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  • Warum machen CSU-Politiker eigentlich nicht mal was gemeinnütziges? Zum Beispiel die Klappe halten?

    Alle arbeitsfähigen Langzeitarbeitslosen müssen sich dann jeden Morgen bei einer Behörde zum ‚Gemeinschaftsdienst‘ melden und werden dort zu regelmäßiger, gemeinnütziger Arbeit eingeteilt – acht Stunden pro Tag, von Montag bis Freitag“ so fasst Stefan Müller (CSU) seine Ideen für eine weitere Verschärfung der Arbeitsmarktreform Hartz IV zusammen.
    (Quelle: Spiegel Online)

    Egal, wie er es umschreibt, egal, wie nett das Wort „Gemeinschaftsdienst“ klingt: Hier wird unverhohlen Zwangsarbeit gefordert. Und nicht nachgedacht (oder er erzählt wissentlich Unsinn, was noch schlimmer wäre): Nehmen wir an, jeden Morgen melden sich ein paar Millionen Arbeitslose zum nicht oder extrem gering bezahlten „Gemeinschaftsdienst“ – wieviele bezahlte Stellen würden dafür wegfallen?
    Ums mal auf die Spitze zu treiben: Irgendwann wird bestimmt mal einem industrienahen Politiker auffallen, dass auch die Arbeitsplätz in der Produktion eigentlich gemeinnützig sind, da ja der Staat (und damit die Gesellschaft) von der Stärke unserer Industrie profitiert. Gemeinnützige Arbeit kann aber genausogut ein unbezahlter Hartz-IV-Mensch übernehmen – wozu teure Lohnkosten zahlen … ihr versteht schon …

    Muss ich mal ne Geschichte drüber schreiben.

  • Droht nach den unseligen Hitler-Vergleichen nun eine Welle von Schlecker-Vergleichen?

    Ich geb's zu, ich war ein bisschen hart in meinem letzten Posting. Bei allem berechtigten Groll kann man McPaper dennoch nicht mit Schlecker gleich setzen. Schlecker ist unvergleichlich … und das klingt jetzt viel positiver als ich es meine.

    Beck's … ja, Beck's könnte man vielleicht mit Schlecker vergleichen. Oder umgedreht. Schlecker ist das Becks's-Bier unter den Drogerien.

  • Ich bin nicht so doof, wie die Marketingleute glauben (oder wie sie es gerne hätten).

    Wenn ich in den letzten Monaten mal zu McPaper musste, habe ich schon vorher Pickel gekriegt, weil ich wusste, was mich an der Kasse erwartet:

    „Möchten Sie zu den Briefumschlägen vielleicht noch einen Schreibblock?“
    „Darf’s zu dem Bastelpapier noch eine Schere sein?“
    „Wollen Sie zu dem Notizblock vielleicht noch einen Kugelschreiber?“

    Sie nennen es Service, eigentlich geht es um Absatzsteigerung und letztlich ist es eine Beleidigung. Für wie blöd halten die mich? Welche Antwort erwarten die? „Oh, was für eine tolle Idee: ein Schreibblock zu den Briefumschlägen – da habe ich ja sogar was, was ich in den Briefumschlag reintun kann! Ham sie vielleicht auch Briefpapier mit vorgedrucktem Text? So doof wie ich bin, wäre das sehr, sehr hilfreich!“

    Gestern habe ich die Verkäuferin gefragt, ob sie das tun müsse und sie hat traurig genickt und als ich anfügte, dass ich das schrecklich fände, hat sie geseufzt und noch einmal genickt. Scheinbar war es ihr genauso unangenehm wie den Kunden. Und irgendein Marketingtrottel oder Werbemensch, jemand, der sich selbst womöglich als „Kreativen“ bezeichnet, ist stolz auf die geniale Service-Idee …

    Mein Vorlesekollege Jürgen Witte vom Frühschoppen und der Reformbühne Heim und Welt hat mal sinngemäß zu mir gesagt: Es gibt einfach keinen Respekt mehr untereinander. Wie soll man auch Respekt voreinander haben, wenn man weiß, was man selbst und die anderen alles für peinliche, dumme Dinge tun und tun müssen, um Geld zu verdienen … Mist, ich kriegs nicht mehr ganz hin, muss Jürgen nochmal danach befragen, er hatte das wunderbar auf den Punkt gebracht.

