Kategorie: Literatur / Lesebühne / Poetry Slam

  • Total out: Rosa Brillen

    Inzwischen habe ich mir die zur Online-Abstimmung stehenden Beiträge des Telepolis-Science-Fiction-Wettbewerbes „Schreibrecht“ durchgelesen. Die meisten haben mir nicht besonders gefallen, aber ich habe auch einen Favoriten, für den ich abstimmen werde.

    Mir ist aufgefallen, dass alle Beiträge die Zukunft in düsteren Farben schildern. Wenn die Menschheit nicht gleich komplett vernichtet wird, dann wird der Einzelne zumindest durch einen Überwachungsstaat oder den totalen Markt sämtlicher Freiheiten und Rechte beraubt.
    Wer das liest, braucht keine Depressiva mehr zu schlucken.

    Vielleicht haben die Ausrichter des Wettbewerbs mit ihrem Untertitel „Wenn Orwell die Realität ist – wie sieht dann die Zukunft aus“ ungewollt selbst die Weichen gestellt, allerdings scheint das ganze SF-Genre sehr pessimistisch zu sein.
    Gibt es keine Autoren mit positiven (und dennoch halbwegs realistischen) Ideen? Mit Utopien eben? Ich liebe finstere Zukunftsszenarien und Endzeitgeschichten, aber ab und zu will ich auch mal was lesen, was ein bisschen Hoffnung macht, vielleicht sogar einen Ausweg aufzeigt. (Und ich meine damit nicht den öden Propagandascheiß, der einem im Osten so oft als „wissenschaftlich-phantastisch“ angedreht wurde.)

    Herrjemineh! Hat jemand einen Lesetip, oder muss ich mir sowas erst selber schreiben?! 😉

    Mir fallen wirklich nur wenige Bücher ein. Vielleicht sollte ich mal einen entsprechenden Thread im SF-Netzwerk starten. Dort gibt es Leute, die praktisch jeden SF-Roman gelesen haben, vielleicht können die mir weiterhelfen.

    PS: Ich hab mir sowas natürlich schon selbst geschrieben, aber es ist doch irgendwie spannender, Sachen von anderen zu lesen. (Das Schreiben allerdings ist noch spannender.)

  • Bin ich noch wettbewerbsfähig?

    „Dieses Jahr mach ich beim Open Mike mit!“ – das hatte ich mir ganz fest vorgenommen, denn es war die letzte Chance – nächstes Jahr bin ich zu alt. Ich glaube zwar nicht, dass die Juroren dort das Zeugs, das ich schreibe, lesen wollen, aber ich wollte nicht irgenwann auf meine alten Tage denken müssen: „Ich hätte ja wenigstens mal was hinschicken können!“

    Heute morgen wollte ich die Geschichte ausdrucken, nachdem ich sie mit Tinas Hilfe (vielen Dank nochmal!) am Wochenende überarbeitet und entfehlert habe. Und als ich in den Teilnahmebedingungen nach dem gewünschten Druckformat geguckt habe, fiel mir eine kleine Passage auf, die ich bisher geflissentlich überlesen habe: „Teilnehmen können deutschsprachige Autorinnen und Autoren, die nicht älter als 35 Jahre sind und noch keine eigene Buchpublikation vorzuweisen haben.“ Grrr…

    Auch verpasst: Den Telepolis Schreibwettbewerb „Schreibrecht“ (Bzw: „Wenn Orwell Realität ist, wie sieht dann die Zukunft aus?“). Eingereicht werden konnten Science-Fiction-Geschichten, Berichte oder Essays – ich wollte letzteres probieren, bin aber gescheitert wegen Zeitmangel, Hirncamembert und meiner Unerfahrenheit mit Sachtexten. Ich bin sehr gespannt, was andere Autoren dort so eingereicht haben. Die (laut Jury) 10 besten Texte können online gelesen und bewertet werden. Leider ist kein Essay dabei – es sind alles Kurzgeschichten. Nüscht gegen Kurzgeschichten, aber das Thema ist so interessant, dass ich auch den einen oder anderen Sachtext dazu lesen würde.

