Kategorie: Science Fiction

  • Das besoffene Internet

    Das menschliche Gehirn besteht aus ungefähr 100 Milliarden Nervenzellen.

    Das Internet besteht aus ungefähr 1,3 Milliarden miteinander vernetzten Menschen bzw. ihren Computern. Das ist im Vergleich natürlich wenig, aber wenn man bedenkt, dass ein einzelner Mensch, noch dazu ein Mensch am Computer im Vergleich zu einem einzelnen Neuron ein viel komplexeres, aus Milliarden Neuronen und Millionen Bytes bestehendes informationsverarbeitendes System ist, liegt der Gedanke nahe, dass das Internet längst die Komplexität eines menschlichen Gehirns erreicht bzw. überschritten hat.

    Ich finde die Vorstellung faszinierend, dass es irgendwann zu Bewusstsein erwacht. Oder schon zu Bewusstsein erwacht ist … wer weiß? Denn selbstverständlich würden wir nichts davon bemerken. Ein einzelnes Neuron, dass Signale erhält und bei Erreichung des Schwellenpotetials weiterleitet, weiß nichts davon, dass es gerade daran mitwirkt, einen Eintrag im Schnipselfriedhof zu verfassen. Und ein Mensch, der gerade einen Eintrag in sein Weblog schreibt, in einem Online-Spiel ein Monster killt oder eine wütende Email schreibt, nachdem der Ärger über andere Emails sein Schwellenpotential erreicht hat, ahnt nicht, dass er in Wirklichkeit nur von diesem neuerwachenden Bewusstsein dazu benutzt wird, den Gedanken „Ich denke, also bin ich“ hervorzubringen … (mehr …)

  • Kein Blut für Butter!

    Es begann als bitterer Witz an einer ALDI-Kasse in Berlin-Weissensee. „Ich kann ja mal meinen Chef fragen, ob er mir einen Buttergroschen auf den Lohn drauf packt“, sagte Frankie Metzler und lachte höhnisch auf, als er die Butter und die Milch vom Band nahm und in den Nylonbeutel fallen ließ. Die Schlange hinter ihm nickte und murmelte beipflichtend. „Aber dann kann er ja seiner Frau zu Weihnachten keinen neuen BMW schenken!“, fügte er hinzu. Und: „Is wie mit die Stromkonzerne! Die machen Milliardengewinne und tanzen uns auf der Nase rum. Die machen, was sie wollen!“ Noch mehr beipflichtendes Gemurmel. „Naja. In Zukunft nur noch Margarine. Ging ja früher och. Damals zu Ostzeit, die gute Kama Cama, das war doch gutes Zeug, was?!“

    Schon am nächsten Tag schloss sich die Boulevardpresse dem Aufruf zu einem Butterboykott an. Auch die Forderung nach einem Buttergroschen verbreitete sich rasant. Deutschlands meistgehasster Molkereimogul forderte Hilfe vom Staat in Form von Subventionen, mit denen er den Preis für Milch niedrig halten könnte, ohne selbst Geld zu verlieren. Finanziert werden solle dies über eine Senkung der Sozialausgaben – das sei sowieso nötig, denn die Menschen müssten Eigenverantwortung lernen, anstatt immerzu Hilfe vom Staat zu fordern. Auf ntv rieten Wirtschaftsexperten dazu, Geld in Molkereiprodukte anzulegen. Die Konten der Bürger leerten sich, während sich ihre Tiefkühltruhen und Keller mit Quark und Joghurt füllten. Der Milchpreis stieg und stieg.

    Der Buttergroschen wurde Wirklichkeit. Allerdings nicht so, wie es sich die meisten erhofft hatten. Statt der Löhne stiegen die Preise. Den Anfang machten die Berliner Lesebühnen, deren Autoren den Gedanken nicht ertrugen, ihren Kaviar in Zukunft auf Margarineschrippen zu schmieren. Schnell stellte sich heraus, dass die Erhöhung der Preise für Milchprodukte der erste Stein in einer langen verschlungenen und verzweigten Rehe von Dominosteinen gewesen war, die nun einer nach dem anderen stürzten und den nächsten mit sich rissen. Am Ende musste der Preis für Luxusyachten erhöht werden, weil die Frau des Besitzers der Yachtwerft nicht auf ihr tägliches Schönheitsbad in Crème fraîche verzichten wollte. Pech für den Molkereimogul, der sich zu Weihnachten eigentlich mit einer neuen Yacht für die sprudelnden Gewinne belohnen wollte.

