Kategorie: Sonst so

  • Bilder der Woche 07/14 – Die Ente Winnetou

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    Letzten Mittwoch fand zum zweiten Mal Vor der Pause, nach der Pause statt, die neue und supere Show von Spider und mir, die diesmal leider nicht ganz so super war, wofür aber unser Supergaststar Gotti ebensowenig etwas konnte wie Spider. Aber egal. Das Publikum hatte wohl etwas geahnt und war darum in großer Zahl daheimgeblieben. Eine alte Bühnenregel besagt: Die zweite Veranstaltung jeder neuen regelmäßigen Reihe wird unschön. (So war das zum beispiel auch bei LSD.) Nächstes Mal, am 12.3., kann man also unbesorgt kommen.

    Ich war trotzdem recht froh, weil ich es tatsächlich geschafft habe, den neuen Kloß und Spinne Film fertigzubekommen und uraufzuführen – während der Berlinale, hey! Es handelte sich dennoch um eine Betaversion. Der Vorspann und ein Effekt fehlen noch. Ich hoffe, das schaffe ich diese Woche und dann landet er natürlich bei youtube und auf dem Schnipselfriedhof.

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    Tja. Schneeglöckchen halt.

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    Noch mehr Schneeglöckchen. Aber was zum Teufel hat Sanddorn an der Stillinge in Dessau zu suchen?! Boten des Klimawandels? Weiß der Sanddorn mehr als wir? Ahnter,  dass Sachsen-Ahnalt in wenigen Jahren Küstengebiet sein wird und sucht sich schon mal ein paar schöne Plätzchen?

    Ich finde ja eigentlich, dass die Ostseeküste gut da oben im Norden aufgehoben ist. Es wäre ein bisschen schade um Berlin und sehr schade um die Elb-Auen, wenn sie bis Dessau vorrücken würde. Die Elbauen bei Dessau und Rosslau samt dem Gartenreich Dessau-Wörlitz gehören zu meinen allerliebsten Weltlieblingslandschaften.

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    Das liegt zum Teil sicher daran, dass ich aufgrund meiner Vergangenheit ein bisschen prädisponiert bin:

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    Das ist nicht die Elbe, sondern die Mulde. In der Mulde liegt ein Radio. Das erinnerte erinnerte mich an eine Diskussion über die Todesstrafe, am Abend bevor ich dieses Foto schoss. Ich hatte vehement und wohl auch ein bisschen laut und betrunken gegen sie argumentiert, musste aber schon am nächsten Morgen zurückrudern: Für Frühstücksradiomoderatoren gilt diese Ablehnung nicht.

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    Der Schwan guckt sauer, weil er bemerkt hat, dass ich nicht auf ihn, sondern auf die irgendwie indianermäßig aussehende Ente links oben scharf gestellt habe. In Dessau ist was los! Sanddorn an der Stillinge, Indianerenten im Schillerteich!

    Lieblingsbild der Woche:

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    Das Bild hat mein Neffe Toni mir gemalt. Zu erkennen sind ich und zwei Roboter, desweiteren ein McDonalds und Bisonspuren. Die Tütchen auf dem Foto haben auch eine Geschichte, aber die geht euch überhaupt nichts an!

    Zugabe:

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  • Die Wahrheit über die Schweiz (und die EU)

    Die Schweizerinnen und Schweizer wollen keine Zuwanderung aus der EU. Und alle finden das schlimm. Dabei gibt es in Deutschland viele, die das selbe wollen, keine Zuwanderung, aus EU-Staaten. Oder sogar von noch weiter her. Es kommt hier bloß niemand auf die Idee, das Volk darüber abstimmen zu lassen.

    Was an dieser Haltung „Bloß nix rein lassen“ am meisten verblüfft, ist, dass genau die selben Menschen dann aber Familien stärken und Nachwuchs fördern wollen. Meist sind es Konservative oder Rechte und die wollen einerseits große Familien mit vielen Kindern, andererseits dichte Grenzen.

    Nun haben diese aber eines nicht bedacht: Fortpflanzung ist auch eine Art der Zuwanderung! Wie zum Teufel kann man einem Politiker, einer Partei oder einer Ideologie darin vertrauen, dass die sich schon gut um „unsere“ Kinder kümmern wird, wenn die andererseits kein Hehl daraus machen, dass ihnen jeder (neue) Bewohner des Landes eigentlich einer zu viel ist?

    Die DDR war da logischer. Die förderte das Kinderkriegen und versuchte mit allen Mitteln die Abwanderung aufzuhalten. Nicht, dass das gut war, aber es war wenigstens konsistent. Sie wollten eine große Bevölkerung und taten alles dafür.

    Ich bin damals ja auch quasi durch Niederkunft einer Verwandten ersten Grades in die DDR eingewandert. Durch einen Fluchttunnel im Becker meiner Mutter, unter Beteiligung einer Fluchthelferin aus dem Mutterschoß ins Vaterland gelangt. Hätte sich damals jemand dagegen aufgelehnt, ich muss sagen, ich wäre ihm heute rückblickend dankbar. Eine Geburt in – sagen wir mal – in der Schweiz wäre viel passender gewesen. Schon allein wegen der Schokolade.

