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  • Minus 808

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    (Toll, zwei Sachen auf einmal machen: Zum Auftritt fahren und gleichzeitig die Todo-Liste abarbeiten. Ist eigentlich mal jemandem aufgefallen, dass in „Todo-Liste“ das Wort „Tod“ enthalten ist? Aus diesem Anlass sei hier noch einmal auf den letzten Kloß-und-Spinne-Film hingewiesen. Premiere des nächsten Kloß-und-Spinne-Films ist übrigens am 8.1., aber dazu ein andermal …)

    Wenn man etwas bei Facebook ankündigt, dann muss man es auch tun. Schließlich lesen nicht nur (je nach Privatspäreeinstellungen) bis zu 1 Milliarde Menschen mit, sondern auch die NSA und die Führer der freien Welt. Und da ich Obama nicht so enttäuschen möchte wie er mich enttäuscht hat (insgeheim hoffe ich, ihn dermaßen zu beschämen und so endlich doch noch zur Schließung von Guantanamo zu veranlassen), habe ich am 17.11. wie versprochen mit Rauchen aufgehört.
    Meine Lieblingsapp seither heißt schlicht und einfach „Nichtraucher“:

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    (Inzwischen sind es schon 808 Zigaretten, die ich seit dem 17.11. nicht geraucht habe. Wobei das natürlich Quatsch ist: Ich habe eigentlich viel mehr Zigaretten nicht geraucht; sogar als Raucher hätte ich Milliarden von Zigaretten nicht geraucht, weil sie zum Beispiel jemand anders geraucht hat.)

    Ein herzlichen Dank an Lars für den Hinweis auf eine Bluemoonsendung von … irgendwann, schon lange her, anno Tobak sozusagen, 2006 oder so, in der ein Mensch im fritz-Studio zu Gast war, der Nichtraucherseminare gibt. Die dreistündige Sendung ist eine geraffte Fassung dieses Seminars. Da gab es zwar nicht viel Neues für mich zu erfahren, aber es hat dennoch gutgetan und geholfen, mir das vor der letzten Zigarette noch einmal anzuhören.
    Keine Ahnung, ob ich die hier verlinken darf, auf alle Fälle sollte man sie finden, wenn man nach Blue moon und „nichtraucher in drei stunden“ sucht.

    Der erste rauchfreie Monat ging gut über die Bühne (auch hinter der Bühne). Eigentlich war es sogar eine super Zeit, weil es alle paar Tage eine neue Premiere gab: Der erste Kaffee ohne Zigarette. Das erste Bier ohne Zigarette. Der erste Auftritt ohne davor und danach zu rauchen. Das erste Mal in einem Raucherbackstage mit rauchenden Kollegen ohne selbst zu rauchen. Die erste Geschichte seit Jahren, die ich schrieb, ohne zwischendurch zu rauchen und so weiter und so fort.
    Bei Auftritten nicht mehr rauchen zu müssen ist beinahe das beste von allem. Wie nervig das war, fünf Minuten bevor es auf die Bühne ging schnell noch eine durchziehen zu müssen …

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    Ab und zu benutze ich seitdem wieder meine Elektrozigarette. Aber nur zum Spaß. Mit Liquids ohne Nikotin und lustigen Geschmacksrichtungen. Das gefällt mir gut und man kann lustige Sachen mit dem Dampf machen. Und das beste: Man kann es auch bleiben lassen.

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    Es grüßt aus dem Zug Richtung Bodensee: icke

  • Novemberrückblick II – Fotoinferno

    Mensch, jetzt ist der November schon wieder vorbei, und mittlerweile habe ich schon soviel über den Dezember zu erzählen, dass ich das gar nicht mehr schaffe. Darum gibt es hier noch ein paar größtenteils unkommentierte Novemberfotos, die ich eigentlich bloß hier reinmache, damit ich sie endlich los bin, und in der heimlichen Hoffnung, damit das Internet endlich zum Überlaufen zu bringen  …

    Bayreuth – Eisbärfell und toter Christus (mehr …)

  • Novemberrückblick I – SLAM 2013

    Huch, hier ist ja ein Weblog, wo kommt das denn auf einmal her?!
    Der letzte Eintrag liegt so lange zurück, das ich mich kaum noch traue, wieder damit anzufangen. Es ist ein bisschen so, als hätte man den Geburtstag eines lieben Freundes vergessen, und mit jedem Tag, den man nicht anruft, um sich zu entschuldigen und nachträglich zu gratulieren, wird es schwerer, sich zu diesem Anruf durchzuringen.
    Aber jetzt soll es sein. Und es drängt mich doch, der ganzen intervernetzten Welt mitzuteilen, wie meine letzten Wochen waren und meine nächste werden.

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    Der November ist mir ja seit 10 Jahren einer der liebsten Monate, weil es der Monat der deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften ist, und diese sind immer ein Highlight des Jahres. Was die Vorfreude angeht, erinnern sie ein bisschen an Weihnachten in der Kindheit. Für mich waren es diesmal tatsächlich die 10. Meisterschaften, seit 2004 habe ich keine verpasst, bin bei allen im Einzel- oder Teamwettbewerb angetreten. Ich hatte überlegt, ob ich dieses Jahr im Vorfeld verkünde, dies würden meine letzten Meisterschaften als Teilnehmer werden, künftig werde ich nur noch zum Zugucken und Feiern kommen, aber, ach, was solls – es wird sich zeigen und kommen wie es kommt. Nächster Jahr in Dresden bin ich ganz sicher dabei. Ob nun im Einzel oder Team (Micha und ich planen ein Team LSD Reunion) oder nur im Fanblock … wir werden sehen. Auf alle Fälle gibt es keinen Grund hier theatralisch irgendwelche Ausstiege zu verkünden, die ich dann doch nicht hinkriege. Das wäre ja fast so, als würde ich auf Facebook großkotzig verkünden, ich würde am soundsovielten mit Rauchen aufhören und es dann doch nicht tun … ach nee, Moment, stimmt ja, ich hab ja aufgehört, aber dazu mehr in Teil 14 dieses Novemberrückblicks.