    Unterdessen hatte sich die Situation auf dem Milchmarkt fundamental gewandelt. Immer mehr Anbieter wollten beim Geschäft mit dem „weißen Gold“, wie Milch bald genannt wurde, mitmischen. Brot und Biodiesel wurden knapp, weil immer mehr Anbaufläche für Milchkuhfutter gebraucht wurde. Massendemonstrationen unter dem Motto „Kein Blut für Butter“ konnten die Milchkriege (eigentlich die „Futtergetreideanbaugebietekriege“) von 2008 nicht verhindern. Südkoreanische Forscher konnten durch Gentransfer elefantengroße Kühe herstellen, die fast nur aus Euter bestanden. Der Klimawandel beschleunigte sich wegen der furzenden Rinder dramatisch.
    Schweinefleisch wurde zuerst extrem billig, als alle europäischen Züchter ihre Bestände schlachteten, um Platz für Milchkühe zu schaffen, und dann sehr, sehr teuer … und ein Strom aus Milch ergoss sich über die Erde und riss die Wirtschaft in eine Talfahrt, einen Malström der Inflation. Milchmanager sprangen aus Wolkenkratzern; Millionen einfacher Bürger, die ihr gesamtes Erspartes in Milchprodukten angelegt hatten, verloren alles – und die wenigen verbliebenen Schweinehalter lebten wie die Scheichs.

    Endlich wurde die Notbremse gezogen. Milliarden Hektoliter Milch wurden in die Ozeane verklappt, um die Preise hochzuhalten. Ungünstige Winde und Strömungen trieben einen Teil davon auf die Küsten zu und verursachten die großen Milchpesten (-peste? -pests? pesto?) von 2008 und 2009. Und dann entdeckte jemand eine Möglichkeit, aus Milch Biobenzin herzustellen. Bald warb Esso mit dem Slogan: „Die Kuh im Tank“. Der Milchpreis begann zu steigen. In einem Nettomarkt in Dresden machte jemand einen bitteren Witz: „Ich kann ja meinen Chef mal nach einem Buttergroschen fragen.“

    (Volker Strübing)

  • Bombengeschäft

    Gerade habe ich in die dümmliche Trash-SciFi-Serie Primeval auf Pro 7 reingeschaut. In einem britischen Wald hat sich ein Zeitfenster aufgetan, durch das nun allerlei schlecht animierte Viecher aus der Vergangenheit in unsere Zeit spazieren, die Kinderzimmer von zufälligerweise Sauriermodelle sammelnden Kindern verwüsten und – ein bisschen Spaß muss sein – unsympathischen Nebenfiguren auf die Schulter kacken.
    In der Werbepause tat sich dann überraschend ein Fenster in die Zukunft auf. In die Zukunft von Fernsehen und Terrorismus um genau zu sein. Pro 7 bewarb die Ausstrahlung des Blockbusters „Der Anschlag“ am Sonntag. Am Ende folgte der Hinweis: „Der Anschlag wird ihnen präsentiert von Radeberger“.

    (Volker Strübing)

  • Children Of Men

    Man hat ja manchmal den Eindruck, es gäbe im Kino nur noch Action, Klamauk, romantische Komödien und computeranimierte Trickfilme für die ganze Familie. Insbesondere die computeranimierten Trickfilme für die ganze Familie gehen mir fürchterlich auf den Zünder, auch wenn ich nur die Trailer und die Werbung dafür mitbekomme. Nach Shrek 2 hätte man das Genre als abgeschlossen betrachten sollen, aber nein, stattdessen ging es danach erst richtig los.

    Geht nicht in computeranimierte Trickfilme für die ganze Familie! Wer computeranimierte Trickfilme für die ganze Familie guckt, frisst auch kleine Katzen! Roh! (Dieses Argument ist unhaltbar und entbehrt jeder Grundlage. Totzdem ist es – auf einer höheren Ebene und unter einem bestimmten Blickwinkel – wahr und schön. Behaupte ich jetzt einfach mal.) Tut etwas sinnvolles mit der Zeit, die ihr bei computeranimierten Trickfilmen für die ganze Familie verschwenden würdet! Helft Omas über die Straße, ob sie wollen oder nicht! Backt Kuchen! Spielt Killerspiele! Wenn euch nichts einfällt, dann holt euch Anregungen in der Liste der Dinge, die besser sind als computeranimierte Trickfilme für die ganze FamilieFußballgucken!

