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  • Nach Halt ich sehnt mich in der Welt

    Ein Schnipseltext zum Thema Nachhaltigkeit.

    1.

    Dieser Text ist nicht nachhaltig. Für seine Herstellung wurden 130 Gramm Papier aus 217 Gramm finnischer Lärche, deren Wachstum 4 Monate dauerte, wobei 21 Gramm Kohlendioxid gebunden wurden, denen 467 Gramm Kohlendioxid und 2,98 Liter Wasser, die während ihrer Verarbeitung freigesetzt bzw. verschmutzt wurden, gegenüberstehen, verwendet. 57 Kaffeebohnen mussten angepflanzt, mit 7 Gramm chemischem Dünger aus 16 Gramm hochgiftigen Ausgangsmaterialien gedüngt, mit 24 Litern Wasser gegossen, schließlich geerntet, getrocknet, geröstet, gemahlen, vakuumverpackt, nach Deutschland verschifft, und per LKW zum Supermarkt gefahren, verkauft, mit 6 Litern Wasser, das unter Einsatz von 0,9 Kilowattstunden Energie aus gemischten Quellen auf 100 Grad Celsius erhitzt wurde, aufgebrüht und getrunken werden, um den kreativen Prozess in Gang zu setzen, in dessen Verlauf das Gehirn des Autors insgesamt 2400 Kilokalorien verbrannte, die er durch den Verzehr eines großen XXL-Schnitzels vom Schwein, dessen Aufzucht und Zubereitung 12.000 Kilowattstunden Atomstrom verbrauchte, 72 Kilogramm CO2 freisetzte, 1256 Liter Wasser verschmutzte und das am Ende nicht einmal schmeckte, zu sich genommen hatte. Die Recherche der eben genannten Fakten verschlang 0,0007 Sekunden Rechenzeit und 0,02 Kilowattstunden Strom auf den Serverfarmen von Google, sowie 1 Stund Rechenzeit und 0,8 Kilowattstunden Strom auf meinem heimischen Rechner, bevor ich beschloss, dass Recherchieren bleiben zu lassen und mir sämtliche Zahlen einfach selbst auszudenken in der berechtigten Annahme, dass Sie, werte Leser, das alles ohnehin sofort wieder vergessen werden – oder könnten sie noch ohne nachzuschauen sagen, wieviel Gramm welchen Baums angeblich in diesem Text stecken?)

    2.

    Ob ein Text nachhaltig ist, verrät nicht seine Energiebilanz, sondern ob etwas von ihm in den Zuhörern nachhallt.

    3.

    Vergessen Sie alles, was sie eben gelesen haben. Ein Text, der sich um das Siegel für nachhaltiges Schreiben bewirbt, sollte zu einem möglichst großen Anteil aus Altideen, Second-hand- und second-brain-Gedanken, recycleten Pointen und gebrauchten Argumenten bestehen. Daher bin ich froh, in Punkt 6 einen Vorschalg zu präsentieren, den ich hier an dieser Stelle bereits vor 2 Jahren machte, was einer Recyclingquote von Prozent (auf die Wortanzahl bezogen sogar 40 Prozent) entspricht.

    4.

    Sanfter und nachhaltiger Tourismus gilt als besserer Tourismus als Massentourismus. Besser für die Umwelt, besser für die Reisenden, besser für die einheimischen Arbeiter in der Tourismusindustrie. Doch diese Aussage ist ungefähr so sinnvoll wie die Aussage, ein Regentropfen sei besser als eine vierzigtägige biblische Sinflut, denn die Sinflut bestand auch nur aus harmlosen Regentropfen und ein sanfter Tourismus, der zum Massentourismus wird, hört auf auf sanft zu sein, selbst wenn es nur um einen Ausflug an den Liebnitzsee geht. Sanfter Tourismus ist in aller erster Linie weniger Tourismus. Und eine Abkehr vom Massentourismus heißt vor allem: Dass die Masse nicht mehr Tourist sein kann. Aber die Masse hat sich sowieso immer nur mit Sangria besoffen und sich nicht für Land und Leute interessiert, die Masse soll mal schön zuhause bleiben und Doku-Soaps über Familien im Brennpunkt gucken!

    5.

