Blog

  • Geldberg

    Die Surfpoeten wollen Geld. Viel Geld.

    Die Kulturstiftung des Bundes hat einen Fonds für künstlerische und kulturelle Projekte eingerichtet, die sich mit dem Wandel der Arbeit auseinandersetzen und durch ein überzeugendes Vermittlungskonzept auszeichnen … Die maximale Fördersumme pro Projektantrag beträgt 150000 Euro.“ (hier kann man es nachlesen)
    Klar, dass wir als Experten zum Thema Arbeit die 150000 Euro einheimsen wollen.

    Was sie mit dem Geld machen wollen, steht unter http://www.surfpoeten.de/geldberg/

    Ich finde die Idee großartig und die dahinterstehenden Überlegungen absolut überzeugend. Liebe Surfpoeten – ich drück Euch beide Daumen und gucke schon mal bei Ebay nach billigen Schubkarren 😉

  • Apropos Weltuntergang: Ich mache mir Sorgen um die Erderwärmung

    Der niederländische Nobelpreisträger Paul Crutzen schlägt vor, die Erderwärmung zu bremsen oder zu stoppen, indem Schwefeldioxid mittels Granaten oder Höhenballons in der Stratosphäre verteilt wird. (siehe hier)

    Ist ein bisschen so, als würde man koksen, um die Wirkung einer Opiumpfeife zu lindern, aber gut – anders gehts wohl nicht, oder glaubt irgendjemand, dass das mit der Reduzierung der C02-Emission noch rechtzeitig klappt?

    Sollten Außerirdische eines Tages die Erde besuchen, wird der Erst- und Letztkontakt vermutlich darin bestehen, dass das Alien uns traurig anguckt, seufzt, und kopfschüttelnd in sein Raumschiff zurückklettert.

  • Nach der WM ist vor dem Weltuntergang

    WM vorbei. War gar nicht schlimm. Die vielen Leute von sonstwoher haben richtig Spaß gemacht. Es war auch kein Problem, dem Fußballgucken aus dem Weg zu gehen – ich habs trotzdem mal wieder ausprobiert und festgestellt, dass es mich wirklich langweilt. Fußball und Theater werden mir wohl immer fremd bleiben.

    Jetzt muss noch das nachträgliche Gelaber überstanden werden, dieses „Deutschland hat sich neu erfunden“ und „Huch! Wir können ja nett sein und feiern!“ Tina meinte neulich, wenn man das läse, könne man ja den Eindruck bekommen, die Deutschen hätten den ganzen Tag nur miesepetrig vor Tellern voller vergammelter Bratkartoffeln gehockt und vor sich hingenörgelt.
    In Rotterdam habe ich mehrmals gehört: „Wow, Volker, I didn’t know that Germans can be so funny!“ – aber man muss sich ja nicht die Vorurteile der anderen zu Eigen machen. Und was die Gastfreundschaft angeht: Touristen mit ordentlich Geld in der Tasche waren im Allgemeinen auch vor der WM in Deutschland willkommen.

    Abschließend muss ich sagen: Das schlimmste an der WM war der Grönemeyer-Song, ein peinliches Machwerk, dass auf mich irgendwie wirkt, als würde der oben erwähnte miesepetrige Bratkartoffeldeutsche mit einem eigenen Wagen am Karneval in Rio teilnehmen und mit verkniffenem Gesicht Gedichte über den Tod vortragen. Kann ich jetzt nicht besser erklären. Ich hoffe bloß, dass ich es bald los werde – seit ein paar Tagen hat es sich ganz fies in meinem Ohr festgesetzt.

  • Ich mache mir Sorgen um: Die Frau vom Aldi-Parkplatz

    Eigentlich bin ich ja dieses Wochnende im Urlaub, aber ich habe gerade Zeit und Lust, was zu schreiben, außerdem ist mir vorhin beim Dämmern auf der Rückbank eines Autos eine kleine Geschichte wieder eingefallen.

    Eines Tages nämlich begab es sich, dass, auf einer Wanderung durch die Prenzlauer Berge, des Wanderers Blase gar schrecklich drückte … (Entschuldigung. Von jetzt ab normal weiter!) … Also, ich musste mal. Es war dunkel, und da war dieser große graue Aldi-Parkplatz an der Brücke an der Schwedter Straße. Und dort habe ich in das Gebüsch an der Brandmauer gepinkelt. Ich bin nicht stolz auf diese Tat, nein, nein; ich finde, Menschen sollten Toiletten benutzen. Wenn aber gerade keine da ist, muss eine Ausnahme gestattet sein.

    Eine junge Frau, die gerade vom Parkplatz runterkam, als ich ihn betrat, sah das anders. Offensichtlich hatte sie mich beobachtet und war wieder zurückgekommen, um mich von hinten anzusprechen: „Muss das sein? Das ist doch eklig. Da wohnen Leute!“ Sie zeigte auf den einige Meter rechts von mir hinter einer zwei Meter hohen Mauer liegenden Hinterhof der Kopenhagener Straße.