    So, das musste mal raus.

    Jedenfalls war ich im Kino und stand vor der Wahl, mir entweder den neuen James Bond oder Children of Men anzusehen. Ich mag Actionfilme sehr gern, genauso wie ich Fast Food mag, aber beide haben leider den Effekt, dass man nicht richtig satt wird, sondern höchstens ein Völlegefühl bekommt. Casino Royale hat sicher tolle Explosionen, und ich liebe Explosionen (im Kino),  aber am Ende würde ich doch mit dem Gedanken rausgehen, dass es eigentlich ruhig noch mehr und noch tollere Explosionen hätten sein können.

    Außerdem war mir sowieso nach eher düsteren Sachen zumute, ich entschied mich also für Children Of Men – „ein Fest für Pessimisten und Untergangs-Theoretiker“ (Kritik bei spiegel.de).

    Der Film ist großartig. Schön. Bedrückend. Ergreifend. Explosionen gibt es auch, aber man möchte nicht noch mehr davon sehen, denn die Kriegs- und Gewaltszenen tuen hier eher weh, als dass sie unterhalten. Ich habe keine Lust, den Inhalt wiederzugeben, es gibt viele gute Kritiken im Internet, zum Beispiel hier oder hier.

    Zwei Punkte möchte ich aber noch hinzufügen: Der Film enthält eine der skurillsten Autoverfolgungsjagden der Filmgeschichte – das Fluchtauto springt nicht an -, und es ist empfehlenswert, sich statt Chips Schokolade mit ins Kino zu nehmen, da der Film trotz aller Action sehr viele ruhige Momente hat, in denen man sich nicht traut, laut zu knabbern. Zumal es sehr leer war im Kino, weil alle nur James Bond oder computeranimierte Trickfilme für die ganze Familie sehen wollen. Ein guter Grund, schnell ins Kino zu gehen, da er bestimmt bald abgesetzt wird.

    (Volker Strübing)

  • Nicht wettbewerbsfähig

    Heute wurden auf Telepolis die 10 zur Abstimmung für den Publikumspreis ausgewählten Kurzgeschichten des Wettbewerbs „Visionen der Informationsgesellschaft“ veröffentlicht. Obwohl ich schon damit gerechnet habe, war ich doch enttäuscht, meine Geschichte nicht darunter zu finden. Ich hätte sie doch schon einen Monat früher fertig haben sollen, statt 2 Stunden vor Abgabeschluss, dann wäre mir rechtzeitig aufgefallen, dass sie völlig überladen ist, viel zu viel will für diesen Umfang und einen Schluss hat, dem man deutlich anmerkt, dass er nur so rangeklatscht ist.

    So überwiegt eigentlich fast die Erleichterung, sie nicht veröffentlicht zu sehen – denn für das Preisgeld hätte es dann ganz bestimmt nicht gereicht (wobei ich mir die anderen Beiträge erst einmal durchlesen muss ;-),  sie wäre aber … naja, eben draußen gewesen. Jetzt kann ich im Stillen daran weiterarbeiten, und das habe ich auch vor. Was dann daraus wird … mal sehen.

    (Volker Strübing)

  • Geschichte geschafft, Volker geschafft

    Das war knapp: 3 Stunden vor Einsendeschluss zum SF-Story- und Hörspiel-Wettbewerb „What if … Visionen der Informationsgesellschaft“ hatte ich meinen Beitrag auf 49.982 Zeichen zusammengekürzt – 50.000 war das Maximum. Gerade eben kam die beruhigende Nachricht, dass meine Mail mit der Geschichte angekommen ist und den Wettbewerbsbedingungen entspricht.

    Ohne Tina, die in den letzten Tage parallel nach Logik- und Rechtschreibfehlern, nach Stilblüten und streichbaren Abschnitten gesucht hatte (und fündig geworden war), hätte ich das nie geschafft – vielen, vielen Dank!