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    (Souvenir 1: Ein Gitärrchen für Micha, der leider nicht da war. Ich hatte sie mir für meinen Auftritt beim Songslam gekauft. In einer Drogerie. In der Spielwarenabteilung. Und auf der Party nach dem Finale alle gebeten zu unterschreiben, damit Micha nächstes Jahr auf alle Fälle wieder dabei sein muss, um sich bei allen zu bedanken. Oder sie einfach kurz zu drücken. Oh mein Gott, diese ganze Hippie-Slamily-Scheiße … aber wenn es doch so schön ist …)

    Der Slam2013 fand in Bielefeld statt, und es war, was die Stimmung anging für mich einer der schönsten. Das ist ist er zwar jedes Jahr, aber diesmal ganz besonders. Ich liebe diese Menschen. Trotzdem ist es wohl für die Gesundheit ganz gut, dass wir uns nur einmal im Jahr in so einer großen Horde treffen.

    Es war im Prinzip wie immer: Es gab einen Haufen Vorrunden, Halbfinals und ein Finale und dauernd flogen Leute raus, die es erdient gehabt hätten, weiterzukommen, während Leute weiterkamen, die es ebenfalls verdient hatten, weiterzukommen und am Ende gewann Topfavorit Jan-Phillipp Zymnie mit 0,1 Punkten Vorsprung vor Top-Favorit Lars Ruppel. Bei aller gebotenen falschen Bescheidenheit möchte ich an dieser Stelle auf den Drittplatzierten hinweisen: mich. Ich hab mich riesig gefreut und bin auch stolz darauf, auch wenn mir klar ist, dass mir mein seit 2004 anhaltendes Auslosungsglück bei deutschsprachigen Meisterschaften dabei sehr geholfen hat. Lars und ich stellten nach dem Finale fest, dass wir es eigentlich sogar viel besser haben als Jan-Phillipp: Wir haben genausoviele Glückwünsche bekommen, müssen aber die Bürde des Meisterseins nicht tragen.

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    (Souvenir 2: Behutsam aktualisierter Finaltext. Das mit der Dusche ist eine lange Geschichte, die will bestimmt niemand hören.)

    Moment! Das stimmt ja so nicht! Lars hat mit Bottermelk Fresh (Lars Ruppel, Julian Heun und Bleu Broode) im Teamfinale gewonnen und ich bin Sieger des szeneinternen Kinderfotobattles! Gegen das Foto hatten die anderen aber auch sowas von keine Chance. Schon gar nicht die U20er …

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    (Schönhauser Allee. Muss 1977 gewesen sein. Wir haben noch in Roßlau gewohnt und waren auf Berlin-Urlaub. Ich find die Oma so toll. Und den Typen am Schaufenster. Und meinen schnieken Steifvater mit Kurzhenkelhipsterbeutel. Das Bild stammt aus so einer vollkommen anderen Welt. Kann kaum glauben, dass ich die mit eigenen Augen gesehen habe.)

    Es waren wahnsinnige Tage in Bielefeld und ich kann mich gar nicht genug bei den Organisatoren bedanken, und habe es leider auch gar nicht richtig versucht … Danke! Liebe! Schnaps!

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    (Einziger Kritikpunkt am Slam2013: Es gab zuviel Lakritz. Niemand mag Lakritz. Alle hassen Lakritz. Backstage mit dem Lumpenpack (Indiana Jonas und Max Kennel), Hazel Brugger, Alex Burkhard)

    Und eigentlich gäbe es noch so viel zu berichten, aber ich will es mit dem Wiedereinstieg in die Friedhofsschnipselei nicht übertreiben. Darum für heute nur ein paar Fotoimpressionen aus dem schönen Bielefeld!

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  • Kaffee ohne Hitler

    Ich bin ein großer Freund des Deutsche-Bahn-Kaffees, und dies sage ich ohne jede Ironie. Die Bahn mag ihre Probleme haben mit der Wagenreihung, mit Klimaanlagen und der deutschen Sprache (kürzlich wurde in einer Ansage statt des ohnehin schon schlimmen „Personenschadens“ das seltsame Wort „Personenüberfahrung“ benutzt), aber Kaffeekochen, das kann sie, die Deutsche Bahn. Ein einfacher, ehrlicher Filterkaffee, nicht zu bitter, mit angenehmer Säure, wie man ihn in Cafés kaum noch bekommt, denn allenthalben wird mit sündhaft teuren Maschinen Espresso mit Wasser verdünnt. Mit Kaffee hat das nichts gemein, es handelt sich vielmehr um verdünnten Espresso. Bloß weil beides aus Kaffeebohnen hergestellt wird, ist es doch längst noch nicht dasselbe! Wenn ich einen Wein bestelle, will ich ja auch nicht, dass man mir einen Weinbrand mit Wasser verdünnt und dann sagt: Wieso? Wird doch beides aus Trauben gemacht!

    Bevor mich jemand falsch versteht: Ich habe nichts gegen Heißgetränke auf Espressobasis! Einige meiner besten Freunde sind Heißgetränke auf Espressobasis! Aber reden wir nicht drumherum: Ihnen fehlt das Verwöhnaroma eines guten Tante-Gisela-Geburtstagsfiltertütenkaffees oder einer ehrlichen Tasse Türkischem.

