Kategorie: Literatur / Lesebühne / Poetry Slam

  • SLAM 2006 (4) – Pokal mit Kratzern

    (18.00 Uhr, Hostel)

    Gerade habe ich den Mundart-Slam gewonnen. Jetzt habe ich einen niedliche, kleinen Pokal, kann mich aber nicht richtig daran freuen, weil es Beschwerden gab, die nicht ganz unberechtigt sind. Ich habe ein bisschen rumberlinert, das verwaschene berlinerisch, das ich halt kann und dann (wie mir hinterher gesagt wurde) auch das noch nach der Hälfte des Textes vergessen und beinahe auf hochdeutsch weitergemacht 🙁

    Es waren echte Mundart-Poeten da – teils mit verständlichen, teils vollkommen unverständlichen schweizerischen Dialekten – und mir wurde gesagt, ich hätte besser beim Storyteller-Slam antreten sollen, weil die echten „Mundartler“ schlechte Chancen gegen die besser verständlichen Texte einiger anderer Leute hatten. Außerdem habe ich ebenfalls hinterher erfahren, dass Leute mit richtigen Dialekt-Texten nicht mehr zugelassen worden sind, weil die Startliste bereits voll war. Das tut mir sehr leid.

    Allerdings bin ich zum Mundart-Slam eingeladen worden, als noch Plätze frei waren. Ich habe nicht mit den Fingern geschnipst und „Ich will! Ich will! Ich will!“ gerufen – ich war einfach bloß nicht zickig. Ich sollte noch eine andere Sprachnote reinbringen, und das habe ich versucht. So halten sich sowohl Freude, als auch schlechtes Gewissen in Grenzen. Naja, auf alle Fälle hätte ich es ernster nehmen sollen.

  • SLAM 2006 (3)

    (Donnerstag, 15.00 Uhr Schrannenhalle)

    Ich hab in meiner Einzelvorrunde gewonnen und bin morgen im Halbfinale. Aber leider ist Micha in seiner Vorrunde ausgeschieden. Er hat bei Nationals aber auch immer ein Pech, vor allem was den Auftrittszeitpunkt angeht. Die Reihenfolge der Poeten auf der Bühne wird per Los bestimmt und im ersten Drittel der Veranstaltung sehr, sehr schlechte Karte. Insbesondere wenn eine Publikumsjury direkt nach dem Vortrag Punkte vergeben muss. Gegen Ende der Veranstaltunggeht die Punktzahl tendenziell immer nach oben.

    In meiner Vorrunde war ich als letzter dran 🙂

    Der Reihe nach: Gestern 14.00 Uhr angekommen und fast direkt vom Zug (na gut, vom WLAN-Café, aus dem ich den gestrigen Beitrag abgeschickt habe) auf die Bühne gestolpert und im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung den ersten Text des ganzen Festivals vorgelesen – mein Status als Titelverteidiger hat auch seine Schattenseiten. Die Show fand in der Schrannenhalle statt, so eine Art Markthalle. War nich so dolle … realtiv wenig Zuschauer, dafür viele Leute, die nur so drin waren und von Fressstand zu Fressstand zogen. Egal. In der Schrannenhalle ist auch der Treff- und Anmeldepunkt für alle Slammer, und es war toll, wie nach und nach die ganzen Leute eintrudelten, die ich bei Slams kennengelernt und immer wieder mal in irgendeiner Ecke Deutschlands, Österreichs oder der Schweiz wiedergetroffen habe. Das Ganze hier ist so eine Art riesiges Klassentreffen. Geil!

    Am Nachmittag habe ich tatsächlich noch eine halbe Stunde Schlaf gefunden. Was bin ich froh, dass ich mir ein Einzelzimmer im Hostel genommen habe … teuer aber lebensrettend. An den nächtlichen Schnarch-Slams in den 6-Mann-Zimmern möchte ich nicht teilnehmen, und es ist gut zu wissen, dass ich, wann immer es sein muss und ich Zeit finde, eine halbe Stunde Ruhe haben kann.

    Dann ab in „The Garden“, wo später meine Vorrunde stattfinden sollte. Habe auch von der davor noch etwas mitgekriegt (Siegerin: die unglaubliche Lara Stoll).

    Leider war es recht leer, und in meiner Vorrunde wurde es noch leerer. 8 Vorrundenslams + 3 Themenslams an einem Tag, an einem Mittwoch, das ist vielleicht doch etwas viel, sogar für München.

