredt hat, sie wären Äpfel oder Sauerkirschen, das müsste ich doch langsam mal begriffen haben!

    Zum Glück mag ich Hagebuttentee.

    Die Qualität von Brötchen verhält sich umgekehrt proportional zu ihrem Preis. Die zu 26 Cent von Kamps (dem Becks unter den Bäckereiketten) taugen zum Beispiel nur zum Entenfüttern oder dazu, sich das Wochenendfrühstück zu verderben. Sollte es jemals eine allgemeine Theorie von überhaupt allem geben, wird sie sich daran messen lassen müssen, ob sie auch diesen Zusammenhang vorraussagen kann.

  • Schnipsel vom 8.1.2011

    Anlage -Tip:

    In der Taz stand, dass die Eierpreise gerade im Keller sind. Jetzt kaufen!!!

    Wartezeit ist Werbezeit …

    … habe ich heute auf einem Plakat am U-/S-Bahnhof Alexanderplatz gelesen. Auf dem Plakat wurde dafür geworben, auf den Bahnhöfen zu werben. Ich habe jetzt so eine Theorie, was wirklich hinter den längeren Taktzeiten bei der S-Bahn steckt …

     

  • Schnipsel vom 10.12.2010

    Gestern abend …

    Glühwein trinken bei Monstamovies und die erste Folge der Donauten angucken. Falls sich jemand fragt, was ich mit dieser Fernsehserie zu tun habe: nüscht. Ich kenn bloß die Leute, die sie gemacht haben (unter anderem Kirsten Fuchs, die die Texte geschrieben hat). Und ich finde sie sehr schön. Also die Serie. (Kirsten aber auch.)  Die Bilder sind unglaublich, die extra komponierte Filmmusik vom Johann Gottfried Soundsystem ist der Hammer und die ganze Idee ist irre. Wie die FAZ schrieb: „Das ist eins dieser Stücke Fernsehen, für das man 3sat entweder lieben oder für komplett verrückt erklären muss.“ (Gedächtniszitat) Die Donauten sind das genaue Gegenteil von praktisch allem, was man sonst im Fernsehen zu sehen bekommt – zumindest seit es die nächtlichen S-Bahn-Führerstandsmitfahrten auf RBB nicht mehr gibt 😉 Wer schnelle Schnitte und viel Action braucht oder wer vom Fernsehen Fakten vermittelt bekommen will, der wird sicher keine Freude dran haben. Wer sich aber drauf einlässt, macht selbst eine kleine Reise.

    In der ersten Folge gab es eine Nahaufnahme einer Schnecke und irgendwo im Hintergrund erahnte man einen Fluss und ein Kanu, das auf ihm von links nach rechts durch Bild fuhr und ich konnte mir nicht verkneifen zu rufen: „Die Einstellung hat euch gerade mindestens 1000 Zuschauer gekostet“ – aber die, die durchgehalten haben, waren die Mühe wert.

    Die zweite Folge kommt heute Abend um 22.25 Uhr, weiter geht es dann am 13., 15., 16. und 17.12..

    Vorgestern …

    … habe ich in der Raumstation 4 neue Radiofolgen von Kloß und Spinne aufgenommen. Die Hörspielserie läuft im Rahmen der Show Royal auf Radio 1. Jeden Sonntag zwischen 16 und 18.00 Uhr und ich kann die Sendung nur allen ans Herz legen. Moderiert wird sie von Grissemann und Stermann und es gibt Beiträge von vielen Leuten der Berliner Lesebühnenszene, unter anderem von Stepahn Serin und Konrad Endler, Ahne ist dabei mit seinen Zwiegesprächen mit Gott und Jochen Schmidt mit seinen „wichtigsten Körperfunktionen“.

    Vorvorgestern …

    … hatte ich mit einem Paket voller Kloß-und-Spinne-DVDs gerechnet und war dann doch enttäuscht, dass es nicht kam, obwohl jeder, der das Drama um diese irgendwann einmal für Frühjahr 2009 angekündigte Veröffentlichung verfolgt hat, mich auslachen und „Du hast doch nicht wirklich geglaubt, dass …“ sagen wird.