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    (Und in Wiener Kaffeehäusern im Herbst hab ich schon gleich garnichts gegen Heißgetränke auf Espressobasis! Aber trotzdem.)

    Der Kaffee der Deutschen Bahn ist, wie bereits erwähnt, ein nahezu perfektes Getränk. Ab etwa der sechsten Tasse Kaffee am Tag muss ich jedoch aus Rücksicht auf die Magenschleimhaut auch den besten Kaffee mit Milch verdünnen. Mit Milch, nicht mit Kaffeesahne aus diesen doofen Döschen, wo immer die Sahne rausspritzt oder der Zuppel … aber das ist ein anderes Thema, mit dem ich mich schon oft genug auseinandergesetzt habe.

    Im Bordrestaurant arbeiten zum Glück in aller Regel verständige Menschen. Selten war es ein Problem, im Zug um ein wenig normale, kalte Milch zu bitten. „Na klar“, sagten die Männer und Frauen hinter der Theke; sie waren oft zwischen Ende 40 und Anfang 60, und dann zogen sie den Schlauch des Milchaufschäumers aus dem Tetrapack Milch, der neben der Kaffeemaschine stand, und stellten mir die Milch zur freien Verfügung neben meinen Kaffeepott, und ich, von soviel gesundem Menschenverstand und lebensbejahendem Pragmatismus beglückt, gab ein angemessenes Trinkgeld.

    In letzter Zeit setzt die Bahn leider vermehrt auf jugendliche Untote, vielleicht in der Hoffnung, sich ein cooles Image zu geben, weil doch Zombies so modern sind.

    „Kann ich einen Schluck normaler Milch dazu haben?“, sagte ich zu einem von ihnen.

    „Da sind Kaffeesahnedöschen, nehmen sie sich soviel sie wollen.“

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    „Nein, danke, ich hätte lieber normale Milch.“

    „Also einen Milchkaffee?“

    „Nein, nein, einfach einen Schluck ganz normaler Milch zu meinem ganz normalen Kaffee.“

    „Das geht nicht. Ich kann ihnen keine normale Milch zu einem normalen Kaffee geben.“

    Ich schaute den jungen Mann verwirrt an und vergewisserte mich sorgfältig, dass er über alle zur Erfüllung der von mir geäußerten Bitte nötigen Sinnesorgane und Greifwerkzeuge verfügte, und sagte schließlich mit einem aufmunternden Tonfall, der ihm den Mut geben sollte, über sich selbst hinauszuwachsen: „Doch, das können sie!“ Gern hätte ich ihm noch eine Hand auf die Schulter gelegt, doch das wäre vielleicht zuviel gewesen.

    „Nein, das kann ich nicht! Die normale Milch ist eine andere Kostenstelle!“

    „Häh? Aber das merkt doch keiner! Oder malt Bahnchef Grube Striche an den Füllstand der Tetrapacks und verrechnet den Verbrauch mit den verkauften Milchkaffees? Ich will doch nur einen Schluck! Das ist wahrscheinlich sogar billiger als wenn ich mir sechs doofe Döschen nehme!“

    „Ich habe meine Anweisungen!“

    „Das hat Eichmann auch gesagt!“, antwortete ich und war sehr stolz auf mich, weil ich mir doch vorgenommen habe, weniger Hitler-Vergleiche zu machen und offenbar auf einem guten Weg bin.

    Auf einer anderen Zugfahrt, als ich einen Kaffee bestellte – es war erst der dritte oder vierte, weshalb ich nicht in die Verlegenheit kam, nach Milch zu fragen –, entschuldigte sich der Bahnbarrista, dass er mir leider keinen Deckel geben könne.

    „Aber da sind doch Deckel“, sagte ich und zeigte auf einen großen Stapel.

    „Ja, aber die sind für die großen XL-Becher, Sie haben ja nur einen kleinen Kaffee.“

    „Na, dann gießen Sie doch meinen kleinen Kaffee in einen großen Becher. Das schaukelt auf der Strecke so, ich hab keine Lust, den schönen Kaffee auf allerlei Mitreisende zu verplempern.“

    „Nein, das geht nicht. Ich kann Ihnen keinen kleinen Kaffee in einem großen Becher geben!“

    Und wieder einmal schaute ich verwirrt drein. „Doch, das können Sie“, sagte ich schließlich in beruhigendem Ton. „Umgedreht wäre es schwierig.“

    „Nein“, sagte er.

    „Doch“, sagte ich.

    „Mhh, Mhh“, sagte er.

    „Wohl“, sagte ich.

    „Nö“, sagte er.

    „Aber hallo“, sagte ich.

    „Herrje, jetzt kippense dem doch endlich seinen Kaffee in einen großen Becher und tun’se n Deckel drauf, andere wollen auch noch bestellen“, sagte ein kluger älterer Herr hinter mir.

    „Nein, nein, nein, das geht nicht! Die großen Becher sind ’ne andere Kostenstelle!“

    Da war sie wieder, die Kostenstelle, das moderne Glaubensbekenntnis, das finale Argument, der Todesstoß für Verstand und Mitmenschlichkeit. „Selbst wenn ich wollte, ich hab meine Anweisungen!“

    „Das hat Eichmann auch gesagt!“

    „Wer ist denn dieser Eichmann? Sie sind heute schon der dritte der mir so kommt!“

    „Er hatte auch viel mit Zügen zu tun.“

    „Ein Kollege? Muss ich direkt mal gucken, ob er bei Facebook ist.“

    „Krieg ich jetzt den großen Becher?!“

    „Nein! Für mich geht’s hier um den Job!“

    „Sie werden gefeuert, wenn sie mir einen kleinen Kaffee in einem großen Becher geben?“

    „Lachen Sie nur, aber die wollen Personal abbauen, denen ist jeder Vorwand recht …“