    Die Zerstörung der letzten schönen, unberührten Flecken der Erde schreitet in atemberaubenden Tempo voran. Urwälder werden zu Palmölplantagen, Dünen zu Betonburgen, Wiesen zu Parkplätzen, Bauern zu Hotelangestellten, Gletscher zu Wasser, die letzten Exemplare mancher Fischart zu Fischstäbchen. Was kann der Einzelne in dieser Situation tun? Es verhindern? Unmöglich, das ist zuviel verlangt von einem Einzelnen. Die Antwort lautet: Verreisen! Ab in den Urlaub, solange es noch geht! Verreisen sie billig, dann könne Sie öfter verreisen! Machen Sie dass letzte Foto von den letzten ihrer Art und drehen sie das letzte Video vom letzten Fleckchen Regenwald, damit sie ihren Enkeln einst die Bilder zeigen können! Verwenden Sie dafür nur bestes Equipment. Wenn alle Wunder der Natur in ausreichendem Maße in HD und 3D abgefilmt sind, dann brauchen wir sie im Grunde genommen nicht mehr! Seien sie doch einmal ehrlich: Was nutzt Ihnen persönlich irgendein Korallenriff in der Südsee? Würden Sie freilebende Gorillas wirklich vermissen? Haben Sie nicht viel mehr von all den schönen Palmölprodukten als vom Urwald auf Sumatra? Und was haben die Eisbären und Wale eigentlich jemals für uns getan?

    6.

    Was den Wal angeht, muss ich mich revidieren und entschuldigen. Im Februar 2012 strandete vor der belgischen Küste der Wal Teofiel, dessen Kadaver zu 50 Prozent von einem kleinen innovativen Unternehmen zu Biodiesel verarbeitet wurde. Hier drängt sich natürlich sofort der Gedanke auf, dass Wale zukünftig einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten könnten. Allein der aus diesem Tier gewonnene Brennstoff liefert 50.000 Kilowattstunden Strom, genug Strom, um 14 Haushalte ein Jahr damit zu versorgen oder eine halbe Million Liter Kaffee aufzubrühen. Beim Wal handelt es sich also um einen nachwachsenden Rohstoff von großem ökonomischen und ökologischen Potential.

    Die Umwandlung von Walen, diesen ebenso liebenswerten wie energiereichen Meeressäugern in Biodiesel stellt daher eine zeitgemäße Art dar, unseren flossenbewährten Freunden einen angemessenen Platz im nachhaltigen Energiemix der Zukunft zuzuweisen. Für ein Land wie Deutschland würde schon die vergleichsweise kleine Zahl von 1,2 Millionen Pott- oder 0,7 Millionen Blauwalen ausreicht, um sage und schreibe 6,3 Prozent des Gesamtenergiebearfs zu decken.

    Alternativ ließe sich dieselbe Menge auch durch Verdieselung des dicksten Viertels der US-amerikanischen Bevölkerung erzielen, allerdings gilt diese Bevölkerungsgruppe in Amerika als strategische Energiereserve für den Fall eines arabischen Ölembargos. Die Ausfuhr stark übergewichtiger Amerikaner, auch ins befreundete Ausland unterliegt daher strengen Beschränkungen.

    Darüberhinaus könnte die Walzucht in küstennahen Walfarmen dem Tourismus neue Impulse geben. Insbesondere Massenschlachtungen in kleinen Buchten wären ein Besuchermagnet, der viel Geld in chronisch unterentwickelte Regionen bringen würde.

    Selbstverständlich sind vorher noch einige Vorbehalte seitens von falsch verstandener Tierliebe geleiteter sogenannter „Walschützer“ auszuräumen.

    Der Wal selbst steht vor einer historischen Entscheidung: Will er wie bisher fröhlich und gedankenlos in den Tag hineinleben, seine ulkigen Lieder pfeifen und auf das Aussterben warten? Oder ist er endlich bereit, Verantwortung für sich und den ganzen Planeten zu übernehmen und sich Seite an Seite mit seinem besten Freund, dem Menschen, dem Klimawandel und der Abhängigkeit von arabischem Öl und russischem Gas entgegenzustellen?

    Eine bessere Welt ist möglich. Wir haben die Wahl. Denn wir haben den Wal!