    Ich starrte erst sie und dann etwas ungläubig ihren großen Hund an. „Häh? Du gehst grad mit deinem Hund Gassi!“

    „Ja, aber ich hab ja Tüten mit.“

    Schade, dass mir eine passende Antwort erst hinterher einfiel. So habe ich sie einfach nicht weiter beachtet, anstatt zu sagen: „Ich auch. Und falls ich dir nachher vor die Haustür kacken sollte, mach ich das Häufchen auch ganz brav weg.“

  • Die größten 10 Prozent der Menschheit gewinnen 90 Prozent aller Basketballspiele!

    Spider hat mich auf einen ganz heißen Kanddidaten für die Rubrik Bullshit hingewiesen. Letzten Donnerstag hat er sich mal eine Plenarsitzung im Bundestag angeguckt (Protokoll hier). Dort hatte sich der CDU/CSU-Abgeordnete Hans Michelbach über die Steuergerechtigkeit in Deutschland geäußert:

    Die 10 Prozent, die die höchsten Steuern zahlen, erbringen in unserem Land über 50 Prozent des Steueraufkommens. […] So tragen heute die unteren 50 Prozent der Steuerzahler unter 10 Prozent der Steuerbelastung. Das ist die Wahrheit über die Steuergerechtigkeit in Deutschland.
    Der Neidfaktor, den Sie immer wieder in die Debatte einführen, schadet unserem Land, weil er die Menschen in die falsche Richtung führt. Das ist die Situation.
    Zur Neiddemagogie von Herrn Gysi, weiteren Linken und anderen, die hier dazu gesprochen haben, kann ich nur ein altes Sprichwort anführen: Neid ist genauso alt wie Unfähigkeit.

    Schlimm, schlimm, das. Die armen Reichen! Die neidischen Amen!
    Hab mal kurz gegoogelt:

    Die reichsten 10 Prozent der deutschen Haushalte verfügten 1999 über 50,4 %. des gesamten Geldvermögens. Die ärmsten 25 Prozent der deutschen Haushalte verfügen über ein „negatives Vermögen“, d.h. sie haben Schulden.

    (Quelle: Bundeskongress 2005 „Sozialarbeit im Gesundheitswesen“)

    Fairerweise muss ich dazuschreiben, dass Michelbach nicht direkt behauptet hat, dass die 50% Steuerlast für die oberen 10% der Steuerzahler ungerecht sind (obwohl CDU/CSU natürlich an einer Verringerung dieser „Last“ arbeiten). Und zu den Ärmsten 25% – denen mit negativem Vermögen – zählen möglicherweise auch gutverdienende Häuslebauer, die einen Kredit abzahlen. Naja, mit solchen Statistiken kann man – von jeder Seite aus – wahrscheinlich noch viel mehr Unfug betreiben, als mit den unten erwähnten Fußballstatistiken.

  • Kollateralschäden

    Die Fußballspiele der WM interessieren mich zwar nicht sonderlich, aber das Drumherum macht Spaß. Das Expertengesabbel zum Beispiel. Ich glaube, auf jede Minute Spielzeit kommen 30 Minuten Gelaber. Am besten gefallen mir dabei die komischen Statistiken nach dem Muster: Bis jetzt hat Deutschland noch nie in Dortmund verloren / Bei Spielen dieser oder jener beiden Mannschaften ist bisher noch nie ein Tor in der Verlängerung gefallen / Portugal hat bis jetzt noch niemals ein gewonnenes Spiel verloren / Noch nie ist Deutschland von einer Mannschaft besiegt worden, die im linken Mittelfeld (gibt’s sowas?) einen Rechtsträger aufgestellt hat / Bisher hat Deutschland alle WM-Halbfinalspiele, die zeitgleich mit LSD stattfanden, verloren.

    Man kann Letzteres leider auch so sagen: Noch nie hat LSD stattgefunden, wenn zeitgleich die Deutsche Nationalmannschaft ein WM-Halbfinale verloren hat. Ja, gestern, am 10. Geburtstag, ist LSD das erste Mal aufgrund Zuschauermangels ausgefallen. Da kann nicht mal der 11.9.2001 mithalten, obwohl wir an dem Abend fast damit gerechnete hatten. Es wäre zynisch und geschmacklos, zu behaupten, dass damit Fußball als die größere Katastrohe überführt ist, und darum schreibe ich, dass es zynisch und geschmacklos wäre, dies zu behaupten und wasche meine Hände in Geschmack und Unzynismus.

  • Flagge zeigen – souverän und patriotisch trauern!

