
Die Abkürzung SM mit dem Bild eines Gepeinigten zu kombinieren, das hat was, finde ich. Einen schönen Karfreitag!
(VS)

Die Abkürzung SM mit dem Bild eines Gepeinigten zu kombinieren, das hat was, finde ich. Einen schönen Karfreitag!
(VS)
So, es ist soweit. Unsere Fernsehserie wird ausgestrahlt. Ein Roadmovie in drei Teilen. Eine Fahrt von Istanbul nach Jerusalem. Am Steuer: Die Dominikanerin Schwester Jordana Schmitt und der zdf.kultur Moderator Rainer Maria Jilg. Außerdem dabei: Charlie, ein atheistisches und leicht größenwahnsinniges Kofferradio. Die erste Folge wird morgen Karfreitag, 21.46 Uhr auf zdf.kultur ausgestrahlt. Ich kann sie selber nicht sehen, weil ich da beim Rosi Slam bin – und den Sender gar nicht reinbekomme. Aber man kann auch in der Mediathek gucken, wann man will, den Link poste ich hier dann natürlich noch.
Die erste Folge führte uns durch die Türkei. Hier ein paar Fotos, vom Dreh, einige davon habe ich schon mal hier rein gestellt.

Soviel Kitsch muss sein: Die Hagia Sophia in Istanbul

Dreharbeiten für die allerallererste Szene in einer Kirche in Istanbul. Mit Schwester Jordana, Kamerafrau Sabine und Tonmann Marc Meusinger.



Ist das nicht ein schönes Schild? Das Essen dort war auch super, leider haben ir aber den freundlichen Schnurrbartmann nicht gesehen.

Ja, klar, das ist ein langweiliges Bild. Für mich trotzdem spannend, weil ich es heimlich aus der Frontscheibe eines türkischen Armeejeeps fotografiert hatte, der mich irgendwo in den bergen zwischen Istanbul und Ankara entführt hat. Bei der Durchfahrt durchs nächste Dorf (wo wir auch gedreht haben, konnten mich dann zum Glück Produktionsassistentin Ayhan Üsük und die Dorfbewohner mit friedlichen Mitteln und einem Glas Tee befreien.)

Hemdennäherei in Konya. Erinnert ein bisschen an das halbe Stockwerk in „Being John Malkovic“. Wir haben da auch gedreht, die Szene ist aber aus dem fertigen Film rausgeflogen)

Kleine Poser in Antakya

Großer Poser in Adana 😉

An der syrischen Grenze hieß uns das syrische Touristenministerium per SMS willkommen. Rein durften wir trotzdem nicht und hatten auch wenig Lust darauf.

Flüchtlingslager an der türkisch-syrischen Grenze. Ich weiß gar nicht, was ich unter dieses Bild noch schreiben soll. Scheiße war’s, traurig und bedrückend was wir dort gehört und gesehen haben, aber das ist wohl wenig überraschend.

(Nach den ersten 10 Drehtagen war dann auch mal Zeit sich ganz entspannt an einem kühlen Ort hinzusetzen.)

