Autor: vstr@gmx.de

  • Bummerang

    Doch nichts zum Thema „Gutmensch“ heute, sondern nur eine kleine, ironische Nebenbemerkung zum Thema „Deutschland kackt ab“ (Ahne):

    Thilo Sarrazin bezieht sich in seinem Buch oft und gerne auf IQ-Tests und Durchschnitts-IQ-Werte verschiedener Bevölkerungsgruppen und misst ihnen große Aussagekraft bei. Von daher sollte es ihm zu denken geben, was bei einer Studie zum Verhältnis von Intelligenz und politischer Ansicht herausgekommen ist:

    In der National Longitudinal Study of Adolescent Health, deren Daten die Londoner Forscher nutzten, wurde auch nach der politischen Überzeugung der Jugendlichen gefragt. Jene, die sich als „very liberal“ einstuften, was im Deutschen einer linken und linksliberalen Haltung [und damit dem „Gutmenschen“ – Anm. VS] entspricht, erreichten einen IQ von 106. Wer sich als „sehr konservativ“ charakterisierte, hatte hingegen nur einen IQ von 95, schreiben die Forscher im Fachblatt „Social Psychology Quarterly“. (Artikel bei Spiegel Online)

    (VS)

  • Thilo Sarrazin und die Meinungsfreiheit

    Ich lese gerade „Deutschland schafft sich ab“ – nachdem sogar Kloß und Spinne schon darüber diskutiert haben, möchte ich doch gerne genau wissen, worum es geht 😉 Ich werde von der Lektüre hier sicher noch berichten, aber erstmal will ich es durchlesen und das kann dauern, denn mit seinen vielen Statistiken und Wiederholungen ist es nicht gerade ein Page-Turner.

    Darum heute nur was zur Diskussion um das Buch. Dass es von einigen seiner Fans als Beleg einer mangelnden Meinungsfreiheit in Deutschland herangezogen wird, ist so offensichtlich hanebüchen, dass man eigentlich gar nicht darauf eingehen müsste. Es verkauft sich hunderttausendfach. Es wird überall darüber geredet und geschrieben. Dass viele der Beiträge über das Buch eine andere Meinung vertreten als die im Buch vertretene, ist Teil der Meinungsfreiheit. Und wenn jemand erklärtermaßen gern schnörkellos redet, zuspitzt und provoziert, ist es doch eigentlich ein Erfolgszeichen, wenn sich dann auch jemand provoziert fühlt.

    Andererseits: Mich befällt große Fremdscham, wenn ich etwa das Bild dieses einen Demonstranten sehe, das durch alle Zeitungen und Nachrichtensendungen ging, dieser Typ mit dem „Halt’s Maul“-Plakat, wenn ich an die unsägliche Beckmann-Sendung denke, oder wenn ich im Fernsehen eine Vorschau auf eine Kabarettsendung sehe, bei der ein Florian Schröder sagt: „Thilo Sarrazin bringt Kulturen zusammen. Er ist der Beweis: Nicht nur der Islam hat hervorragende Hassprediger“ – tärä, Brüller, was haben wir gelacht, das wird man doch wohl noch sagen dürfen.
    Dummheit richtet sich leider nicht nach dem Standpunkt zur Integrationsdebatte.

    Ich habe einige kluge oder zumindest ernsthafte Kommentare zu Sarrazins Buch und seinen Thesen gelesen – ablehnende, diffenzierende, lobende – aber insgesamt scheint das alles in einem großen Gekeife unterzugehen. „Rassist“ brüllen die einen, „Gutmensch“ die anderen und Meinungsfreiheit scheint so ziemlich das letzte zu sein, worum es den Brüllaffen auf beiden Seiten geht, egal wie stolz sie deren Banner vor sich her tragen.
    Matthias Matussek bei Spiegel Online:

    „Es ist die Wut von Leuten, die es satt haben, das Mittelalter in ihrer Gesellschaft, die einen langen und mühevollen Prozess der Aufklärung hinter sich hat, zurückkehren zu sehen. Die es satt haben, für ihre Angebote an Eingliederungshilfen beschimpft und ausgelacht zu werden. Die es satt haben, über terrornahe islamistische Vereine zu lesen, über Ehrenmorde, über Morddrohungen gegen Karikaturisten und Filmemacher oder zu hören, dass auf Hauptschulhöfen „du Christ!“ als Schimpfwort benutzt wird. Die wütend zur Kenntnis nehmend lesen, dass sich westliche Staatsmänner für Frauen in einem islamischen Land einsetzen müssen, weil diese dort als Ehebrecherinnen gesteinigt werden sollen.
    Merkwürdigerweise aber sind nun zumindest viele der bei uns lebenden türkischen Mitbürger – und in der „SZ“ am Wochenende werden acht junge vorgestellt – nicht darüber empört, sondern über Sarrazins Buch.“

