Kategorie: Literatur / Lesebühne / Poetry Slam

  • (Konstanz II) Noch drei Kleinigkeiten, dann kann mich der Teufel holen

    Vor 2 Jahren sind MichaEbeling und ich schon einmal zum Slam nach Konstanz gefahren und damals haben wir einen großen Fehler gemacht: Wir sind am nächsten Tag schon nach Berlin zurückgefahren – 17 Stunden Zugfahrt für 5 bis 10 Minuten Auftrittszeit, einen (sehr guten) Slam und einen kurzen Blick auf den Bodensee. Diesmal habe ich noch einen Tag in Kreuzlingen, dem schweizer Teil von Konstanz, drangehängt. Zusammen mit Mirco Buchwitz und Frank Kloetgen waren wir zu Gast bei Charlotte und Thomas, die in einer großen WG in einem wunderschönen (und im Winter unbeheizbaren) Haus mit Garten wohnen. Die beiden organisieren Slams und Lesungen in Konstanz und betreiben das CD-Label Sprechstation. Mein Rat: Die CDs von Sebastian 23 und Gabriel Vetter kaufen, anhören und sich anschließend darüber freuen, diesen, meinen Rat beherzigt zu haben!

    Den Sonnabend habe ich zu einem Großteil mit Gartengammeln, Kaffeetrinken und Zeitunglesen verbracht. (Bin ich übrigens krank, weil ich das trotz der grauenvollen Nachrichten in der Zeitung als angenehm empfunden habe? Wahrscheinlich. Und verwende ich eigentlich zuviele Klammern? Wahrscheinlich.)

    Am späten Nachmittag waren wir im Bodensee baden, womit ich den Punkt „Baden im Bodensee“ nun endlich auch auf der „Liste der Dinge, die ich unbedingt noch im Leben machen will“ abhaken kann. Bin inzwischen ziemlich weit mit dem Abarbeiten dieser Liste gekommen. Jetzt muss ich nur noch in den Weltraum fliegen, die Welt retten und auf dem 50. Geburtstag meiner Ururenkelin nackt und betrunken auf dem Tisch tanzen, und dann kann ich zum Sterben auf den Berg gehen.

    (geschrieben gestern im Zug)

  • (Konstanz I) Slam

    Am Sonnabend war ich zum Open Air Slam in Konstanz eingeladen. Die Bühne war ein Garagendach neben einem Club in einem hässlichen Industriegebiet. Der Platz vor und neben der Garage war mit Sand aufgefüllt, es gab Liegestühle und sogar zwei klitzekleine Swimmingpools. Es war großartig! Vielleicht hätte man die Wände der umliegenden Lagergebäude noch mit Wellen, Delphinen und überfüllten Flüchtlingsschiffen (Entschuldigung) bemalen können, aber ansonsten gab’s nichts zu meckern. Es waren 300, vielleicht auch 400 Zuschauer gekommen, und die Stimmung war toll. Leider hat uns gegen Mitternacht die Polizei vom Strandparadies ins Innere des Clubs vertrieben und dort wurde es unangenehm. Vor allem wegen der Leute, mit denen man dann zu tun bekam. Da war ein Arschloch-DJ, der nicht einsehen konnte, dass die blöden Poeten jetzt in seinem Reich rummurksen und ein paar Bilderbuch-Security-Bodybuilder (ich finds immer wieder überraschend, wenn Leute irgendwelche Klischees zu 100 % erfüllen), die wahrscheinlich noch in 5 Jahren am Security-Stammtisch erzählen werden, dass sie mal bei einer Veranstaltung Ordner gemacht haben, bei der – Puhahahaha! – so’n paar Trottel GEDICHTE vorgetragen haben.