    7. Nachhaltiges Liebesgedicht

    Nach Halt ich sehnt mich in der Welt
    nach Antworten und Trost für mich
    Ich fand sie nicht in Ruhm und Geld
    hab lang die Frage falsch gestellt
    doch dann trat aus dem dunklen Wald ich
    und fand auf der Such nach Halt – Dich

  • Der Mann mit dem Trapez vor’m Kopf

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    Mein erster Buchpreis! „Das Mädchen  mit dem Rohrt im Ohr und der Junge mit dem Löffel im Hals“ ist auf der Leipziger Buchmesse als „ungewöhnlichster Buchtitel 2013“ ausgezeichnet worden! Vielen Dank an alle, die für mein Buch abgestimmt haben – und überhaupt an alle, die bei dieser schönen Aktion mitgemacht haben – gestern konnte bekanntgegeben werden, dass das Online-Voting für den ungewöhnlichsten Buchtitel mehr Teilnehmer hatte, als die Online-Abstimmung über den „richtigen“ Buchpreis, hey, ho 🙂

    Vielen Dank natürlich auch an die Jury, die sich der Onlineabstimmung offensichtlich anschließen konnte und vor allem an Was liest Du, das Literaturmagazin und die Literaturcommunity, die diesen schönen Preis ins Leben gerufen haben. ich bin der erste Preisträger und ich hoffe, dass ich der erste in einer langen Reihe bin und eine schöne Tradition daraus wird. Ich war ja auch schonmal erster Stadtschreiber von Bayreuth und danach gab es keinen weiteren …

    Vielen Dank auch an Luzie, die für das Bild dort oben den schönen Titel: „Das Mädchen mit dem Rohr im Ohr, der Junge mit dem Löffel im Hals und der Mann mit dem Trapez vor’m Kopf“ erfunden hat. Vielleicht nenne ich so den Nachfolgeband und bewerb mich übernächstes Jahr nochmal um den Preis 🙂

    Weil er so schön ist, hier nochmal in der Morgensonne mit Blumenzeugs auf dem Balkon:

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  • Bilder der Woche 09/14 – Skandinavia-Pizza-Döner, das Selfie der Woche und vögelnde Vögel

    Es tut mir irrsinnig leid, dass ihr solange auf den Wochenrückblick warten musstet, ehrlich. Ich lad euch dafür alle auf einen Cappucino ein. Ihr müsst nur das folgende Foto auf euer Fotohandy oder euren Fotoapparat packen und im Rot-Main-Center in Bayreuth vorzeigen, und ihr bekommt ihn gratis! Gern geschehen!

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    (Schweinfurt Hbf)

    Für alle, die es nicht nach Bayreuth schaffen, als kleiner Trost ein bisschen Cat- (und Volker-)Content:

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    Letzten Dienstag beehrte uns die Schokoladenhauskatze nach unserer Lesebühne LSD auf der Bühne, ließ sich geduldig streicheln und in die Kamera halten, bis es schließlich etwas viel Interessanteres als ein paar Wein trinkende Autoren gab:  (mehr …)

  • Ungewöhnlichster Buchtitel des Jahres 2013

    Bis Sonntag kann man noch über die Shortlist zum „Ungewöhnlichsten Buchtitel“ abstimmen. Mit dabei ist „Das Mädchen mit dem Rohr im Ohr und der Junge mit dem Löffel im Hals“ – meine erste Chance auf einen anständigen Literaturpreis (und nicht irgendwelchen Science-Fiction- oder Slam-Quatsch 😉

    Mit dabei sind auch noch ein paar Leute, die ich kenne und mag und denen ich es fast (aber nur fast) genauso wünschen würde wie mir:

    – Patrick Salmen und Quichotte mit ihrem Hirnwindungsverknoter „Du kannst alles schaffen, wovon du träumst. Es sei denn, es ist zu schwierig.“
    – Julius Fischer mit seinen skandalumwitterten, gerichtsbedrohten „schönsten Wanderwegen der Wanderhure“
    – Christian Ritters regenbogenpresseapprovedten Jauch-Schocker „Die sanfte Entführung des Potsdamer Strumpfträgers“

    Hier geht es zur Abstimmung (Achtung, es ist eine kurze Registrierung nötig!)

    (Volker Strübing)

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    (Dieses Bild ist hier nur, damit hier ein Bild ist.)