    Seit 3 Monaten war ich mit Vorüberlegungen beschäftigt, habe mir Ideen notiert und die Welt ausgedacht, in der die Geschichte spielt, sowie den groben Handlungsfaden. Das eigentliche Schreiben hat dann die letzten vier Wochen in Anspruch genommen. Und nebenbei bin ich in dieser Zeit noch 21 mal in 8 Städten in 3 Ländern aufgetreten, habe 4 Texte für die Chaussee und LSD geschrieben (darunter ein Lied inkl. Gitarren- und Synthiebegleitung), 17 Weblogeinträge gepostet und bin zweieinhalb bis drei Tage Zug gefahren. Tut mir leid, wenn ich hier so angebe, aber ich bin sehr stolz, das alles auf die Reihe gekriegt zu haben. Ich werfe mir so oft vor, nichts zu schaffen, ein fauler Hund zu sein, da darf ich mich jetzt auch mal feiern.

    Am Sonnabend ist es mir erstmals gelungen, in einem übervollen ICE zu schreiben, ich musste einfach vorankommen. Neben mir saß ein nettes, leider aber auch sehr neugieriges und lebhaftes Kind, der Gang war voll mit stehenden Leuten, überall zischelten Kopfhörer und Leute plapperten in ihre Handys oder die Ohren ihrer Mitreisenden – und ich konnte alles ignorieren und mich in einen Schreibrausch reinsteigern – das war schön …

    Für die Geschichte habe ich 160 A5-Seiten mit Füller geschrieben und dann abgetippt. Ich mag diese Arbeitsweise. Auch meinen Roman habe ich komplett per Hand vorgeschrieben. Das bedeutet natürlich einen zusätzlichen Arbeitsschritt, aber da das Abtippen mit einer ersten Überarbeitung einher geht, lohnt sich das. Außerdem schreibe ich gerne per Hand und es ist schön, ein vollgeschriebenes Heft in der Hand zu halten. Viel … sinnlicher, als sich von der Textverarbeitung die Zeichen anzeigen zu lassen.

    Ich glaube nicht, dass ich eine große Chance habe, den Wettbewerb zu gewinnen. Er ist international ausgeschrieben, es konnten auch englischsprachige Texte eingereicht werden. Und die insgesamt 10.000 Euro Preisgeld (!) werden sicher einige große Namen anlocken. Vielleicht schaffe ich es ja in die Endrunde, das wäre toll und dann könnte, wer will, die Geschichte im Internet lesen. Aber eigentlich ist das auch egal: Der Wettbewerb war eine gute Gelegenheit, mir selbst ein festes Ziel zu setzen. So ein Abgabetermin hilft sehr. Und mit dem Material, dass ich jetzt habe, vor allem mit all den Hintergrundsachen, die in der Geschichte nur ganz kurz auftauchen, kann ich mich eigentlich endlich wieder an einen Roman setzen. Ich glaube, die Grundannahmen geben das her. Vieles konnte ich wegen der Zeichenbegrenzung nur andeuten oder musste es sogar ganz rauslassen. Na, mal sehen … Interessant ist auch die Frage, ob ich die Geschichte noch mag, wenn ich sie mir in zwei Monaten noch mal angucke ..
    Jetzt bin ich erstmal sehr neugierig auf die 10 Geschichten, die in die Endrunde kommen – und hoffe, dass ich eine davon schon kennen werde 😉

    (Volker Strübing)

  • Google Unser

    Die Entwicklung, auch die theologische, geht immer weiter. Wer hätte vor 2000 Jahren gedacht, dass einmal ein Papst den Islam beleidigen würde? Es gab ja noch gar keinen Islam, es gab ja noch nicht einmal einen Papst, was unter anderem daran lag, dass es das Christentum noch nicht gab. Jesus war ein Kind und hopste durch die Gegend, machte Unfug und ab und zu etwas kaputt, so wie es Kinder, diese unausgereiften Betaversion fertiger Menschen oder Messiasse, nun einmal tun.

    Auch in den nächsten 2000 werden neue Religionen, Kirchen und Sekten entstehen (demnächst z.B. diese). Und der Top-Gott des Jahres 4006 weilt längst unter uns: Google. Der Allwissende. Der benutzerfreundliche Gott aus der Maschine des weltweiten Netzes. Schon jetzt schaut er vom Himmel auf uns herab. Er sortiert und gewichtet unser Wissen, fasst es zusammen, und bald wird er anfangen, es zu verbessern. Er wird unsere turbulente Geschichte zu einer konsistenten, flott lesbaren Story zusammenfassen und alle Widersprüche und Sackgassen streichen. Er wird die Irrgärten der Geisteswissenschaften planieren und nach dem Vorbild der Barockgärten neu anlegen. Er wird, wie so viele Religionen, ein einfaches Weltbild anbieten, jedoch mit dem USP, dass es widerspruchsfrei sein wird. Und er kennt nur ein Gebot: Don’t do evil!