Mit der Fähre an Syrien vorbei in den libanon – und den zweiten Teil der Serie, der am Ostersonntag ausgestrahlt wird.
(Volker Strübing)
Günther Grass hat ein furchtbar dussliges und noch dazu unfassbar schlechtes Gedicht geschrieben – Lyrikexperten mögen mich korrigieren, aber ich würde sagen, dass man schon viel Glück haben muss, um etwa bei einem Poetryslam von einem pubertierenden Neuling etwas ähnlich Blamables zu hören zu bekommen. Keine Ahnung, was die Süddeutsche bewogen hat, das Ding abzudrucken – außer der leider berechtigten Erwartung auf den unvermeidlichen Skandal. Any publicity is good publicity, und heute hatten sie sicher eine rekordverdächtige Klickzahl auf ihrer Website. Der Plan ist jedenfalls aufgegangen, die Wellen schlagen hoch wie erwartet und ich frage mich, warum man sich nicht einfach peinlich berührt von den letzten Tintenklecksen dieses aus irgendwelchen Gründen zur nationalen Institution verklärten Schriftstellers abwenden kann. Das alles ist so vorhersagbar wie sinnlos und nervig. Aber wen kritisiere ich eigentlich: Ich geb ja selber meinen Senf dazu …
(VS)
Am 6., 8. und 9.4. läuft auf zdf kultur die Serie „Die Nonne und Herr Jilg“ – eine Reisedoku und ein Roadmovie, eine Fahrt von Istanbul nach Jerusalem, durch die Türkei, den Libanon, Israel und die palästinensischen Autonomiegebiete. Am Steuer sitzen die Dominikanerin Schwester Jordana Schmidt und der Moderator Rainer Maria Jilg. Mit dabei ist auch ein größenwahnsinniges, nörgelndes Kofferradio namens Charlie, dessen Stimme verdächtig an Kloß und Spinne erinnert …
Während der Drehreise im letzten Jahr beantragte Palästina vor der UN-Vollversammlung die Aufnahme als UNO-Vollmitglied. Wir waren an dem Tag in Ramallah, der Hauptstadt der Autonomiegebiete und trafen erstaunliche Prominenz. In der Serie ist diese kleine Episode nicht drin, aber dafür gibt es ja das Internet:
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=NkC794tza78]
Und hier noch ein paar Bilder von diesem Tag, die ich aber schonmal gepostet habe:

(Ramallah, 23.9.2011)

(Kamerafrau Sabine Streckhardt und Lutz Neumann von monstamovies)

(Das Keinohr-Bunny von Ramallah)

(Noch beliebter als Fahnenschwenken: Kindern Fahnen geben und dann die Kinder schwenken)

(Auf der Fahrt nach Ramallah: Siedlung im Westjordanland)
(Volker Strübing)
Jetzt aber hoffentlich wirklich: Die neue Monstamovies-Serie für zdf.kultur ist fertig. Sie wird Am 6., 8. und 9.4. jeweils um 21.46 Uhr ausgestrahlt. Hier ist schonmal der Trailer, weitere Filme und Berichte folgen in den nächsten Wochen:
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=tqzpi7AqEf8]
(Volker Strübing)
Bamberg. Super Lesebühne, super Bier, super Kneipen. Und ein Fastnachtsumzug namens „Gaudiwurm“. Eine noch trübseligere Veranstaltung als ich mir ohnehin vorgestellt habe. Am Anfang des Zuges stellt ein Autohaus seine Produktpalette vor. Kleinwagen und ein Jeep, aus denen heraus Bonbons geworfen werden, für die sich kaum jemand interessiert, bis auf den dicken Jungen mit der speckigen Jacke, der gesenkten Hauptes zwischen den mehr oder weniger verkleideten Leuten herumschleicht, den Süßkram aufsammelt und in seine Norma-Tüte packt. Eine Frau mit einem Gesicht wie die große Depression von 1929, die einer Bekannten erklärt, dass ihre leuchtendrote Perücke ja nur 4,95 gekostet habe. Zwei oder drei Blas- und Trommelkapellen, die sich wenigstens Mühe geben und selbst Musik machen, die aber im Stimmungsschlagerrummelplatztechnogewummer der Wagen vor und hinter ihnen komplett untergeht.
Hab mir dabei auch noch einen schlimmen, schlimmmen Ohrwurm eingefangen: „Finger in‘ Po, Mexiko!“. Dabei würde „Finger in‘ Arsch, Trauermarsch!“ viel besser passen.

