Weblog & Podcast von Volker Strübing

Labormäuse in der Schießbude und ein komisches Gefühl

Datum: 13.06.08
Kategorien: Nicht der Süden, Unterwegs

Es fiel und fällt mir schwer, von der anstehenden Arktisreise zu erzählen. Zum einen, weil ich es lange Zeit nicht glauben konnte (und es wohl auch erst richtig glauben werde wenn wir unterwegs sind … und vielleicht nicht einmal dann), vor allem aber, weil ich dachte, dass sicher viele Leute neidisch sein würden. Ich wäre es zumindest, wenn mir jemand erzählen würde, dass er diese vollkommen verrückte Chance bekommt und so eine phantastische Reise macht. “Neidisch” ist vielleicht das falsche Wort, weil da soviel Missgunst drinsteckt. Ich würde mich für denjenigen freuen und wäre gleichzeitig traurig, dass mir nicht auch so etwas passiert. In menschlichen Gehirnen ist ja viel Platz für widerstreitende Gefühle.

So ging es mir immer, wenn mir etwas außergewöhnliches passiert ist. Als ich 2005 die deutschprachige Slammeisterschaft gewonnen hatte, brauchte ich danach eine Weile, um das schlechte Gewissen den anderen gegenüber loszuwerden. Es war sicher kein unverdienter Sieg, aber da waren einige, die ihn mindestens genauso verdient gehabt hätten.

Jetzt ist es nichts anderes.
Ich hoffe sehr, dass sich die meisten meiner Bekannten und Kollegen mehr für mich freuen als traurig zu sein, dass sie hierbleiben müssen. Außerdem hoffe ich, dass ich am Ende nicht die Daheimgebliebenen beneiden werde ;)

(Volker Strübing)

PS:

[youtube=http://de.youtube.com/watch?v=cSj9wad58GY]

13 thoughts on “Labormäuse in der Schießbude und ein komisches Gefühl

  1. Ich selbst bin neidisch. Allerdings auf die positive Weise, bei der ich es dir absolut gönne, das erleben zu können, aber selber durchaus willens wäre, bei derartigem dabei zu sein. Das bedeutet, dass dein Gefühl dich nicht trügt. Jedoch ist es unnütz, sich deswegen Sorgen zu machen, weil – wie mir schon die Videos bewiesen – es leicht ist, sich für dich zu freuen.

    Schießen ist scheiße, finde ich. Allerdings wäre Umkommen sicherlich noch scheißer. Zum Glück kommt ist es bei einem Eisbären vermutlich kaum darauf an, ins Schwarze zu treffen.

  2. Ich bin auch neidisch, allerdings auf positive Weise. Wir hatten ja gestern schon kurz darüber geredet. Das Ihr Schießtraining bekommt, ist natürlich obergeil, wenn ich auch glaube, dass das Kaliber der Gewehre einen Eisbären nicht sondelich beeindrucken dürfte. Die Fausfeuerwaffe dagegen Dirty-Harry-mäßig. Cool. Ich fürchte nur, dass ein Eisbär, der auf 10 Meter herangekommen ist, Dich gefressen haben wird, bevor Du das Ding in der Hand hast, da sich die putzigen Tierchen mit 30 Kmh fortbewegen können, also in etwas über einer Sekunde bei Dir wäre. Also ziehen üben!
    “Menschen gehören zwar nicht zum Beuteschema des Eisbären; als vorrangiger Fleischfresser ist er dennoch für Menschen potentiell gefährlicher als andere Bärenarten. Wenn es auch wegen der dünnen Besiedlung der Arktis verhältnismäßig selten zur Konfrontation kommt, wird trotzdem von Zeit zu Zeit über für Menschen tödliche Begegnungen berichtet.” (Wikipedia)

  3. “Angriffe auf den Menschen finden meistens in der Nähe menschlicher Behausungen wie Jagdcamps, Wetterstationen und Ortschaften statt. Im Gegensatz zu anderen Bären haben Eisbären den Ruf, Menschen gerne als Beute zu sehen. Übergriffe sind allerdings extrem selten, so wurden in Alaska zwischen 1900 und 2002 nur ein Todesfall und zwei Verletzte durch Eisbären registriert. Arktis-Reisende mögen den Rat der Inuit beachten, die glauben, Eisbären könnten Gedanken lesen: “Denke nicht schlecht von den Bären, da sie dadurch verärgert werden könnten.”

  4. Ja klar, oben. Der Nordpol ist der höchste Punkt der Erde. Kann man auf jeder Karte klar erkennen.

    Keine Sorge um die Eisbären. Das Schießtraining war nur für den Fall, dass es an Bord zu Streit kommt.

    Hallo Robert, wir ziehen extra eklig schmeckende Chemiekleidung an, die wollen die Eisbären bestümpt gar nicht essen. Und uns auspacken schaffen sie nicht mit ihren unegalen Pfoten.

  5. Ich hasse dich für diese Möglichkeit, Volker. Ich weiß, eigentlich sollte ich es dir gönnen, aber ich kann auch nichts für meine Gefühle. Bringst du mir wenigstens eine Ansichtskarte vom Nordpol mit? Du weißt schon, keine dieser Witzpostkarte sondern eine mit Bildern von Städten, Wäldern, Parks und so.

  6. Au ja, eine Postkarte aus der Arktis!

    Aber ‘Schöner Schießen für 3Sat’ find ich einfach nur grässlich. Frage mich auch wie sich das Kamerateam auf die Tour mit 2 Berliner Lesebühnenstars vorbereitet: üben die Einseifen oder lesen sie ‘Das Experiment’?

  7. Ich freue mich für mich, bin aber auch traurig darüber.

    Neid ist die Wurst der Erkenntnisfähigkeit, die Freude am Bösen ihr Kartoffelsalat.

  8. Mitten im Sommer ins Eis!!! Nee nee nee, das ist wirklich nur was für stramme junge Herrschaften ohne Rheumaknochen. Andere freuen sich das ganze Jahr auf mal 6 Wochen keine kalten Füße. Lach. Und lieber rumballern in der Wüste…

  9. “ach schieß mich doch ins knie” – haha! wann soll das denn gesendet werden? naja, wird ja wohl noch ziemlich lange dauern, wenn die reise noch nich mal angefangen hat. wünsche auf jeden fall viel spaß (und das ganz neidlos, nur schade um die eisbären…)

Comments are closed.