    Lassen wir mal die Frage beiseite, wie oft „du Christ!“ als Schimpfwort auf Hauptschulhöfen gebraucht wird (ich nehme an, seltener als „Du Kanacke / Opfer / Spast / Schlampe / Homo“ und ganz sicher seltener als „Gutmensch“ in der Sarazzin-Diskussion, aber da haben weder ich noch Matussek belastbares Zahlenmaterial). Was will uns Matussek mit seinem Beitrag sagen? Ich verstehe das so: In Deutschland lebende Türken sollen gefälligst die Schnauze halten, wenn über in Deutschland lebende Türken geredet wird, es sei denn, sie stellen ihrer Wortmeldung eine Erklärung über ihre Empörung über die Unrechtspraxis im Iran voran und werfen sich Asche aufs Haupt wegen doofer türkischer Hauptschüler und karikaturistenmordender Fanatiker. Dass die 8 jungen Leute in der SZ wahrscheinlich auch die Steinigung verurteilt hätten, aber eben nicht danach, sondern nach Sarrazin gefragt wurden – egal.

    So. Eigentlich wollte ich jetzt noch was zum Thema „Gutmensch“ schreiben, aber das muss bis morgen warten.

    (VS)

  • Toleranz? Nicht ganz.

    Koranverbrennung abgesagt, Bibelverbrennung verboten. Ich halte von beiden Büchern nicht viel – außer als zeitgeschichtliche Dokumente und kulturstiftende Werke, die in dieser Hinsicht allerdings schon längst ihre Schuldigkeit getan haben – egal, darum gehts mir jetzt gar nicht. Ich bin sehr froh, dass die Verbrennungen nicht stattfanden, Bücherverbrennungen sind eine üble Sache, übrigens auch unter ökologischen Gesichtspunkten (ab ins Altpapier!). Vor allem aber ist mir der hinter der Aktion deutlich erkennbare Wille, Spannungen anzuheizen, vielleicht sogar Gewalt zu provozieren, sehr unsympathisch.

    Daher fand ich es im ersten Moment auch sehr schön, zu lesen, dass ausgerechnet Islam-Gelehrte in Südafrika den Antrag gestellt hatten, die Bibelverbrennung zu verbieten. Das Ganze wurde denn auch als „Signal für Toleranz“ gewertet. Ich freute mich darüber – bis ich weiterlas: „Der Anwalt der Islam-Gelehrten, Zehir Omar, betonte gegenüber der Zeitung, das Gericht sei in allen Punkten seiner Argumentation gefolgt. Dazu zähle auch die Auffassung, dass die Meinungsfreiheit ihre Grenzen dann finde, wenn durch sie Mitglieder einer Religionsgemeinschaft verletzt würden.“ (Spiegel Online)
    Erinnert sich noch jemand an den Streit über die Mohammedkarikaturen? Einige Vertreter des abendländischen Christentums hielten die Gelegenheit für günstig, mit ihren „religiösen Gefühlen“ rumzufuchteln, die man ebenfalls nicht verletzen, über die man sich nicht lustig machen dürfe. Mit der Begründung des südafrikanischen Gerichtes ließen sich nicht nur die Bücherverbrennungen, sondern auch Mohammed-Karikaturen und Titanic-Kruzifix-Titelbilder verbieten.

    (VS)

  • Gut gegessen, gut gekackt

    Ach, ist das schön. Und da behaupte ich immer, dass alle Werbung schlecht sei. „Lecker rein, locker raus“ (bzw. „LRLR“, wie eine jugendliche Bekannte es sofort übersetzte) wird sicher dauerhaft Eingang in meinen Sprachgebrauch finden. Und die Existenz eines verdauungsfördernden Ü-50-Brotes nimmt einem doch einiges an Angst vor dem Alter …

    (VS)

  • Kloß und Spinne – Teil 19: Fremd im eigenen Land

    Ach was solls, hier ist er, inzwischen ist er eh schon woanders verlinkt und außerdem habe ich auch noch eine ganz neue Geschichte für heute Abend.

    [youtube=http://www.youtube.com/watch?v=Gi0Cza6KLI4]

    Ein Buch und seine Folgen: Kloß fühlt sich fremd im eigenen Land, Norbert beklagt den mangelnden Integrationswillen der Muslime und Spinne verspricht, seinen deutschen Mann zu stehen.

    Wie immer ohne Brause. Wegen technischer Probleme auch ohne Katze und mit den alten grünen Vorhängen.

    (VS)

  • Nr.19

    Es gibt eine neue Kloß-und-Spinne-Folge, die 19., wenn man die Quickies nicht mitzählt. Man kann sie heute Abend bei der Chaussee der Enthusiasten sehen, wo ich Robert Naumann vertreten werde. Hier verlinke ich sie dann morgen. (Man kann aber auch schon bei youtube schmulen.)

    (VS)

  • Ich bin nicht paranoid. Ich kann beweisen, dass Ihr mich fertig machen wollt!

    (Eine alte Geschichte, die ich aus gegebenem Anlass mal wieder vorgekramt habe.)