  • Bilder der Woche 08/14 – Goethe, das Wrasenschwein, der Mann am Klavier und ich

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    Vom Eise befreit sind Strom und Bäche (nicht, dass sie in diesem Winter in dieser Hinsicht besondere Unfreiheit hätten erdulden müssen, aber es geht mir hier um den Effekt und natürlich auch ein bisschen um literarische Großmeierei, wenn ich eins der bekanntesten Werke Goethes für meine Wochenrückblickszwecke einspanne, und apropos Goethe:  Ich bin Dichter, siehe unten), von Schlosse befreit der Esel aus Draht. Durch des Frühlings holden belebenden Blick die einen, durch eine kreischende, Funken spuckende Flex das andere. So doof muss man erst mal sein: (mehr …)

  • Bilder der Woche 07/14 – Die Ente Winnetou

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    Letzten Mittwoch fand zum zweiten Mal Vor der Pause, nach der Pause statt, die neue und supere Show von Spider und mir, die diesmal leider nicht ganz so super war, wofür aber unser Supergaststar Gotti ebensowenig etwas konnte wie Spider. Aber egal. Das Publikum hatte wohl etwas geahnt und war darum in großer Zahl daheimgeblieben. Eine alte Bühnenregel besagt: Die zweite Veranstaltung jeder neuen regelmäßigen Reihe wird unschön. (So war das zum beispiel auch bei LSD.) Nächstes Mal, am 12.3., kann man also unbesorgt kommen.

    Ich war trotzdem recht froh, weil ich es tatsächlich geschafft habe, den neuen Kloß und Spinne Film fertigzubekommen und uraufzuführen – während der Berlinale, hey! Es handelte sich dennoch um eine Betaversion. Der Vorspann und ein Effekt fehlen noch. Ich hoffe, das schaffe ich diese Woche und dann landet er natürlich bei youtube und auf dem Schnipselfriedhof.

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    Tja. Schneeglöckchen halt.

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    Noch mehr Schneeglöckchen. Aber was zum Teufel hat Sanddorn an der Stillinge in Dessau zu suchen?! Boten des Klimawandels? Weiß der Sanddorn mehr als wir? Ahnter,  dass Sachsen-Ahnalt in wenigen Jahren Küstengebiet sein wird und sucht sich schon mal ein paar schöne Plätzchen?

    Ich finde ja eigentlich, dass die Ostseeküste gut da oben im Norden aufgehoben ist. Es wäre ein bisschen schade um Berlin und sehr schade um die Elb-Auen, wenn sie bis Dessau vorrücken würde. Die Elbauen bei Dessau und Rosslau samt dem Gartenreich Dessau-Wörlitz gehören zu meinen allerliebsten Weltlieblingslandschaften.

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    Das liegt zum Teil sicher daran, dass ich aufgrund meiner Vergangenheit ein bisschen prädisponiert bin:

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    Das ist nicht die Elbe, sondern die Mulde. In der Mulde liegt ein Radio. Das erinnerte erinnerte mich an eine Diskussion über die Todesstrafe, am Abend bevor ich dieses Foto schoss. Ich hatte vehement und wohl auch ein bisschen laut und betrunken gegen sie argumentiert, musste aber schon am nächsten Morgen zurückrudern: Für Frühstücksradiomoderatoren gilt diese Ablehnung nicht.

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    Der Schwan guckt sauer, weil er bemerkt hat, dass ich nicht auf ihn, sondern auf die irgendwie indianermäßig aussehende Ente links oben scharf gestellt habe. In Dessau ist was los! Sanddorn an der Stillinge, Indianerenten im Schillerteich!

    Lieblingsbild der Woche:

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    Das Bild hat mein Neffe Toni mir gemalt. Zu erkennen sind ich und zwei Roboter, desweiteren ein McDonalds und Bisonspuren. Die Tütchen auf dem Foto haben auch eine Geschichte, aber die geht euch überhaupt nichts an!

    Zugabe:

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  • Die Wahrheit über die Schweiz (und die EU)

    Die Schweizerinnen und Schweizer wollen keine Zuwanderung aus der EU. Und alle finden das schlimm. Dabei gibt es in Deutschland viele, die das selbe wollen, keine Zuwanderung, aus EU-Staaten. Oder sogar von noch weiter her. Es kommt hier bloß niemand auf die Idee, das Volk darüber abstimmen zu lassen.

    Was an dieser Haltung „Bloß nix rein lassen“ am meisten verblüfft, ist, dass genau die selben Menschen dann aber Familien stärken und Nachwuchs fördern wollen. Meist sind es Konservative oder Rechte und die wollen einerseits große Familien mit vielen Kindern, andererseits dichte Grenzen.