    Ich weiß wovon ich rede, ich war ja schon mal in der Schweiz. Wer weiß, ob meine Kinder das jemals von sich werden sagen können, oder ob die Schweiz bald so abgeriegelt sein wird, wie Albanien unter Enver Hodxa. Oder Kambodscha unter Pol Pot. Die Koreanische Demokratische Volksrepublik unter Kim Il Sung.

    Ich war schon mal da. In der Schweiz. Und ich kann euch erzählen! Also diese Schokolade. Die Schweizer essen Schokolade schon zum Frühstück. Und zum zweiten Frühstück. Und zum dritten Frühstück. Zum Mittagessen. Und zum zweiten Mittagessen. Zum Kaffee am Nachmittag. Und zu den vier Abendbroten. Die Schweizerinnen stillen mit brauner Muttermilch. Mit Mutterkakao. Kein Wunder, dass die Schweizer keine Mahlzeit verpassen wollen. Das hat schon vor Jahrhunderten zu einer Blüte der Uhrmacherkunst geführt, die bis heute nicht welkt. Uhren, dafür ist die Schweiz berühmt, Uhren Schokolade und Käse. Käse ist im Prinzip gelbe Schokolade.

    Die Schweiz ist übrigens sehr teuer. Wenn ich sage, ich habe dort mein ganzes Geld für Schokolade ausgegeben, dann heißt das nicht viel. Die Schweizer selber haben wahnsinnig viel Geld. Weil nämlich Ausländerinnen, zum Beispiel aus Deutschland, ihr Geld in der Schweiz verstecken. Zum Beispiel Alice Schwarzer. Bei der klingt der Steuerbetrug ja schon irgendwie durch den Nachnamen durch. Die findigen Schweizer jedenfalls finden natürlich das versteckte Geld. Sie nehmen und behalten es. Und darum sind sie so reich. Natürlich möchten die eigentlichen Besitzer das Geld irgendwann mal zurückholen. Dann taucht unerwartet eine CD auf, mit Bankdaten, die eigentlichen Besitzer des Schweizer Geldes werden verhaftet und in Deutschland wegen Steuerhinterziehung eingekerkert. Die Schweizer lachen sich ins Fäustchen.

    Und wenn das nicht hilft, machen sie eben die Grenzen dicht.

    Sagen wir es doch, wie es ist: Die Schweiz behandelt EU-Bürger so, wie die EU Afrikaner!

    Natürlich versuchen trotzdem viele Europäer alles, um in die Schweiz zu gelangen. Fast täglich kentern Boote, die eigentlich gar nicht für eine so eine weite und gefährliche Fahrt gemacht sind, völlig mit verzweifelten EU-Bürgern überladen auf dem Bodensee. Die Unglücklichen, von denen die wenigsten das Schweizer Ufer trocken erreichen und von denen dann die meisten wieder zurück geschickt werden, haben vorher ihr gesamtes Vermögen an Schlepperbanden bezahlt. Sie haben wochen-, teilweise monatelang in riesigen illegalen Camps im Schwarzwald auf einen Platz in einem Boot oder wenigstens einen Stehplatz auf einer Luftmatratze gewartet. Viele haben sogar nur Schwimmflügel.

    Die wenigen, die es schaffen, die durchkommen, die müssen ohne gültige Papiere zu Niedriglöhnen auf den Almen schuften. Ständig bedroht von Verhaftung und Abschiebung. Und doch: Regelmäßig schaffen diese Menschen es trotz allem, mit der Post Schokolade in ihre Heimatdörfer zu schicken. Das gibt dort immer ein großes Hallo, wenn ein Paket ankommt. Das wiederum kennen einige sicher noch aus der DDR.

    Ich sag mal: Dafür bin ich ’89 nicht auf die Straße gegangen!

    (Andreas Krenzke)

  • Bilder der Woche 05/14: Schorlisierung und Steampunk-Orks

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    Hier ist es mir gelungen, einen der traurigsten Momente dieser Woche im Bild festzuhalten. Nie war ich der perfekten Runde bei „Quizduell“ näher …

    Seitdem bin ich schon froh, wenn ich auf ein Dutzend richtig beantwortete Fragen komme – obwohl ich im Prinzip außer in der Rubrik Sport alles weiß. Immerhin haue ich mir fast jedes Mal nachdem die richtige Antwort aufleuchtet vor die Stirn und sage: „Ach, na klar. Stimmt ja!“

    Mein Lieblingsfehler war bisher, dass ich auf die Frage „Was soll man tun, wenn die Haut mit Diwasserstoffoxid in Berührung kommt“ das Antwortfeld „Gründllich unter fließendem Wasser abwaschen“ anklickte.

    Und jetzt die Quizfrage: Was ist das: (mehr …)

  • Operation Meniskus – Episode 3: Die ganze Wahrheit über Poetry Slam

    Was bisher geschah:

    Ich reiße mir den Meniskus
    Der Arzt verschreibt Reizstrom und Teetrinken

    Einer der schlimmsten Auftritte meiner – wenn man es denn so nennen will – Karriere war eine Mixed Show in einem kleinen Theater irgendwo irgendwann mit irgendwem, Kabarettisten und Stand-Up-Comedians auf jeden Fall. Ich machte alles falsch, was man falsch machen konnte: Ich verzichtete auf FDP-Witze, erwähnte weder einparkende Frauen noch die aktuelle Staffel des Dschungelcamps, legte die Finger nicht wie Angela Merkel aneinander, mokierte mich nicht über Menschen, die im Zug Tablets benutzten, stellte keine beifallheischenden rhetorischen Fragen und las zu allem Überfluss meine Geschichten auch noch von einem Blatt ab.