    Und plötzlich konnte ich ihm gar nicht mehr böse sein, sondern eine tiefe Traurigkeit überkam mich, ein Mitleid mit ihm und einer Welt, in der Menschen unter Androhung des Jobverlustes dazu gezwungen werden, zu behaupten, es sei unmöglich eine Flüssigkeit aus einem kleineren in ein größeres Gefäß umzugießen. Mir fiel ein, was mir ein Kollege neulich erzählte hatte: Auf einer Zugfahrt hatte der Ansager statt der Standardsprüche ein paar gutgelaunte improvisierte Ansagen gemacht, alle Reisenden hatten sich gefreut, und mein Kollege hatte beschlossen, der Bahn mal einen Lobesbrief zu schreiben. Warum sollte man immer nur meckern? Man musste doch auch mal die guten Dinge würdigen. „Nein, bloß nicht“, hatte der Zugbegleiter erschrocken gerufen, als er ihn nach seinem Namen fragte. „Dafür kann ich abgemahnt werden! Wir dürfen eigentlich nur die vorgegebenen Sachen sagen!“ Ist das nicht traurig? Alle schreiben sich Freundlichkeit auf die Fahnen, aber gemint ist damit eine pervertierte, seelenlose Freundlichkeit, standardisiert und ergebnisorientiert. In all seiner Scheußlichkeit war das einst bei Burger King zu beobachten, wo man neben die Kassen Schilder gestellt hatte, auf denen stand: „Wenn Ihnen unsere Mitarbeiter keinen Guten Appetit wünschen, erhalten Sie einen 0,2-L-Softdrink gratis“. Welch eine Entwürdigung. Man nahm den Angestellten endgültig die Möglichkeit, ehrlich nett zu sein und dem Kunden die letzte Illusion über die ihm entgegengebrachte Freundlichkeit.

    Ich nahm einen großen Schluck aus der Weltschmerztasse, diesem Jakobs Krönung der Seele, als der Mann hinter mir in der Schlange beherzt über den Tresen griff: „Darf ich mal?“ Er nahm einen der größeren Deckel, drehte ihn herum und drückte ihn falsch rum auf meinen kleinen Becher. Er saß perfekt. „So. Passt doch. Darf ich jetzt vielleicht auch bestellen?“

    Manchmal wird alles gut. Es ist noch Hoffnung in der Welt und ein Rest guten Kaffees.

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  • White House Trash

    Natürlich habe ich „White House Down“ geguckt. Bei Emmerich weiß man was man kriegt: Allerfeinstes Trash-Kino mit Holzschnittcharakteren, Handlung von der Stange, jede Menge amerikanischem Patriotismus und vielen Explosionen. Und in jedem zweiten Film werden das Weiße Haus und das Kapitol zerstört. Insbesondere was die Holzschnittcharaktere, die Stangenhandlung, den Patriotismus und die Zerstörung von Kapitol und Weißem Haus anging, wurden die Erwartungen voll erfüllt. Insgesamt hätte aber ruhig noch ein bisschen mehr kaputt gehen können, da bin ich von Emmerich anderes gewöhnt. Dafür gab es Ausführungen über den „Militärisch-Industriellen Komplex“, die mich wohlig an den Staatsbürgerkundeunterricht in der DDR erinnert haben. Hat jedenfalls Spaß gemacht, ich kannn ihn empfehlen. Das Schöne ist, dass man auch kleine Kinder mitnehmen kann, da sehr auf jugendfreie Gewalt geachtet wurde. Selbst ein Bösewicht, der aus nächster Nähe von einer langen Salve aus einer Gatling-Kanone niedergestreckt wird, fällt einfach als hübsche Leiche um, statt sich in den Haufen Matsch zu verwandeln, der das Ergebnis einer solchen Aktion in der Wirklichkeit wäre.

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    (Schade, dass Emmerich nicht ein bisschen von diesem „gesunden deutschen Patriotismus“ hat, von dem manchmal die Rede ist. Das wäre doch toll, wenn er seine Katatrophenfilme hier spielen lassen würde. Es muss ja nicht unbedingt in Chemnitz sein, auch wenn die Fotos zu diesem Beitrag dort entstanden sind.)

    Aber zugegeben: Obwohl ich wusste, dass der Film eine Überdosis Klischees liefern würde, gab es dann doch Sachen, die mich schockiert haben. Am Anfang zum Beispiel erhält der Präsident einen Anruf von seiner Frau. Sie redet mit ihm kurz über die Lösung des Nahost-Konflikts und fragt ihn dann, ob er auch die Uhr dabei habe. Er zieht eine güldene Taschenuhr hervor. Sie hat einst Abraham Lincoln gehört und seien Frau hat sie ihm zur Amtseinführung geschenkt. „Natürlich“, sagt er. „Ich trage sie immer an meinem Herzen“, und dann steckt er sie sich in die Brusttasche, und ich krümmte mich im Kinosessel zusammen und dachte: Nein, Roland, das ist nicht dein Ernst, oder? Das machst Du nicht wirklich, nicht diese alte Nummer, nicht auf dermaßen plumpe Weise … aber Roland hatte keine Hemmungen, und ich muss jetzt hier wohl nicht extra spoilern, welche Rolle die Uhr am Ende des Films noch zu spielen hatte …

    Okay, es soll Popcorn-Kino sein, aber auch Popcorn-Kino muss doch nicht immer die ältesten Klischees auf absolut hervorsehbare Art abspulen! Oder, ein anderes Problem bei vielen Hollywood-Produktionen: Auch Popcorn-Kino kann doch ohne grobe logische Fehler auskommen, oder? Ich meine, diese Filme kosten Millionen von Dollar, da kann man doch mal hunderttausend in die Hand nehmen, mir vor Drehbeginn das Script schicken und mich bitten, wenigstens den allerschlimmsten Schmus und die hanebüchensten Fehler auszubauen!