    Ich hatte Glück bei der Auslosung und bin gleich als Zweiter rangekommen. Normalerweise ein doofer Startplatz, aber diesmal waren die zu bemitleiden, die am Ende dran waren und drinnen lesen mussten. Neben dem schlechten Ton und der schlechten Luft mussten sie gegen Gesprächslärm von der Bar ankämpfen und vor allem gegen ein paar Kumpels der Security-Truppe, von denen zwei irgendwann anfingen, die Leute am Mikro durch „Hör doch auf, du Arschloch“-Rufe zu … hm … stören wäre ein zu schwaches Wort …

    Zum Glück sind sie da bei Etrit Hasler an den Falschen geraten. Es war unglaublich: Etrit, selbst eher schmächtig und klein, ist auf den Brüllaffen losgegangen, hat ihn ans Mikro gezerrt und zurückgebrüllt: „Los, jetzt sag, was du zu sagen hast, du Arschloch!“ Cool. Natürlich kam da nicht viel – er hat „Deutschland“ gerufen, die Arme hochgerissen und dann gesagt: „Ich gehe jetzt nach Hause und feiere Klinsmann. Und Euch nicht!“

    Schade, dass es dem Typen wahrscheinlich nicht einmal peinlich war und er der Meinung ist, den blöden Studenten mal richtig die Meinung gesagt zu haben.

    Klarer Sieger des Abends war Gabriel Vetter.

    (geschrieben gestern im Zug)

  • Amazon – Fluch oder Segen?

    Für den Buchhandel dürfte die Antwort klar sein: Fluch. Für mich als Autor sieht das ganz anders aus. Gäbe es Amzon oder etwas vergleichbares nicht, könnte ich meinen Roman ausschließlich auf Lesungen verkaufen. Für einen kleinen Verlag mit entsprechendem Werbebudget und ohne herumreisende Vertreter ist es fast unmöglich, ein Buch in den Buchhandel zu bekommen und deshalb der Internetverkauf sehr wichtig.

    Allerdings hat der Autor auch ein Problem mit Amazon. Na gut, nicht der Autor an sich, sondern ich (und bestimmt auch der eine oder andere Kollege): Ich gucke gerne auf der Amazon-Website nach meinem eigenen Buch. An die 6stelligen Verkaufsränge hab ich mich schnell gewöhnt und über die gelegentlichen Kundenrezensionen riesig gefreut. Einmal pro Woche wurde der Verkaufsrang neu berechnet (nur die Top-1000 oder so wurden häufiger aktualisiert), öfter musste ich nicht nachgucken.

    Aber jetzt haben sie scheinbar für alle Ränge eine stündliche Neuberechnung eingeführt. Seitdem komme ich nicht mehr zum Schreiben oder Schlafen oder Computerspielen, weil ich ständig nachgucken muss – es ist eine Katastrophe! Ich war diesen Sommer noch nicht einmal zum Baden an einem See, weil mir keiner mit WLAN-Hotspot bekannt ist!

    Heute früh hat’s sich’s zumindest mal gelohnt: Ich konnte mein Buch erstmals und immerhin eine gute halbe Stunde lang unter den „oberen 10.000“ bewundern:

    amazon.jpg

    Inzwischen ist es wieder auf Platz … halt, ich gucke lieber nochmal … 15.514. Und jetzt werde ich alle Kraft zusammenehmen und versuchen, die Wohnung zu verlassen, bevor ich den ganzen Nachmittag damit verbringe, den Absturz in die 20.000er zu verfolgen.

  • Geldberg

    Die Surfpoeten wollen Geld. Viel Geld.

    Die Kulturstiftung des Bundes hat einen Fonds für künstlerische und kulturelle Projekte eingerichtet, die sich mit dem Wandel der Arbeit auseinandersetzen und durch ein überzeugendes Vermittlungskonzept auszeichnen … Die maximale Fördersumme pro Projektantrag beträgt 150000 Euro.“ (hier kann man es nachlesen)
    Klar, dass wir als Experten zum Thema Arbeit die 150000 Euro einheimsen wollen.