    Danach weiter ins Substanz – schönerer Laden, viel größer und gerammelt voll; das Substanz ist einfach DIE Slamadresse in München. Dort lief eine Vorrunde des Teamwettbewerbs, die SMAAT mit großem Abstand und völlig zu recht gewonnen hat. Die waren großartig!

    Dann Sex-Slam und After-Show-Party in so ’nem Club. Volker Suhrmann musste gegen halb eins als erster auftreten und hatte keine Chance gegen das plappernde Partyvolk. Fiese Sache. Ich schätze, dieser Abend dürfte es spielend in seine Top Ten der schlimmsten Auftritte geschafft haben. Erst später ließen sich die Leute mehr oder weniger auf’s Zuhören ein. Dann wurde getanzt, aber ich hatte keine Lust mehr auf laute Musik und 3-Euro/kleine, grüne-Flaschen-Biere und dachte außerdem, ich würde jeden Moment im Stehen einschlafen, wenn ich nicht ins Bett käme, also ab ins Hostel – und dort war das Foyer voller Poetinnen und Poeten und es gab Bier und es wurde sehr, sehr spät …

    Gerade sitze ich wieder in der Schrannenhalle und Micha moderiert den Themenslam „Storyteller“. Hinterher trete ich beim Mundart-Slam an 😉 Die Stimmung ist viel besser als bei der Eröffnungsveranstaltung, denn es gibt mehr Publikum (mindestens zur Hälfte aus anderen Slammern bestehend). Da macht es auch fast gar nichts mehr, dass ein paar Meter weiter auf einer Großbildleinwand eine Fernsehdiskussion über den Holocaust läuft …

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  • SLAM 2006 (2) – Morgengrauen

    Wenn man gelegntlich im Dienste der Kunst und des Alkoholkonsums unterwegs ist, ordnet man das Wort „Zimmerservice“ bald in eine Reihe mit „Wurzelbehandlung“ o.Ä. ein. Aber so etwas wie in dem Hostel, in dem wir Slammer alle untergebracht sind, habe ich noch nicht erlebt. Um 10 stürmten 2 Menschen die Etage, traten die Türen ein (so klang es zumindest) und keulten die Zimmer (saubermachen klingt anders), wobei sie sich permanent über den Flur hinweg anschrien. Nach 20 Minuten ohrenbetäubendem Lärm war ich fällig und ich bin sehr stolz, dass ich die Kraft besaß, die Frau trotz ihrer lautstarken „Nur das Bad! Nur das Bad!“-Beteuerungen rauszuwerfen. „Dann morgen“, rief sie drohend, dann knallte sie die Tür hinter sich zu.

    Ansonsten ist das Hostel toll, man kann im Foyer die ganze Nacht feiern und trinken (und das wird wohl auch in den folgenden Nächten passieren – ich sehe 4 sehr ungesunde Tage voraus …) und es gibt WLAN.

    NACHTRAG, Montag früh: An den anderen Tagen gab es keinen Lärm am Morgen und wer in München nach einem netten Hostel sucht, sollt ins Easy Palace gehen. Sehr nett.

  • SLAM 2006 (1) – Von fliegenden Kloschüsseln, Wiener Schnitzel und dem 3. Weltkrieg

    (Mittwoch, 12.45 Uhr, im Zug nach München)

    6.42 Uhr. Das klingt nach einer guten Zeit, um nach einer tollen Party ins Bett zu gehen oder um den Dritten Weltkrieg vom Zaun zu brechen („Seit 6.42 Uhr wird zurückgeschossen. Rache für die Adler Dania!„).

    Es war aber die leider die Abfahrtszeit meines Zuges nach München, wo heute die Meisterschaft der deutschsprachigen Poetry Slams beginnt. Ich musste so früh los, da ich 14.00 Uhr an der Eröffnungsveranstaltung teilnehmen soll/kann/darf/muss/will. Nun fand aber gestern wie jeden Dienstag Abend unsere Lesebühne LSD im Zosch statt, und wir haben hinterher noch lange geredet und einen Vergessens-Schnaps auf unsere Party getrunken, und ich war erst um 2 oder so zuhause und hatte solche Angst vor dem Aufstehen, dass ich gar nicht ins Bett gegangen bin. Hab mir die Nacht größtenteils damit um die Ohren geschlagen, dass ich anderen Leuten Kloschüsseln und Aktenschränke an den Kopf geworfen habe, wenn sie mich nicht vorher mit einer Mülltonne oder einem Waschbecken erwischt haben. Das Ganze fand zwar nur im Computer und im Internet statt, aber ich bin mir der Tatsache bewusst, dass dies nicht als sinnvolle Freizeitbeschäftigung durchgeht. Besonders letzte Nacht, wo ich doch eigentlich hätte nüchtern und früh zu Bett gehen sollen, um mich heute Abend um 10 in der Vorrunde zum Einzelwettbewerb in Topform in den Ring werfen zu können.