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    Im Sommer sah ich kurz hintereinander Oblivion und Star Trek: Into Darkness. Beide Filme sind sehr schlecht, wobei Into Darkness aus verschiedenen Gründen noch ein ganzes Stück schlechter war. Was mich verblüffte war, dass beide Filme die exakt selbe Raumschiffverfolgungsjagd durch einen Canyon präsentierten (beide mit dem tausendmal gesehenen Ende, dass sich das Raumschiff der Guten vor einer besonders schmalen Stelle querstellte, während das Raumschiff der Bösen gegen die Felsen rammelte) und als sei das nicht genug, hatten auch noch beide Filme denselben „End-Gag“, der auch nicht ganz neu war: Die Nummer mit dem Trojanischen Pferd. Die Bösewichter wollten etwas haben, statt des Erhofften wurden ihnen aber Bomben geliefert und gezündet. Was bei Homer vielleicht noch ein guter Kniff war, ist in einem SF-Film nur albern, weil erstens davon auszugehen ist, dass der Trick bekannt ist und zweitens dass es soetwas wie Sensoren gibt, die einem verraten, was man da gerade geliefert bekommt.

    Auf Elysium habe ich mich sehr gefreut, da District 9 vom selben Regisseur einer der besten SF-Filme der letzten Jahre war. Der Film ist auch nicht schlecht, insbesondere die erste halbe Stunde ist grandios (während der Szene beim mechanischen Bewährungshelfer schauten ein Kumpel und ich uns an, er sagte: „Jobcenter“ und wir nickten). Leider sindd die Actionszenen scheiße, es ist halt der übliche Mist mit schnell geschnittenen Wackelkameras, wo man garnichts erkennt – das mag ich so an Emmerich: Wenn da was kaputt geht, dann hat man als Zuschauer auch seine Freude daran, aber ich schweife ab. Was ich erzählen wollte ist, dass in Elysium in einem zentralen Teil der Story ein grober Logikfehler steckt, und sowas verdirbt mir jeden Film. Es gibt da eine Software, die im Gehirn abgespeichert wird. Es ist voll die urst wichtige Software, der Schlüssel zum ganzen Betriebssystem der Raumstation Elysium. Diese muss natürlich gut geschützt werden, weshalb sie mit einem tödlichen Kopierschutz ausgestattet ist. Soweit so gut, aber das lustige an diesem Kopierschutz ist, dass sie den Träger der Software tötet, nachdem ihm diese aus dem Gehirn entwendet wurde! Das ist wie ein Diebstahlschutzsystem, das den Juwelierladen in die Luft jagt, nachdem die Diebe mit der Beute abgehauen sind, herrjemine!

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    Ich versteh sowas nicht. Merken die sowas nicht, wenn sie ihre Drehbücher schreiben? Gibt es niemanden, der die sich mal durchliest und auf so etwas achtet? Hat Emmerich nicht sofort auf seinen Schreibtisch gekotzt, als er die Stelle mit der Uhr gelesen hat? Oder interessiert die das einfach nicht? Denken die, die Zuschauer sind so doof, die merken das eh nicht? Vielleicht sind ja die meisten so doof, aber kann man nicht ein bisschen Rücksicht auf die Undoofen nehmen, auch wenn sich vielleicht irgendwann herausstellt, dass das gar nicht soviele sind, vielleicht sogar nur ein einziger, der traurig und wütend Anklageschriften in sein Weblog hämmert …

  • I love my new Bikini!

    Der erste Satz des ersten Artikels des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland lautet: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Ein toller Satz für eine Sonntagsrede – aber eine Katastrophe für einen Text der die Grundlage der gesamten Gesetzgebung eines Staates sein soll. Und so streiten sich denn auch Juristen und Philosophen über seine Bedeutung.

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    Die einen meinen, der Satz sei praktisch eine Tatsachenbehauptung. Die Würde sei dem Menschen naturgegeben, so wie dem Kreis die Zahl Pi oder der Masse die Gravitation. Sie könne ihm genausowenig genommen oder aberkannt werden, wie man das Gesetz der Einheit von Masse und Energie brechen könne. Da könnte also genausogut auch stehen: „Artikel 1: Die Lichtgeschwindigkeit ist unüberschreitbar.“ Das ist ziemlich lustig, denn wenn hier quasi ein Naturgesetz formuliert wird, bedeutet das, dass man sich um seine Einhaltung nicht kümmern muss. Was unantastbar ist, KANN nicht angetastet werden. Man bräuchte genausowenig einen Verfassungsschutz wie man einen Gravitationsschutz braucht, der bei plötzlich nach oben fallenden Äpfeln die Ermittlungen aufnimmt oder eine Einsteinpolizei, die Bußgelder bei Übertretungen der Lichtgeschwindigkeit verhängt.

    Wenn diese Interpretation zuträfe, würde ich dafür eintreten, den ersten Satz in e gleich m mal c Quadrat umzuändern, das wäre doch super, Deutschland hätte die nerdigste Verfassung der ganzen Welt.

    Eine andere Denkschule geht davon aus, dass es sich bei dem Satz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ in Wirklichkeit um eine besonders kräftige Forderung und nicht um eine Tatsachenbehauptung handelt. Der Satz würde also eigentlich meinen, dass die Würde des Menschen nicht angetastet werden darf. Dies führt nun allerdings zu einer lustigen Komplikation, denn nach dieser Interpretation hieße „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ nichts anderes als „Die Würde des Menschen ist eben doch antastbar“, sonst müsste man diese Forderung ja nicht aufstellen und den Staat nicht zu ihrer Durchsetzung verpflichten. Damit wiederum wäre gleich der erste Satz des Grundgesetzes ein Paradoxon und bedeutete das exakte Gegenteil, von dem, was dort scheinbar auf dem Papier steht. Da stellt sich natürlich sofort die Frage, was das eigentlich für alle anderen Grundrechte bedeutet, die ja alle auf Artikel 1 fußen. Heißt dass nicht, dass sie alle als ihr Gegenteil gelesen werden müssen?