    Was sie mit dem Geld machen wollen, steht unter http://www.surfpoeten.de/geldberg/

    Ich finde die Idee großartig und die dahinterstehenden Überlegungen absolut überzeugend. Liebe Surfpoeten – ich drück Euch beide Daumen und gucke schon mal bei Ebay nach billigen Schubkarren 😉

  • Kollateralschäden

    Die Fußballspiele der WM interessieren mich zwar nicht sonderlich, aber das Drumherum macht Spaß. Das Expertengesabbel zum Beispiel. Ich glaube, auf jede Minute Spielzeit kommen 30 Minuten Gelaber. Am besten gefallen mir dabei die komischen Statistiken nach dem Muster: Bis jetzt hat Deutschland noch nie in Dortmund verloren / Bei Spielen dieser oder jener beiden Mannschaften ist bisher noch nie ein Tor in der Verlängerung gefallen / Portugal hat bis jetzt noch niemals ein gewonnenes Spiel verloren / Noch nie ist Deutschland von einer Mannschaft besiegt worden, die im linken Mittelfeld (gibt’s sowas?) einen Rechtsträger aufgestellt hat / Bisher hat Deutschland alle WM-Halbfinalspiele, die zeitgleich mit LSD stattfanden, verloren.

    Man kann Letzteres leider auch so sagen: Noch nie hat LSD stattgefunden, wenn zeitgleich die Deutsche Nationalmannschaft ein WM-Halbfinale verloren hat. Ja, gestern, am 10. Geburtstag, ist LSD das erste Mal aufgrund Zuschauermangels ausgefallen. Da kann nicht mal der 11.9.2001 mithalten, obwohl wir an dem Abend fast damit gerechnete hatten. Es wäre zynisch und geschmacklos, zu behaupten, dass damit Fußball als die größere Katastrohe überführt ist, und darum schreibe ich, dass es zynisch und geschmacklos wäre, dies zu behaupten und wasche meine Hände in Geschmack und Unzynismus.

  • Gestern im Biergarten – heute im Zosch

    Seit anderthalb Jahren eine schöne Tradition: Die LSD-Quartalsweihnachtsfeier. Alle drei Monate treffen wir uns, und hauen unsere Kasse auf den Kopp. Gestern hat Uli uns alle nach Neukölln in den Biergarten „Alte Welt“ gelockt. Sehr nett und empfehlenswert, nur etwas staubig. Wenn schon mal Besuch aus dem Osten kommt, hätten sie in Westberlin ruhig mal staubwischen können! Egal!

    Von der Öffentlichkeit (und beinahe auch von uns) weitgehend unbemerkt, gab es Null Uhr einen echten Grund zum Anstoßen (nicht, dass wir einen Grund bräuchten …): Heute vor 10 Jahren, am 4.7.1996, fand unsere erste Lesung statt. Damals noch an einem Donnerstag in einem doofen Café namens „Nova“ unter dem Titel „Supernova“. Von der jetzigen Besetzung waren nur Tube, Spider und ich dabei. Zwei Monate später sind wir ins Zosch und auf den Dienstag umgezogen, haben die Veranstaltung in „Keller Buntes“ umbenannt und uns seitdem nicht mehr aus dem Keller vertreiben lassen. Nur Weihnachten 1996 mussten wir die Lesung ausfallen lasen, weil das Zosch für diesen Tag schon ein Konzert angesetzt hatte.

    Vielleicht wird ja der heuige Jubiläumstag der zweite Ausfalltermin? Das Wetter und das Halbfinale sind schon echte Konkurrenz für eine Kellerlesung! Gestern haben wir den halben Abend darüber getritten und spekuliert, wie es wohl heute werden mag und sind zu dem Ergebnis gekommen: Mal abwarten. Wenn niemand kommt, gehen Tube und Ivo auch Fußballgucken und Spider und ich bewachen unsere Freigetränke 😉
    Eine Geburtstagsfeier ist für heute sowieso nicht geplant – die heben wir uns für den Herbst auf. Da erscheint unser Buch mit CD bei Voland und Quist und wir veranstalten eine große Geburtstags- und Buchreleaseparty.

  • Verrückte Welt: Kaffee teurer als LSD!

    Der Kaffee in den Zugkneipen der Deutschen Bahn ist teurer geworden. Nur um 10 Cent, aber eigentlich fand ich den bisherigen Preis von 2,60 Euro schon ziemlich gewagt. Immerhin war er damit teurer als eine zweistündige Lesung im Zosch. Und ich finde: Meistens ist LSD besser als die Bahnplörre.

    Die Berliner Lesebühnen sind so ziemlich das Einzige, was noch immer soviel kostet wie vor 5 Jahren. Die letzte Preisänderung bei LSD gab es mit Einführung des Euro – von 5 DM auf 2,50 Euro, also 4,88 DM oder so.