    Naja. Das wird nun nichts mehr. Immerhin konnte ich im Zug ein bisschen schlafen, zumindest ab Leipzig, wo endlich die Brigade schnatternder Sekretärinnen ausstieg.

    Vorhin sind wir durch Augsburg gefahren. In Augsburg habe ich vor einigen Wochen das beste Wiener Schnitzel meines Lebens gegessen. Wenn ihr mal in Augsburg seid, geht unbedingt in diese Kneipe, deren Namen ich vergessen habe! Probiert einfach alle Wiener Schnitzel, die ihr im Umkreis von 10 Fußminuten um den Hauptbahnhof bekommen könnt, und wenn ein ganz außergewöhnlich wunderbares dabei ist, eines, dass euch die Strapazen der Suche vergessen lässt und euch mit tiefer Glückseligkeit erfüllt, eines, dass ein Gedicht verdient hätte, eine Ode, statt dieses popligen Weblog-Eintrages, dann wisst ihr, dass ihr die Kneipe gefunden habt, die ich meine …

    (13.30 Uhr, München, WLAN-Café: So, ich schick das jetzt ab, auch auf die Gefahr hin, dass es mir nach in paar Stunden Schlaf peinlich ist.)

    (Volker Strübing)

  • Warum ich keine Entertainmentgröße bin

    Donnerstag, Chaussee der Enthusiasten, 2. Pause: Gerade haben Micha und ich einen unserer Teamtexte für den SLAM2006 vorgelesen, ich bin auf dem Weg nach draußen, um eine Zigarette zu rauchen, sehe unterwegs Anika und will Hallo sagen, komme aber nicht dazu, weil mich eine kleine Frau um die 50 (vielleicht auch jünger … oder älter – ich kann sowas nicht schätzen) anspringt und hektisch auf mich einzureden beginnt: „Das war ja ganz toll, was sie da eben gemacht haben, ich bin vom WDR, ich bin nur durch Zufall hier, und wo Sie doch amtierender deutscher Poetry-Slam-Meister sind“ – (ich hatte unglücklicherweise selbst drauf hingewiesen, um noch ein letztes Mal damit anzugeben) -„können wir da bestimmt einen kleinen Beitrag über Sie und Ihren Text machen. Den fand ich ja ganz wunderbar. Das muss aber alles ganz schnell gehen, ich bin nur noch bis Sonnabend in Berlin und hab dichtes Programm. Wir machen das morgen Abend, zwischen 10 und 11 müsste ich Zeit haben. Wie? Da können Sie nicht? Ein anderer Auftritt? LSD-Buchrelease-Party? Na und? Dann komme ich einfach dorthin, sie werden ja wohl ein paar Minuten erübrigen können! Sie bauen das einfach mit ins Programm ein! Wie, das geht nicht, herrjeh, na dann lesen Sie das in irgendner Ecke und ich fange dann noch ein paar O-Töne von der Atmo ein. Wie, sie wollen das nicht? Wie, keine Zeit, zuviel Stress? Hören Sie mal, ich bin beim WDR, wissen Sie was für eine Reichweite wir haben? Das kann Ihnen eine Menge bringen, das sage ich Ihnen! Ach nun hören Sie doch auf mit dieser Party! Andere würden sich die Finger danach lecken, ins Radio zu kommen und ich biete Ihnen hier diese Chance und Sie lassen mich hier so auflaufen, wissen Sie, ich will Ihnen mal was sagen, ja?! Ich habe oft mit Entertainmentgrößen zu tun, und wenn ich da nach einem Interview frage, dann wird das eben einfach möglich gemacht, egal, was sonst noch ist! Das ist professionelles Arbeiten, da müssen Sie aber noch ne ganze Menge lernen, mit Verlaub! Also, ich bring die ganze Ausrüstung mit und Sie … Wie, das geht morgen nicht? Hören Sie mal, ich bin vom WDR, wissen Sie eigentlich, was Sie für ein Glück haben, dass ich zufällig hier im Publikum saß?“ Und so weiter und so weiter. Dies ist eine stark verkürzte Wiedergabe des sehr einseitigen Gespräches. Die Frau wurde immer lauter und entrüsteter und impertinenter; ich ließ sie schließlich einfach stehen und ging raus. Schade, dass ich sie nicht vorher noch beleidigt habe, das hätte mir gut getan. Für Personen wie sie wurde die Weblogrubrik „Zumutungen“ erfunden.