    Aber: Allerspätestens am 15.12. kommt sie wirklich und ich gehe in meinem Gott- und Presswerkssvertrauen jetzt soweit, dass ich verkünde: Wer zu Weihnachten eine Kloß und Spinne DVD verschenken will, soll eine Email an volker{at}volkerstruebing.de senden, mitsamt seiner Postanschrift und eventuellen Signierwünschen und ich schicke sie ab, sobald sie da ist, was auf alle Fälle rechtzeitig für die Bescherung sein wird. Ach so: Sie kostet 13,90 und ist randvoll. Was einen genau erwartet, schreibe ich demnächst – ihr könnt mit der Bestellung natürlich auch noch bis dahin warten und sie kommt trotzdem noch früh genug bei euch an.

    Übermorgen …

    … oder spätestens Montag gibt es eine neue Kloß und Spinne Folge auf Youtube.

    (VS)

  • Sackkarre im Arsch in Darmstadt

    Na super: Sonnenschein. Dabei war Mistwetter angekündigt. Seit Kachelmann im Knast ist, kriegen die das mit dem Wetterbericht nicht mehr auf die Reihe.

    Über das schöne Wetter hinweg tröstet ja vielleicht dieses Schild, das Micha im Backstagebereich der Centralstation in Darmstadt entdeckt hat:



    „Sackkarre hat nen Platten“ – ist das nicht zauberhaft? Ein Satz in dem Komik und Tragödie eins werden – wie in jedem großen Kunstwerk; auch in jenem, das wir „das Leben“ nennen. Und zum Kompott sind wir hier vielleicht sogar Zeugen der Geburt eines neuen Buchstabens, des „CK“ .

    Falsche Richtung.

    (VS)

  • Schnipsel vom 24.3.2010 – Buchmesse

    Als ich am Donnerstag Abend nach Leipzig zur Buchmesse fuhr, konnte ich mehrere Minuten etwas Ulkiges am Himmel beobachten. Leider bin ich erst am Ende, als es nicht mehr allzu deutlich war, auf die Idee gekommen, es zu fotografieren. Rechts von der Sonne sah ich einen anfangs kreisrunden, später strahlenförmigen regenbogenfarbenen Fleck. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Ich wusste, dass es in der Arktis „Nebensonnen“ gibt, hatte sie aber bisher für ein arktisches Phänomen gehalten.


    (Klick auf die kleinen Bilder zum Vergrößern. Bei den Bildern habe ich arg an der Tonwertkurve geschraubt.)

    Der Ausflug nach Leipzig war wunderschön. Am Donnerstag habe ich im Horns Erben ein Buch, das noch nicht erschienen ist vorgestellt und eine DVD, die es noch nicht gibt. Und ich habe Kloß und Spinne 17 das erste Mal gezeigt. Es war meine erste Lesung seit langem und sie hat mich glücklich gemacht. Es gibt kaum etwas Schöneres, als Geschichten zu erzählen, zu hören, wie Leute lachen oder zu spüren, wie sie zuhören.

    Nichts gegen Fernsehserien … aber auch bei Mister und Missis.Sippi war für mich der Höhepunkt unsere Premierenfeier, die Aufführung der Serie vor Publikum. Die Ausstrahlung im Fernsehen fühlt sich für mich eher wie eine Zugabe an, das ist etwas abstraktes.
    Am Freitag las ich auf der Magazin Lesenacht. In einem großen Saal in der Schaubühne Lindenfels, zusammen mit Kirsten Fuchs, Ahne, Jochen Schmidt, Stefan Schwarz und … verdammt, jetzt habe ich den Namen einer Autorin vergessen.

    Technikprobe für Kloß und Spinne


    Kirsten Fuchs, Steffen Schwarz und ein Mann mit Fotoapparat im Backstageraum der Schaubühne

    An der Buchmesse selbst gefällt mir vor allem, dass ich dort so viele Kollegen und Freunde treffe. Trotzdem denke ich jedesmal, dass ich auf einer Spielzeugmesse wahrscheinlich mehr Spaß hätte.