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    Einigermaßen zerstört schlich ich nach meinem 7-Minuten-Auftritt in den Backstageraum zurück, wo mir ein Kollege scheinheilig auf die Schulter klopte.   (mehr …)

  • Operation Meniskus – Episode 2: Purgatorium

    Was bisher geschah: Ich reiße mir beim Bierholen in einer Fußpflegepraxis den Meniskus

    Am Wochenende schien es hoch hergegangen zu sein in Berlin, ein Aufstand der Mutigen gegen staatliche Bevormundung, administrative Beschützerinstinkte und grüne Erziehungsdiktatur. Das Wartezimmer der Praxis für Orthopädie und Unfallchirurgie war voll, überall standen Extremitäten in ungewöhnlichen Winkeln von den Wartenden ab, wenn sie nicht gleich in Frischhaltefolie oder Tupperdosen verpackt von verkrampften Fingern auf dem Schoß gehalten wurden. Vor mir am Empfangstresen stand ein Mann, der gerade aus dem Behandlungszimmer kam und sein Bein hinter sich her zog. Mit dem einen Arm, der ihm verblieben war. „Nein, nein, keine OP“, sagte er gerade zur Schwester. „Der Herr Doktor meint, wir probieren es erstmal mit Salbe und Reizstrom.“  (mehr …)

  • Operation Meniskus – Episode 1

    Gefahren lauern überall. Doch nicht umsonst heißt es: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Nie lebten Menschen sicherer und länger als wir Mitteleuropäer am Beginn des 21. Jahrhunderts. Die Sicherheit aber wird mit Unfreiheit erkauft. Wo es möglich ist, wird uns der Zugang zu den Gefahren verwehrt, wo nicht, sind wir erzogen, ihnen aus dem Weg zu gehen. Mit jeder erkannten Gefahr schrumpft unser Handlungsspielraum, bis wir in nicht allzuferner Zukunft unsere Tage dick eingemummelt in atombombensicheren Wattebäuschen fristen werden.

    Wer von uns hat noch selbst an vereisten Treppengeländern geleckt? Keiner. Denn wir wissen, dass es gefährlich ist. So wie wir wissen, dass man bei Gasgeruch nicht den Lichtschalter betätigt (und dass diejenigen, die sich für clever halten und stattdessen eine Kerze anzünden, sich selbst ebenso effektvoll wie effektiv aus dem menschlichen Genpool entfernen). Wir wissen, dass wir bei Gewitter nicht nackt auf einen Baum klettern und dem Wettergott mit einem langen Metallrohr drohen sollen – oft genug haben Mutti und Vati uns auf das schreckliche Schicksal unseres Großonkels Erwin hingewiesen, dem angeblich genau dies vor Stalingrad zum Verhängnis wurde. Wir werden uns hüten, in einer Moschee in Peschawar laut schmatzend Schweineschnitzel zu essen, insbesondere wenn wir zufällig eine betrunkene unverschleierte Frau im Bikini sind. Wir vermeiden es aus gutem Grund, als Fußgänger eine Autobahn oder sogar einen Fahrradweg zu betreten, stecken uns keine angezündeten Silvesterknaller in nicht dafür vorgesehene Körperöffnungen und lassen uns zu unserem eigenen Besten von Geheimdiensten abhören, damit wir nicht plötzlich zu Terroristen werden, denn Selbstmordattentäter leben gefährlich, fast so gefährlich wie Passivraucher, wie neuere Studien ergaben.

    Zigaretten, Plastetüten und Hochspannungsleitungen sind mit Warnhinweisen ausgestattet, wir tragen Fahrradhelme und Gurte; Flugzeugtüren sind sinnreich so konstruiert, dass wir sie nicht versehentlich öffnen können, wenn wir uns beim Toilettengang in der Tür irren. So gut wie niemand bekommt mehr Kinder, da wir uns ungeschützten Sex gar nicht mehr vorstellen können.

    Doch machem wird der Mutterinstinkt von Vater Staat zu viel, machem passt es nicht, dass man uns zu unserem Schutz in Zwangswattejacken steckt; weich und warm und fest geschnürt … Freiheit stirbt mit Sicherheit, rufen diese tapferen Menschen und steigen ohne Helm aufs Fahrrad, zünden sich mit Todesverachtung im Blick eine Zigarette an oder kündigen bei Lichtblick, um sich zukünftig wieder Atomstrom liefern zu lassen.

    Ich bin einer dieser Adrenalinjunkies, immer auf der Suche nach Fluchtwegen aus der Gummizelle des Beschützerstaates, bereit, jedes Risiko einzugehen und, wenn es nötig ist, den Preis dafür zu bezahlen. Und so stieg ich in einer lauschigen Sommernacht des Jahres 2012 auf der Suche nach einem Bier todesmutig durch ein Parterrefenster in eine medizinische Fußpflegepraxis in Friedenau ein und riss mir dabei den Meniskus. Wie genau es dazu kam, ist eine lange Geschichte und interessiert sicher niemanden. Wer näheres wissen will, findet bei vimeo mang diversen Basejump- und Parcoursvideos eine Slowmotion-Aufname der tollkühnen Aktion, denn selbstverständlich habe ich mit einer Helmkamera mitgefilmt.