    Die WDR-Furie ist daraufhin zu Jochen gegangen, der gerade an der Kasse saß und hat sich bei ihm über mich beschwert. Was sich dieser „sogenannte“ deutsche Meister einbilde! Wir betrieben das hier doch schließlich „halbprofessionell“, da hätte sie gedacht, wir würden mit unserem Kram auch gerne mal an die Öffentlichkeit kommen … gut, dass sie die Telefonnummer meiner Mutter nicht hatte, sonst hätte sie dort auch noch angerufen.

    Und gut, dass beim WDR nicht alle Menschen so sind. Im Januar war ich zu Gast bei Jess Jochimsens „Die Vorleser“ im Pantheon in Bonn, einer Lesung, die vom WDR produziert, mitgeschnitten und ausgestrahlt wird. Das war sehr schön und niemand schien verrückt zu sein. Im November probiere ich dann mal das WDR-Fernsehen aus, aber dazu später mehr. (Oder auch nicht.)

    (Volker Strübing)

    Montag 13.11.06: Hier gibt’s einen Nachtrag.

  • Das perfekte Notizbuch

    Wie hier per Kommentar versprochen, poste ich nun die Bastelanleitung für die perfekte Kombination aus Notizbuch, Telefonbuch und Kalender:

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    • Man benötigt einen billigen, kleinen, hochformatigen Jahreskalender mit separatem Telefonbuchteil mit Kunststoffumschlag (gibts überall) und Moleskine-Cahiers Notizbücher. Die haben einen schwarzen oder braunen Pappumschlag, normalerweise 64 Seiten, ein Einsteckfach und die letzten 16 Seiten sind perforiert, so dass man sie leicht herausnehmen kann, um zum Beispiel jemandem seine Telefonnummer oder ein unmoralisches Angebot zuzustecken. Ein 3er-Pack kostet 5,50 Euro bei Thalia in den Schönhauser Allee Arcaden – ich kenne kein anderes Geschäft in Berlin, das sie im Angebot hat. Ganz wichtig: Nicht die linierten kaufen! Liniertes Papier eignet sich für Schönschreibübungen in der ersten bis dritten Klasse, ansonsten für gar nichts! (Es ist mir ein bisschen peinlich, mich als Moleskine-Nutzer zu outen. Als Autor ein Moleskine zu benutzen ist in etwa so originell, wie arbeitslos sein in Mecklenburg-Vorpommern. Aber die Dinger sind einfach gut, und dieses Cahiers-Format habe ich noch bei keinem anderen Hersteller gefunden.)
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    • Man zieht das Telefonbuch aus der rechten Umschlagseite heraus und schiebt dessen vorderen Umschlag unter dem Kalender in die linke Umschlagseite des … ähm, tja … Umschlags … Kunstoffschutzumschlags – mir fehlt das Vokabular, um diese Arbeiten zu beschreiben, daher die Fotos.
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    • Nun schiebt man die hintere Umschlagseite des Moleskine-Heftchens in die rechte Tasche des Schutzumschlages.
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    • Jetzt noch einen guten Kuli rangesteckt (ich nehme immer Parker Jotter – die schreiben hervorragende Texte 😉 und fertig. Ideal lässt sich das in der Seitentasche der Hose transportieren, merkwürdigerweise passt es aber auch in praktisch jede Hosentasche und stört nicht einmal beim Fahrradfahren.