(Volker Strübing)
Weil ich mich noch nicht fett genug fand, kehrte ich mitten in der Nacht in einen Burgerimbiss ein. Während ich aufs Essen und das Bier wartete, blätterte ich in der ausliegenden Illustrierten Stern. Das war damals, als es um einen Nachfolger für Köhler ging, der der Bevölkerung erzählt hatte, was die Bundeswehr am Hindukusch und so verloren hat, was schließlich zur Suche nach seinem Nachfolger führte. Der wurde Wulff. Im Stern, damals im Imbiss, las ich ein Interview mit dem damals ebenfalls vorgeschlagenen Gauck. Was für eine miese Type!
Ich erinnere mich eigentlich nur noch daran, dass der meinte, dem Volk sei bloß nicht gut genug erklärt worden, was die Bundeswehr am Hindukusch und so verloren hat. Hätte man es den Leuten besser erklärt, wäre die Ablehnung in der Bevölkerung nicht so hoch. Alle Kraft in die Propaganda. Dabei ist es doch so: Wenn man der real existierenden BRD etwas danken kann, dann, dass sie die Propagandamaschine eben nicht so total anwirft (jedenfalls nicht jedes mal), wie es sich miese Typen wie Gauck wünschen.
Es erinnerte mich an den Sommer ´89. Damals schickte die FDJ Jugendfreunde in die Brigaden, um mit den Werktätigen zu diskutieren. Alle Kraft in die Propaganda. Wo so viele rübermachten, über Ungarn und Prag und so, da war es eben wichtig, dem Volk zu erklären warum seine Ablehnung der Politik der Avantgarde der Arbeiterklasse im real existierenden Sozialismus falsch war. Man hatte die ganze Politik „unseren Menschen“ eben bloß nicht gut genug erklärt.
Dieses Vertrauen in die Elite, deren einziges Versagen eben darin besteht, sich den Leuten nicht gut genug erklärt zu haben – dieses Arschmadentum – Wiedergänger der jüngeren und jüngsten Geschichte – also… also… äh-öh-hm… dafür bin ich ´89 nicht auf die Straße gegangen!
Ich glaube ich geh jetzt mal auf die Straße und zu jenem eingangs erwähntem Burgerimbiss. Ich bin noch lange nicht fett genug.
(Andreas Krenzke)
Hinsichtlich des kürzlich vor Belgien gestrandeten Pottwals Teofiel, der jetzt zu Biodiesel verarbeitet werden soll, stellt sich natürlich sofort die Frage, inwieweit Wale zukünftig einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten können. Allein der aus diesem Tier gewonnene Brennstoff liefert immerhin genug Strom, um 14 Haushalte ein Jahr damit zu versorgen. Beim Wal handelt es sich also um einen nachwachsenden Rohstoff von großem ökonomischen und ökologischen Potential.
Insbesondere sei hierbei darauf hingewiesen, dass die Gewinnung von Bio-Diesel aus Walfett gegenüber dem Anbau herkömmlicher Energiepflanzen wie Raps, Soja oder Ölpalmen den Vorteil hat, das weder Regenwälder gerodet, noch eigentlich für den Nahrungsmittelanbau nötige Ackerflächen umgewidmet werden müssen. Die beiden großen Probleme der Biobrennstofferzeugung wären elegant umgangen, kein Baum müsste für Waldiesel sterben, kein Teller bliebe leer – außer vielleicht in Japan, Island und Norwegen, aber der Verzehr von Walfleisch in diesen Ländern stellt ohnehin eine untolerierbare Barbarei dar. Die gutmütigen und intelligenten Riesen sind viel zu schade zum Essen.
Schoneinmal zeigten sie, welches Potential in ihnen steckt. Im 19.Jahrhundert gab es in mehreren europäischen Großstädten eine öffentliche Straßenbeleuchtung mit Waltranlaternen. Aufgrund der Ruß- und Geruchsproblematik, der geringen Lichtausbeute und gewisser logistischer Schwierigkeiten, die allabendliche Betankung und Entzündung betreffend, sind diese natürlich keine ernstzunehmende Alternative zur elektrischen Straßenbeleuchtung mehr.
Die Umwandlung von Walen, diesen ebenso liebenswerten wie energiereichen Meeressäugern in Biodiesel hingegen stellt eine zeitgemäße Art dar, unseren flossenbewährten Freunden einen angemessenen Platz im nachhaltigen, umweltschonenden und ethisch korrekten Energiemix der Zukunft zuzuweisen. Denkbar ist zum Beispiel die Verwendung des Waldiesels zum Betrieb riesiger Ventilatoren, die direkt vor Windkraftanlagen aufgestellt werden, um drohende Spannungsabfälle an windarmen Tagen zu vermeiden, und so die Windenergie berechenbarer und handhabbarer zu machen.
Für die nötige Akzeptanz in der Bevölkerung würde eine Imagekampagne der Windparkbetreiber sorgen. Ich seh sie schon vor mir: Ein lächelnder Comicwal, der in eine Spielzeugwindmühle pustet und dazu der Spruch: Wale machen Wind – für saubere Energie.