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    Unheimlicherweise scheint diese Interpretation des ersten Artikels die vorherrschende Lehrmeinung zu sein.

    Ich möchte eine dritte Auslegung vorschlagen: Die Würde des Menschen ist unantastbar, weil: Was nicht ist, kann man nicht antasten. Um das deutlicher zu machen, würde ich den ersten Satz ein bisschen erweitern: „Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar und Meerjungfrauen werden nicht zu Fischstäbchen verarbeitet.“ Man könnte sogar noch ein Basta! dahinter setzen und, wie auch in der heutigen Fassung, als zweiten Satz „Sie – also die Würde sowie die Meerjungfrauen – zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“, und dann könnte man sich zurücklehnen und den Dingen ganz entspannt ihren Lauf lassen.

    Es reicht ein Spaziergang die Schönhauser Allee entlang und es wird klar, dass dies die sinnvollste Auslegung ist. Da gibt es wenig, was man mit Würde verwechseln könnte. Wer sich würdevoll gibt, leidet bei genauer Betrachtung nur unter schlimmen Egoblähungen, alle anderen scheinen ganz froh damit zu sein, wenn sie auf alles verzichten können, was gegebenenfalls antastbar wäre.

    Es ist beispielsweise verboten, Menschen gegen ihren Willen in alberne Kostüme zu stecken und dazu zu zwingen, auf der Straße ahnungslose Passanten anzuspringen und ihnen irgendwelche Flatrateangebote entgegenzukreischen, aber hey, die Leute haben sich schließlich um den Job beworben! Wenn sie für ein paar Euro die Stunde auf ihre Würde verzichten, bloß weil sie Essen und Wohnen und Leben wollen, dann: Bitte schön! Soviel scheint ihnen ihre Würde ja nicht wert zu sein. Oder anders herum: Etwas, das man für so ein bisschen Geld freiwillig aufgibt, kann gar nicht erst Würde genannt werden.

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    (So slim nun auch wieder nicht.)

    Oder nehmen wir Junggesellenabschiede. Nein, sie sind kein Verstoß gegen die Menschenwürde, sie sind ein Beleg für ihre Nichtexistenz, auch hier wird nichts angetastet, zumindest nichts, was laut Grundgesetz nicht begrapscht werden darf, denn da ist nichts.

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    (… aber es kommt noch slimmer …)

    All diese Gedanken machte ich mir eines schönen Sommertags in der Bayreuther Fußgängerzone, als ich einen Kaffee trank und zwei alte Damen mit Rollatoren an mir vorbeizuckelten. Nette Omen in klassischer Ausführung, leicht gebeugt, Dauerwellen, eine hatte sogar diesen niedlichen Violettstich im weißen Haar; Frauen, die noch gelernt hatten, wie man Hühnerfrikassee kocht, Streuselkuchen bäckt und den ganzen Dreck wegräumt, wenn die Männer mal wieder das ganze Land in Schutt und Asche gelegt haben. Ein Anblick, der die Seele gewärmt und mich mit der Menschheit versöhnt hätte, wären sie nicht gerade aus einem Kaufhaus gekommen, dessen Marketingabteilung sich etwas ganz besonderes hatte einfallen lassen, um im Sommer den Absatz anzukurbeln. „Lasst uns frisch-freche Sprüche auf die Tüten drucken!“, hatte wohl jemand gerufen und alle hatten gejubelt.

    Und so schoben diese beiden Frauen im vielleicht letzten Sommer ihres Lebens in den Ablagen ihrer Rollatoren Tüten vor sich her, auf denen groß die Slogans „Hot Pants For Hot Days“ und „I Love My New Bikini“ prangten, und ich wurde sehr traurig. „Würde“, so dachte ich mir, „würde“ wird klein geschrieben und ist ein Konjunktiv …

  • Die Große Vereinheitlichte Verschwörungstheorie

    Auf den Tag genau seit 12 Jahren fragen sich die Menschen: War es Al-Quaida? Oder war es die CIA? Pünktlich zum Jubiläum der Anschläge auf WTC etc. kommt nun die Große Vereinheitlichte Verschwörungstheorie: Es waren beide zusammen! Kurz zusammengefasst lautet diese so: Die Terroristen von Al-Quaida hatten nie ein Selbstmordattentat vor, sondern planten eine herkömmliche Entführung, um Gefangene freizupressen. Die CIA (oder Kollegen eines anderen amerikanischen Geheimdienstes) bekam davon Wind, präparierten die Twin Towers und das WTC 7 rasch mit Thermit, lenkten dann mittels Autopilot die Flugzeuge samt den verblüfften Entführern in die Twin Towers und sprengten diese dann. Kann man ja mal drüber reden.

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    (Aus der Reihe „Hat nüscht mit dem Thema zu tun, aber die Abendsonne war so schön“: Dresden Neustadt I)

    Als Beleg für die These, die Terroristen hätten nie ein Selbstmordattentat geplant, bringt der Autor unter anderem die Tatsachen vor, dass einer der Entführer sich kurz vorher für das Bonusprogramm der Fluggesellschaft angemeldet und ein anderer einen Anschlussflug gebucht hatte – und das ergäbe ja nun überhaupt keinen Sinn, wenn die beiden vorgehabt hätten zu sterben. Tote sammeln keine Punkte und den Anschlussflug ins Paraddies braucht ein Dschihadist nicht extra buchen. Wohingegen „herkömmliche“ Entführer natürlich stets Meilen sammeln und davon ausgehen, dass die Verhandlungen zur Freilassung der Passagiere und der freizupressenden Gefangenen rasch genug abgewickelt sind, um den Anschlussflug in den Urlaub nicht zu verpassen – sonnenklar!