    Die gegen mich gerichtete Verschwörung hat nur einen Fehler: Sie ist zu perfekt. So bin ich ihr auf die Schliche gekommen.

    Neulich zum Beispiel. Hatte ich Herpes. An der Lippe. Und was für eine! Die Mutter aller Herpen, eine schaurig glänzende Kolonie von Millionen von wimmelnden Viren, des Ekels bunte Blüte, ich sah aus, als hätte ich mir ein H.R.Giger-Gemälde auf die Lippe tätowieren lassen, als hätte ich einen Zombie gegessen und mir hinterher nicht den Mund abgewischt, ich sah aus, als hätte ein Hund mir in den Mundwinkel geschissen – verdammt noch mal: Ich schien dem feuchten Traum eines pubertierenden Warzenschweins entsprungen! In meinem Mundwinkel sah’s aus wie bei Hempels auf’m Kompost, Fotos von mir hätte man als hundertprozentigen Appetitzügler verkaufen können, ich war der Homo Horribilis! Stellt euch die Hexe aus dem Märchen von Hänsel und Gretel vor, mit all den Grieben und Pickeln, wie sie euch mit ihrem langen, warzenübersäten Zeigefinger zu sich heranwinkt … habt ihr das Bild vor Augen? Und stellt euch jetzt noch vor, sie wäre nackig! So scheiße sah ich aus mit diesem Mundfurunkel, dieser Lippenhämmorhoide, diesem Fressleisten-Lepra! (mehr …)

  • Fernsehtip

    „Mister & Missis.Sippi“ hat es ins Hauptprogramm geschafft! Wenn auch nicht unbedingt in die Hauptsendezeit: Am Sonntag, dem 29.8., wiederholt das ZDF ab 1.45 Uhr unter dem Motto: „XXL – Die lange Mississippi-Nacht“ alle drei Teile unserer Reisedoku. Wer also am Montag nicht allzufrüh raus muss (bzw. wer am Montag sehr früh raus muss), kann Patricia Schäfer und mich nochmal auf einem Floß von St. Louis nach New Orleans fahren sehen. Ich stell mir bestimmt den Wecker 😉
    20.15 Uhr wäre natürlich schöner gewesen, aber da kommt ja schon „Kreuzfahrt ins Glück – Hochzeitsreise nach Hawaii“

    (VS)

  • Wie schwer eine Last ist, hängt von der Länge des Hebels ab, an dem man sitzt

    Deutschland ist ein Steuerparadies, so stand es neulich bei Spiegel Online. Zumindest für die, die nicht das Pech haben, zu den bestverdienenden 10% der Deutschen zu gehören, denn diese bedauernswerten Menschen müssen gut die Hälfte der Steuern zahlen. Das ist Futter für die nächste Neiddebatte, auch wenn, ebenfalls laut Spiegel, die reichsten 10% über 60% des gesamten Vermögens besitzen und nur 1% sogar 25% ihr Eigen nennen können.
    Dankenswerterweise geht der Artikel auch darauf ein, dass es ganz anders aussieht, wenn man nicht nur die Steuern betrachtet, sondern auch Abgaben und Krankenversicherung: „Damit wirken die Sozialabgaben, deren Aufkommen sich auf mehr als 380 Milliarden Euro pro Jahr summiert, vor allem für Normalverdiener wie die eigentliche Steuer. Wer 30.000 Euro pro Jahr verdient, muss gut 20 Prozent von seinem Gehalt für Krankenversicherung und Co. aufbringen. Bei einem Bestverdiener mit einem Jahreseinkommen von 300.000 Euro schrumpft dieser Anteil auf weniger als vier Prozent. Echte Peanuts also.“
    Was die Steuern angeht, könnte man natürlich argumentieren, dass die Bestverdienenenden selber schuld sind, wenn sie, beispielsweise als Manager eines Textil- oder Lebensmitteldiscounts, die Lohnkosten minimieren, um den eigenen Lohn zu erhöhen – und damit Steuerlast von unten nach oben umverteilen, diese verkappten Sozis!

    (VS)

    Nachtrag, 26.8.: Sehr lesenswerter Atikel auf den NachDenkSeiten (danke nils!): „Zur ganzen Wahrheit gehörte auch, dass die Einkommensteuern nur rund ein Drittel […] der staatlichen Steuereinnahmen ausmachen. Daneben stehen die indirekten Steuern, also die Mehrwertsteuer, die Mineralöl- oder die Tabaksteuer.[…] Die indirekten Steuern machten 1990 noch etwa 40 Prozent des Steueraufkommens aus, seit der Jahrtausendwende liegt ihr Anteil bei etwa der Hälfte der gesamten Steuereinnahmen. Indirekte Steuern treffen aber – bezogen auf das verfügbare Einkommen – weniger die hohen Einkommensbezieher, sondern eher die niedrigen und Mittleren Einkommen, die ganz oder zum allergrößten Teil für die alltägliche Lebensführung ausgegeben werden (müssen).“