    Leider haben die Büttel des bemutternde Obrigkeitsstaates das Video gefunden und die erwartbaren Konsequenzen gezogen: Seit dem 1.1.2013 ist die Lagerung von Bier in Fußpflegepraxen strengstens untersagt. Ein weiteres Schlupfloch ist geschlossen, noch ein Stück Freiheit gestorben.

    Im Laufe der Nacht ließ ich mir an der Verbindungsstelle zwischen linkem Ober- und Unterschenkel einen Kindskopf wachsen, sogar ein Gesicht glaubte ich in den interessanten Mustern des begleitenden Blutergusses zu erkennen, es war die hässliche Fratze des Glöckners von Notre Dame, zehn Tage nach seinem Tod.

    Am Montagmorgen rief ich ein Taxi, das mich zu einem Arzt fahren sollte.

    „Wie jetze? In die Rabommelstraße zum Ärztehaus?“, polterte der Taxifahrer, nachdem er mich eine Viertelstunde lang seelenruhig dabei beobachtet hatte, wie ich mich mit schmerzverzerrtem Gesicht die 10 Meter von meiner Haustür bis zum Taxi schleppte. „Dis is doch höchstens n Kilometer! Ich hab ne Stunde an der Taxihalte jestanden und jetzt hab ich meinen Platz in der Reihe uffjejeben für diesen Quatsch!? Dit sind doch höchstens 10 Minuten zu Fuß!“

    „Nicht für mich“, gab ich zu bedenken.

    „Mann, ey, dis kotzt mich an, denkt denn heutzutage jeder nur noch an sich? Eine Stunde ha ick an der Halte jestanden, ich wäre als nächster dran jewesen, ne schöne Fahrt nach Schönefeld oder wenigstens zum Hauptbahnhof, aber ich durfte den Auftrag von der Zentrale nicht ablehnen, Mannmannmann. Ich verdien eh schon nüscht und habs im Kreuz und Al Quaida hört unsere Emails ab, seit meine Frau in einer Moschee nackt mit Bockwürsten um sich geschmissen und , „Gott ist mir Wurst“ skandiert hat und die Kinder müssen teuren Spezialbrei essen, weil sie im letzten Winter an vereisten Treppengeländern geleckt haben, und der feine Herr lässt mich hier antanzen, um sich zum Onkel Doktor chauffieren zu lassen, wahrscheinlich zum Schönheitschirurg oder weil er ein neues Viagrarezept braucht, dafür bin ich 89 nicht auf die Straße gegangen!“

    Wortlos schob ich das Hosenbein meiner Shorts hoch und ließ ihn einen Blick auf meinen Kniemutanten werfen.

    „Oh“, sagte er und beruhigte sich etwas. „Bier geholt?“, fragte er. „In ner medizinischen Fußpflegepraxis?“ Ich nickte. Er nickte. „Na gut“, sagte er und fügte aus Gründen der Selbstachtung an: „Aber trotzdem.“

  • Dieser Artikel kann ihr Leben retten!

    Oder zumindest entscheidend verbessern! Oder wenigstens ein bisschen!

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    (Rügen. Neujahrsurlaub.)

    Zu meinen Vorstätzen für das Jahr 2014 gehört es, mehr für meine Mitmenschen zu tun, in dem ich sie zum Beispiel vor schlechten Dingen warne und sie auf gute Dinge hinweise, insbesondere, wenn es sich bei den guten Dingen um Dinge handelt, an denen ich beteiligt bin – als Beispiel sei hier Vor der Pause – nach der Pause, die übermorgen im Kookaburra startende Show von Andreas Krenzke bzw. Spider und mir, genannt. Doch dazu und zu den Fragen, was VdPndP eigentlich mit Kloß und Spinne zu tun hat und warum es mehr über den Leser als über die Show aussagt, wenn man statt „ndP“ „Npd“ liest, später mehr.

    Erst einmal Warnungen vor einem Film, einem Buch, einem ebook-Reader und einer Kaffeekanne, nebst einem kleinen Vorschlag, der die Welt schlagartig zu einem lebenswerteren Ort machen würde, zumindest für alle, die schlimm unter First-world-problems zu leiden haben.

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    Der Film, um den es mir geht, nennt sich „Inside Llewyn Davis“ und eigentlich ist er gar nicht mal so schlecht. Er ist nur auch überhaupt nicht gut, auch wenn alle Welt das behauptet. Man kann ihn sich ruhig angucken, wenn man zum Beispiel gemütlich auf der Couch einschlafen will, weshalb man ihn nicht im Kino gucken, sondern auf die DVD warten sollte. Er verbreitet gepflegte Langeweile und die Schauspieler sind schick angezogen. Das wars auch schon.

    Ach halt, da ist doch noch die Musik!
    Ach ja. Stimmt. Die Musik verbreitet gepflegte Langeweile und die Sänger sind gut angezogen (bis auf ein Quartett, das lustig angezogen ist). Leider werden alle Songs ausgespielt und das hätte nun wirklich nicht bei allen sein sollen, da sie ehrlich gesagt oft mehr als nur gepflegte Langeweile verbreiten.

