Kategorie: Weltall, Erde, Mensch

  • Was nicht verboten ist, kann kein Unrecht sein – oder?

    Schlechte Nachrichten: Vom Zeitungslesen und Nachrichtengucken kann ich auch im Urlaub nicht ablassen.
    Heute las ich beim Frühstück in der FAZ (was anderes gibt’s im Hotel leider nicht), dass die amerikanische Regierung das Gesetz zur Verfolgung von Kriegsverbrechen (War Crime Act) ändern will – um Soldaten etc. besser vor Verfolgung zu schützen.
    Bisher hatte es die Genfer Konventionen zur Grundlage, aber das sei zu vage gewesen. Nun würde ein konkreter Katalog zu verfolgender Kriegsverbrechen erarbeitet. Nicht mit dabei: „Die Beeinträchtigung der persönlichen Würde, namentlich erniedrigende und entwürdigende Behandlung“, wie sie laut der Genfer Konventionen verboten ist.

    Damit soll […] die strafrechtliche Verfolgung demütigender Behandlung ausgeschlossen werden, wie sie im Gefängnis von Abu Ghraib passierte, etwa das Anleinen von Gefangenen oder das erzwungene Tragen von Damenunterwäsche. Man müsse verhindern, daß Ausländer versuchten, die Macht der Vereinigten Staaten einzuschränken, indem sie Amerikanern ungesetzliches Verhalten vorwürfen, zitiert die „Washington Post“ einen Regierungsvertreter.

    (Quelle: FAZ, 10.8.06)

    Das kann doch eigentlich nur eine Zeitungsente sein, oder? Oder nicht? Oh Mann. Das können die doch nicht machen, noch dazu mit so einer Begründung!

    Immerhin bleiben Mord, Folter und Vergewaltigung verboten, wobei man wohl davon ausgehen kann, dass dafür angeklagte Soldaten von der Militärjustiz eher dafür bestraft werden, dass sie sich von Menschenrechtlern oder Journalisten haben erwischen lassen.

  • Wenn du nicht paranoid bist, bist du ein Fall für den Psychiater

    Wenn du paranoid bist, auch. Und wenn du Psychiater bist, sowieso. (Hm. Muss hinter „bist“ ein Komma? EDIT: Ja, muss)

    Gestern habe ich mir Loose Change 2 angesehen, einen Film über den 11.September 2001; einen Film, der die These vertritt, dass das alles von der US-Regierung eingefädelt wurde – eine Art amerikanischer Reichstagsbrand um die Bürgerrechte einschränken, in den Krieg ziehen und nebenbei noch einige Milliarden Dollar durch Versicherungsbetrug und den Verkauf von Airline-Aktien verdienen zu können. Ich hatte bereits einiges darüber gelesen und mich gewundert, dass zum Beispiel der Spiegel eine positive Rezension des Films von der FAS übernommen hatte – bisher hatte der Spiegel derartige Theorien stets in Grund und Boden geschrieben. War also doch etwas dran?

    „Loose Change 2“ ist eindringlich, gut gemacht, gruselig … und, so glaube ich, Quatsch. Wobei ich zugeben muss, dass er mich fast dazu gebracht hätte, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass da etwas dran sein könnte. Wenn ich etwas lese oder sehe, ist meine Kritikfähigkeit sehr heruntergesetzt und ich brauche eine Weile, bis ich mir eine eigene Meinung bilden kann.

    Zwei Websites haben mir sehr geholfen: http://www.werboom.de/vt/html/loose_change2.html
    und http://www.ccdominoes.com/lc/LooseChangeGuide.html (englisch)

    Dort wird „Loose Change 2“ Punkt für Punkt auseinandergenommen und von den „Merkwürdigkeiten“ bleibt nicht viel übrig. (Ja: Auch beim Lesen dieser Websites war meine Kritikfähigkeit herabgesetzt – aber inzwischen habe ich eine Nacht darüber geschlafen)

    Eine Sache fand ich schon beim Betrachten des Films wenig überzeugend: Ständig werden (sich teilweise widersprechende) Augenzeugen herangezogen, die alles mögliche gehört und gesehen haben, das angeblich die These von Bomben im WTC und einer Cruise Missile im Pentagon stützt – aber, hey: Es ist bekannt, dass sich zwei Augenzeugen nicht einmal auf eine gemeinsame Version eines popligen Auffahrunfalls einigen können, und dann sollen Leute die dieses Grauen miterlebt haben, zuverlässige Zeugen sein?