    Dann ist da noch die alte Geschichte, dass die Türme auf eine Art eingestürzt seien, die nur durch gezielte Sprengung erklärbar sei. Lassen wir mal außer acht, dass diverse Statiker mindestens genauso überzeugend erklärt haben, dass sich der Einsturz sehr wohl aus dem Einschlag der Flugzeuge erklären ließe und auch genau auf diese Weise habe ablaufen müssen – diese Leute sind natürlich alle Teil der Verschwörung. Und letztlich kann man mir da sowieso die phantastischsten Geschichten auftischen, ich habe schlicht keine Ahnung.

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    (Dresden Neustadt II)

    Aber ich kann mich doch fragen: Wenn die CIA die Flugzeuge in die Türme gesteuert hat, warum haben sie dann den ohnehin hochsensiblen Plan zusätzlich verkompliziert und das Risiko auf Entdeckung der Verschwörung gewaltig erhöht, indem sie die Türme gesprengt haben? Für den beabsichtigten Pearl-Habor-Effekt, die Begründung für Krieg und totale Überwachung hätte die Nummer mit den Flugzeugen vollkommen ausgereicht!

    Wie soll man mit solchen Theorien umgehen? Es gibt in dem Artikel durchaus einige interessante Fragen. Wenn ich danach suchen würde, würde ich aber sicher herausfinden, dass es dazu auch schon Antworten gibt. Und dann stehe ich doch wieder vor der Entscheidung mich für eine Variante zu entscheiden, denn letzten Endes habe ich keine andere  Möglichkeit, als mich auf das zu verlassen, was irgendwelche Leute ins Internet geschrieben oder in Fernsehkameras gesagt haben. Einzige Entscheidungshilfe (neben Ockhams Rasiermesser) ist es, sich die Positionen gut durchzulesen und auf logische Fehler in der Argumentation abzuklopfen.

    Der Autor geht noch auf ein Argument gegen Verschwörungstheorien ein: Es wird gern behauptet, eine so großangelegte Verschwörung wie das 9/11-Komplott müsse auffliegen, weil so etwas nicht geheim bleiben könne. Entweder jemand würde es ausplaudern oder sie würde sich durch irgendeine allzumenschliche Dummheit selbst enttarnen. Dem setzt der Autor unter anderem die „Gladio“-Verschwörung entgegen, die von den 50er bis in die 90er Jahre geheim blieb. Komplexe Verschwörungen könnten also über Jahrzehnte im Verborgenen existieren. Der Punkt ist aber doch, dass diese Verschwörungen nur geheim blieben, bis sie enthüllt wurden, danach brachen sie zusammen und die Details kamen ans Licht. Die angebliche US-Verschwörung zur Zerstörung des World Trade Centers aber wurde bereits kurz nach 9/11 enthüllt, von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen und diskutiert – und trotzdem ist die Verschwörung immer noch intakt. Merkwürdig.

    Desweiteren führt  er aus, dass die Geheimdienstverschwörung gar nicht besonders groß gewesen sein müsse – und lässt damit die vielen Leute unter den Tisch fallen, die im Nachhinein nötig waren, um Beweismittel zu manipulieren und die noch größere Zahl von Leuten, die diese nachträglichen Manipulationen (etwa der Passagierlisten) bemerkt haben müssen. Und natürlich all die Experten, bei denen die Schlapphüte mit der Bitte vorstellig werden mussten, eine glaubwürdige Theorie für den Zusammenbruch der Türme zu erfinden, damit niemand merkt, dass sie in Wirklichkeit gesprengt wurden …

    DSC03450_1

    (Berlin Prenzlauer Berg)

    Bis jetzt erscheint mir die offizielle Variante immer noch die wahrscheinlichste – ihr könnt entscheiden, ob ich vom CIA gekauft oder von der Systempresse gehirngewaschen wurde…

    Vor 7 Jahren schonmal zum selben Thema: Wenn Du nicht paranoid bist, bist du ein Fall für den Psychiater inklusive Link zum lustigsten 9/11-Cartoon der Welt.

    PS: Wer mit mir drüber diskutieren will, kann gerne zu einer meiner nächsten Lesungen kommen. Hinterher an der Bar lässt sich trefflich die Welt erklären:

    11.9., Mittwoch, Leipzig, 20.00 Uhr, Horns Erben

    12.9., Donnerstag, Chemnitz, 20.00 Uhr, Das Tietz

    13.9., Freitag, Dortmund, 20.00, Fritz-Henßler-Haus, Koch & Gast

    14.9., Sonnabend, Zürich, Schauspielhaus, Poetry Slam Gala zur Saisoneröffnung

     

  • Not-To-Do und Känguruh

    Definitiv auf meiner Not-To-Do-Liste steht der Punkt „Ideen klauen“. Und nun stellte sich heraus, dass es Spinnes bzw. meine Idee von der Not-To-Do-Liste schon längst gab. Geklaut habe ich sie trotzdem nicht.

    Ehrlich gesagt: Ich habe, als ich die Kloß-und-Spinne-Folge schrieb schon damit gerechnet, nicht der Erste zu sein, der auf diesen Gedanken kommt. Es liegt ja schon ein bisschen auf der Hand. Ich habe mich dann bewusst dagegen entschieden, nach dem Begriff zu googlen, weil ich Angst hatte, dann keine Lust mehr zu haben, den Film zu machen.