    Aber ist der Film nicht total witzig?
    Nein. Na gut. Es gibt ein paar Späßchen. Lustige Pullover, wegge Katzen etc.  Beim Hauptwitz, dem, bei dem am lautesten gelacht wurde, schämte ich mich für das Publikum, das mit mir im Kino saß – eben weil es so laut lachte, dabei war der Gag (ja, genau, der Katzenzurückbringgag) so vorhersehbar wie … hm, mir fällt gerade nichts anderes ein, was derart vorhersehbar war, von der Sache mit den Tantiemen im selben Film vielleicht mal abgesehen.

    Und die skurillen Gestalten? In den Filmen der Cohen-Brüdergibt es doch immer so herrlich skurille Leute?!
    Ja. Stimmt. Es gibt skurille Gestalten. So what?! John Goofdman halt mal wieder. Ansonsten: Fährst Du U-Bahn, kostet weniger Eintritt, kannst Du 120 Minuten skurille Leute gucken, nicht nur 105.

    Dass „Inside Llewyn Davies“ nicht einma richtig schlecht ist, unterscheidet ihn grundlegend von dem Buch „Invaders“ von Peter Ward, Piper-Verlag. Es wurde als witzige SF-Satire angepriesen und ich war neugierig, was sich in dem Bereich so tut. Außerdem klang die Grundidee ganz lustig: Ein totaler Verlierertyp bekommt ein Jobangebot: Er soll Touristen aus der Zukunft durch das London unserer Tage führen. Nun sind die ewigen Geschichten über Verlierertypen und Volltrottel, die dann plötzlich die Welt retten müssen zwar ziemlich ausgenuddelt, aber ich gab dem Buch eine Chance. Und bereute es schnell. Die Witze sind mau, einer der besseren geht so:

    „In ein paar Minuten müsste er völlig wiederhergestellt sein.“
    „Da bin ich mir nicht so sicher. […] Dieser Typ hat es schon mal fertiggebracht, die ganze Zeit zu schlafen, als im Haus eingebrochen wurde.“
    „Na und? Die meisten Einbrecher sind schließlich sehr leise.“
    „Das waren die auch. […] Bloß dass sie das Bett gestohlen haben, in dem er schlief.“

    Wie gesagt, einer der besseren Gags, einer der wenigen, bei denen ich fast so gar ganz kurz mal gekichert hätte, wenn ich vorher einen Joint geraucht hätte und nebenbei eine Didi-Hallervorden-Show geschaut hätte, während mich jemand unter den Achseln kitzelt. (Dieser Satz hätte es locker auch in das Buch geschafft.) Also, irgendwie schon ein bisschen lustig und so. Was richtig stört sind die logischen Fehler und zahllosen größeren und kleineren Unplausibilitäten. Und wer jetzt meint, eine absurde Zeitreise-Satire müsste sich um Plausibilitäten, Logik und glaubwürdig agierende Charaktere nicht weiter scheren, heißt wahrscheinlich Peter Ward.

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    Als Kompott gibt es Sprachmerkwürdigkeiten, von denen ich vermute, dass man sie der Übersetzung anlasten muss. Zum einen wird ständig (wirklich ständig, mindestens auf jeder dritten Seite) davon gesprochen, dass der Held „Computerspiele macht“, gemeint ist aber, dass er sie spielt. Zum anderen tritt die Redewendung „den Laden dicht machen“ in bizarrer Häufung auf.

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    (Spooky Forest.)

    Wem das Buchallein nicht schlecht genug ist, dem sei empfohlen, es auf dem ebook-Reader Tolino shine zu lesen. Ich habe mir dieses Ding vor Kurzem gekauft. Seit einem Jahr habe ich einen Sony PSR 2, mit dem ich sehr zufrieden bin, einzig die fehlende Beleuchtung hat mich gestört. Auf Reisen landet man gelegentlich in Zimmern mit extrem scheißen oder nicht vorhandenen Nachttischlampen, weshalb ich auf dieses Feature nicht mehr verzichten wollte. Der Nachfolger von Sony hat leider immer noch keine Beleuchtung, der Kindle kam nicht in Frage und den Tolino schmeißen sie einem halt überallt hinterher. Als er herauskam hatte ich ihn mir schon einmal angesehen und verworfen, da er nicht einmal über Wörterbücher und eine Notizfunktion verfügte, doch diese Manken wurden inzwischen behoben und so schlug ich zu.

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    Eigentlich gibt es nur ein Problem, aber eins, dass ich für ein Ding, das ein Bucheresatz sein soll schon ziemlich gravierend finde: Man kann nicht vernünftig Blättern. Zum Umblättern tippt man mit dem Finger auf das rechte Drittel der Seite (eine Seite vor) oder auf das linke Drittel (eine Seite zurück). Klingt erstmal einfach, ist in der Praxis der totale Nerv. Zum einen erwischt man, gerade, wenn man das Gerät mit einer Hand bedient, gelegentlich das mittlere Drittel und landet im Menü. Zum anderen verblättert man sich ständig. Es dauert nämlich viel zu lange bis die neue Seite erscheint. Da die Umblätterdauer auch noch variiert, tippt man des öfteren ein zweites Mal, weil man denkt, er habe die erste Berührung nicht registriert, und wenn sich der Tolino endlich ausmert, blättert er gleich zwei Seiten weiter. Ganz davon abgesehen, dass man sowieso gelegentlich zwei- oder dreimal blättert. Und wehe, es gibt eine Fliege im Schlafzimmer. Kaum landet sie auf dem beleuchteten Tolino (und das tut sie früher oder später) ist die Seite weg.