    Nun haben diese aber eines nicht bedacht: Fortpflanzung ist auch eine Art der Zuwanderung! Wie zum Teufel kann man einem Politiker, einer Partei oder einer Ideologie darin vertrauen, dass die sich schon gut um „unsere“ Kinder kümmern wird, wenn die andererseits kein Hehl daraus machen, dass ihnen jeder (neue) Bewohner des Landes eigentlich einer zu viel ist?

    Die DDR war da logischer. Die förderte das Kinderkriegen und versuchte mit allen Mitteln die Abwanderung aufzuhalten. Nicht, dass das gut war, aber es war wenigstens konsistent. Sie wollten eine große Bevölkerung und taten alles dafür.

    Ich bin damals ja auch quasi durch Niederkunft einer Verwandten ersten Grades in die DDR eingewandert. Durch einen Fluchttunnel im Becker meiner Mutter, unter Beteiligung einer Fluchthelferin aus dem Mutterschoß ins Vaterland gelangt. Hätte sich damals jemand dagegen aufgelehnt, ich muss sagen, ich wäre ihm heute rückblickend dankbar. Eine Geburt in – sagen wir mal – in der Schweiz wäre viel passender gewesen. Schon allein wegen der Schokolade.

    Ich weiß wovon ich rede, ich war ja schon mal in der Schweiz. Wer weiß, ob meine Kinder das jemals von sich werden sagen können, oder ob die Schweiz bald so abgeriegelt sein wird, wie Albanien unter Enver Hodxa. Oder Kambodscha unter Pol Pot. Die Koreanische Demokratische Volksrepublik unter Kim Il Sung.

    Ich war schon mal da. In der Schweiz. Und ich kann euch erzählen! Also diese Schokolade. Die Schweizer essen Schokolade schon zum Frühstück. Und zum zweiten Frühstück. Und zum dritten Frühstück. Zum Mittagessen. Und zum zweiten Mittagessen. Zum Kaffee am Nachmittag. Und zu den vier Abendbroten. Die Schweizerinnen stillen mit brauner Muttermilch. Mit Mutterkakao. Kein Wunder, dass die Schweizer keine Mahlzeit verpassen wollen. Das hat schon vor Jahrhunderten zu einer Blüte der Uhrmacherkunst geführt, die bis heute nicht welkt. Uhren, dafür ist die Schweiz berühmt, Uhren Schokolade und Käse. Käse ist im Prinzip gelbe Schokolade.

    Die Schweiz ist übrigens sehr teuer. Wenn ich sage, ich habe dort mein ganzes Geld für Schokolade ausgegeben, dann heißt das nicht viel. Die Schweizer selber haben wahnsinnig viel Geld. Weil nämlich Ausländerinnen, zum Beispiel aus Deutschland, ihr Geld in der Schweiz verstecken. Zum Beispiel Alice Schwarzer. Bei der klingt der Steuerbetrug ja schon irgendwie durch den Nachnamen durch. Die findigen Schweizer jedenfalls finden natürlich das versteckte Geld. Sie nehmen und behalten es. Und darum sind sie so reich. Natürlich möchten die eigentlichen Besitzer das Geld irgendwann mal zurückholen. Dann taucht unerwartet eine CD auf, mit Bankdaten, die eigentlichen Besitzer des Schweizer Geldes werden verhaftet und in Deutschland wegen Steuerhinterziehung eingekerkert. Die Schweizer lachen sich ins Fäustchen.

    Und wenn das nicht hilft, machen sie eben die Grenzen dicht.

    Sagen wir es doch, wie es ist: Die Schweiz behandelt EU-Bürger so, wie die EU Afrikaner!

    Natürlich versuchen trotzdem viele Europäer alles, um in die Schweiz zu gelangen. Fast täglich kentern Boote, die eigentlich gar nicht für eine so eine weite und gefährliche Fahrt gemacht sind, völlig mit verzweifelten EU-Bürgern überladen auf dem Bodensee. Die Unglücklichen, von denen die wenigsten das Schweizer Ufer trocken erreichen und von denen dann die meisten wieder zurück geschickt werden, haben vorher ihr gesamtes Vermögen an Schlepperbanden bezahlt. Sie haben wochen-, teilweise monatelang in riesigen illegalen Camps im Schwarzwald auf einen Platz in einem Boot oder wenigstens einen Stehplatz auf einer Luftmatratze gewartet. Viele haben sogar nur Schwimmflügel.