    Hin und wieder diskutieren wir über Preiserhöhungen. Bis jetzt war ich immer dagegen. Man muss ja nicht jeden Scheiß mitmachen.

    Das Hauptargument für höheren Eintritt ist gar nicht der zu erwartende Gewinn, sondern die Überlegung, dass das, was wir machen, unseren Besuchern doch mehr wert sein sollte, als eine Tasse Kaffee oder ein Glas Wein – aber ich denke, das ist es ihnen. Wir müssen sie nicht unbedingt zwingen, das an der Kasse zu beweisen.

    Trotzdem: Eines Tages wird der Preis raufgehen. Bei LSD werden wir sicher auf den Lesebühnenstandardpreis von 3 Euro erhöhen. Bei der Chaussee der Enthusiasten wird eventuell schon in ein oder zwei Monaten jeweils der erste Donnerstag im Monat 3,50 Euro kosten. Dafür wird an dem Tag aber viel geboten: Die Improtheatergruppe „Die Bö“ wird ein monatliches musikalisches Gastspiel im Rahmen der Lesung absolvieren und wir konzentrieren unsere Diskoambitionen auf diesen Tag, um einmal im Monat eine richtig gute Aftershowparty zu machen, anstatt wöchentlich etwas demotiviert rumzustümpern. Außerdem bleibt der erste Donnerstag natürlich weiterhin rauchfrei (zumindest bis zum Ende der Lesung).

  • Mein Erster ist Zweiter geworden!

    Hey! "Das Paradies am Rande der Stadt" hat den zweiten Platz beim Deutschen Science Fiction Preis belegt! Wahnsinn!*

    Preisträger 2006 ist "Das Cusanus Spiel" von Wolfgang Jeschke. Mehr Infos und eine Laudatio auf den Sieger gibt es hier: www.sf-fan.de

    * "Wahnsinn" ist so ein blödes Wort … nachdem ich jetzt eine Woche praktisch auschließlich in Englisch gesprochen habe, würde ich viel lieber "marvellous", "great" oder "wonderful" schreiben, aber das ist eigentlich genauso bescheuert. Ich freue mich einfach über dieses tolle Ergebnis.

  • Rotterdam – 3. Bericht

    Alles ist gut! Der Worldslampionship-Gewinner 2006 ist Elvis McGonagall aus Großbritannien! Und, Mann, der Typ hats verdient! Der zweite Platz ging an Mike McGee aus den Vereinigten Staaten, und es hätte genausogut der erste werden können – wen kümmern die paar Nachkommastellen, mit denen sich die beiden in der Jury-Wertung unterschieden! Auf dem dritten Platz: Luciole aus Frankreich – und das mit noch nicht ganz 20 Jahren!

    Ich habe, glaube ich, den vierten belegt, vielleicht ging der aber auch an Kalle Haglund, den schwedischen National Slam Gewinner, der sich viel, viel besser geschlagen hat, als „seine“ Fußballnationalmannschaft.

    Nach dem (für mich) grauenvollen Slam am Montag bin ich jetzt sehr, sehr zufrieden. Um ehrlich zu sein: Ich war verdammt gut! (Für die Selbstanklage vom Dienstag hier im Weblog hatte ich einmal Eigenlob gut!)

    In der ersten Runde habe ich einen Text auf Deutsch auswendig vorgetragen, das war … ganz okay. In der zweiten Runde habe ich – nachdem ich drei Tage lang überlegt und gearbeitet und gelernt (… und getrunken und gegessen und gefeiert und geredet) habe – noch einmal ein Experiment gewagt und einen Text auf Englisch performt. Halb auswendig, halb vorgelesen. Und der kam extrem gut an. Beim Publikum, bei der Jury und bei den anderen Slammern.

    Die Woche in Rotterdam war unglaublich. Die Organisatoren nennen das Festival bescheiden „Poetry International“ – ich würde es eher „Poets Paradise“ nennen. Einen längeren Bericht gibt’s demnächst! (Wahrscheinlich.)

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    Mike McGee

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    Kalle Haglund und Elvis McGonnagall

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    Luciole