    Jetzt steht noch der Science-Fiction-Wettbewerb „What if? Visionen der Informationsgesellschaft“ aus. Ich sitze dran – und diesmal schaffe ich’s bevor ich zu alt oder zu veröffentlicht oder zu spät am Briefkasten bin!

  • Die Menschheit muss sich entscheiden, …

    … ob ich Geschichten für sie schreiben soll, oder ob sie lieber die Wohnung über mir besichtigen und zu Dutzenden über die abgeschliffenen Dielen trampeln will. Eins geht nur!

  • Ich mache mir Sorgen um: den Standort Berlin

    „Geh nicht nach Stuttgart!“ (Heiko Werning)

    Doch!“ (Nils Heinrich)

  • Warum an den See fahren, wenn man im Atlantik baden kann?

    Gestern Abend habe ich, während ich bei einem Bier vor dem „5 Ziegen“ saß und die laue Nachtluft genoss, an Mark Twain, den ich unbedingt zu meinen Lieblingsschriftstellern zählen würde, und seinen Aphorismus „Wenn der Deutsche in einen Satz eintaucht, sieht man erst einmal nichts mehr von ihm, bis er schließlich auf der anderen Seite des Atlantiks mit dem Verb im Mund wieder auftaucht.“ denken müssen.

  • Verlorene Zeit

    Jochen Schmidt hat ein zeitlich limitiertes Weblog gestartet: „Schmidt liest Proust„. In 180 Tagen will er Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ durchackern (und NUR DESHALB heißt dieses Posting so!) und uns an der Lektüre teilhaben lassen bzw. sie uns ersparen.

    Jedenfalls ist der Sommer schon halb vorbei und man hat noch kein Erlebnis gehabt, mit dem man ihn später verbinden wird, höchstens mit meinen den ganzen Tag zugezogenen IKEA-Vorhängen, die ein Fehlkauf waren, weil die graue Farbe unschön ist und weil sie auf dem Draht nicht richtig gleiten. Man kann sie nicht optimistisch aufziehen, oder befriedigt von den am Tag erbrachten Leistungen zuziehen, man zerrt immer daran herum.
    Ideale Voraussetzungen, um endlich „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ anzufangen, vorher kann man ja gar nicht mitreden, danach allerdings auch nicht, weil man keinen mehr finden wird, der einen noch versteht. Man wird dann bei jedem Thema sagen: „Lies mal Proust“, weil man es nicht besser sagen kann, als er. Man hat ja schon manche dicke Bücher geschafft, aber Prousts Roman hat in 7 Bänden mehr als 3500 Seiten. Wenn ich täglich 20 Seiten lese, bin ich in 180 Tagen durch, also Mitte Januar. Lohnt sich das? Vielleicht wird am Ende gar nicht verraten, wer der Mörder war?

    (19.7.06 / Seite 1-21)

  • Mein Weblog ist nicht die Aktuelle Kamera

    … deshalb heute mal keine Jubelmeldung. Nach dem phantastischen 2. Platz beim Deutschen Science Fiction Preis ist mein Roman beim Kurd-Laßwitz-Preis auf dem 7. Platz in der Kategorie „Bester deutschsprachiger Roman“ gelandet. Über die Vergabe des Preises entscheidet ein Fachpublikum (SF-Autoren, -Verleger, -Illustratoren etc.) per Abstimmung. Gerne wüsste ich, wieviele der Abstimmungsberechtigten mein Buch gelesen haben, bzw. wie es bei denen, die es gelesen haben, abgeschnitten hat.
    Aber egal. Wenn niemand es für nominierungswürdig befunden hätte, wäre es nicht auf der Liste gelandet, und ich hab mich sehr gefreut, dass es dort stand (auch wenn das jetzt wie eine Floskel klingt).

    Jetzt steht noch der Deutsche Phantastik Preis aus (Kategorie „Bestes Roman-Debut“). Ebenfalls ein Abstimmungspreis, allerdings können hier die Leser online über die Gewinner abstimmen.