    Der Sony PSR 3 mit der teuren Hülle, die eine Beleuchtung enthält, wäre vielleicht doch die bessere Wahl gewesen. Die Sony-Reader haben zwei sehr bequeme Hardware-Blättertasten. Natürlich sind sie auch per Touchscreen zu bedienen, man muss dann aber über den Bildschirm wischen, was sich erstens viel natürlicher anfühlt und zweitens vor unbeabsichtigtem Blättern bewahrt (das kriegt auch keine Fliege hin).

    Zu guter Letzt möchte ich vor Kaffeenmaschinenkannen wie dieser warnen:

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    Es wäre sicher übertrieben, zu behaupten, dass sie mir den Neujahrsurlaub auf Rügen komplett vermiest hat, aber die Tatsache, dass es unmöglich war, aus ihr einzugießen, ohne zu tropfen, setzte doch Morgen für Morgen eine kleine Dosis Ärgerhormone frei. Als ich mit in den weiten vorpommerschen Himmel gereckter Faust über den Bodden hinweg die Götter anrief und aufforderte, die Hersteller dieser Kanne zusammen mit den Tolino-Designern und -Programmieren mit einem Blitz vom Angesicht der Erde zu tilgen und in die tiefsten Tiefen des Hades zu verbannen, um sie dafür zu strafen, dass sie ihre mistigen Kackdinger entweder nie getestet oder aber in böser Absicht, mit irrem Grinsen, bösem Funkeln in den Augen händereibend auf eine arglose Menschheit losgelassen haben, merkte eine Freundin, die eigene leidvolle Erfahrungen in der Industrie gemacht hat an, dass die letztlich wahrscheinlich nichts dafür konnten. Als sie merkten, dass sie totalen Mist zusammenschustern, konnten sie es nicht mehr zugeben; das Prokjekt musste ein Erfolg werden, Teamdynamiken, die Angst um Bonüsse und Arbeitsplätze sowie Kommuikationsverzerrungen durch Hierarchien führten dazu, dass man sich selbst und gegenseitig in die Taschen log und irgendwann vielleicht selbst glaubte, man hätte ein brauchbares Kaffeegefäß oder Lesegerät gebaut.

    Wie schön die Welt sein könnte, wenn man Designer, Ingenieure und Programmierer zwingen würde, ihr Zeugs erstmal ein Jahr selbst zu benutzten, bevor sie es auf die Menschheit loslassen dürfen …

    Mein Kollege Spider schrieb mal eine Geschichte darüber, dass am 3.Oktober 1990 in Wirklichkeit die BRD der DDR angeschlossen wurde, und oft glaube ich, dass er recht hatte. Der Osten lebt.

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    Apropos Spider (gelungene Überleitungen sind das A und O guter Weblogartikel): Wie bereits erwähnt startet am Mittwoch unsere neue Show „Vor der Pause – nach der Pause“ im Kookaburra-Comedy-Club, Schönhauser Allee, U-Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz, und sie wird sehr gut, wobei ich hoffe, dass Spider und ich nicht das Selbstbetrugslevel der Tolino- und Kaffeekannendesigner erreicht haben.

    Ganz schlecht kann es schon allein wegen unseres Super-Sondergast-Starts nicht werden: Für die erste Show haben wir uns Sven van Thom von der Action-Lesebühne „Tiere streicheln Menschen“ eingeladen, einen unserer Lieblingsmusiker, er ist noch besser angezogen als die Llewy Davies und verfügt zudem über den Vorzug keinen langweiligen Folk zu spielen.

    Außerdem wird Wirt Norbert einen kleinen Gastauftritt haben und wenn alles gut geht, gibt es am Mittwoch die Vorpremiere der Rohfasssung der allerneuesten Kloß-und-Spinne-Folge. Aber das ist eigentlich alles noch geheim. Was man wissen darf, muss und vor allem will, hat Spider sehr schön im VorDerPause-Blog zusammengefasst.

    Kommt in Scharen und witterungsgerechter Kleidung!

    Nach der Pause – Vor der Pause

    Kookaburra Comedy Club , Schönhauser Allee 184, U-Bhf. Rosa-Luxemburg-Platz

    Mittwoch, 8.1.2014, 20.00 Uhr

    Eintritt: 8 Euro (glaub ich)

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    (Am Ende siegt die Natur!)

  • Novemberrückblick II – Fotoinferno

    Mensch, jetzt ist der November schon wieder vorbei, und mittlerweile habe ich schon soviel über den Dezember zu erzählen, dass ich das gar nicht mehr schaffe. Darum gibt es hier noch ein paar größtenteils unkommentierte Novemberfotos, die ich eigentlich bloß hier reinmache, damit ich sie endlich los bin, und in der heimlichen Hoffnung, damit das Internet endlich zum Überlaufen zu bringen  …

    Bayreuth – Eisbärfell und toter Christus (mehr …)

  • I love my new Bikini!

