Wenn man viel auf der Bühne steht, hängt das Selbstvertrauen schon sehr am Erfolg beim Publikum. Bei mir zumindest, und ich denke, es geht vielen Lesebühnenkollegen ähnlich. Manchmal wird uns das indirekt vorgeworfen – dann heißt es, wir würden uns beim Schreiben nach dem Geschmack des Publikums richten, anstatt reine, wahre Kunst (was immer das sein mag) zu fabrizieren. Ich kann über diesen Vorwurf nur – je nach Laune – lachen oder den Kopf schütteln. Bevor ich angefangen habe, auf Lesebühnen aufzutreten, war ich selbst Publikum, und was die da oben am Mikro machten, hat mich begeistert. So sehr, dass ich irgendwann nicht mehr nur zuhören, sondern es selbst probieren wollte. Ich richte mich nach meinem Geschmack und bin froh, dass dieser anscheinend nicht besonders extravagant ist 😉 Bis auf ein paar Ausnahmen sind die Texte, die ich selbst für die besten halte, auch die, die beim Publikum am besten ankommen.
Ich habe – ein dunkles Kapitel meiner Vergangenheit – mal 2 Jahre als Werbetexter gearbeitet, und ich hab’s ganz gut gemacht. Wenn ich dort für meine Arbeit gelobt wurde, dann hieß das, dass ich dem Kunden „nach dem Mund geschrieben habe“. Ich weiß, wie das ist. Und ich merke den Unterschied, wenn ich eine Geschichte schreibe.
Bleibt natürlich die bange Frage: Was wird, wenn es eines Tages nicht mehr so funktioniert? Wenn meine Sachen keinen mehr interessieren?
Egal, soweit ist es ja noch nicht. Obwohl ich gestern bei der Chaussee und Dienstag bei LSD mal wieder einen kleinen Vorgeschmack darauf bekommen habe, wie man sich dabei fühlt. Ab und zu schreibt man eben schlechte Geschichten, oder Geschichten, die nicht zum Vorlesen geeignet sind, oder gute Vorlesegeschichten, die man aber schlecht vorliest. Diese Woche habe ich mir wahrscheinlich einfach zuviel vorgenommen: Eine 15-Minuten-Geschichte mit mehreren Handlungssträngen und (am Donnerstag) mit projizierten Illustrationen. Habe zwar drei komplette Tage daran gesessen, aber trotzdem war das alles nicht ganz rund, der Text ist überarbeitungswürdig und die Bilder haben vom Stil her schlicht und einfach nicht dazu gepasst. Vielleicht war auch die ganze Geschichte doof, das kann ich aber erst sagen, wenn ich sie nochmal überarbeitet habe.
So. Was wollte ich jetzt eigentlich schreiben? Wahrscheinlich wollte ich mich einfach nur entschuldigen und rechtfertigen.
Um dem Text ein Happy-End zu verpassen, möchte ich an dieser Stelle deshalb stolz berichten, dass mein Roman in den Thalia-Buchhandlungen in den Schönhauser Allee Arcaden und im Ringcenter aufgetaucht ist. Bisher war er – soweit ich weiß – in Berlin nur bei Dussman zu haben. Eine tolle Sache, mit einem kleinen Haken: Jetzt muss ich jeden Tag in drei Geschäften verkleidet und mit falschem Bart herumlungern, mein Buch in der Hand halten und immer, wenn jemand vorbeikommt, Sachen murmeln wie: „Das klingt ja wirklich vielversprechend“, „Mir scheint, ich habe eine scharfe Nadel im durchgeweichten Heuhaufen der aktuellen deutschen Literatur gefunden“ oder „Was?! Nur 12,90 €? Dieses Buch ist sein Gewicht in Gold wert!“
Was das an Zeit kostet!
Apropos: Am 25.9. lesen Spider und ich im Café der Thalia Buchhandlung in den Schön-Schöner-Schönhauser-Allee-Arcaden aus unseren Büchern, Zettelmappen und vielleicht auch ein bisschen aus dem Schnipselfriedhof vor.