    Die wenigen, die es schaffen, die durchkommen, die müssen ohne gültige Papiere zu Niedriglöhnen auf den Almen schuften. Ständig bedroht von Verhaftung und Abschiebung. Und doch: Regelmäßig schaffen diese Menschen es trotz allem, mit der Post Schokolade in ihre Heimatdörfer zu schicken. Das gibt dort immer ein großes Hallo, wenn ein Paket ankommt. Das wiederum kennen einige sicher noch aus der DDR.

    Ich sag mal: Dafür bin ich ’89 nicht auf die Straße gegangen!

    (Andreas Krenzke)

  • Bilder der Woche 06/14 – Trümmerfrauen, tote Dichter und ein schreiender Ventilator

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    Ich weiß nicht so recht, wie ich mit Fotos umgehen soll, auf denen Leute zu sehen sind. Es sei denn es sind Leute, die ohnehin im Rampenlicht stehen, aber sogar da tue ich mich schwer. Es ist gar nicht so die Angst, etwas Verbotenes zu tun – ich finde es auch einfach unhöflich, Fotos von Leuten zu posten ohne deren Einverständnis. Hab mich hier für die Google-Street-View-Variante entschieden.

    Ich saß mit MichaEbeling im Manolo; wir redeten über Tem-Texte, da wir unser Slam-Team Team LSD (mit dem wir zweimal die deutschsprachigen Meisterschaften gewonnen haben, hey, ho!) wiederbeleben. Gedämpftes Gemurmel, leises Apple-Tatastaturgeklapper und das Klingeln von Löffeln in Latte-Macchiato-Gläsern legte sich über eine Tapete aus bassbefreiter Loungemusik, nur das Fauchen des Milchaufschäumers störte gelegentlich die gemütliche Penzlauer-Berg-Harmonie. Die Frauen waren hübsch, die Männer waren hübsch, und wer nicht hübsch war, der sah zumindest  so aus. (Das ist nur scheinbar ein blödsinniger Satz.) (mehr …)

  • Im Zweifel

    Mein Freund und Kollege Misha Anouk hat kürzlich ein Blogprojekt mit dem Titel indub.io gestartet:

    Jeder Zweifel ist ein Anfang. Herzlich willkommen auf indub.io – ein Blog rund um die Themen Atheismus, Wissenschaft, Post-Religion, Kultur, Gesellschaft, Feminismus, Aufklärung, mit einem Schwerpunkt auf den Zeugen Jehovas.

    Hallo, mein Name ist Misha Anouk und ich schreibe hier. Dieses Blog entstand aus meinem Projekt Ich bin geistig krank, in dem ich mein Leben und meinen Ausstieg bei den Zeugen Jehovas thematisierte. Indub.io ist die Evolution dieses Projekts: Schwerpunkt bleiben weiterhin die Zeugen Jehovas, ich schreibe allerdings ebenso Artikel über obengenannte Themen.

    Da mich die Themen Religion, Glauben/Nichtglauben, Gott und/oder Wissenschaft und alles was damit zusammenhängt sehr interessieren, habe ich gern zugesagt, als er mich um ein Interview zu diesen Themen bat. Es soll der Auftakt sein zu einer ganzen Interviewreihe unter dem Titel „Was glaubst Du?“ sein. Ich bin gespannt auf die nächsten Interviews, wenn Misha auch Menschenn ffragen wird, die dazu ganz andere Meinungen als ich haben.
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    (Das ist jetzt ein bisschen weithergeholt, so rein symbolbildmäßig. Aber: Ich glaube nicht an Gott, aber an Gotti (den typen links) und an Gottis Allgegenwärtigkeit. Vorgestern bin ich ihm zum Beispiel überraschend auf der Toilette des Zentrums Bayreuth begegnet, weil er dort im April mit der Action Lesung „Tiere streicheln Menschen“ einen Auftritt hat, vorher aber – und jetzt wird  es wirklich verrückt und ist ohne Einmischung höherer Mächte eigentlich nicht mehr erklärbar – vorher, nämlich am Mittwoch, dem 12.2.2014 wird er zusammen mit den beiden Betreibern dieses Weblogs, also Spider und mir, bei unserer neuen Show „Vor der Pause, nach der Pause“ im Comedyklub Kookaburra in der Schönhauser Allee auftreten, bei deren wunderbarer Premiere im Januar uns wiederum sein Streichelkollege Sven van Thom (rechts) beehrte!)