    Nebenstehendes Bild zeigt, wie man mit einfachen Hilfsmitteln die Deutschlandfahnen an Autos/Balkonen/Fahrrädern der aktuellen Lage anpassen kann. Einfach an den gestrichelten Linien entlang schneiden. Für die Fähnchen auf Wangen und Schultern ist dieses Verfahren nicht zu empfehlen. deutschlandfahne.jpg
  • Gestern im Biergarten – heute im Zosch

    Seit anderthalb Jahren eine schöne Tradition: Die LSD-Quartalsweihnachtsfeier. Alle drei Monate treffen wir uns, und hauen unsere Kasse auf den Kopp. Gestern hat Uli uns alle nach Neukölln in den Biergarten „Alte Welt“ gelockt. Sehr nett und empfehlenswert, nur etwas staubig. Wenn schon mal Besuch aus dem Osten kommt, hätten sie in Westberlin ruhig mal staubwischen können! Egal!

    Von der Öffentlichkeit (und beinahe auch von uns) weitgehend unbemerkt, gab es Null Uhr einen echten Grund zum Anstoßen (nicht, dass wir einen Grund bräuchten …): Heute vor 10 Jahren, am 4.7.1996, fand unsere erste Lesung statt. Damals noch an einem Donnerstag in einem doofen Café namens „Nova“ unter dem Titel „Supernova“. Von der jetzigen Besetzung waren nur Tube, Spider und ich dabei. Zwei Monate später sind wir ins Zosch und auf den Dienstag umgezogen, haben die Veranstaltung in „Keller Buntes“ umbenannt und uns seitdem nicht mehr aus dem Keller vertreiben lassen. Nur Weihnachten 1996 mussten wir die Lesung ausfallen lasen, weil das Zosch für diesen Tag schon ein Konzert angesetzt hatte.

    Vielleicht wird ja der heuige Jubiläumstag der zweite Ausfalltermin? Das Wetter und das Halbfinale sind schon echte Konkurrenz für eine Kellerlesung! Gestern haben wir den halben Abend darüber getritten und spekuliert, wie es wohl heute werden mag und sind zu dem Ergebnis gekommen: Mal abwarten. Wenn niemand kommt, gehen Tube und Ivo auch Fußballgucken und Spider und ich bewachen unsere Freigetränke 😉
    Eine Geburtstagsfeier ist für heute sowieso nicht geplant – die heben wir uns für den Herbst auf. Da erscheint unser Buch mit CD bei Voland und Quist und wir veranstalten eine große Geburtstags- und Buchreleaseparty.

  • Gestern im Biergarten

    toilette.jpg
    Nein, nein, nein! Ich werde nicht darüber nachdenken, was wohl Toilettenbenutzung MIT Verzehr sein mag, und ich will auch nicht wissen, wie teuer das ist!

  • Verrückte Welt: Kaffee teurer als LSD!

    Der Kaffee in den Zugkneipen der Deutschen Bahn ist teurer geworden. Nur um 10 Cent, aber eigentlich fand ich den bisherigen Preis von 2,60 Euro schon ziemlich gewagt. Immerhin war er damit teurer als eine zweistündige Lesung im Zosch. Und ich finde: Meistens ist LSD besser als die Bahnplörre.

    Die Berliner Lesebühnen sind so ziemlich das Einzige, was noch immer soviel kostet wie vor 5 Jahren. Die letzte Preisänderung bei LSD gab es mit Einführung des Euro – von 5 DM auf 2,50 Euro, also 4,88 DM oder so.

    Hin und wieder diskutieren wir über Preiserhöhungen. Bis jetzt war ich immer dagegen. Man muss ja nicht jeden Scheiß mitmachen.

    Das Hauptargument für höheren Eintritt ist gar nicht der zu erwartende Gewinn, sondern die Überlegung, dass das, was wir machen, unseren Besuchern doch mehr wert sein sollte, als eine Tasse Kaffee oder ein Glas Wein – aber ich denke, das ist es ihnen. Wir müssen sie nicht unbedingt zwingen, das an der Kasse zu beweisen.

    Trotzdem: Eines Tages wird der Preis raufgehen. Bei LSD werden wir sicher auf den Lesebühnenstandardpreis von 3 Euro erhöhen. Bei der Chaussee der Enthusiasten wird eventuell schon in ein oder zwei Monaten jeweils der erste Donnerstag im Monat 3,50 Euro kosten. Dafür wird an dem Tag aber viel geboten: Die Improtheatergruppe „Die Bö“ wird ein monatliches musikalisches Gastspiel im Rahmen der Lesung absolvieren und wir konzentrieren unsere Diskoambitionen auf diesen Tag, um einmal im Monat eine richtig gute Aftershowparty zu machen, anstatt wöchentlich etwas demotiviert rumzustümpern. Außerdem bleibt der erste Donnerstag natürlich weiterhin rauchfrei (zumindest bis zum Ende der Lesung).