    Naja. McPaper ist eh doof – das Schlecker der Schreibwarenbranche – ein Grund mehr dort nicht hin zu gehen.

  • 11.6., 18.00 Uhr, Mexico – Iran. Ohne mich …

    Im Park gelegen. Die Sonne stand schon recht tief und wurde von einer Baumspitze verdeckt, so dass ich genau in ihre Richtung schauen und den Tanz der im Gegenlicht gleißenden … Baumspermaflöckchen? … na, ihr wisst schon, was ich meine … beobachten konnte.

  • Aus welchem B-Movie stammt eigentlich das Schachspiel?

    Bin gerade durch den Volkspark Friedrichshain gegangen und habe mal wieder gestaunt, mit was für Sportarten und Spielen sich die Leute beschäftigen. Zum Glück war hier nichts von der in den Medien herrschenden Fußball-Monokultur zu spüren.

    Ich wusste bisher gar nicht, dass es die Mannschaftssportart Jugger auch außerhalb des gleichnamigen B-Movies gibt. Klarer Fall von selbsterfüllender Prophezeiung: Jemand dreht einen SF-Film über eine Fantasie-Sportart der Zukunft, jemand anders sieht den Film und denkt sich: Hey – lass es uns probieren!
    Der Unterschied zur Filmvariante besteht hauptsächlich im Material der Ausrüstung. Bei der im Volkspark Friedrichshain zu erlebenden Variante waren Keulen und Morgensterne aus Weichgummi oder Schaumstoff … aber irgendwann, wenn der Film schon längst vergessen ist, kommt sicher jemand auf die Idee, mal härtere Materialien auszuprobieren.

    Ich fand den Film, wenn ich mich recht entsinne, ganz gut, als ich ihn irgendwann ganz zu Anfang der 90er gesehen habe, aber vielleicht stammt dieser Eindruck auch nur daher, dass ich Joan Chen so schön fand.

    Wo wir gerade beim Aussehen sind: Das Juggerspiel im Park sah schon ein bisschen albern aus – allerdings auch nach verdammt viel Spaß. Ganz im Gegensatz zu der Gruppe von dumpf vor sich hinpubertierenden Alkopoptrotteln, die ein paar Meter weiter in der Sonne brezelten und Musik aus ihren Handyfreisprecheinrichtungen hörten. Die sahen nur albern aus.

    PS: www.jugger.de

  • WM gescheitert / beendet / fängt nächste Woche an

    WM gescheitert

    Eine etwas irreführende Überschrift: Gescheitert bin in Wahrheit ich bei dem Versuch, die WM zu verhindern … aber der Kampf geht weiter …

    WM beendet

    Schon am letzten Wochenende fand die Fußball-WM der Autoren in Bremen statt. In der deutschen Nationalmannschaft dabei: Jochen Schmidt von der Chaussee der Enthusiasten und Uli Hannemann von LSD. Angesichts des Abschneidens der Mannschaft wundert es mich nicht, dass sie das nicht an die große Glocke gehängt haben und ich erst per Zufall darüber stolpern musste!

    WM fängt nächste Woche an

    Zumindest so eine Art WM: Die Poetry World Slampionship 2006 im Rahmen des 37. Poetry International Festivals vom 17.-23.6. in Rotterdam. Ich bin als amtierender Champion der deutschsprachigen Poetry Slams eingeladen … Ich bin Deutschland, zumindest die Nationalmannschaft, wenn man so will … 😉 … dass dieser dusslige Satz mal eine Bedeutung für mich bekommen könnte, hätte ich mir auch nie träumen lassen.

    Ich blicke mit einer Mischung aus Grusel und Vorfreude auf dieses Ereignis, wobei sich die Vorfreude auf die Zeiten bezieht, zu denen ich keinen Auftritt habe und der Grusel auf den Rest.

    Poetry World Slampionship 2006 / http://www.poetryslampionship.nl/ http://www.poetry.nl

  • Hiermit erkläre ich die zitty zur besten Zeitschrift der Welt!

    Neben zwei sehr schönen Kundenrezensionen auf Amazon gab es diese Woche auch die allererste Rezension in einer „normalen“ Zeitschrift: In der zitty 12/2006 gibt es eine kleine Kritik zu meinem Roman, die man eher als großes Lob bezeichnen kann. 3 Sterne und das Fazit: „Unglaublich amüsant und dennoch tiefsinnig“ – hey!