    Der erste Satz des ersten Artikels des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland lautet: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Ein toller Satz für eine Sonntagsrede – aber eine Katastrophe für einen Text der die Grundlage der gesamten Gesetzgebung eines Staates sein soll. Und so streiten sich denn auch Juristen und Philosophen über seine Bedeutung.

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    Die einen meinen, der Satz sei praktisch eine Tatsachenbehauptung. Die Würde sei dem Menschen naturgegeben, so wie dem Kreis die Zahl Pi oder der Masse die Gravitation. Sie könne ihm genausowenig genommen oder aberkannt werden, wie man das Gesetz der Einheit von Masse und Energie brechen könne. Da könnte also genausogut auch stehen: „Artikel 1: Die Lichtgeschwindigkeit ist unüberschreitbar.“ Das ist ziemlich lustig, denn wenn hier quasi ein Naturgesetz formuliert wird, bedeutet das, dass man sich um seine Einhaltung nicht kümmern muss. Was unantastbar ist, KANN nicht angetastet werden. Man bräuchte genausowenig einen Verfassungsschutz wie man einen Gravitationsschutz braucht, der bei plötzlich nach oben fallenden Äpfeln die Ermittlungen aufnimmt oder eine Einsteinpolizei, die Bußgelder bei Übertretungen der Lichtgeschwindigkeit verhängt.

    Wenn diese Interpretation zuträfe, würde ich dafür eintreten, den ersten Satz in e gleich m mal c Quadrat umzuändern, das wäre doch super, Deutschland hätte die nerdigste Verfassung der ganzen Welt.

    Eine andere Denkschule geht davon aus, dass es sich bei dem Satz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ in Wirklichkeit um eine besonders kräftige Forderung und nicht um eine Tatsachenbehauptung handelt. Der Satz würde also eigentlich meinen, dass die Würde des Menschen nicht angetastet werden darf. Dies führt nun allerdings zu einer lustigen Komplikation, denn nach dieser Interpretation hieße „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ nichts anderes als „Die Würde des Menschen ist eben doch antastbar“, sonst müsste man diese Forderung ja nicht aufstellen und den Staat nicht zu ihrer Durchsetzung verpflichten. Damit wiederum wäre gleich der erste Satz des Grundgesetzes ein Paradoxon und bedeutete das exakte Gegenteil, von dem, was dort scheinbar auf dem Papier steht. Da stellt sich natürlich sofort die Frage, was das eigentlich für alle anderen Grundrechte bedeutet, die ja alle auf Artikel 1 fußen. Heißt dass nicht, dass sie alle als ihr Gegenteil gelesen werden müssen?

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    Unheimlicherweise scheint diese Interpretation des ersten Artikels die vorherrschende Lehrmeinung zu sein.

    Ich möchte eine dritte Auslegung vorschlagen: Die Würde des Menschen ist unantastbar, weil: Was nicht ist, kann man nicht antasten. Um das deutlicher zu machen, würde ich den ersten Satz ein bisschen erweitern: „Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar und Meerjungfrauen werden nicht zu Fischstäbchen verarbeitet.“ Man könnte sogar noch ein Basta! dahinter setzen und, wie auch in der heutigen Fassung, als zweiten Satz „Sie – also die Würde sowie die Meerjungfrauen – zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“, und dann könnte man sich zurücklehnen und den Dingen ganz entspannt ihren Lauf lassen.

    Es reicht ein Spaziergang die Schönhauser Allee entlang und es wird klar, dass dies die sinnvollste Auslegung ist. Da gibt es wenig, was man mit Würde verwechseln könnte. Wer sich würdevoll gibt, leidet bei genauer Betrachtung nur unter schlimmen Egoblähungen, alle anderen scheinen ganz froh damit zu sein, wenn sie auf alles verzichten können, was gegebenenfalls antastbar wäre.

    Es ist beispielsweise verboten, Menschen gegen ihren Willen in alberne Kostüme zu stecken und dazu zu zwingen, auf der Straße ahnungslose Passanten anzuspringen und ihnen irgendwelche Flatrateangebote entgegenzukreischen, aber hey, die Leute haben sich schließlich um den Job beworben! Wenn sie für ein paar Euro die Stunde auf ihre Würde verzichten, bloß weil sie Essen und Wohnen und Leben wollen, dann: Bitte schön! Soviel scheint ihnen ihre Würde ja nicht wert zu sein. Oder anders herum: Etwas, das man für so ein bisschen Geld freiwillig aufgibt, kann gar nicht erst Würde genannt werden.

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    (So slim nun auch wieder nicht.)

    Oder nehmen wir Junggesellenabschiede. Nein, sie sind kein Verstoß gegen die Menschenwürde, sie sind ein Beleg für ihre Nichtexistenz, auch hier wird nichts angetastet, zumindest nichts, was laut Grundgesetz nicht begrapscht werden darf, denn da ist nichts.