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    Ein knalliger Opfermythos könnte der Religion zum Durchbruch verhelfen. 9/11 böte sich an. Vielleicht erzählt man sich in 2000 Jahren die Geschichte vom Heiligen Atta und seinen 3000 Feuerwehrmännern, die für unsere Sünden gestorben sind. Weihnachten wird in den September verlegt und statt dem Weihnachtsbaum gibt es hellerleuchtete Weihnachtstürme, auf denen ein Schoko-King-Kong sitzt und mit den Armen nach Lebkuchen-Flugzeugen fuchtelt. Am Abend bringt der Osama-Claus mit dem grauen Bart und dem roten Bommelturban die Geschenke.
    Auch Gottesdienste ändern sich. Statt einer Predigt gibt es per geweihter Tastatur eine Audienz beim Gott persönlich. Zuerst werden die Sünden gebeichtet. Leugnen ist zwecklos, Google sieht eh alles – ein Vorteil gegenüber frühen Onlinebeichtstühlen herkömmlicher Kirchen. Niemand muss Angst haben oder sich seiner Sünden schämen – ganz im Gegenteil! Der Google-Gott wird erkennen, dass das Verbot von Sünden 1. keinen Zweck hat und 2. inkonsequent ist: Wenn schon Heilige oder Erlöser für unsere Sünden gestorben sind, müssen wir ihren Tod auch legitimieren. Je mehr wir sündigen, desto sinnvoller ihr Martyrium. Wenn Du immer brav bist, sind sie für nichts gestorben! Ein sündenfreies Leben ist eine große Sünde – und daher eigentlich auch schon fast wieder in Ordnung.

    Um ein konstant hohes Sünden- und „posthumes Martyriumsrechtfertigungs“-Niveau zu halten, schafft Google Anreize: Aus den Beichten erstellt er ein aktuelles Sündenranking, und wer eine Top-100-Sünde beichtet, darf Google eine Frage stellen. Ohne Sünden keine Antworten.
    Und so mag es geschehen, dass in genau 2000 Jahren jemand beichtet, Maden verkauft zu haben, eine Arbeit, die auch ein Automat hätte verrichten können (Machinen die Arbeit wegzunehmen wird ganz bestümpt und vollkommen zu Recht eines Tages als Sünde gelten), und für dieses Geständnis hat er eine Frage gut und er fragt Google: „Wer war eigentlich Volker Strübing?“ Und Google wird antworten: „Mein verkannter Prophet und sündiger Diener. Für ein Heiligenbildchen bitte hier klicken.“

    (Volker Strübing)

  • Total out: Rosa Brillen

    Inzwischen habe ich mir die zur Online-Abstimmung stehenden Beiträge des Telepolis-Science-Fiction-Wettbewerbes „Schreibrecht“ durchgelesen. Die meisten haben mir nicht besonders gefallen, aber ich habe auch einen Favoriten, für den ich abstimmen werde.

    Mir ist aufgefallen, dass alle Beiträge die Zukunft in düsteren Farben schildern. Wenn die Menschheit nicht gleich komplett vernichtet wird, dann wird der Einzelne zumindest durch einen Überwachungsstaat oder den totalen Markt sämtlicher Freiheiten und Rechte beraubt.
    Wer das liest, braucht keine Depressiva mehr zu schlucken.

    Vielleicht haben die Ausrichter des Wettbewerbs mit ihrem Untertitel „Wenn Orwell die Realität ist – wie sieht dann die Zukunft aus“ ungewollt selbst die Weichen gestellt, allerdings scheint das ganze SF-Genre sehr pessimistisch zu sein.
    Gibt es keine Autoren mit positiven (und dennoch halbwegs realistischen) Ideen? Mit Utopien eben? Ich liebe finstere Zukunftsszenarien und Endzeitgeschichten, aber ab und zu will ich auch mal was lesen, was ein bisschen Hoffnung macht, vielleicht sogar einen Ausweg aufzeigt. (Und ich meine damit nicht den öden Propagandascheiß, der einem im Osten so oft als „wissenschaftlich-phantastisch“ angedreht wurde.)