    Ich hatte mich überhaupt nur getraut, dort ein Rezensionsexemplar hinzuschicken, nachdem Kirsten Fuchs mein Buch im zitty-Interview als Geheimtip genannt hatte. (Danke nochmal!) Für Kirsten selbst muss das Interview recht merkwürdig gewesen sein – sie wurde die ganze Zeit nur nach Büchern befragt, die sie gelesen hat und nicht nach ihren selbstgeschriebenen. Schön für mich …

  • Grüße aus der Baiz (… warum leckt sich der Hund die Eier?)

    Dies ist ein sinnloses Posting. Das schreibe ich nur, weil ich es kann. Also: Viele Grüße vom Biertisch vor der Baiz von der ganzen LSD-Truppe (außer Uli, der explizit nicht grüßen möchte). WLAN fetzt – jetzt kann ich nicht mal mehr mit Kumpels ein Bier trinken, ohne Emails zu checken ….

  • A tale of two disasters

    Henri, ein guter Freund lebt und arbeitet seit mehr als zwei Jahren in Yogyakarta, Indonesien. Als das Erdbeben vor wenigen Tagen die Region traf, war er gerade nicht dort – sondern in Dili, der Hauptstadt des gerade von Unruhen heimgesuchten Ost-Timor. Inzwischen ist er wieder daheim, sein Häuschen am Rande von Yogya steht noch, ist zur Zeit aber mit 4 Familien belegt (Voriges Jahr habe ich ihn dort besucht – es ist ziemlich hübsch und bietet einen – jetzt wohl eher beunruhigenden – Blick auf den Merapi …)

    Henri arbeitet für die indonesische NGO Insist, die sich sowohl im Erdbebengebiet als auch – soweit möglich – in Ost-Timor engagiert. Er bat um Spenden und ich habe dieser Bitte gern entsprochen. Ich hatte ohnehin vor, etwas zu spenden und habe so die Möglichkeit, aus erster Hand zu erfahren, wofür die zusammengesammelten Gelder verwendet werden. Und zwar ungeschminkt, ohne dass Probleme verschwiegen und Erfolge aufgebläht werden.

    Ich habe seine Email angehängt (ich hoffe, das ist okay, Henri!), vielleicht hat ja noch jemand ein paar Euro übrig.

    dear friends,
    my apologies for sending out mass e-mails only recently, i have not really
    had the time and space for more personal e-mails.
    
    so its been an intense two weeks or so here, first with the violence in
    east timor and now the earthquake relief effort in yogyakarta. as you
    might have guessed by now, i am approaching you for funds to support the
    victims of those two catastrophes, one man-made and the other natural.
     (mehr …)
  • Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben?

    Jobs ablehnen, wenn sie die Welt nicht verbessern – Ein Artikel von johannes-boie auf jetzt.de über einen Vortrag von „Adbuster“ Kalle Lasn auf einer Designerkonferenz in Berlin:

    Und jetzt, gleich zu Beginn der Messe, steht Kalle Lasn auf der Bühne und fordert Ungehorsam. „Wie viele Designer sind hier?“, ruft er in den Vortragssaal. Nahezu alle Hände gehen nach oben. Später wird ein Veranstalter sagen, die „kreative Elite Westeuropas“ sei im Saal gewesen. „Ihr habt die Macht, die Welt zu verändern! Ihr seid die Coolsten“, ruft Lasn den Kreativen zu. Die grinsen nur, denn das denken sie sich schon. Der gebürtige Este senkt die Stimme: „Also tragt Ihr gesellschaftliche Verantwortung!“ Den „Coolsten“ klappen die Kinnladen runter. Aber sie haben richtig gehört. Und Lasn legt gleich noch mal nach. Er fordert: „Lehnt Jobs ab, wenn sie die Welt nicht verbessern!“

    Ich weeß nich, ich weeß nich. Lasn will gegen Werbepest, Markenwahn und dusslige Corporate Identitys mit deren eigenen Mitteln kämpfen und ist schon längst wieder selbst Teil der ganzen Scheiße:

    Lasns Adbusters-Magazin liegt längst in jedem Meetingraum seiner Erzfeinde: Die finanzstarken Werbeagenturen scheren zehn Dollar pro Ausgabe wenig.

    Und in den Kommentaren fragt ein mamoffel, wo man die Schuhe mit dem Anti-Logo kaufen kann …