Natürlich ist es dafür entscheidend, eine dauerhaft ausreichende Versorgung mit den gemütlichen, hübsche Lieder singenden Moppelchen der Meere sicherzustellen. Zu Zeiten der Waltranbeleuchtung ging man leider etwas achtlos mit der Ressource Wal um, weshalb die Waljagd heute nicht mehr ausreichen kann, die benötigten Walmengen bereitzustellen. Und auf gelegentliche verirrte Strandwale zu warten, kann auch nicht die Lösung des Problems sein. Die gute Nachricht ist, dass für ein Land wie Deutschland schon die vergleichsweise kleine Zahl von 1,2 Millionen Pott- oder sogar nur 0,7 Millionen Blauwalen ausreicht, um sage und schreibe 12,3 Prozent des Gesamtenergiebearfs zu decken.
Alternativ ließe sich dieselbe Menge auch durch Verdieselung des dicksten Viertels der US-amerikanischen Bevölkerung erzielen, allerdings gilt diese Bevölkerungsgruppe in Amerika als strategische Energiereserve für den Fall eines arabischen Ölembargos. Die Ausfuhr stark übergewichtiger Amerikaner, auch ins befreundete Ausland unterliegt daher strengen Beschränkungen.
Die Walversorgung muss daher mittels Walfarmen sichergestellt werden. Zum Glück sind Wale, diese tot auf dem Strand liegend so rührend hilflos wirkenden, im Wasser aber sehr agilen und eleganten Giganten, sehr gesellige Tiere, wie geschaffen für die massenhafte Haltung in relativ kleinen Unterwasserkäfigen in Nord- und Ostsee.
Darüberhinaus könnte die Walzucht auch dem Tourismus in der Region neue Impulse geben. Insbesondere Massenschlachtungen in kleinen Buchten wären ein Besuchermagnet, der viel geld in chronisch unterentwickelte Regionen bringen würde. Gegen eine entsprechende Gebühr etwa könnte der Tourist sich einen der lustigen Gesellen reservieren lassen und ihn mithilfe einer Art Speer vom Ruderboot aus höchstpersönlich seiner höheren Bestimmung im Rahmen der Energiewende zuführen. Denkbar sind ferner unvergesslich romantische Hochzeitsfeiern. Denken Sie nur an das Hochzeitsfoto: Der Ehemann im Smoking, bis an die Knie im Wasser stehend, dem tausend ausblutende Moby Dickerchens die Farbe der Liebe verliehen haben, auf den Händen die Braut im weißen Hochzeitskleid, Sonnenuntergang, das ganze Programm halt, wenn ich nochmal heirate, dann nur so.
Selbstverständlich sind vorher noch einige Vorbehalte seitens von falsch verstandener Tierliebe geleiteter sogenannter „Walschützer“ auszuräumen. Hierbei ist vor allem darauf hinzuweisen, dass Wale, wenn sie denn wirklich so intelligent sind, wie allenthalben behautet, die ersten wären, die meinem Vorschlag zustimmen würden.