    Ein Beispiel:

    „Loose Change 2“ stellt die Frage, ob wirklich ein Flugzeug ins Pentagon geflogen ist (und suggeriert, dass es stattdessen eine Cruise Missile oder eine unbemannte Drohne war). Als ein Indiz werden drei Augenzeugenberichte aus den Nachrichten herangezogen. Ein Mann sagt, es sei ein großes Flugzeug von American Airlines gewesen (er stützt also die offizielle Version), ein Mann hat ein kleines Flugzeug ohne Markierungen gesehen (das könnte zur Missile- oder Drohnentheorie passen), einer schließlich hat gesehen, wie EIN HUBSCHRAUBER im Pentagon landete und die Explosion auslöste (was weder zur offiziellen noch zur „Loose Change“-Version passt). Wenn diese Aussagen überhaupt etwas belegen, dann, dass man ihnen nicht vertrauen kann!

    Dass überdies eine erdrückende Mehrheit der Augenzeugen ein großes Flugzeug gesehen hat und nur (laut http://www.werboom.de/vt/html/loose_change2.html) genau zwei von einem kleinen Flugzeug sprachen, bleibt unerwähnt.

    Wisst ihr, was ich glaube? Dass der CIA hinter „Loose Change 2“ steckt! Ein Ablenkungsmanöver, damit wir keine Nachforschungen über den Hurricane-Generator anstellen, mit dem sie im Auftrag der Immobilienmafia New Orleans plattgemacht haben! Oder über die Bilder von einer angeblichen Mondlandung, die in Wirklichkeit auf dem Mars gedreht wurden!

    Wie auch immer: Um die Bush-Regierung zu verabscheuen und mich vor dem amerikanischen „Krieg gegen den Terror“ und seinen Auswüchsen zu fürchten, muss ich nicht glauben, dass sie das WTC selbst gesprengt haben. Da reicht ein Blick in die Zeitung.

    Alle, die „Loose Change 2“ schon gesehen haben, sollten sich den wirklich sehr, sehr lustigen Cartoon auf dieser Website nicht entgehen lassen:

    http://www.thebestpageintheuniverse.net/c.cgi?u=911_morons

    🙂 Vielleicht der lustigste überhaupt seit Gary Larsons „Mutter aller Pizzen“ im Kommandobunker von Saddam Hussein.

    NACHTRAG (15.9.06): Wer WIRKLICH hinter 9/11 steckt …

  • Man kann gar nicht so viel fressen, wie … na, ihr wisst schon …

    Man ist es ja gewohnt, mit Blödsinn und Frechheiten konfrontiert zu werden, aber ab und zu verschlägt’s einem dann doch noch mal die Sprache (siehe auch hier). Im Spiegel 24/2006 las ich ein Interview mit BP-Chef Lord Browne. Unter anderem wurde er zu den Entwicklungen in Lateinamerikas befragt, zu Verstaatlichungen und geplanten höheren Steuern:

    SPIEGEL: Ist es denn gerechtfertigt, dass diese Länder mehr vom Gewinn aus ihren Bodenschätzen behalten wollen?

    Browne: Jede Regierung behält sich das Recht vor, Steuern und Abgaben zu erhöhen […] Ich bitte allerdings zu bedenken: Wir als privates, internationales Unternehmen investieren sehr viel Geld und was übrigbleibt, geht an die Aktionäre. Überwiegend sind das Pensionsfonds. Mit einem Großteil des Gewinns wird also Altersvorsorge betrieben.