    Sonntag war Zeit für einen langen Leipzigspaziergang. In Leipzig gibt es einiges zu entdecken, zum Beispiel einen Fahrradladen, der mir auf Anhieb sympathisch war. Ich habe aber auch gut reden, ich muss mein Fahrrad ja dort nicht abgeben.


    Die schönsten Kloschilder der Welt gibt es im Dingsbumspark:





    Und die freundlichsten Eichhörner auch:

    Diese Bäume habe ich immer wegen ihrer rabommelförmigen Früchte „Rabommelbäume“ genannt:



    Habe jetzt leider erfahen, dass sie „Platanen“ heißen.

    (VS)

  • Schnipsel vom 17.3.2010

    Nur ganz kurz – ich muss heute noch die neue Kloß-und-Spinne-Folge so weit fertig kriegen, dass ich sie morgen Abend im Horns Erben und Freitag auf der Magazin Lesenacht (beide in Leipzig) vorführen kann.

    Premiere

    War super. Vielen Dank, an alle, die da waren oder gern da gewesen wären!

    Nichtrauchen

    Ich wusste nicht mehr, wieviel Zeit das kostet, sonst hätte ich gar nicht nochmal mit Aufhören angefangen. Mit Rauchen ist man insgesamt vielleicht 2 Stunden am Tag beschäftigt, aber Nichtrauchen dauert 24! Das entspricht einer 168-Stunden-Woche! Und alles andere muss man irgendwie nebenbei erledigen.

    2 Cent

    War ich gestern in der Apotheke. Wollte ich Kopfschmerztabletten kaufen. Musste ich lange anstehen, weil offenbar gerade sämtliche Zahnarztgattinnen des Prenzlauer Bergs beschlossen hatten, sich koffeinhaltige Cellulite Cremes und hautstraffende Birkenwasser Trinkkuren und so Zeugs zu kaufen. Habe ich mir die Werbung in den Fernsehern angeguckt. Kam da Werbung für irgendeine Creme – so’n Vitamingelumpe glaub ich – und eine Laufschrift verkündete, dass von jeder verkauften Tube 2 Cent an ein Entwicklungshilfeprojekt in Afrika gehen. Die nette Apothekerin hat dann nachgeguckt, was eine Tube kostet: 13,98 €. Und da gilt die Pharmaindustrie immer als böse und geldgierig!

    Von Kindern für Kinder

    Danach habe ich mir Schokolade gekauft. Und später am Abend einen Fernsehbericht gesehen: Fünfzig Prozent des in Deutschland verwendeten Kakaos stammen aus der Elfenbeinküste. Der Kakao wird dort mithilfe von Kinderarbeit produziert. So sorgen die kleinen und großen Naschkätzchen hierzulande dafür, dass die Kinder dort nicht auf der Straße (oder gar in der Schule) sitzen müssen.

    (VS)

  • Wohl kann man auf einem Bein stehen!

    Urlaubsnachlesenachtrag: Hatte noch eins von meinen revolutionären Möwenbildern vergessen …

    (VS)

  • Schnipsel, Schnappschüsse, Urlaubsnachlese

    Im Urlaub ist sogar Nebel schön.

    Aus der Reihe „Geheimnisvolle Kurznachrichten“:

    Absender: 0178 XXXXXXXX
    Nachricht: Meine neue Nummer 0178 XXXXXXX

    Ich habe dann zurückgeschrieben: Liebe Nummer 0178 XXXXXXXX, danke für Deine äußerst herzliche und informative Nachricht. Deine Nummer 0179 XXXXXXX

    Typisch: Der Erpel starrt der Entendame auf den Bürzel

    Stell Dir vor, es ist FKK und keiner zieht sich aus.