    Herrjemineh! Hat jemand einen Lesetip, oder muss ich mir sowas erst selber schreiben?! 😉

    Mir fallen wirklich nur wenige Bücher ein. Vielleicht sollte ich mal einen entsprechenden Thread im SF-Netzwerk starten. Dort gibt es Leute, die praktisch jeden SF-Roman gelesen haben, vielleicht können die mir weiterhelfen.

    PS: Ich hab mir sowas natürlich schon selbst geschrieben, aber es ist doch irgendwie spannender, Sachen von anderen zu lesen. (Das Schreiben allerdings ist noch spannender.)

  • Bin ich noch wettbewerbsfähig?

    „Dieses Jahr mach ich beim Open Mike mit!“ – das hatte ich mir ganz fest vorgenommen, denn es war die letzte Chance – nächstes Jahr bin ich zu alt. Ich glaube zwar nicht, dass die Juroren dort das Zeugs, das ich schreibe, lesen wollen, aber ich wollte nicht irgenwann auf meine alten Tage denken müssen: „Ich hätte ja wenigstens mal was hinschicken können!“

    Heute morgen wollte ich die Geschichte ausdrucken, nachdem ich sie mit Tinas Hilfe (vielen Dank nochmal!) am Wochenende überarbeitet und entfehlert habe. Und als ich in den Teilnahmebedingungen nach dem gewünschten Druckformat geguckt habe, fiel mir eine kleine Passage auf, die ich bisher geflissentlich überlesen habe: „Teilnehmen können deutschsprachige Autorinnen und Autoren, die nicht älter als 35 Jahre sind und noch keine eigene Buchpublikation vorzuweisen haben.“ Grrr…

    Auch verpasst: Den Telepolis Schreibwettbewerb „Schreibrecht“ (Bzw: „Wenn Orwell Realität ist, wie sieht dann die Zukunft aus?“). Eingereicht werden konnten Science-Fiction-Geschichten, Berichte oder Essays – ich wollte letzteres probieren, bin aber gescheitert wegen Zeitmangel, Hirncamembert und meiner Unerfahrenheit mit Sachtexten. Ich bin sehr gespannt, was andere Autoren dort so eingereicht haben. Die (laut Jury) 10 besten Texte können online gelesen und bewertet werden. Leider ist kein Essay dabei – es sind alles Kurzgeschichten. Nüscht gegen Kurzgeschichten, aber das Thema ist so interessant, dass ich auch den einen oder anderen Sachtext dazu lesen würde.

    Jetzt steht noch der Science-Fiction-Wettbewerb „What if? Visionen der Informationsgesellschaft“ aus. Ich sitze dran – und diesmal schaffe ich’s bevor ich zu alt oder zu veröffentlicht oder zu spät am Briefkasten bin!

  • Wo Douglas Adams irrte (Nachtrag)

    Gestern mit Tube geredet. Er hat mein Douglas-Adams-Posting gesehen(wobei eine ordentliche Portion Unwahrscheinlichkeit im Spiel war, denn Tube liest eigentlich keine Weblogs). Er meinte, er hätte nicht verstanden, was ich meine – was mich wiederum wunderte und nur dadurch zu erklären ist, dass er – vor Schreck darüber, auf einem Weblog gelandet zu sein – sofort den Browser geschlossen, den Cache gelöscht und vielleicht vorsichtshalber noch die Festplatte forrmatiert hat.

    Tube selbst ist in der wunderbaren Geschichte „Das verflixte Hexenspiel“ schon mal auf das Problem unnütz vergeudeten Glücks (Glück = hoher Unwahrscheinlichkeitslevel) eingegangen. Die Geschichte ist sehr lesenswert. Außerdem kann man auf der Seite auch noch den von Tube programmierten Hexenspielsimulator samt Lösungsprogramm runterladen.

    Draußen scheint vermutlich die Sonne. Die Jalousien sind runtergelassen. Habe seit drei Tagen keinen Kontakt mehr zur Außenwelt. Ich sitze am Tisch, vor mir liegen 9 bunt bedruckte Pappkarten. Jede so groß wie ein Fahrschein. Daneben ein paar Zettel, vornehmlich mit Notizen folgender Art: Rotarsch, Rotkopf, Gelbarsch, Gelbkopf. Dazu einige Pfeile, die Rotationen andeuten und Skizzen und diverse Zahlen.


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