    Das kleine Notizbuch hält natürlich (bzw. hoffentlich) kein Jahr, aber es ist in 20 Sekunden gegen ein neues ausgetauscht. Auf das alte klebt man sich einen Zettel, auf dem steht, von wann bis wann man es benutzt hat. (Das Titelbild des Schnipselfriedhofs zeigt ein paar benutzte Hefte.)
    Zeitungsausschnitte, Einkaufszettel, Flyer, Eintrittskarten etc. kann man prima hinten einstecken und beim Notizbuchwechsel in der Einstecktasche des alten Heftes lassen.

    Soweit so gut. Seit fast zwei Jahren bin ich mit diesem System sehr zufrieden. Wenn jetzt noch jemand eine Idee hat, wie ich die 30 – 35 Notizbücher, die sich seitdem gefüllt haben, verwalten kann, würde mein Glück keine Grenzen kennen. Abtippen kommt nicht in Frage, da ist mir Jochen ein warnendes Beispiel.

  • Geschichte geschafft, Volker geschafft

    Das war knapp: 3 Stunden vor Einsendeschluss zum SF-Story- und Hörspiel-Wettbewerb „What if … Visionen der Informationsgesellschaft“ hatte ich meinen Beitrag auf 49.982 Zeichen zusammengekürzt – 50.000 war das Maximum. Gerade eben kam die beruhigende Nachricht, dass meine Mail mit der Geschichte angekommen ist und den Wettbewerbsbedingungen entspricht.

    Ohne Tina, die in den letzten Tage parallel nach Logik- und Rechtschreibfehlern, nach Stilblüten und streichbaren Abschnitten gesucht hatte (und fündig geworden war), hätte ich das nie geschafft – vielen, vielen Dank!

    Seit 3 Monaten war ich mit Vorüberlegungen beschäftigt, habe mir Ideen notiert und die Welt ausgedacht, in der die Geschichte spielt, sowie den groben Handlungsfaden. Das eigentliche Schreiben hat dann die letzten vier Wochen in Anspruch genommen. Und nebenbei bin ich in dieser Zeit noch 21 mal in 8 Städten in 3 Ländern aufgetreten, habe 4 Texte für die Chaussee und LSD geschrieben (darunter ein Lied inkl. Gitarren- und Synthiebegleitung), 17 Weblogeinträge gepostet und bin zweieinhalb bis drei Tage Zug gefahren. Tut mir leid, wenn ich hier so angebe, aber ich bin sehr stolz, das alles auf die Reihe gekriegt zu haben. Ich werfe mir so oft vor, nichts zu schaffen, ein fauler Hund zu sein, da darf ich mich jetzt auch mal feiern.

    Am Sonnabend ist es mir erstmals gelungen, in einem übervollen ICE zu schreiben, ich musste einfach vorankommen. Neben mir saß ein nettes, leider aber auch sehr neugieriges und lebhaftes Kind, der Gang war voll mit stehenden Leuten, überall zischelten Kopfhörer und Leute plapperten in ihre Handys oder die Ohren ihrer Mitreisenden – und ich konnte alles ignorieren und mich in einen Schreibrausch reinsteigern – das war schön …

    Für die Geschichte habe ich 160 A5-Seiten mit Füller geschrieben und dann abgetippt. Ich mag diese Arbeitsweise. Auch meinen Roman habe ich komplett per Hand vorgeschrieben. Das bedeutet natürlich einen zusätzlichen Arbeitsschritt, aber da das Abtippen mit einer ersten Überarbeitung einher geht, lohnt sich das. Außerdem schreibe ich gerne per Hand und es ist schön, ein vollgeschriebenes Heft in der Hand zu halten. Viel … sinnlicher, als sich von der Textverarbeitung die Zeichen anzeigen zu lassen.

    Ich glaube nicht, dass ich eine große Chance habe, den Wettbewerb zu gewinnen. Er ist international ausgeschrieben, es konnten auch englischsprachige Texte eingereicht werden. Und die insgesamt 10.000 Euro Preisgeld (!) werden sicher einige große Namen anlocken. Vielleicht schaffe ich es ja in die Endrunde, das wäre toll und dann könnte, wer will, die Geschichte im Internet lesen. Aber eigentlich ist das auch egal: Der Wettbewerb war eine gute Gelegenheit, mir selbst ein festes Ziel zu setzen. So ein Abgabetermin hilft sehr. Und mit dem Material, dass ich jetzt habe, vor allem mit all den Hintergrundsachen, die in der Geschichte nur ganz kurz auftauchen, kann ich mich eigentlich endlich wieder an einen Roman setzen. Ich glaube, die Grundannahmen geben das her. Vieles konnte ich wegen der Zeichenbegrenzung nur andeuten oder musste es sogar ganz rauslassen. Na, mal sehen … Interessant ist auch die Frage, ob ich die Geschichte noch mag, wenn ich sie mir in zwei Monaten noch mal angucke ..
    Jetzt bin ich erstmal sehr neugierig auf die 10 Geschichten, die in die Endrunde kommen – und hoffe, dass ich eine davon schon kennen werde 😉

