Autor: vstr@gmx.de

  • Bin ich noch wettbewerbsfähig?

    „Dieses Jahr mach ich beim Open Mike mit!“ – das hatte ich mir ganz fest vorgenommen, denn es war die letzte Chance – nächstes Jahr bin ich zu alt. Ich glaube zwar nicht, dass die Juroren dort das Zeugs, das ich schreibe, lesen wollen, aber ich wollte nicht irgenwann auf meine alten Tage denken müssen: „Ich hätte ja wenigstens mal was hinschicken können!“

    Heute morgen wollte ich die Geschichte ausdrucken, nachdem ich sie mit Tinas Hilfe (vielen Dank nochmal!) am Wochenende überarbeitet und entfehlert habe. Und als ich in den Teilnahmebedingungen nach dem gewünschten Druckformat geguckt habe, fiel mir eine kleine Passage auf, die ich bisher geflissentlich überlesen habe: „Teilnehmen können deutschsprachige Autorinnen und Autoren, die nicht älter als 35 Jahre sind und noch keine eigene Buchpublikation vorzuweisen haben.“ Grrr…

    Auch verpasst: Den Telepolis Schreibwettbewerb „Schreibrecht“ (Bzw: „Wenn Orwell Realität ist, wie sieht dann die Zukunft aus?“). Eingereicht werden konnten Science-Fiction-Geschichten, Berichte oder Essays – ich wollte letzteres probieren, bin aber gescheitert wegen Zeitmangel, Hirncamembert und meiner Unerfahrenheit mit Sachtexten. Ich bin sehr gespannt, was andere Autoren dort so eingereicht haben. Die (laut Jury) 10 besten Texte können online gelesen und bewertet werden. Leider ist kein Essay dabei – es sind alles Kurzgeschichten. Nüscht gegen Kurzgeschichten, aber das Thema ist so interessant, dass ich auch den einen oder anderen Sachtext dazu lesen würde.

    Jetzt steht noch der Science-Fiction-Wettbewerb „What if? Visionen der Informationsgesellschaft“ aus. Ich sitze dran – und diesmal schaffe ich’s bevor ich zu alt oder zu veröffentlicht oder zu spät am Briefkasten bin!

  • Die Menschheit muss sich entscheiden, …

    … ob ich Geschichten für sie schreiben soll, oder ob sie lieber die Wohnung über mir besichtigen und zu Dutzenden über die abgeschliffenen Dielen trampeln will. Eins geht nur!

  • Die FAZ erklärt die Welt (II)

    Warum Vollbeschäftigung möglich ist, und wie man sie erreicht, erklärt Norbert Berthold auf Faz.net.

    Der Artikel ist leider langweilig und enthält nichts, was man nicht schon tausendmal gehört hätte: Wenn der Staat sich raushält und die Arbeitssuchenden sich endlich von der verrückten Vorstellung verabschieden, dass die Arbeit, die sie für andere machen, ihnen zumindest ein halbwegs sicheres, vielleicht sogar angenehmes Leben ermöglichen sollte, dann wird alles gut.

    Klar, wenn die Arbeiter jeden Hungerlohn akzeptieren, dann kann für jeden durch z.B. Automatisierung weggefallenen Arbeitsplatz ein neuer geschaffen werden: Tütenpacker,Wachschutzmänner, Luftzufächler (sie müssen nur billiger sein als der Strom für den Ventilator ), Rikschafahrer … Menschen sind vielseitig einsetzbar.

    Die Idee, die steigende Produktivität dazu zu nutzen, den Einzelnen zu entlasten und die Armut zu besiegen, wird nicht einmal einer Erwähnung für wert befunden. Nein, der Einzelne soll mehr arbeiten für weniger Lohn. Tatsächlich kann ich sogar die Argumentation nachvollziehen – im Rahmen des liberalen Weltbildes ist sie in sich schlüssig. Wenn aber aus dem (Markt-)Liberalismus logisch Irsinn und Ungerechtigkeit folgen, muss er eigentlich selbst von Grund auf irrsinnig und ungerecht sein.

    „Nur wenn wir eine ungleichere Gesellschaft akzeptieren, können wir verhindern, daß es zu schwerwiegenden Dammbrüchen auf den Arbeitsmärkten kommt.“ (Norbert Berthold)

    Das heißt doch nichts anderes, als: Dem Wohle des Arbeitsmarktes darf das Wohl der Menschen geopfert werden. Oder? Damit wäre dann auch der Sinn des Lebens erklärt: Das Funktionieren der Märkte zu sichern. Und was ist dann der Sinn der Märkte?

    Hm. Da muss ich nochmal in Ruhe drüber nachdenken.
    Nebenbei: Wenn er von einer „ungleicheren Gesellschaft“ spricht ist wohl eher eine ständig ungleicher werdende gemeint – denn auf jedes Zugestädnis der Arbeitenden und Arbeitssuchenden wird eine weitere Forderung nach noch mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten und Bezahlung folgen. Ich glaube nicht, dass es ein Level der Ungleichheit gibt, mit dem sich die Profiteure der Ungleichheit zufrieden geben werden.