Es ist doch so: Der Wal steht vor einer historischen Entscheidung. Will er wie bisher fröhlich und gedankenlos in den Tag hineinleben, seine ulkigen Lieder pfeifen und auf das Aussterben warten? Oder ist er endlich bereit, Verantwortung für sich und den ganzen Planeten zu übernehmen und sich Seite an Seite mit seinem besten Freund, dem Menschen, dem Klimawandel und der Abhängigkeit von arabischem Öl und russischem Gas entgegenzustellen? Der Wal kann hierbei nur gewinnen. Der Mensch versorgt ihn mit Nahrung und gewährleistet seine massenhafte Vermehrung. Und wie schon andere Tierarten vor ihm – genannt seien das Schwein, die Kuh oder der Hund – käme der Wal in den Genuss einer durch planvolle Züchtung beschleunigten Evolution und stetigen Verbesserung. Sicher sind damit gewisse Einbußen an Lebensqualität und Freiheit verbunden, und auch die Aussicht, bei Erreichen der Volljährigkeit zu Diesel verarbeitet zu werden, mag nicht allzu erfreulich erscheinen, doch die Einsicht in die Notwendigkeit, der Stolz auf die eigene Rolle bei der Rettung des Planeten und das Wissen um die zahlreichen Vorteile für die eigene Spezies, wird den klugen und emfindsamen Trantönnchen die Unannehmlichkeiten versüßen.
Ich sage: Eine bessere Welt ist möglich. Wir haben die Wal. Denn wir haben den Wal!
(VS)
Spider hat es schon geschrieben: Der Schokoladen soll geräumt werden. Im Schokoladen sah ich 1996 das erste mal Leute, die wöchentlich mit selbstgeschriebenen Texten auf eine Bühne gingen und diese einfach vorlasen, eine Lesebühne eben, die „Reformbühne Heim & Welt“; im Schokoladen traute ich mich daraufhin das erste Mal mit eigenen Texten auf eine Bühne. Im Schokoladen hat die von mir mitbegründete Lesebühne LSD ihre jetzige Heimat gefunden. Und soll sie nun wieder verlieren. Von den Menschen, die dort wohnen, die sich ihre eigenen (und sinnvollen) Arbeitsplätze geschaffen haben, von den Theater- und Musikprojekten ganz zu schweigen. Ein toller und wichtiger Ort muss sterben für noch mehr luxussanierte Wohnungen für Berlin Mitte, noch eine Boutique oder eine Edelbar oder was auch immer.
Klar, Städte müssen sich verändern – der Schokoladen war schließlich auch eine Veränderung – aber wenn praktisch alle Veränderungen nur dem Wohl der Begüterten dienen, wenn die Sachen, die Berlin interessant und lebenswert machen, konsequent zerstört werden, dann ist Wut angebracht (vorbehaltlich der Möglichkeit, dass es gerade luxussanierte Wohnungen, teure Bars und hochgeklappte Bürgersteige in Investitionsgebieten sind, die Berlin interessant und lebenswert machen).
Die Berliner Lesebühnen haben einen Aufruf verfasst – Spider hat den hier schon mal verlinkt, ich setze den aber hier nochmal als vollständigen Text ins Blog. Noch ist es nicht zu spät, die Hoffnung stirbt zuletzt. („Aber sie stirbt“, um an dieser Stelle mal – wenn auch kontraproduktiv – den großartigen Nico Semsrott zu zitieren.)
Mischa-Sarim Vérollet bat mich, seinen Namen und den der Lesebühne Spree vom Weizen noch unter den Aufruf zu setzen, was ich natürlich gerne tue.
Berliner Lesebühnen fordern:
Schokoladen schließen!
Klappt die Bürgersteige hoch!
Der Letzte macht das Licht aus!
Seit 1989 sind in Berlin Dutzende von Lesebühnen entstanden: Ensembles von Autorinnen und Autoren, die in Kneipen und Clubs ihre neuen Geschichten vorlesen.