    (Volker Strübing)

  • Edding auf fremden Hosen besser als eigene Enkel auf dem Mars

    In einer Regionalbahn ganz, ganz tief im Süden hing ein Schild: „Ohne gültigen Fahrschein doppelter Fahrpreis!“ Jemand hatte „preis“ durchgestrichen und durch „spaß“ ersetzt. Da musste ich ein bisschen schmunzeln. Die Bahn ist selbst Schuld, wenn sie so schöne Vorlagen liefert. Allerdings entspricht die Sache mit dem Spaß nicht unbedingt den Tatsachen. Ich weiß das, ich war nämlich selbst gerade ohne gültigen Fahrschein unterwegs. (mehr …)

  • Eine schlechte und eine gute Nachricht

    Die schlechte Nachricht zuerst: Wir erhöhen heute den Eintritt bei der Chaussee der Enthusiasten von 3 auf 4 Euro. Nun die gute Nachricht: Dadurch wird ALLES ANDERE im Verhältnis billiger! Wer bisher zum Beispiel das 100fache eines Chausseebesuches für die Miete berappen musste, braucht ab sofort nur noch das 75fache bezahlen. Was man dadurch spart!

    Es gibt viele Gründe, die zu unserem Entschluss geführt haben, und es gibt genauso viele gute Argumente dafür, dass wir den alten Preis hätten beibehalten sollen, aber unsere lange, interne Diskussion hat nun einmal diesen Ausgang genommen. Ich will das hier nicht ausbreiten.

    Mindestens bis Ende des Jahres werden wir 25% der Einnahmen dem RAW zur Verfügung stellen, um damit den Heizungs- und Toilettenausbau zu unterstützen. Wir werden also noch ein bisschen warten müssen, bis wir mit dem Porsche vorfahren können, da die Preiserhöhung für uns erst einmal weniger Geld bedeutet, wenn wegen des höheren Eintritts weniger Zuschauer kommen.

    Wir hoffen sehr, dass uns viele treu bleiben und dass 4 Euro für zweieinhalb Stunden Lesebühne nicht zuviel sind.

    PS: In der Behauptung, dass wir mit unserer Preiserhöhung alles andere billiger gemacht haben, steckt kein Fehler. Nur eine gehörige Portion Größenwahn 😉

    (Volker Strübing)

  • Hurra, hurra, das Buch ist da, alle singen Trallala!

    lsdbuch1.jpg Am Wochenende sind zwei Riesenpakete mit den ersten Exemplaren des LSD-Buches angekommen! Das Buch ist im Verlag Voland & Quist erschienen und enthält viele, viele schöne Geschichten zum Lesen, eine CD mit vorgelesenen Geschichten, ein Foto von uns auf dem Innenumschlag, das man mit „Das Team der Geisterbahn heißt sie herzlich willkommen“ untertiteln könnte, ein Vorwort von Uli, dass man am ehesten mit einem richtig guten Espresso vergleichen kann (so bittersüß ist es), und ein Nachwort von Ivo, in dem er uns die Lesebühnen aus der Sicht der Literaturwissenschaft erklärt – und das auch noch unterhaltsam!

    Im Laden ist es noch nicht lieferbar, aber ab heute Abend kann man es im Zosch kaufen, und wer will kriegt, zu Buch und CD auch noch Autogramme von uns. Und das alles für 12,80!

    Wahrscheinlich wird der eine oder andere jetzt nicken und denken: Naja, wenn ich LSD-Mitglied wäre, würde ich auch so einen Jubeltext verfassen. Das ist richtig. Aber man kann doch nicht von mir erwarten, dass ich, bloß weil ich zufällig dran beteiligt bin, dieses wunderbare Werk nicht bejubele!

    Die eigentliche Bejubelung findet übrigens zusammen mit unserer 10-Jahres-Party am 3.11. im Roadrunners Paradise statt.