    Was Browne eigentlich sagt: Es ist okay, die Bodenschätze und Arbeiter Lateinamerikas auszubeuten, solange dadurch amerikanischen Rentnern ein luxuriöser Lebensabend in Florida bezahlt wird. Dem Spiegel ist die Tatsache, dass hier das Shareholder-Value-Prinzip und die Ausplünderung des Südens zur sozialen Marktwirtschaft umgedeutet werden, keine Nachfrage wert.

    Mit derselben Logik kann man Kinderarbeit für börsenorientierte Unternehmen erlauben und mit schönen Reden vom „Generationenvertrag“ rechtfertigen. Auch die Sklavenarbeit hat übrigens zur Altersvorsorge der Sklavenhalter beigetragen.

  • A tale of two disasters

    Henri, ein guter Freund lebt und arbeitet seit mehr als zwei Jahren in Yogyakarta, Indonesien. Als das Erdbeben vor wenigen Tagen die Region traf, war er gerade nicht dort – sondern in Dili, der Hauptstadt des gerade von Unruhen heimgesuchten Ost-Timor. Inzwischen ist er wieder daheim, sein Häuschen am Rande von Yogya steht noch, ist zur Zeit aber mit 4 Familien belegt (Voriges Jahr habe ich ihn dort besucht – es ist ziemlich hübsch und bietet einen – jetzt wohl eher beunruhigenden – Blick auf den Merapi …)

    Henri arbeitet für die indonesische NGO Insist, die sich sowohl im Erdbebengebiet als auch – soweit möglich – in Ost-Timor engagiert. Er bat um Spenden und ich habe dieser Bitte gern entsprochen. Ich hatte ohnehin vor, etwas zu spenden und habe so die Möglichkeit, aus erster Hand zu erfahren, wofür die zusammengesammelten Gelder verwendet werden. Und zwar ungeschminkt, ohne dass Probleme verschwiegen und Erfolge aufgebläht werden.

    Ich habe seine Email angehängt (ich hoffe, das ist okay, Henri!), vielleicht hat ja noch jemand ein paar Euro übrig.

    dear friends,
    my apologies for sending out mass e-mails only recently, i have not really
    had the time and space for more personal e-mails.
    
    so its been an intense two weeks or so here, first with the violence in
    east timor and now the earthquake relief effort in yogyakarta. as you
    might have guessed by now, i am approaching you for funds to support the
    victims of those two catastrophes, one man-made and the other natural.
     (mehr …)
  • Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben?

    Jobs ablehnen, wenn sie die Welt nicht verbessern – Ein Artikel von johannes-boie auf jetzt.de über einen Vortrag von „Adbuster“ Kalle Lasn auf einer Designerkonferenz in Berlin:

    Und jetzt, gleich zu Beginn der Messe, steht Kalle Lasn auf der Bühne und fordert Ungehorsam. „Wie viele Designer sind hier?“, ruft er in den Vortragssaal. Nahezu alle Hände gehen nach oben. Später wird ein Veranstalter sagen, die „kreative Elite Westeuropas“ sei im Saal gewesen. „Ihr habt die Macht, die Welt zu verändern! Ihr seid die Coolsten“, ruft Lasn den Kreativen zu. Die grinsen nur, denn das denken sie sich schon. Der gebürtige Este senkt die Stimme: „Also tragt Ihr gesellschaftliche Verantwortung!“ Den „Coolsten“ klappen die Kinnladen runter. Aber sie haben richtig gehört. Und Lasn legt gleich noch mal nach. Er fordert: „Lehnt Jobs ab, wenn sie die Welt nicht verbessern!“

    Ich weeß nich, ich weeß nich. Lasn will gegen Werbepest, Markenwahn und dusslige Corporate Identitys mit deren eigenen Mitteln kämpfen und ist schon längst wieder selbst Teil der ganzen Scheiße:

    Lasns Adbusters-Magazin liegt längst in jedem Meetingraum seiner Erzfeinde: Die finanzstarken Werbeagenturen scheren zehn Dollar pro Ausgabe wenig.

    Und in den Kommentaren fragt ein mamoffel, wo man die Schuhe mit dem Anti-Logo kaufen kann …