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    (… aber es kommt noch slimmer …)

    All diese Gedanken machte ich mir eines schönen Sommertags in der Bayreuther Fußgängerzone, als ich einen Kaffee trank und zwei alte Damen mit Rollatoren an mir vorbeizuckelten. Nette Omen in klassischer Ausführung, leicht gebeugt, Dauerwellen, eine hatte sogar diesen niedlichen Violettstich im weißen Haar; Frauen, die noch gelernt hatten, wie man Hühnerfrikassee kocht, Streuselkuchen bäckt und den ganzen Dreck wegräumt, wenn die Männer mal wieder das ganze Land in Schutt und Asche gelegt haben. Ein Anblick, der die Seele gewärmt und mich mit der Menschheit versöhnt hätte, wären sie nicht gerade aus einem Kaufhaus gekommen, dessen Marketingabteilung sich etwas ganz besonderes hatte einfallen lassen, um im Sommer den Absatz anzukurbeln. „Lasst uns frisch-freche Sprüche auf die Tüten drucken!“, hatte wohl jemand gerufen und alle hatten gejubelt.

    Und so schoben diese beiden Frauen im vielleicht letzten Sommer ihres Lebens in den Ablagen ihrer Rollatoren Tüten vor sich her, auf denen groß die Slogans „Hot Pants For Hot Days“ und „I Love My New Bikini“ prangten, und ich wurde sehr traurig. „Würde“, so dachte ich mir, „würde“ wird klein geschrieben und ist ein Konjunktiv …

  • Not-To-Do und Känguruh

    Definitiv auf meiner Not-To-Do-Liste steht der Punkt „Ideen klauen“. Und nun stellte sich heraus, dass es Spinnes bzw. meine Idee von der Not-To-Do-Liste schon längst gab. Geklaut habe ich sie trotzdem nicht.

    Ehrlich gesagt: Ich habe, als ich die Kloß-und-Spinne-Folge schrieb schon damit gerechnet, nicht der Erste zu sein, der auf diesen Gedanken kommt. Es liegt ja schon ein bisschen auf der Hand. Ich habe mich dann bewusst dagegen entschieden, nach dem Begriff zu googlen, weil ich Angst hatte, dann keine Lust mehr zu haben, den Film zu machen.

    Prompt kamen kurz nach Veeröffentlichung die ersten Kommentare, die klar machten, dass die Angst begründet war. Dass es ausgerechnet Marc-Uwe Klings Känguruh war, das schon lange vor Spinne Not-To-Do-Listen anlegte, war einerseits sehr gut, andererseits sehr doof. Gut war es, weil ich Marc-Uwe anrufen konnte und er mir sagte, dass er kein Problem damit hat. Doof war es, weil ich nicht hundertprozentig ausschließen kann, dass ich diese spezielle Känguruh-Folge schon einmal gehört habe. Ich kann mich nicht daran erinnern, und das Känguruh-Manifest, in dem sie ebenfalls vorkommt, habe ich im Gegensatz zu den Chroniken noch nicht gelesen. Aber vielleicht hat er den Text bei einem der (leider seltenen) gemeinsamen Auftritte in den letzten Jahren ja doch vorgelesen, ich habe ihn vergessen, doch im Unterbewusstsein hat er sich festgesetzt und ist nun als eigene Idee verkleidet wieder vorgekrochen …

    [youtube=http://www.youtube.com/watch?v=DV6nSnEqxI0]

    Aber da ich Marc-Uwes Okay habe, mir durchaus zutraue, von alleine auf die Idee gekommen zu sein und zudem die Umsetzung und Ausführung eine andere ist, mache ich mir da jetzt weiter keine Gedanken drum.

    Mittlerweile habe ich übrigens nach der Not-To-Do-Liste gegoogelt und jede Menge Treffer gefunden. Darunter sind grusligerweise sehr viele Links zu genau den Selbstoptimierungsfaschisten führen, denen das Känguruh und Spinne eins auswischen wollten. Da soll man Listen führen mit Dingen, die man sich vornimmt nicht zu tun, weil sie einen von Arbeit und Erfolg abhalten …

    Das hier hab ich übrigens im Schnipselfriedhof-Archiv gefunden und fands hübsch:

    Google ist aller Gedanken Ende. Alles schon mal dagewesen. Nicht nur alles schon mal gedacht. Auch schon alles fleißig ins Internet reingeschrieben.
    Hab ich gedacht: Goethe hatte es gut. Der hatte noch kein Google. Hat einfach frei von der Leber weg geschrieben. So Sachen wie “Das also war des Pudels Kern”. Hätte er’s bei Google eingegeben, hätte er 155.000 Treffer gefunden, mit Schreiben aufgehört und aus.
    Ich hab ja leider Google. Kann ich also meinen Kopf zu machen und alle Gedanken als Gebrauchtwaren bei Ebay versteigern. Werd ich wahrscheinlich feststellen, dass diese Idee auch schon andere hatten und dass der Gebrauchtgedankenmarkt total gesättigt ist.

    Hab ich gedacht (wahrscheinlich nicht als erster): Halt! Gib nicht auf! Du kannst das schaffen! Du denkst Dir jetzt einen Satz aus, den es noch nicht gibt! Hab ich drei Stunden oder so unter der kalten Dusche überlegt (Warmwasser gibts grad nicht) und präsentiere hiermit Stolz das Ergebnis:

    “Benutzte Gedanken hüpfen in meinem Kopf herum wie aufgescheuchte Hühner und kacken alles zu.”

    Naja. Wie sagte der Kellner, als er mir gestern in der Kneipe eine neue Kerze brachte? “Hier hast Du noch ein kleines Licht.” Hab ich mir “das kleine Licht” angeguckt und gedacht: Na super. Gleich und gleich gesellt sich gern …

    (Schnipselfriedhof vom 24.8.2006)