    Aus der Reihe „Geschredderte Mythen“
    Hartnäckig hält sich die Behauptung, im Osten sei es sexmäßig voll abgegangen, die politische Unfreiheit habe man anderweitig mit Freizügigkeit wettgemacht. Als Beleg wird gern die in der DDR weitverbreitete Freikörperkultur herangezogen.
    Die Wahrheit ist prosaischer: Die Ostklamotten waren einfach so hässlich, dass wir jede Gelegenheit nutzten sie auszuziehen.

    Kaltes Grab

    Aus der Reihe „Gedanken, die man sich im Urlaub so macht“ (1)
    Ich musste an Rapunzel denken. Oder besser gesagt: An den Königssohn, der sie aus ihrem Turm befreite. Entweder, er war kurzsichtig und es gab ein großes Hallo, als er endlich oben war. Oder er stand auf reifere Frauen. Bei einem durschschnittlichen Haarwachstum von 1 cm pro Monat muss Rapunzel um die 60 gewesen sein, wenn wir von einem ziemlich kleinen Turm ausgehen.

    Steilküste

    Möwe lacht, Blende 8

    Aus der Reihe „Gedanken, die man sich im Urlaub so macht“ (2)
    Ich musste an Salmonellen denken. Ich fragte mich, ob sie so heißen, weil sie wie kleine Lachse aussehen. Zum Glück war eine Biologin vor Ort, die ich fragen konnte (was mich den Nichtbesitz eines iPhones mit Internetflatrate verschmerzen ließ). Nein, sagte sie, die sehen wie Stäbchen aus.
    Ich sah meine Theorie dadurch eher gefestigt: Wahrscheinlich wurden die Salmonellen von weltfremden Wissenschaftlern entdeckt, die den ganzen Tag und die halbe Nacht über ihren Mikroskopen saßen. Nur ab und zu, alle zwei Tage oder so, verließen sie ihr Labor, um in der Kantine zu essen. Dort gab es hin und wieder … na? Genau: Fischstäbchen. Aus Seelachs. (Damals wurden Fischstäbchen noch aus Seelachs und nicht aus Abfall gemacht.) Und dann, kurz nach der Mittagspause, entdeckte ein Forscher ein ihm unbekanntes Bakterium und rief: „Boh, die sehen ja aus wie Fischstäbchen!“
    So kamen die Salmonellen zu ihrem Namen.

    Extremsport

    Bin ich eigentlich der erste, der auf die Idee gekommen ist, Möwen zu fotografieren? Wenn ja, dann habe ich der Fotografie ganz neue Türen aufgestoßen!

    Aus der Reihe „Schnipsel, die in keine Reihe passen“

    Im Fischrestaurant, in dem auch schon Angela Merkel gegessen hat, bedient ein Kellner, auf dessen Namensschild der Zusatz „Auszubildender im 2. Lehrjahr“ steht. Im ersten Lehrjahr muss er mindestens acht Wochenstunden „Humor für Kellner“ gehabt haben („Haha, ein Fünfziger, na, ob der auch echt ist? Haha!“, um nur eine Kostprobe zu geben.)

    Eine Fahrt mit dem Rasenden Roland ist natürlich Pflicht.

    Aus der Reihe „Früher war alles besser“

    Ich hatte mich so auf einen Grog oder Glühwein im Rasenden Roland gefreut, doch der Schaffner teilte mir mit, dass der Teewagen bereits 2007 abgeschafft wurde. „Hat sich nicht rentiert.“ Wie ich das hasse! Wenn es nach den Rentabilitätsprüfern ginge, würde man auch Sonnenuntergänge abschaffen, weil sie keinen Gewinn abwerfen!
    Aus Protest noch ein Symbolbild „Eiskalter Kapitalismus“:

    (VS)

  • Schnipsel vom 6.4.2009

    Frühling, Frösche, Fahrradtour

    Man muss bei schönem Wetter gar nicht unbedingt in der Wohnung bleiben. Selbst zum Stadtbummel gibt es Alternativen. Wir sind am Sonnabend nach Bernau gefahren, von dort mit dem Fahrrad zum Liebnitzsee, einmal um den See rum und dann über Wandlitz zurück nach Hause. 52 Kilometer waren es, mein Hintern tut immer noch weh, aber ansonsten war es sehr schön, wie man auch anhand der folgenden Bilder sieht.