    PS: Gewonnen hat den Kurd-Laßwitz-Preis wie auch den Deutschen Science Fiction Preis „Das Cusanuns Spiel“ von Wolfgang Jeschke. Bin sehr gespannt darauf – hoffentlich kommt es bald als Taschenbuch …

  • Sommer ist scheiße und dies ist kein Posting

    Heute kein Weblog-Eintrag. Habe schon meine Homepage aktualisiert und das Lied „Sommer ist scheiße“ draufgepackt. Muss für heute reichen. Hab schließlich auch noch andere Sachen zu erledigen: schwitzen, über die Hitze stöhnen, nackt staubwischen … das übliche eben.

    (plus: Durchhören von drei mitgeschnittenen LSD-Veranstaltungen für unser Buch mit CD bei Voland & Quist)

    (plus: Überraschender Auftritt beim Kantinenlesen, weil ich mit Tube getauscht habe)

  • Ups!

    Das ist ja unangenehm: Hab gestern im Zosch bei LSD mal wieder ein altes Lied rausgekramt und gesungen – was okay ist, wie ich finde – und dann hinterher festgestellt, bzw. mir sagen lassen, dass ich es schon vor drei Wochen gesungen habe – was doof ist. Wenn ich Geschichten oder Lieder bei der selben Veranstaltung wiederhole, versuche ich, ein Jahr vergehen zu lassen. Habe deshalb seit Ende 1999 eine Datei mit dem Titel „Schon gelesen“, in der alle meine Texte und alle Orte und Tage, an denen ich sie vorgetragen habe, drinstehen – eine ziemliche Monsterdatei ist das! Schade, dass ich gestern nicht noch mal reingeguckt habe. Hoffentlich war anderes Publikum im Zosch – ansonsten: Entschuldigung!

    Zum Glück hatte ich auch noch einen ganz neuen Text dabei – den ersten brauchbaren seit mehreren Wochen. Im Sommer kriege ich traditionell meine Schreib- und Sinnkrise.

  • (Konstanz III) Ich mache mir Sorgen um: Die Schweizer

    Eigentlich sind die Schweizer ja ganz putzige Gesellen. Ich bin zwar froh, nicht so wie sie zu reden, aber zuhören macht ab und zu schon Spaß – auch wenn es in Kreuzlingen am Bodensee doch sehr nach Schwäbisch klingt. Sehr erfreut hat mich ein Haustiergeschäft („Zoohüsli“), das im Schaufenster „Terrarien / Landschildkrötli / Zwerghäsli“ anpries.

    Ins Grübeln brachte mich allerdings die „Bildungsanstalt Bau Mode“. Hier wächst zusammen, was nicht zusammengehört, wie man unschwer schon an den so gar nicht zusammenpassenden Schriftarten erkennt (siehe Foto unten). Ich würde da gerne mal hospitieren. So eine Klasse aus Bauprolls und angehenden schwulen Modegestaltern stelle ich mir lustig vor. Ich befürchte allerdings, dass Absolventen einer solche Schule später zu Verhaltensauffälligkeiten und Psychotherapien neigen. Möglicherweise werden sie eines Tages so wie der komische Mann im Bodensee: Beim Baden haben wir einen unnatürlich gebräunten Mann um die 50 beobachtet, der einen Stock ins Wasser geworfen hat. Dann ist er dem Stock nach, hat ihn in die Luft gehoben und ein Stück weiter geworfen. Dann ist er zum Stock gewatet, um ihn wieder zu werfen und selbst zu apportieren und immer so weiter. Er hat dabei eine bemerkenswerte Ausdauer an den Tag gelegt. War sein Hund gestorben und er hat sich gedacht: „Fiffi ist tot, doch ich werde sein Werk weiterführen“? Wollte er wissen, wie man sich als Tier fühlt und konnte sich nicht zu einem Selbstversuch als Zwerghäsli oder Landschildkrötli durchringen? Oder war er einer der zweifellos merkwürdigen Dozenten an der „Bildungsanstalt Bau Mode“?

    Falls jemand mehr weiß oder eine vernünftige Arbeitshypothese hat, würde ich mich über einen Kommentar freuen.

    (geschrieben gestern im Zug)

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