    (Editiert und ausgebaut um 20.00 Uhr)

    (Die FAZ erklärt die Welt I: „Warum gibt es Zinsen?“)

    (Die FAZ erklärt die Welt III: „Warum ist Reichtum keine Sünde?“ )

  • Füttern verboten

    „Las Vegas hat es als erste Stadt in den USA unter Strafe gestellt, Obdachlosen Lebensmittel zu spenden“ (SZ von heute, S. 11) , denn Lebensmittelspenden „hätten dafür gesorgt, dass Betrunkene in Parks herumlungerten und die Verbrechensrate angestiegen sei“ (Netzzeitung.de).

    Der bequemste Weg die Armut zu bekämpfen, ist, die Armen zu bekämpfen.

  • Ich mache mir Sorgen um: den Standort Berlin

    „Geh nicht nach Stuttgart!“ (Heiko Werning)

    „Doch!“ (Nils Heinrich)

  • Entfremdete Arbeit

    Neulich habe ich im Fernsehen Aufnahmen aus einem israelischen Jet von der Zerstörung eines Gebäudes im Libanon gesehen – man kennt diese Bilder aus den Golfkriegen: Alles grau, grobkörnig und irgendwie unwirklich, ein Fadenkreuz und diverse Anzeigen über dem Bild, dann ein Blitz, und wo eben noch das Gebäude war, ist nur noch Rauch. Dazu gab es die in solchen Fällen übliche Ansage: „Dies ist kein Videospiel, auch wenn es so aussieht …“

    Irgendwann im ersten Irak-Krieg hat irgendein Journalist mal diesen Spruch gemacht, und seither plappern ihn alle gedankenlos nach. Aber: SO SEHEN VIDEOSPIELE NICHT AUS! (Es mag freilich inzwischen welche geben, die diesen Look imitieren – die Nachrichtenbilder aber waren zuerst da.)

    Ich weiß ja, was man damit sagen will: Dass die Piloten keinen Bezug mehr zu den Folgen ihrer Handlungen haben, weil sie die Opfer nicht sehen – aber das galt auch schon für die Bomberpiloten im 2. Weltkrieg.

    Das ist wohl einer der Aspekte des „asymetrischen“ Krieges: Auf der einen Seite Menschen, die eine technische Herausforderung so gut wie möglich meistern wollen und das selbst eher als „Ausschalten von Zielen“ oder „Schläge gegen die Infrastruktur des Feindes“, denn als Töten verstehen. Auf der anderen Seite Menschen, denen soviel Hass eingetrichtert wurde, dass sie es fertig bringen, sich mit einer Bombe in einen Bus zwischen ihre Opferzu setzen und nicht einmal durch den Anblick eines Kindes zwei Reihen vor ihnen von ihrem Vorhaben abzubringen sind.

    Beides unfassbar gruselig.

  • Komischer Ratschlag

    „Von wegen: schönes Wochenende! Ich muss meine Steuererklärung machen, und die Wohnung müsste ich auch mal wieder putzen!“

    „Wieso nimmste dir keinen Steuerberater?“

    „Weil selber putzen billiger ist.“

  • Warum an den See fahren, wenn man im Atlantik baden kann?

    Gestern Abend habe ich, während ich bei einem Bier vor dem „5 Ziegen“ saß und die laue Nachtluft genoss, an Mark Twain, den ich unbedingt zu meinen Lieblingsschriftstellern zählen würde, und seinen Aphorismus „Wenn der Deutsche in einen Satz eintaucht, sieht man erst einmal nichts mehr von ihm, bis er schließlich auf der anderen Seite des Atlantiks mit dem Verb im Mund wieder auftaucht.“ denken müssen.

  • Wo Douglas Adams irrte (Nachtrag)

    Gestern mit Tube geredet. Er hat mein Douglas-Adams-Posting gesehen(wobei eine ordentliche Portion Unwahrscheinlichkeit im Spiel war, denn Tube liest eigentlich keine Weblogs). Er meinte, er hätte nicht verstanden, was ich meine – was mich wiederum wunderte und nur dadurch zu erklären ist, dass er – vor Schreck darüber, auf einem Weblog gelandet zu sein – sofort den Browser geschlossen, den Cache gelöscht und vielleicht vorsichtshalber noch die Festplatte forrmatiert hat.

    Tube selbst ist in der wunderbaren Geschichte „Das verflixte Hexenspiel“ schon mal auf das Problem unnütz vergeudeten Glücks (Glück = hoher Unwahrscheinlichkeitslevel) eingegangen. Die Geschichte ist sehr lesenswert. Außerdem kann man auf der Seite auch noch den von Tube programmierten Hexenspielsimulator samt Lösungsprogramm runterladen.

    Draußen scheint vermutlich die Sonne. Die Jalousien sind runtergelassen. Habe seit drei Tagen keinen Kontakt mehr zur Außenwelt. Ich sitze am Tisch, vor mir liegen 9 bunt bedruckte Pappkarten. Jede so groß wie ein Fahrschein. Daneben ein paar Zettel, vornehmlich mit Notizen folgender Art: Rotarsch, Rotkopf, Gelbarsch, Gelbkopf. Dazu einige Pfeile, die Rotationen andeuten und Skizzen und diverse Zahlen.


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