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    „Forst!“ ist irgendwie ein schönes Motto, dass ich auch gern öfter an den Hauswänden in der Stadt lesen würde.

    vermieten

    Man müsste natürlich wissen, wie hoch die Warmmiete ist, bevor man sich entscheidet …

    Zwei Sachen sind schade: Ich habe nicht gebadet und ich habe die Kröten auf dem Waldweg nicht fotografiert. Eine Krötenfrau, die ihren Krötenmann auf dem Rücken in Richtung Laichgewässer – quasi also ins Ehebett trug (so sah das aus). Das Geschlechterverständnis und -verhältnis scheint bei ihnen doch fundametal anders als bei uns zu sein.

    Man darf zu einem „Feel Good Movie“ auch „Wohlfühlfilm“ sagen

    Gerade rechtzeitig für einen Kinobesuch waren wir zurück und haben „Slumdog Millionär“ geguckt. Ich fand den toll und kann ihn sehr empfehlen. Ein schöner Märchenfilm. Manche fragen, ob es denn moralisch vertretbar sei, einen Wohlfühlmärchenfilm zu drehen, der vor dem Hintergrund der sehr realen Armut in Indien spielt. Ist es, würde ich sagen. Und einen guten Film zu drehen ist sowieso immer moralisch vertretbar. Ich denke, dass jeder, der den Film guckt hinterher ein klitzeklitzekleines bisschen glücklicher ist als vorher, das ist doch schön. Also: Angucken und – je nach Typ – eine rohe Kartoffel oder ein Taschentuch bereithalten.

    Ohne Meckern gehts aber dann doch nicht: In der Handlung klaffen einige sehr große Löcher. Man kann sich hinterher beim Bier zwar allerlei Theorien überlegen, womit diese zu füllen wären, aber ein Film sollte nicht sein wie ein Lückentext, bei dem es die fehlenden Wörter zu ergänzen gilt. Eine Sache habe ich schlicht nicht verstanden: Was sollte die Kinderramafigur (der Gott, nicht die Margarine), die während des Progroms in einer Gasse rumsteht?

    Regisseur Danny Boyle und seine Drehbuchautoren scheinen ganz gerne mal den Schluss zu verkacken, das hat man ja schon an „28 days later“ gesehen (denn selbstverständlich hätte die Flugzeuge am Schluss Bomben auf die Helden abwerfen müssen, damit eine runde Sache draus wird). Bei Slumdog Millionär (wer ihn noch nicht kennt, sollte jetzt vielleicht nicht weiterlesen …) ist es eine ärgerliche Unlogik, die ihn mir ein bisschen kaputt gemacht hat. Nun ist der Film an sich zwar alles andere als eine realistische Geschichte, aber wenn man die schöne Grundidee akzeptiert hat, dann ist sie in sich rund und logisch – die letzte Szene ist es aber nicht. Olle Iemschek hat also gewonnen, hat bei der letzten Frage noch den Telefonjoker genutzt und mit olle Dings telefoniert (vielleicht google ich noch die Namen, bevor ich den Artikel abschicke), ganz Indien hat seinem Triumph im Fernsehen verfolgt und dann, nach der Show, sitzt er traurig, einsam und unerkannt auf dem Bahnhof rum und dann kommt plötzlich seine Telefonjokerin und er ist total überascht. Und denn küssen se sich endlich. Warum hat er sie nicht einfach nach der Show nochmal angerufen und gesagt: „Hallo olle Dings, ich bins nochmal, olle Iemschek, komm doch zur Aftershowparty vorbei!“? Schon klar, das ging nicht, weil sie am Schluss auf dem Bahnhof tanzen mussten.
    Na gut, ich will mal zu Gunsten des Films davon ausgehen, dass er sie doch nach der Show nochmal angerufen und sich mit ihr am Bahnhof verabredet hat und dann bloß so einsam da rumsaß, weil er ne halbe Stunde zu früh am Treffpunkt war und über ihr Auftauchen bloß deshalb überrascht war, weil sie auch zu früh kam. Oder so.