    Prompt kamen kurz nach Veeröffentlichung die ersten Kommentare, die klar machten, dass die Angst begründet war. Dass es ausgerechnet Marc-Uwe Klings Känguruh war, das schon lange vor Spinne Not-To-Do-Listen anlegte, war einerseits sehr gut, andererseits sehr doof. Gut war es, weil ich Marc-Uwe anrufen konnte und er mir sagte, dass er kein Problem damit hat. Doof war es, weil ich nicht hundertprozentig ausschließen kann, dass ich diese spezielle Känguruh-Folge schon einmal gehört habe. Ich kann mich nicht daran erinnern, und das Känguruh-Manifest, in dem sie ebenfalls vorkommt, habe ich im Gegensatz zu den Chroniken noch nicht gelesen. Aber vielleicht hat er den Text bei einem der (leider seltenen) gemeinsamen Auftritte in den letzten Jahren ja doch vorgelesen, ich habe ihn vergessen, doch im Unterbewusstsein hat er sich festgesetzt und ist nun als eigene Idee verkleidet wieder vorgekrochen …

    [youtube=http://www.youtube.com/watch?v=DV6nSnEqxI0]

    Aber da ich Marc-Uwes Okay habe, mir durchaus zutraue, von alleine auf die Idee gekommen zu sein und zudem die Umsetzung und Ausführung eine andere ist, mache ich mir da jetzt weiter keine Gedanken drum.

    Mittlerweile habe ich übrigens nach der Not-To-Do-Liste gegoogelt und jede Menge Treffer gefunden. Darunter sind grusligerweise sehr viele Links zu genau den Selbstoptimierungsfaschisten führen, denen das Känguruh und Spinne eins auswischen wollten. Da soll man Listen führen mit Dingen, die man sich vornimmt nicht zu tun, weil sie einen von Arbeit und Erfolg abhalten …

    Das hier hab ich übrigens im Schnipselfriedhof-Archiv gefunden und fands hübsch:

    Google ist aller Gedanken Ende. Alles schon mal dagewesen. Nicht nur alles schon mal gedacht. Auch schon alles fleißig ins Internet reingeschrieben.
    Hab ich gedacht: Goethe hatte es gut. Der hatte noch kein Google. Hat einfach frei von der Leber weg geschrieben. So Sachen wie “Das also war des Pudels Kern”. Hätte er’s bei Google eingegeben, hätte er 155.000 Treffer gefunden, mit Schreiben aufgehört und aus.
    Ich hab ja leider Google. Kann ich also meinen Kopf zu machen und alle Gedanken als Gebrauchtwaren bei Ebay versteigern. Werd ich wahrscheinlich feststellen, dass diese Idee auch schon andere hatten und dass der Gebrauchtgedankenmarkt total gesättigt ist.

    Hab ich gedacht (wahrscheinlich nicht als erster): Halt! Gib nicht auf! Du kannst das schaffen! Du denkst Dir jetzt einen Satz aus, den es noch nicht gibt! Hab ich drei Stunden oder so unter der kalten Dusche überlegt (Warmwasser gibts grad nicht) und präsentiere hiermit Stolz das Ergebnis:

    “Benutzte Gedanken hüpfen in meinem Kopf herum wie aufgescheuchte Hühner und kacken alles zu.”

    Naja. Wie sagte der Kellner, als er mir gestern in der Kneipe eine neue Kerze brachte? “Hier hast Du noch ein kleines Licht.” Hab ich mir “das kleine Licht” angeguckt und gedacht: Na super. Gleich und gleich gesellt sich gern …

    (Schnipselfriedhof vom 24.8.2006)

     

  • Kloß & Spinne – Häkchen auf der Liste

    So, da ist er:

    [youtube=http://www.youtube.com/watch?v=T4DWCJfkyzk]

    Eigentlich dachte ich, dass ich ihn in drei Tagen hinkriege, aber dann habe ich doch eine Woche dran gesessen. Und nur anderthalb Tage (aber 80 Prozent der Flüche, der grauen Haare und des Welthasses) gehen auf den Export-Bug von Anime Studio Pro, von dem ich mir extra noch für 150 Euro das Update auf die 64-Bit-Version geholt, da ich dachte, damit ginge es, aber #+?!!*?$§“)!!!!XoO%`*~~’#!

    Na, egal.

    Vielen Dank an Steffi vom Textilvergehen für das Mikro! Vielen Dank an die Bayreuther ÖkoBot-Frösche für die bereitwilllige Mitarbeit!

  • Jetzt aber wirklich

    IMG_4107

    Eigentlich sollte er noch im Juli fertig werden, aber ich habe es schlicht nicht geschafft. Aber jetzt sitze ich dran und diesen Monat gibt es wirklich noch einen neuen Kloß-und-Spinne-Film. Und bis zum übernächsten dauert es dann hoffentlich nicht wieder 16 Monate …

    Kann mir übrigens irgendjemand erklären, wie es zu sowas kommt:

    IMG_4072

    Ich meine, da müssen doch irgendwelche Einbrecher am Werk sein, oder Mäuse, die des nachts unter den Schreibtischen herumkriechen und Knoten in die Kabel machen, das ist doch anders nicht zu erklären! Und als ich beschlloss, das Foto zu machen, hatte ich die Hälfte der Knoten schon rausgefriemelt. Es ist wohl eins der letzten großen Menschheitsrätsel. Aber vielleicht sollte mal jemand eine Überwachungskamera aufstellen und beobachten, was die Kabel so nachts miteinander treiben. Aber nee, dafür ist dann wieder keine Kamera und kein Geheimdienstmitarbeiter übrig!