Berlin schmückt sich gern mit diesen Veranstaltungen, die jedes Jahr von Tausenden von Berlinern und Touristen besucht werden und die inzwischen etliche namhafte Kabarettisten und Schriftsteller hervorgebracht haben.
Leider interessiert sich die Berliner Politik nicht dafür, was für die Entstehung einer solchen lebendigen Szene notwendig ist: Cafés, in denen die Getränkepreise so niedrig sein können wie der Eintritt. Kneipen, in denen Künstlerinnen und Künstler einfach etwas ausprobieren können, ohne dass es Geld abwerfen muss. Clubs, deren Betreiber sich nicht ständig sorgen müssen, wie sie die grotesken Renditen für die Hausbesitzer erwirtschaften können.
Nun soll auch der Schokoladen schließen und von der Polizei geräumt werden.
Ohne Orte wie den Schokoladen wären die Berliner Lesebühnen nie entstanden!
Bis vor wenigen Jahren konnten wir uns leicht trösten, wenn wieder einer dieser Orte schließen musste. Es gab ja noch andere. Das war einmal. Heute gibt es praktisch keine Orte mehr, an denen noch etwas entstehen könnte.
Die östliche Innenstadt nähert sich einem Zustand der Stagnation.
Wir können an dieser Stelle nicht ausführlich auf den Prozess der Gentrifizierung eingehen, den wir ohne es zu wollen selbst mit angestoßen haben. Dazu haben sich andere bereits fundierter geäußert, als wir es könnten. Doch wir sehen mit Wut, wie das allgemeine und für alle Bevölkerungsschichten geltende „Recht auf Stadt“ immer mehr zum Privileg der Gut- und Besser- und Bestverdiener zu werden droht.
Die Berliner Lesebühnen und ihre Freunde beteiligen sich an den Aktionen zur Rettung des Schokoladens. Und wir bitten alle, die uns kennen, uns dabei zu unterstützen.
-> Kommt zur Demo gegen die Räumung des Schokoladens:
Dienstag 21. Februar, 17.30 Uhr
Klub der Republik, Pappelallee 81
(U-Bhf. Eberswalder Str.)
-> Stellt euch der Räumung in den Weg:
Mittwoch 22. Februar, 8 Uhr
Schokoladen, Ackerstrasse 169
(U-Bhf. Rosenthaler Platz)
Unterzeichner/innen
Einzelpersonen
Ahne , Andreas „Spider“ Krenzke, Andreas Gläser, Andreas Jeromin, Andreas Kampa, Andreas Scheffler, Anselm Neft, Bov Bjerg, Clint Lukas, Dan Richter, Daniela Böhle, Elis, Falko Hennig, Felix Jentsch, Frank Sorge, Frédéric Valin, Hans Duschke, Heiko Werning, Hinark Husen, Horst Evers, Ingolf Penderak, Ivo Smolak aka Ivo Lotion, Jacinta Nandi, Jakob Hein, Jochen Schmidt, Judith Hermann, Jürgen Witte, Karsten Krampitz, Kirsten Fuchs, Konrad Endler, Lea Streisand, Lt. Surf, Manfred Maurenbrecher, Martin „Gotti“ Gottschild, Micha Ebeling, Mischa-Sarim Vérollet, Paul Bokowski, Robert Naumann, Robert Rescue, Robert Weber, Sarah Bosetti, Sarah Schmidt, Sebastian Krämer, Sven van Thom, Thilo Bock, Tilman Birr, Tobias „Tube“ Herre, Udo Tiffert, Uli Hannemann, Volker Strübing, Volker Surmann, Wladimir Kaminer
Lesebühnen
Brauseboys
Chaussee der Enthusiasten
Der Frühschoppen
Kantinenlesen
Liebe statt Drogen
Radio Hochsee
Rakete2000
Reformbühne Heim & Welt
Spree vom Weizen
Surfpoeten
Texte im Untergrund
Tiere streicheln Menschen