    Die deutsche Fassung ist übrigens ulkig, weil alle immer auf deutsch reden, während im Original ein Drittel des Films auf Hindi ist. So wundert man sich einen Moment lang über ein Touristenpärchen, das sich auf indisch mit den indischen Kindern unterhält, bevor einem aufgeht, dass jetzt wahrscheinlich die indischen Kinder englisch mit den Touristen reden …

    Für die Zukunft merken: Augen starr auf die eigenen Fußspitzen richten.

    Gestern Abend bin ich mit dem Fahrrad Biertrinken gefahren. In der Stargader sah ich eine Frau zusammengesunken an ein Schaufenster gelehnt und habe überlegt, ob ich absteigen und hingehen und nachschauen sollte, ob alles in Ordnung ist. Dann bin ich aber weitergefahren und hab mir gedacht, dass sie wahrscheinlich nur besoffen ist und dass das schon wieder wird und dass sich ja vielleicht auch einer der Fußgänger um sie kümmern wird. Aber ein schlechtes Gewissen blieb doch und ich fragte mich, warum ich das nicht tue. Der Hauptgrund war wohl die Scheu vor dem Einmischen in Dinge, die mich „nichts angehen“, davor, in einen Fettnapf zu treten oder was weiß ich. Klingt bescheuert, aber es gibt so ein Gefühl (hab da auch schonmal drüber geschrieben).

    Ich hatte die Kneipentür schon geöffnet, dann ließ ich sie wieder zufallen und ging nocheinmal zurück. Ich musste um eine Straßenecke und hoffte, ich würde sehen, dass sich schon ein anderer Passant um sie kümmert, doch die liefen alle vobei und versuchten nicht hinzugucken, denn was sie nicht sahen, dafür waren sie nicht verantwortlich. Ich also hin und an der Frau rumgerüttelt und es dauerte eine ganze Weile, bis sie sich bewegte und endlich auch die Augen öffnete. „Jaja, alles in Odnung“, konnte sie schließlich meine Frage beantworten und ich konnte beruhigt zum Schreiben in die Kneipe gehen, auch wenn wahrscheinlich gar nichts bei der Frau in Ordnung war und ich mich weiter fragte, ob ich nicht die Polizei oder einen Krankenwagen hätte rufen müssen. Das wäre allerdings eine massive Einmischung mit großer Fettnapfgefahr gewesen, das Risiko wollte ich dann doch nicht engehen.

    (V.S.)

  • Schnipsel vom 17.3.2009

    Zurück

    Eine Woche war ich unterwegs, erst mit Kirsten, dann, am Sonntag mit Micha, Ahne und Spider. Berlin – Düsseldorf – Dresden – Leipzig – und überall war es schön, sogar die Lesungen nachmittags auf der Buchmesse haben viel Spaß gemacht. Überhaupt: Die Buchmesse! Tolle Sache! Nur zuviele Menschen. Und zuviele Bücher, aber ansonsten … hm, naja, die Spielwarenmesse ist bestimmt ein bisschen lustiger. Aber dort hätte ich nicht soviele liebgewonnene Kollegen getroffen.
    Zwei Höhepunkte waren die beiden Auftritte gemeinsam mit Robert and the Roboters, einer phantastischen Dresdener Surfband, von der ein Teil des Soundtracks zu Nicht der Süden stammt. Leider, leider, leider lösen sie sich auf, aber ich hoffe heimlich, dass die beiden Auftritte in der Groove Station und im UT Connewitz ihnen soviel Spaß gemacht haben, dass sie sich irgendwann reunifizieren.
    „Nein, nein!“, haben sie gerufen, als ich von dieser heimlichen Hoffnung zu ihnen sprach, womit sie nicht meinten, dass es ihnen keinen Spaß gemacht hat, sondern dass sie sich nicht wiedervereinigen – aber ich sach mal so: Es hieß auch irgendwann, dass die Mauer noch hundert Jahre stehen würde und dann – bumms! – Wiedervereinigung!

    Nö, mach ich nicht

    Vorgestern erhielt ich eine Email mit der Bitte, einen Aufruf zur Gegendemo zum Antiislamisierungskongress im Mai in Köln zu verlinken. Das hat mich ein bisschen in die Bredouille gebracht, weil ich nicht zurückschreiben wollte: Nö, mach ich nicht. Machen wollte ich es aber auch nicht, weil ich es zwar sehr gut finde, gegen diesen Kongress zu protestieren, aber keine Lust habe, solche Bitten zu erfüllen (es kamen schon gelegentlich ähnliche Anfragen).
    Ich schreibe in den Schnipselfriedhof, was ich so erlebt habe, was „Wir nennen es Arbeit“-mäßig gerade los ist und ganz, ganz selten auch mal etwas nicht völlig Unpolitisches, aber wirklich nur ganz, ganz selten, und wenn dann sind es auch nur persönliche Gedanken zum Thema. Ist nun mal so. Aus Gründen. Ärgert mich selbst manchmal. Ich gehöre leider auch zu den Leuten, die immer, wenn eine Anti-Nazi-Demo stattfindet, für die man früh aufstehen oder eine halbe Stunde mit der Straßenbahn fahren müsste, einen Vorwand finden, doch nicht hinzugehen – es gibt ja immer etwas Unaufschiebbares zu tun und sei es nur das anstrengende Aufschieben unaufschiebbarer Sachen – und die am nächsten Tag traurig und empört sind, wenn sie lesen, dass nur ein paar Hundert oder Tausend Leute dort waren, obwohl Hunderttausende aus der ganzen Republik hätten anreisen sollen, um mal ein deutliches Zeichen zu setzen 🙁
    Also: Auch, wenn ich die Bitte um Verlinkung leider ablehnen muss, hoffe ich doch, dass am 9. Mai in Köln ganz, ganz viele Leute dabei sind …

    Entzaubert

    Politiker ist glaube ich gar nicht so ein aufregender Beruf, wie man immer glaubt. Gestern belauschte ich in der Kneipe ein Gespräch von Vertretern dieses Gewerbes. (Unfreiwillig, die waren einfach ziemlich laut.) War alles uninteressant, meist so Zeugs darüber, welcher Ausschuss Mist gebaut hat, welcher Kollege doof ist und so. Ich kannte die alle nicht. Barack Obama war nicht dabei, nichtmal Angela Merkel, war wohl Lokalpolitik, aber wahrscheinlich ist es bei den Top-Politikern, denen mit den großen Spielzeugen, auch nicht anders. Bemerkenswert war vor allem folgender Satz: „Das wirklich Spannende morgen wird ja, die Erweiterung der Tagungsordnung um den Punkt Baumaßnahmen an der Dingsbumsstraße …“ Die anderen nickten und ich auch und zwar ein.

    Relativierung

    Nicht, dass Kneipengespräche unter Autoren zwangsläufig geistreicher und spannender wären …

    Über den Zusammenhang zwischen Entbunden und Gebunden

    Im Übrigen ist das Nicht-der-Süden-Buch da, hab ich das schon geschrieben? Nee, hab ich nicht. Es ist sehr, sehr gut, zumindest Kirstens Teil und die 32 Fotoseiten in der Mitte und die DVD. Mein Teil ist eigentlich auch sehr, sehr gut, aber das klingt so eingebildet, wenn ich das schreibe, dabei ist das doch das Normalste der Welt, dass man sein Buch toll findet, wer sollte mir einen Vorwurf daraus machen?! Einer Mutter, die behauptet ihr Baby sei das süßeste auf der ganzen Welt, nimmt man das ja auch nicht übel, auch wenn alle sehen, dass es ein totales Knautschgesicht und schütteres Haar und Sabber im Mundwinkel hat.

    (Volker Strübing)